Es gibt sicherlich bessere Möglichkeiten, Geld zu sparen, als die Art und weise wie es hier geschehen ist.
Eine unnötige Wiederverwendung
Es ist in der Film- und Fernsehgeschichte nichts ungewöhnliches, dass manchmal Material aus früheren Werken oder Episoden wiederverwendet wird. Auch viele der frühen Star Trek-Serien haben gerne mal Material, wie beispielsweise diverse Planetenansichten, wieder verwendet, um etwas Budget zu sparen. Was ja kein Problem ist, so lange es wirklich so gut eingebaut wird, dass es nicht auffällt.
Leider ist dies bei Atlantis, der verlorene Kontinent nicht der Fall. Der Kinofilm, der heute vor 65 Jahren in die Kinos kam, bediente sich unter anderem bei Filmen wie dem Leinwandklassiker Quo Vadis. Allerdings auf eine Art und Weise, die nicht so gut gelungen ist. Doch dazu später mehr.
Die „Schuld“ an diesem Kinofilm muss man bei dem ungarisch-amerikanischen Regisseur George Pal suchen. Der hatte 1958 für MGM den Film Der kleine Däumling produziert und gedreht. Dieser war ein voller Erfolg und der Filmemacher verkündete seine Intention, weitere Werke für das Studio zu drehen. Was er daraufhin auch tat.
Probleme beim Hauptdarsteller
Und so drehte er in den folgenden Jahren diverse Fantasy und Sci-Werke, darunter auch Die Zeitmaschine aus dem Jahr 1960. Atlantis, der verlorene Kontinent sollte da nur das nächste Werk in einer ganzen Reihe an Werken sein. Für das Skript zeichnete sich Daniel Mainwaring verantwortlich, der sein Drehbuch auf dem Bühnenstück Atalanta, a Story of Atlantis von Gerald Hargreaves basierte.
Beim Cast gab es ein Problem mit dem Hauptdarsteller. Ursprünglich wollte George Pal den italienischen Sandalenfilm-Darsteller Fabrizio Mioni in der Hauptrolle casten. Doch dessen Arbeitsvisa lief leider ab und konnte nicht erneuert werden, weshalb er die USA noch vor Beginn der Dreharbeiten verlassen musste. Er wurde durch den Amerikaner Sal Ponti ersetzt, der auch das Pseudonym Anthony Hall hatte. Für ihn sollte dies die erste Hauptrolle sein.
Die weibliche Hauptrolle der Prinzessin Antillia sollte Joyce Taylor übernehmen, während John Dall General Zaren, den Hauptantagonisten darstellen sollte. Für William Smith, als Chef der Wache, sollte es eine weitere Schurkenrolle sein, derweil Edward Platt als Azar der Hohepriester eine der wenigen guten Atlantis-Bewohner schauspielen sollte. Für Frank de Kova reichte eine Augenklappe und ein Bart aus, um den Astrologen Sonoy zum Leben zu erwecken. Und der französischstämmige Edgar Stehli konnte als der arglose König Cronus überzeugen. Nicht unerwähnt bleiben sollte auch Paul Frees sein, der das Openinng und Outro sprach und dafür, was für damalige Zeiten ungewöhnlich war, in den Credits gelistet wurde.
Wieso?
Der griechische Fischer Demetrios und sein Vater retten eines Tages die atlantische Prinzessin Antillia, die ohnmächtig und hilflos in einer Nussschale über das Meer schwimmt. Doch das royale Oberhaupt zeigt sich nicht sonderlich dankbar, sondern lehnt alles ab, was die anderen ihr anbieten. Dennoch gelingt es ihr, Demetrios zu verführen und dazu zu bringen, dass er mit ihr nach jenseits der Säulen des Herakles segelt, was für ihn das Ende der Welt ist. Doch kaum haben sie diese durchquert, werden sie von einem Uboot abgefangen, dessen Besatzung die Prinzessin freudig empfängt. Demetrois hingegen wird als Dank versklavt.
Atlantis selbst steht vor einer Art Zeitenwende. Lange Zeit hat es mit Sklavenkräften spezielle Kristalle abgebaut, die Sonnenenergie speichern können. Dank seiner Arroganz hat es diese in eine Art Waffe umgewandelt und ein Großteil der Mächtigen hat vor, damit den Rest der Welt zu unterwerfen. Doch gleichzeitig häufen sich die Anzeichen einer kommenden Katastrophe. Viele Tiere scheinen die Insel zu verlassen. Was nur dem Hohepriester auffällt, dessen Stimme der Vernunft jedoch ungehört verhallt. Alles deutet auf eine große Katastrophe hin, die alles vernichten wird.
