Auf Decornum treffen die menschlichen Kolonisten auf heftigen Widerstand.
Das Szenario
Eine japanische Kolonialflotte hat sich auf dem Mond des Planeten Decornum eingerichtet. Den Planeten selbst konnten die Menschen bisher nicht besiedeln, da ein Teil der Einheimischen äußerst aggressiv auf die Eindringlinge reagiert. Obendrein sind die Aliens nicht ganz so primitiv und haben Schutzschilde. Dies trifft jedoch nur auf die Dominanten zu. Die Mehrheit der Planetenbevölkerung besteht aus physisch unterlegenen Knechten, die keinerlei Technologie besitzen und noch mit Speeren jagen. Diese Gruppe sieht in den Menschen potentielle Befreier und so versuchen die Kolonisten, sie auf ihre Seite zu ziehen.
Keito Abe, der zuweilen ein Problem mit der Befehlskette hat und nur von seiner Partnerin Atsuka vor dem Standgericht bewahrt wird, soll zu diesem Zweck ein Dorf infiltrieren. Getarnt als Einheimischer mit Namen Ketoruq lernt er die Kultur der Knechte kennen und nimmt an einer Jagd teil. Doch die Dominanten treffen zwei Tage zu früh ein, um ihren Tribut einzutreiben. Da das erlegte Tier noch nicht verarbeitet ist, fordern sie einen Sohn des Dorfes als Opfer. Als dessen Vater sich wehrt, metzeln sie ausnahmslos alle nieder.
Lediglich Keito und dessen einheimischer Freund Qamaq werden als Gefangene mitgenommen, da sie schon zuvor in einem Käfig gelandet sind. In der Stadt der Dominanten erfährt Keito, wie sich die geschlechtslosen Mutanten vermehren. Die Knechte werden nicht einfach ihrer Gottheit Toxoë geopfert, sondern sie müssen das Blut der Dominanten trinken. Die meisten sterben daran, doch einige mutieren dadurch zu Dominanten. Damit steht diesen ein nahezu unerschöpflicher Vorrat an neuen Kriegern zur Verfügung.
Entgegen ihrer Befehle bricht Atsuka zu einer Rettungsmission auf und befreit Keito sowie Qamaq, bevor diese das Blut trinken müssen. Auf der Mondbasis wird Qamaq an irdischen Waffen ausgebildet, bis er mit ansehen muss, wie Angehörige seiner Spezies als Gefangene ankommen. Bei dem Versuch, sie zu befreien, wird er erschossen. Sein entsetzter Freund Keito findet heraus, dass Colonel Teru genetische Experimente an den Knechten durchführt, obwohl die Kaiserin dies zuvor noch untersagt hatte.
Viel bringen die Experimente jedoch nicht, sodass ein anderer Plan gefasst werden muss, die Dominanten auszuschalten. Diese beziehen ihre Stärke scheinbar über sieben Kondensator-Türme aus dem Magnetfeld des Planeten. Diese Türme sollen nun zerstört werden. Atsuka und Keito brechen mit ihrem Trupp zu einem der Kondensatoren auf und Abe schafft es tatsächlich mit seiner Bombe bis in den Kern. Dort trifft er auf einen Wächter, der mit der Maschine verschmolzen ist.
Vom Wächter erfährt der Mensch, dass einst eine raumfahrende Spezies den Planeten stabilisierte und in eine fruchtbare Welt verwandelte. Sie schufen außerdem die Knechte, doch eine Mutation in den Genen der Schöpfer führte zur Entstehung der Dominanten. Schließlich verließen die Schöpfer den Planeten und hinterließen eine brutale Gesellschaft, in der die Dominanten die Knechte unterdrücken. Doch diese ziehen nicht etwa ihre Kraft aus dem Planeten, sondern der Planet seine Kraft aus ihnen. Die Zerstörung der Kondensatoren würde das Magnetfeld zusammenbrechen lassen und Decornum unbewohnbar machen.
Keito bricht seine Mission daraufhin ab, doch den anderen sechs Einsatzteams gelingt die Zerstörung aller anderen Türme. Die Einheimischen sind damit zum Aussterben verdammt und die menschlichen Kolonisten müssen weiter ziehen. Nur Keito bleibt zurück, um seine letzten Tage unter einem freien Sternenhimmel zu verbringen, wie einst sein Großvater, der ihm als ehemaliger Kriegsgefangener den Wert der Freiheit beibrachte.
