Diese Episode zeigt sehr schön, wie schwierig es sein kann, eine Vorlage gut zu adaptieren.
Keine einfache Arbeit
Das Team Avatar kampiert, als Sokka (Ian Ousley) mit der Ankündigung eines Wrestlingturniers in der nahe gelegenen Erdbändiger-Stadt ankommt. Er, Aang (Gordon Cormier) und Katara (Kiawentiio) besuchen dieses. Bei dem Turnier tritt auch ein blindes Mädchen (Miyako) an, das mit der Konkurrenz den Boden aufwischt. Es zeigt sich, dass dieses Mädchen diejenige ist, die Aang als Erdbändigerlehrerin suchen soll. Doch dann stellt sich heraus, dass sie die Tochter einer reichen Erdbändigerfamilie ist, die sie wegen ihrer Blindheit in Watte packt und ihr alles verbietet, was für sie in ihren Augen gefährlich sein könnte.
Unterdessen reist Zuko (Dallas Liu) übers Land. Er erinnert sich an früher, an seine Kindheit und an seine letzten Erinnerungen an seine Mutter. Bis er einen Jungen in Not trifft, dem er hilft und der ihn zu seiner Familie bringt, wo der Prinz der Feuernation auf einmal so etwas wie Ruhe und Frieden findet. Doch die Idylle ist bald vorbei, als er erfährt, dass der Avatar sich in der Nähe aufhalten soll.
Es ist natürlich alles andere als einfach, wenn man eine Zeichentrickserie wie Avatar – Der Herr der Elemente adaptiert. Die Erwartungen ist dabei enorm. Und es dürfte nicht gerade wenige geben, die nichts anderes erwarten als eine 1:1-Adaption der Vorlage, wo jede Abweichung sehr kritisch gesehen wird. Auf der anderen Seite gibt es auch solche, die eine allzu sklavische Orientierung als nicht gut ansehen. Es ist natürlich unmöglich, beiden Seiten gerecht zu werden, aber man kann es mit einer zu lockeren Adaption auch übertreiben.
Aus zwei wird eins?
Das beste Beispiel hierfür ist Ein Kampf, der einmal begonnen hat. Diese Folge versucht, unter anderem aus Die Verfolgungsjagd und Der blinde Bandit eine zusammenhängende Handlung zu erschaffen und gleichzeitig auch etwas Eigenes hinzuzufügen. Doch das Ergebnis kann nicht überzeugen.
Es gibt gewisse gute Ansätze. So schafft es diese Folge, dass alle Figuren vorkommen und sich weiterentwickeln. Darunter auch Iroh und Tei-Lee, um mal ein paar Beispiele zu nennen. Das ist durchaus lobenswert.
Ebenso bemüht sich die Folge, Aspekte auszuarbeiten, die in der Zeichentrickserie nur am Ende gestreift werden. Darunter auch der extensive Rückblick in die Vergangenheit des flüchtigen Prinzen der Feuernation, der sich daran erinnert, wie die letzten Tage mit seiner Mutter und Azula waren.
Die Ursache für Traumata
Dieser Rückblick zeigt, wie sein Vater ihn als Kind behandelt hat und unter anderem keine Konsequenzen zieht, als Azula ihn schlägt. Was dann seine Mutter dazu bringt, eine Flucht mit ihren beiden Kindern zu wagen, die schiefläuft. Auf den letzten Drücker gibt sie ihnen noch ein paar Lektionen fürs Leben mit, ehe sie abgeführt wird.
Auf diese Weise wird verdeutlicht, woher die Traumata kommen, die Zuko mit sich herumschleppt. Und wieso er versucht, seinem Vater zu gefallen. Ebenso kriegt man hier den Ursprung seiner Rivalität mit Azula mit. Das ist großartig geworden.
Auch die Momente von Ruhe und Frieden, die Zuko bei der einfachen Familie erfährt, sind sehr gut geworden. Das gab es in dieser Art und Weise nicht in der Vorlage. Und es zeigt ebenfalls, wie sehr er trotz allem immer noch auf den Avatar fixiert ist, wenn er für diesen dieses idyllische Leben zurücklässt.
Da ist das Original besser
Doch dann gibt es Momente, wo man sich lieber das Original wünscht. Wo die Episode schon fast im Vergleich lahm wirkt.
Das betrifft unter anderem den Arenakampf, der in Sachen Spektakel längst nicht an das Original heranreicht. Toph wird hier zwar großartig eingeführt, aber sie ist hier nicht „der blinde Bandit“. Sie ist einfach nur jemand, der den Brocken herausfordert und dabei zu einem reinen, großspurigen Untergrundkämpfer verkommt.
Toph selbst wird von Miyako großartig dargestellt. In der Trickserie hatte man zeitweise das Gefühl, dass ihre Blindheit gerne mal vergessen wird. Nicht so in der Realserie. Hier wirkt sie glaubwürdiger und realistischer als in der Vorlage. Wobei ihre Fähigkeiten hier ebenfalls großartig dargestellt werden.
Es wirkt nicht glaubwürdig
Aber der gesamte Plot darum, ob sie jetzt die Lehrerin von Aang wird oder nicht, wirkt nicht glaubwürdig. Hier macht die Zeichentrickserie einfach einen besseren Job, diese Entwicklung darzustellen. Da rächt es sich dann auch, dass hier zwei Folgen genommen wurden, die im Original mit einiger Distanz zueinander gesendet wurden, weil jetzt bei der Adaption versucht wird, eine Entwicklung abzukürzen, die man besser nicht abkürzen sollte.
Hinzu kommt außerdem, dass Figuren auf einmal auftauchen, ohne dass deren Auftritt vorher aufgebaut wird. Vor allem beim – sehr lahm inszenierten – Endkampf, erscheint auf einmal Iroh, obwohl er die ganze Folge vorher nicht zu sehen war. Vermutlich wurde er nur deshalb eingebaut, weil er auch in der Vorlage auftauchte. Oder wie später auf einmal Tophs Mutter aus dem Nichts erscheint, um mit ihrer Tochter zu reden.
Am Ende sind das alles Aspekte, die dafür sorgen, dass diese Folge eher durchschnittlich wirkt. Hoffen wir, dass dies ein Ausreißer bleibt.
Info
Drehbuch: Phinneas Kiyomura
Showrunner: Christine Boylan, Jabbar Raisani
Regie: Jabbar Raisani
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