Eigentlich hätte dies eine sehr gute Folge werden können. Wären da nicht ein, zwei Elemente, die das verhindern.
Ein immer freiere Adaption
Aang (Gordon Cormier) und seine Freunde sind jetzt schon seit geraumer Zeit in Bar Sing Se. Der Avatar wird am Morgen von Toph (Miyako) im Erdbändigen gedrillt, derweil er den Rest des Tages gemeinsam mit Long Feng die Stadt erforscht, wo er die Bewunderung der Bewohner genießt.
Wobei nicht alles in der Stadt wirklich so schön ist, wie man es meinen könnte. Sokka (Ian Ousley) versucht verzweifelt, Sai zu erreichen, ahnt jedoch nicht, dass dieser in Wahrheit von den Dai Li verhaftet worden ist. Katara (Kiawentiio) ist nächtens als die Bemalte Lady unterwegs, um den Armen und Hilfsbedürftigen zu helfen, derweil Toph von jemanden erpresst wird. Und Zuko (Dallas Liu) scheint im Alltag angekommen zu sein, wobei er allerdings als der Blaue Geist ebenfalls Unrecht bekämpft.
Dass Netflix die Zeichentrickvorlage sehr frei interpretiert, dürfte inzwischen jedem aufgefallen sein. Doch hat man den Eindruck, dass sie sich von Episode zu Episode immer mehr von dieser entfernt und nur rudimentäre Elemente übernimmt, um diese herum dann eine eigene Handlung aufzubauen. Das merkt man in Das Wasser fällt, die Steine erheben sich besonders deutlich.
Ein Puzzle aus verschiedenen Bestandteilen
Hier werden verschiedene Bestandteile übernommen, die in der ursprünglichen Serie in diversen, teilweise sehr weit auseinanderliegenden Episoden lagen, und zu etwas Neuem zusammengebaut. Oder auch ausgebaut. Kataras Erfahrungen als die Bemalte Lady waren im Original auf eine einzige Folge begrenzt und geschahen zu einem Zeitpunkt, als das Team noch gar nicht in Bar Sing Se war. Derweil Zuko als Blauer Geist durchaus Abenteuer in der Stadt erlebt hatte. Aber nicht solche, wie es in dieser Episode erzählt wird.
Das ist nichts Verkehrtes. Im Gegenteil: Ein Großteil der Veränderungen ist durchaus gut geworden. Dazu gehört auch die Charakterisierung von Long Feng. Um es nochmal zu betonen: Seine charismatische und freundliche Darstellung in der Live-Action-Serie ist großartig. Vor allem, weil dadurch die Enthüllung am Ende der Folge umso mehr Wucht gewinnt.
Und es zeigt sich dabei, dass er zwar nach außen freundlich ist, aber nach innen ein knallharter Mensch ist, der alles daran setzt, zu verhindern, dass der Avatar zum Erdkönig gelangt und mit ihm reden kann.
Zu einfach gemacht
Womit im Prinzip der Polizeistaat, der Bar Sing Se ist, endlich ein Gesicht erhält. Gleichzeitig kriegt man über die gesamte Folge hinweg einen Einblick, wie das Leben in der Stadt ist. Man sieht, dass unangenehme Botschaften unterdrückt werden. Dass Teile der Bevölkerung in Armut leben. Und dass die Dai Li im Grunde genommen überall sind.
Dass der Avatar das nicht mitkriegt, lässt diesen natürlich nicht im besten Lichte dastehen. Aber es wird in dieser Episode ebenfalls eine Begründung dafür geliefert. Er genießt die Anbetung der Leute und meint, dass es für ihn eine nette Abwechslung ist, zu dem, was er bislang durchgemacht hat. Wobei er allerdings dann auch einsieht, dass er hier vielleicht einen Fehler gemacht hat.
Die Erlebnisse der anderen sind auch bedeutsam und bauen ihre entsprechenden Charakterisierungen aus. Dass man beispielsweise sieht, wie Katara als Bemalte Lady durch die Straßen streift oder Sokka versucht, selber ein Teleskop zusammenzubauen, das sind alles gute und spannende Elemente. Und doch überwiegt am Ende der Episode das Gefühl, dass man es sich hier zu einfach gemacht hat.
Ein merkwürdiger Plot
Gemeint ist, dass die Haupthandlung eigentlich auf der Stelle tritt. Die Bedrohung durch die Feuernation wird ein paar Mal thematisiert, aber nicht wirklich ausgebaut, bis am Ende der Folge Azula ihren Schritt macht. Doch das wird innerhalb von ein paar Szenen abgehandelt. Es fehlt das Gefühl des Drucks, der Gefahr, von der nur wenig Ausgewählte wissen.
Doch auch der Plot um Toph gefällt nicht. Denn es stellt sich in dieser Episode heraus, dass sie erpresst wird, weil ihre Eltern Waffen an die Feuernation verkauft haben. Das ist etwas, was sehr aus dem Nichts kommt. Es wirkt wie etwas, das eingebaut worden ist, um der Erdbändigerin eine eigene Handlung zu geben, damit sie diesbezüglich nicht hinter ihren Freunden zurückfällt.
Am Ende ist diese Episode überwiegend gut geworden. Überwiegend deshalb, weil die eben genannten Kritikpunkte den Gesamteindruck nach unten ziehen.
Info
Drehbuch: Teresa Huang
Showrunner: Christine Boylan, Jabbar Raisani
Regie: Anu Menon
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