Rezension von Decornum
Im Gegensatz zu den ersten zwei Bänden kommen die menschlichen Siedler diesmal nicht gerade erst in ihrer neuen Heimat an, sondern haben bereits eine Basis auf dem Mond ihrer zukünftigen Heimat aufgebaut. Auf Decornum selbst konnten die Japaner bisher keinen Fuß fassen, da ihre Vorposten von den dominanten Einheimischen platt gemacht wurden. Die liegen in ihrer technologischen Entwicklung zwar ein Jahrtausend hinter der Menschheit zurück, haben aber bereits Schutzschilde, die einen offenen Krieg bei knappen Ressourcen unmöglich machen.
Die Kolonisten versuchen daher, die auf Steinzeitniveau lebenden Knechte der Dominanten auf ihre Seite zu ziehen. Zu diesem Zweck werden Kundschafter ausgesandt, die spezielle Anzüge tragen, um wie die Einheimischen auszusehen. Da diese blau sind, erinnert das stark an die Avatar-Filmreihe. Die Sprachbarriere scheint inzwischen überwunden zu sein und da einige Eingeborene wie Qamaq über die Menschen ohnehin Bescheid wissen, erscheint die Heimlichtuerei unnötig. Zumal die Knechte in den Menschen Hoffnungsträger sehen.
Dafür haben sie gute Gründe, denn die Dominanten behandeln sie wie Sklaven und wenn jemand Widerstand leistet, werden gleich ganze Dorfgemeinschaften ausradiert. Die Gefangenen, die als Opfer für die Gottheit Toxoë mitgenommen werden, landen aber nicht wie erwartet auf dem Altar. Vielmehr opfern die Dominanten-Priester einen der Ihren, um die Knechte dessen Blut trinken zu lassen. Das führt in den meisten Fällen zu tödlichen Mutationen, aber aus einigen Knechten werden dadurch neue Dominante.
Hier gibt es leider ein paar Logikfehler. So verlaufen die Mutationen in Sekundenschnelle, was wenig wissenschaftlich wirkt. Was genau einige zu Dominanten transformieren lässt und warum die Mehrzahl den Prozess nicht überlebt, bleibt dabei völlig offen. Es soll irgendwas mit einem mutierten Gen der Schöpfer zu tun haben, das muss als Erklärung reichen. Völlig unerklärlich ist derweil, warum die transformierten Knechte ebenso charakterlich zu brutalen Dominanten mutieren? Da die Intelligenz und das Erinnerungsvermögen von dem Prozess unbeeinflusst bleiben, müsste es doch zumindest einige geben, die sich gegen das Regime auflehnen.
Noch unsinniger sind schlussendlich die Kondensatoren, welche den Einheimischen Energie abziehen, um damit den Kern des Planeten anzutreiben, damit dieser sein Magnetfeld nicht verliert. Wie soll das funktionieren? Und warum stirbt der Planet nur wenige Monate, nachdem die Japaner sechs der sieben Türme zerstört haben? Mal davon ausgegangen, dass die Schöpfer den erkalteten Planeten wieder aufgeschmolzen haben, sollte er nicht so schnell wieder abkühlen und der Kern nicht sofort zum Stillstand kommen. Immerhin ist Decornum doppelt so groß wie die Erde und sollte daher sogar länger brauchen, um zu erkalten.
Das alles ergibt wenig Sinn und der Energietransfer, von dem die Menschen anfangs glauben, er funktioniere umgekehrt und die Kondensatoren würden die Herzen der Dominanten verstärken, liest sich wie pure Esoterik. Dagegen waren selbst die Telepathie und Pyrokinese im ersten Band noch halbwegs wissenschaftlich. Leider wird es von Mal zu Mal wirrer und im dritten Teil wird nun schon die Grenze zum Fantasy-Genre überschritten.
Immerhin der Plot um die Schöpferspezies ist ganz interessant, zeigt dies doch, dass die Menschheit nicht die am höchsten entwickelte Spezies ist und schon andere Sternenvölker lange vor den Erdlingen andere Planeten kolonisiert haben. Bei dem Versuch, Decornum zu erobern, scheitert die Menschheit außerdem erstmals in dieser Comic-Reihe. Sie bringen es sogar fertig, ihre neue Heimat schneller zu zerstören als die Erde.
