Was man von diesem Buch hält, hängt auch davon ab, wie man den Vorgängerband fand.

Enorme Unsicherheit
Mit Reise in den Interkosmos brachte Julian Wangler 2021 eines seiner stärksten Sachbücher heraus. Die Gesammelte Essays zum Blade Runner-Erlebnis begeisterten unter anderem auch deshalb, weil es ein für den Autor sehr untypisches Buch war. Es war überwiegend philosophisch-analytisch und wagte sich an interessante und gewagte Interpretationen. Was ein erheblicher Kontrast zu seinen normalen Werken war.
Jetzt kam dieses Jahr der Nachfolgeband heraus. In Blade Runner 2049: Gehe verloren und finde dich selbst beschäftigte er sich ausführlich mit dem Nachfolgefilm von Denis Villeneuve. Und als ich das Buch anfing zu lesen, war ich voller Vorfreude. Nur um dann am Ende, als ich es durchgelesen hatte, mir unsicher zu sein, ob und wie ich es bewerten sollte.
Vorab sei gesagt, dass dies, wie es bei dem Autoren üblich ist, wieder ein guter Band ist. Wer allerdings hier erneut eine Ansammlung an Essays erwartet, wo er über die kleinsten Details des Films sinniert und spekuliert, der wird gegebenenfalls enttäuscht sein. Das ist hier nämlich nicht der Fall. Am ehesten lässt sich der Stil dieses Sachbuches mit seinen Star Trek-Bänden vergleichen: Nüchterne und gute Analysen, geschrieben für ein Publikum, dass vielleicht die Gedanken, die er sich zum ersten Film machte, nicht so ganz honorieren könnte.
Sehr gute Figurenanalysen
Es gibt auch in diesem Buch Passagen, wo der Julian Wangler von Reise in den Interkosmos aufblitzt. Vor allem einige seiner Einschübe zwischen den einzelnen Kapiteln beinhalten diese tiefschürfenden philosophischen Gedanken. Aber ansonsten ist dieser Band überwiegend „nur“ mit den Charakteren beschäftigt. Ein Großteil des Buches behandelt diese, ihren Werdegang, ihre Entwicklungen und ihre Funktion in der Story. Das liest sich durchaus gut, wie man es von dem Autoren nicht anders kennt. Aber es hat eben auch nicht den Tiefgang, wie es die gesammelten Essays hatten.
Man merkt diesem Band an, das Julian Wangler wirklich versuchen will, unter anderem vor allem die Leute abzuholen, die den Film noch nicht gesehen haben. Denn er beschreibt nicht nur, wie die Produktionsgeschichte von Blade Runner 2049 war und wie die Reaktionen auf seinen Misserfolg ausfielen. Ebenso fasst er zusammen, was in dem Universum geschehen ist, wie sich dort Dinge entwickelt haben. Und verweist dabei auch auf die diversen Kurzfilme, die im Vorfeld des neusten Films herauskamen.
Doch der Löwenanteil entfällt wirklich auf die Figurenanalysen. Neben den Hauptfiguren fokussiert sich der Autor ebenfalls auf die wichtigsten Nebenfiguren. Wie beispielsweise Lieutenant Joshi oder Niander Wallace. Anhand dieser Analysen kriegt man, wenn man wie ich den Film noch nicht gesehen hat, durchaus Interesse daran, das schleunigst nachzuholen.
Eine Klammer wird gebildet
Wobei der Autor natürlich wieder fiktionale Geschichten einbaut. Diese bilden sozusagen eine Art Klammer, zwischen denen er seine Analysen einbettet. Und leider muss man sagen, dass diese Erzählungen immer noch nicht zu seinen Stärken gehören. Er ist und bleibt ein besserer Sachbuch-Autor, als Schriftsteller von fiktionalen Texten.
Womit am Ende die Frage offenbleibt, wie man diesen Band bewerten soll. Es fällt, zugegebenermaßen, schwer, eine passende Endwertung zu finden. Denn es hängt sehr viel davon ab, ob und wie man den Vorgängerband fand. Im direkten Vergleich kann Blade Runner 2049: Gehe verloren und finde dich selbst nicht ganz so überzeugen. Doch wenn man ihn für sich alleine stehend bewertet, dann ist er ein guter Band!
Info
Autoren: Julian Wangler
Verlag: BoD – Books on Demand
Erschienen: 05/2026
Einband: Taschenbuch
Seiten: 248
ISBN: 9783695709144
Sonstige Informationen: Produktseite
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