Dank dieser Folge weiß ich jetzt, was mich aktuell an der Serie stört, auch wenn es ein zwiespältiger Eindruck ist.
Ein ziemliches Unbehagen
Im Jahr 1920 wächst ein kleines Mädchen in Broxton, Oklahoma auf. Es hat einen brillanten Verstand, der allerdings von ihrer Umgebung nicht gewürdigt wird. Da sie weiblichen Geschlechts ist, kann sie nicht auf die Universität. Weshalb es sie, als sie erwachsen ist, nach Hollywood verschlägt. Wo sie von einem Talent-Agenten entdeckt wird und zu Whitney Frost (Wynn Everett) umgetauft wird. Parallel dazu, im Jahr 1940, steht Peggy Carter (Hayley Atwell) vor dem schönsten Moment ihres Lebens. Sie ist verlobt und will bald heiraten. Sie erhält jedoch auch das Angebot, einer geheimen Regierungsorganisation beizutreten, lehnt allerdings zunächst ab. Ehe dann ein tragischer Tod ihre Meinung umändert.
In der Handlungsgegenwart entführen Peggy und Jarvis (James D’Arcy) Rufus Hunt, einem Auftragsmörder des Rats der neun. Sie schaffen es, unter anderem auch dank der Hilfe von Daniel Sousa, mehr Infos über die Organisation zu erhalten. Doch als sie zuschlagen wollen, taucht Vernon Masters (Kurtwood Smith) auf und bremst sie aus. Allerdings lassen sie sich davon nicht abhalten und beschließen, Rufus Hunt (Chris Browning) zu verwanzen und freizulassen.
Ich bin mit der aktuellen Season von Agent Carter nicht sonderlich glücklich. Einen Teil der Ursachen habe schon in den Rezis der vorherigen Folgen begründet. Doch mit dieser Episode, mit Was immer du willst, ist mir schlagartig klar geworden, dass mein Unbehagen über die Reihe noch einen ganz anderen Grund hat.
Glückliche und merkwürdige Zeiten
Es ist jetzt nicht so sehr dieses, in meinen Augen, unnötige Liebesdreieck, bei dem überhaupt keine Chemie zwischen Peggy und Jason Wilkes aufkommt. Es ist auch nicht die Tatsache, dass das aktuelle Setting sehr viel von dem entfernt, was die erste Staffel ausmachte. Es ist vielmehr die Darstellung von Peggy Carter an sich, die mich stört.
Ich habe oft genug das Gefühl, dass Peggy im Vergleich zur ersten Season abgeschwächt wurde. Dass sie nicht mehr die starke Frau ist, die sie in jener Staffel noch war. Sehr viele der wichtigen Entscheidungen werden eher dadurch angestoßen, dass sie von einem Mann auskommen. Das merkt man vor allem in der Rückblende, wo man eine Peggy kennenlernt, die sich von der Person, wie man sie bislang kannte, enorm unterscheidet.
Diese Peggy ist ein normales Mädchen jener Zeit. Glücklich, dass sie verlobt und demnächst heiraten wird. Die einen Vorschlag zum Beitritt in eine Agententätigkeit ablehnt, eben weil sie ja in den Bund der Ehe eintritt und dann sowieso mit dem Arbeiten aufhört. Die sich gefühlt nichts traut, ohne auf eine starke männliche Stimme zu hören. Wobei es auch darauf ankommt, was diese sagt. Wenn beispielsweise ihr Bruder ihr sagt, dass sie das Angebot annehmen soll, so lehnt sie es empört ab. Und erst mit seinem Tod, ändert sich ihre Einstellung.
Ein bewusster Kontrast
Jetzt ist es allerdings auch so, dass diese Rückblende bewusst so präsentiert wurde. Dass es ein bewusster Kontrast ist, zu der Vergangenheit von Whitney Frost. Wo in Peggys Fähigkeiten Vertrauen gesetzt wird, ist es bei ihr anders. Sie, die eindeutig hochbegabt ist, kann ihre Begabung nicht umsetzen, weil man sie nach ihrem Geschlecht beurteilt. Und am Ende kriegt sie einen Job nicht wegen ihrer Intelligenz, sondern wegen ihres Aussehens.
Dieser Kontrast wiegt meine ursprünglichen Bedenken etwas auf, wenn auch nicht viel. Weil sich einfach in der restlichen Handlung zeigt, dass Peggy an vielen Stellen auf männliche Hilfe angewiesen ist. Was gelinde gesagt irritiert.
Nicht, dass der Rest der Folge deswegen schlecht ist. Sie hat viele Highlights. Man sieht, wie Whitney mit ihren Kräften experimentiert, wie sie lernt, diese bewusst einzusetzen. Derweil Vernon Masters sich als lächelndes Arschloch präsentiert, der sicherlich noch für den einen oder anderen Kopfschmerz sorgen dürfte.
Es ist am Ende keine schlechte Episode. Aber gleichzeitig ist es eine, die klar macht, dass die zweite Season momentan im Vergleich zur ersten nicht ganz mithalten kann.
Info
Drehbuch: Sue Chung
Showrunner: Tara Butters, Michele Fazekas & Chris Dingess
Regie: David Platt
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