Die japanischen Kolonisten werden dabei als diktatorische Gesellschaft charakterisiert, in der formell eine Kaiserin das Sagen hat, aber das Militär durchaus Alleingänge wagt, wie bei den grausamen Experimenten an den Knechten. Bei der aktuellen Entwicklung Japans ist eine solche Zukunftsvision keineswegs gänzlich unwahrscheinlich. Zuletzt haben zwei Drittel der Japaner eine rechtsnationalistische Regierung gewählt, die immer noch Kriegsverbrecher des 2. Weltkriegs als Helden feiert und den in der Verfassung festgeschriebenen Pazifismus untergräbt, indem sie das Land wieder zunehmend militarisiert.
Kein Wunder, dass sich Keito auf seiner letzten Mission vorkommt, wie ein Kamikaze-Pilot. Immerhin wird er als Protagonist der Geschichte positiv charakterisiert, da er von Beginn an Befehle infrage stellt und sich für die Knechte einsetzt. Die Erschießung seines Freundes Qamaq lässt das Fass schlussendlich überlaufen und er versucht, Atsuka mit Fotos von misshandelten Knechten auf seine Seite zu ziehen. Die Parallelen zu japanischen Menschenexperimenten an Chinesen während des 2. Weltkriegs sind mit Sicherheit kein Zufall.
Der Ursprung von Keitos Wertesystem geht auf seinen Großvater zurück, was in Rückblenden erzählt wird. In welchem Krieg dieser in Gefangenschaft war, wird leider nicht erklärt. Da der Comic in der Zukunft spielt, wäre er definitiv zu jung, um im zweiten Weltkrieg gedient zu haben. Der 3. Weltkrieg hat in den Rückblenden hingegen noch nicht stattgefunden. Spürbar sind lediglich die massiven Umweltprobleme, die der zweite Grund für den Aufbruch der Menschheit in den Weltraum sind.
Ähnlichkeiten zu Alien
Während Autor und Kolorist vom zweiten Band auch den dritten Teil übernommen haben, ist der Zeichner erneut ausgetauscht worden. Keine gute Entscheidung, denn grafisch ist die Reihe damit am Tiefpunkt angekommen. Okay, der Stil ist jetzt nicht total schlecht, aber bestenfalls Mittelmaß. Die Linienführung ist sehr unsauber, womit der Realismus der beiden Vorgänger flöten geht. Vor allem im Hintergrund gibt es z. B. auf Bergen nur noch wildes Gekritzel.
Kann die irdische Technologie – allen voran die Fahrzeuge – noch eigene Akzente setzen, hat man sich bei den Kondensator-Türmen der Dominanten schamlos beim Alien-Franchise bedient. Ein Flack-Geschütz sieht beispielsweise aus wie der Stuhl des Navigators aus den Raumschiffen der Konstrukteure. Im Turm selbst finden sich ebenfalls Giger-Elemente.
Weiterhin gibt es eine unnötige Nacktszene, in der Atsuka aus der Dusche kommt. Bei den Knechten sind die meisten Frauen ebenfalls oben ohne, wobei ihre Brüste recht menschlich aussehen. Man hätte sich zwar eine völlig abweichende Anatomie ausdenken können, aber wo blieben da die Schauwerte für die männliche Leserschaft? Das ist schon sehr durchschaubarer Sexismus.
Immerhin die Farbgebung bleibt annähernd auf dem hohen Niveau der beiden Vorgänger, wobei die Palette etwas blasser ausfällt. Die Rückblenden in Brauntönen zu halten ist natürlich ein künstlerischer Kniff, der an alte vergilbte Fotos erinnern soll.
Fazit: Es wird immer düsterer
Die grundsätzliche Prämisse von Band 3 ist eigentlich ganz interessant und jeden Teil mit einem eigenständigen Ausgang enden zu lassen, der ruhig auch mal düster sein darf, sorgt für Abwechslung. Leider gibt es zu viele unglaubwürdige Elemente in dieser Story, welche die Grenze zu Esoterik deutlich überschreiten. Der Zeichenstil ist okay, aber nicht herausragend, weshalb man mit dem Lesen schneller durch ist. Inhaltlich kann der Comic diesmal nicht mit dem Cover mithalten.
Info
Autor: Nicolas Jarry
Zeichner: Stéphane Crety
Farben: Oliver Héban
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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Warpskala
Warpskala-
Story5/10
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Zeichenstil6/10
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Kolorierung9/10
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