Man fragt sich beim Schauen von Atlantis, der verlorene Kontinent wirklich, was George Pal da geritten hat. Einerseits hat der Film für damalige Verhältnisse durchaus beeindruckende Special Effects. So ist beispielsweise der Kampf Demetrois gegen einen Oger von Menschen von Feuer und Wasser gekennzeichnet, auf eine Art und Weise, die sich noch heute sehen lässt. Auch die Animationen am Anfang und am Ende sind gut geworden.
Schlampige Arbeit
Nur um dann über diese „geliehenen“ Szenen aus anderen Filmen zu stolpern. Die noch dazu sich so offensichtlich mit dem originalen Kinofilm beißen, dass man sich wirklich fragt, ob hier überhaupt aufgepasst wurde. Als Beispiel sei der eben erwähnte Arenakampf von Demetrios zu nennen, wo man in einer Einstellung eine deutlich römische Kulisse sieht, mit Legionären. Die dann aber im eigentlichen Film nicht auftauchen. Und das ist leider kein Einzelfall, sondern die Norm. Wiederholt gibt es solche Klopser, die schlampig wirken.
Nicht, dass der Rest des Films irgendwie besser ist. Er ist ganz nett, aber mehr auch nicht. Stellenweise stellt er sich leider selber ein Bein, in dem er für unfreiwillige Lacher sorgt. Sei es ein übertrieben pathetischer Monolog des Hohepriesters Azar, bei dem sich ein Kichern kaum vermeiden lässt. Oder der spektakuläre Untergang Atlantis am Ende des Films, dessen Wirkung durch einige merkwürdige Geräusche vollkommen unterminiert wird.
Es ist wirklich dieses Nebeneinander von wirklich grandioser und dann auch wiederum schlampiger Arbeit, die am Ende dafür sorgt, dass der Gesamteindruck leidet. Es ist absolut unklar, wieso das bei der Postproduktion durchgegangen ist. Ob George Pal nicht bei der Sache war oder sonst wer nicht aufgepasst hat.
Holzhammer lässt grüßen
Wobei man fairerweise auch sagen muss, dass die Geschichte an sich am Ende nicht überzeugen kann. Es gibt nette Ansätze, aber die Tatsache, dass hier teilweise bestimmte Entwicklungen mit dem Holzhammer herbeigeführt wurden, führt dann zu deutlichen Abstrichen. Damit ist noch nicht mal das widersprüchliche Verhalten von der Prinzessin Antillia gemeint, die mal die hochnäsige Tochter des Königs spielt, nur um dann kurz darauf um das Leben von Demetrios zu fiebern und sich in ihn verliebt zu zeigen. Ohne dass man mitgekriegt hat, woher diese Entwicklung kommt.
Vielmehr ist damit gemeint, dass von Anfang an klar ist, wer gut und wer böse ist. Die Bösen tun eben böses, weil sie böse sind. Sie entwickeln Tötungsmaschinen und setzen den harmlosen König unter Druck. Oder führen Experimente durch, um Mensch-Tier-Hybriden zu züchten. Von Anfang wird einem eingehämmert, dass diese Leute nichts Gutes vorhaben, was auf Dauer dazu führt, dass die Figuren platt und klischeehaft wirken.
Nicht, dass Demetrios besser dargestellt wird. Er ist der Held, der Underdog, was man auch daran erkennen kann, dass er sich für andere einsetzt und einen großen Teil des Films mit halbnackten oder nackten Oberkörper durch die Gegend rennt. Damit man einen guten Blick auf seine Fitness sehen kann. Sal Ponti versucht sein Bestes, um mit dem ungenügenden Material das Unmögliche möglich zu machen. Wäre er ein besserer Schauspieler, hätte er es vermutlich durchaus geschafft. Aber es ist kein überragender Darsteller. Er ist am Ende Durchschnitt.
Am Ende ist es dieses Nebeneinander aus großartiger Arbeit und schlampigen Momenten, die dafür sorgt, dass er im Prinzip durchschnittliche Film nicht überzeugen kann.
Info
Regie: George Pal
Drehbuch: Daniel Mainwaring
Produktion: George Pal
Musik: Harold E. Wellman
Kamera: Russell Garcia
Schnitt: Ben Lewis
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