Warum werden Remakes und Reboots oft schon vor dem Release sehr argwöhnisch betrachtet?
In den Kommentarpalten von Filmseiten und -gruppen auf Social Media finden sich immer wieder Aussagen wie „Fällt denen denn nichts neues ein?“ oder „Kann nur schlecht werden.“ – und manchmal kommt auch ein „Hoffentlich kommt da nie ein Remake.“ – wenn gerade über einen Film gesprochen wird dazu.
Ich habe mir über diese Ablehnung Gedanken gemacht, möchte aber erstmal über Begrifflichkeiten reden.
Wir reden von einem REMAKE, wenn ein bestehendes Werk von Grund auf neu gemacht wird – bei Filmen wird also neu gedreht, Spiele werden neu programmiert, Musik neu aufgenommen und ein Roman neu geschrieben. Ein REBOOT ist im Prinzip das gleiche, nur das es hier um eine bestehende Reihe geht. Im deutschen sagen wir auch Neuverfilmung dazu, was leider den Kern nicht ganz trifft. Denn dies würde auch Comic- und Romanvorlagen mit einschließen, aber niemand redet von Remake oder Reboot, wenn ein neuer Batman-Film erscheint. Hier würde der Begriff Adaption oder Neuadaption viel besser passen. Denn viele Filme beruhen eben auf Romanen oder Comics. Wenn ein neuer Dracula-Film ins Kino kommt, ist dies kein Remake von irgendeinem Dracula-Film davor (außer, das neue Werk bezieht sich explizit darauf), sondern eben eine Neuverfilmung auf Grundlage von Dracula von Bram Stoker. Oder habt ihr schon mal gelesen, dass die Herr der Ringe Trilogie von Peter Jackson als Remake bezeichnet wird, weil es ja bereits eine Verfilmung gab? Oder sind die MCU Spider-Man Filme ein Reboot/Remake der Sony-Filmreihe?
Mitnichten – was man aber sagen kann: Amazing Spider-Man ist ein Reboot der Maguire-Trilogie. Sony hat damals eben einen Neustart gewagt und ignoriert die Vorgänger komplett. Klassisches Markenzeichen eines Reboots. Im Sinne dieses Artikels werde ich aber der Einfachheit halber beim Begriff Remake bleiben, warum wird euch sicher klar werden.
Und ein wenig geht es auch um neue Serien/Filme in bestehenden Franchises, aber das auch nur kurz und recht am Ende.
Woher kommt also diese Ablehnung?
Ich lese als Begründung da immer wieder die Ideenlosigkeit oder die Verschlimmbesserung einer Vorlage. So wird RoboCop von 2014 von Kritikern und Fans dafür gescholten, dem Original von 1987 nichts hinzuzufügen. Er sieht zwar moderner aus, bleibt aber in vielen Punkten hinter dem Original zurück. Unser Götz gab dem Reboot gerade mal 3 von 10 Punkten, während das Original auf 9 kommt. Bei IMDb sind es 6,1 und 7,6 – der Unterschied ist also nicht so groß, aber doch erkennbar.
Verschlimmbesserung könnte also hinkommen, das weiß man aber erst, wenn man den Film auch gesehen hat. Oft wird ein Remake aber schon bei der reinen Ankündigung zerrissen und bei manchen Filmen schreien Leute schon direkt, dass da bitte niemals ein Remake kommen soll, obwohl es nicht mal Gerüchte dazu gibt. Ist dies dann die Erwartung einer Verschlimmbesserung? Oder steckt da doch was ganz anderes dahinter?
Der Nostalgiefaktor
Neue Interpretationen eines Stoffes, den wir in jungen Jahren kennengelernt haben, lehnen wir oft ab. Denn die neuen Werke wecken nicht die gleichen Emotionen, die wir damals empfanden. Das ist aber auch kein Wunder, denn je nachdem, wie alt wir beim Original waren, war unsere Wahrnehmung eine ganz andere. So sind auch neue Synchronfassungen oft nicht besonders beliebt, da man ja mit der alten aufgewachsen ist. Bei Der Weiße Hai wurde z.B. eine neue Synchronisation angefertigt, da die alte Fassung nur in Mono vorlag. Für die DVD fast 30 Jahre später wurde dann eine in DTS-HD HR 7.1 angefertigt. Auf der BluRay von 2012 und allen Veröffentlichungen danach sind aber beide Synchronisationen zu finden.
Als ein neuer Film zu Die Fliege bei 20th Century Studios Ende 2024 ins Gespräch kam, wetterten Fans gleich gegen das Remake. Vielen Fans ist offenbar nicht bewusst, dass sie gerade das beste Beispiel gefunden hatten, dass Remakes auch gut sein können – denn Die Fliege von 1986 ist ein Remake des Films von 1958 – und dieser wiederum basiert auf einer Kurzgeschichte aus dem Jahr davor. Vom Projekt hat man nichts wieder gehört und es sollte nicht einmal ein Remake sein, sondern einfach nur ein neuer Film im gleichen Universum.
Viele Menschen, die heute Werke aus der Kindheit oder der Jugendzeit sehen (wir gehen davon aus, dass diese in den 80ern war) schauen sich diese an und fühlen sich zurückversetzt. Sie betrachten diese Werke wieder mit „jungen Augen“ und erinnern sich an Emotionen und bestimmte Ereignisse.
Die Erinnerung
Diese kann bekannterweise trügen und ich meine hier nicht, die Erinnerung aus dem obigen Punkt. Wir schauen die alten Sachen gar nicht nochmal an, manchmal auch einfach, weil sie gar nicht verfügbar sind. In unserer Erinnerung ist es aber das Tollste überhaupt, denn – wir waren in jungen Jahren einfach leichter zu beeindrucken. Bei uns war der Samstag irgendwann Pizzatag – denn da liefen die Turtles im TV. Ich kann mich nur an wenige Szenen und Sprüche erinnern, aber diese Erinnerung habe ich immer noch. Ich würde sie auch gerne noch mal sehen, aber zum streamen gibt es nicht alle Episoden – die ersten beiden Staffeln fehlen immer. Auch die „Gesamtedition“ auf DVD ist nicht wirklich komplett und die Discs sind auch nicht gerade billig. Für ein paar Folgen könnte ich bei PlutoTV reinschauen – aber da ich es nicht von Anfang an sehen kann, würde ich das lieber vermeiden. So bleiben mir nur Erinnerungen an Action Figuren, Pizza und eine tolle Zeit.
Veränderte Sehgewohnheiten
Damit sind sowohl unsere als auch die der Allgemeinheit gemeint. In den 80ern waren Frauen meist nur Beiwerk und wenn es in einem Film doch mal um eine weibliche Heldin ging, waren die Gegenspieler selten Männer und die Kostüme knapp. Die Drehbücher waren obendrein meistens auch sehr flach. 40 Jahre später sieht die Welt anders aus. Und das wird auch in neuen Produktionen gezeigt.
Ebenso erwarten wir heute meistens mehr von einem Film oder einer Serie, als noch in unserer Kindheit oder Jugend. Starship Troopers und Robocop zum Beispiel habe ich damals vor allem wegen der Action und der rohen Gewalt gemocht. Als Erwachsener ist mir der satirische Teil dieser Werke wichtiger.
Und aus diesen Dingen leitet sich dann der letzte Punkt her. Wenn ich als Kind eine Kinderserie sehe, dann schaue ich diese in der Regel, weil sie mir gefällt. Schaue ich als Erwachsener zu, dann meistens, weil die Kinder es sehen wollen. Ich habe mit meinen Kindern Das Geheimnis des Zauberschwertes gesehen – die Kleine (6) fand ihn toll, die Große (8) langweilig. Da liegen über 40 Jahre zwischen, was damals Kinder begeisterte, lockt heute kaum jemanden hinter dem Ofen hervor.
Und damit kommen etliche „Mittvierziger“ nicht so gut zurecht. Das He-Man Reboot von 2021 ist eine Serie für die Kinder – nicht für uns alte Fans. Für uns gab es Revelation und Revolution.
Oder Spider-Man. Einige von uns kennen sicherlich noch die „Spider-Freunde“ – die Serie ist von 1981 und kam erst 1990 zu uns. New Spider-Man kam aber schnell danach und ist für viele der prägende Spider-Man. Und heutige Spider-Man Trickserien werden abgewatscht, weil das ja blöd aussieht. Kannst du gerne so empfinden, aber du bist eben nicht die Zielgruppe. Auch ein Remake soll in erster Linie neue Fans generieren – das gelingt mal und mal eben nicht.
Fazit
Alles davon trifft zu und gleichzeitig auch nicht. Es ist individuell und kann auch eine Mischung sein. Und manchmal kann das Remake oder die neuste Serie in einem Franchise auch einfach schlecht sein, oder eben den persönlichen Geschmack nicht treffen.
Was ich mir in diesem Zusammenhang wünsche, wäre eine offenere Haltung gegenüber dem neuen. Es ist voll okay, wenn man die neue Star Trek Serie (nur ein Beispiel) doof findet. Oder die Kelvin-Filme. Die finde ich selbst auch zu untrekkig, aber das Franchise war da schon über 40 Jahre alt. Da musste frischer Wind rein.
Schaut es euch nicht an, wenn ihr es nicht mögt. Die anderen Serien oder die Originale nimmt euch keiner weg, auch nicht eure Erinnerungen.
Aber bitte seht von Reviewbombing und abledern in Social Media ab. Das macht anderen einfach nur den Spaß kaputt. Kritik ist erlaubt, keine Frage – aber „Was für ein Schrott“ ist eben keine Kritik und eure Kindheit wird sicherlich nicht von einem Remake ruiniert.
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
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