Mit der Entführung einer Baroness beginnt ein großes Abenteuer.

Das Szenario
Die Baroness Iniza ist auserwählt worden, eine Braut der Gottkaiserin des Hexenordens von Tiamande zu werden. Sie hat jedoch andere Pläne mit ihrem Leben und flieht von der Raumfähre, welche sie zur gigantischen Hexenzitadelle bringen soll. Unerwartete Hilfe erhält sie von dem Kopfgeldjäger Kranit, der nebenher auch ihren Geliebten Glanis gerettet hat. Allerdings nicht aus Selbstlosigkeit, sondern weil er Iniza an den Baron von Virikaan ausliefern will, der ebenfalls nach einer Braut sucht. Mit einer Raumfähre fliegen sie direkt durch die Zitadelle hindurch, wo auf der anderen Seite ein getarntes Raumschiff wartet. Als dieses vom Hexenorden zerstört wird, stranden die drei erst einmal auf der Minenwelt Nurdenmark.
Ebenfalls auf dem kargen Planeten gestrandet ist Shara Bitterstern, die einen explosiven Gefangenenkragen trägt und sich mit dem Verkauf eines Claims gerade ihre Freiheit zurückkaufen wollte. Doch Kaltar, ein Mitarbeiter der Minengilde, hat ihr Raumschiff bereits verkauft und zwar an niemand Geringeres als an Kranit. Nachdem Shara die Wachen am Raumhafen aufgeschaltet und sich mit Kranit angelegt hat, werden die beiden sowie Iniza von Sklavenhändlern bedroht. Glanis, der beim Absturz aus dem Gleiter katapultiert wurde und anschließend in die Fänge der Sklaventreiber geraten ist, konnte sich unterdessen befreien und rettet nun die anderen.
Da Shara nichts mit den Flüchtigen verbindet, will sie die drei Fremden von Bord der Nachtwärts werfen. Doch Kranit kennt jemanden, der ihren Kragen entfernen kann, bevor dieser in rund 30 Stunden explodiert. Widerwillig lässt sich Bitterstern auf die Passagiere ein und flieht mit ihnen vor den heranrückenden Truppen der Gottkaiserin. Im Asteroidengürtel des Planeten können sie die Verfolger abschütteln, danach sprechen Shara und Kranit unter vier Augen über ihre weiteren Pläne. Da der Auftrag, Iniza an den Baron von Virikaan zu übergeben, erst einmal vom Tisch ist, verspricht der geheime Standort einer Piratenbasis eine lukrative Einnahmequelle, doch erst einmal muss Sharas Sprengkragen entfernt werden.
Rezension von Nachtwärts
Die Science-Fiction-Sparte des Splitter-Verlags wird von Übersetzungen französischer Comics dominiert. Die Krone der Sterne bildet hier eine erfrischende Ausnahme. Die Trilogie basiert auf dem ersten Band der gleichnamigen Romanreihe von Kai Meyer, einem deutschen Bestsellerautor, der nicht nur für dieses Werk mit dem Deutschen Phantastik Preis sowie unzähligen weiteren Preisen ausgezeichnet wurde. Für die Comicadaption hat Yann Krehl die Story verdichtet, der bereits die Comicadaption von Meyers Das Wolkenvolk geschrieben hat.
Die Umsetzung der Charaktere ist dabei gelungen. Mit Iniza und Shara Bitterstern gibt es zwei starke Frauencharaktere, die durchaus auf sich selbst aufpassen können. Die Baroness stammt aus einer komplizierten Familie und sträubt sich dagegen, als Braut für wen auch immer zu enden. Immerhin ist sie heimlich mit dem Hauptmann Glanis liiert, den sie nicht zurücklassen will. Zum Glück hat der Kopfgeldjäger Kranit ein weiches Herz und Glanis ebenfalls gerettet. Sein Plan ist es, die Belohnung für Iniza abzugreifen, danach kann Glanis seine Geliebte befreien.
Doch aus diesem Plan wird nichts, da der Fluchtweg versperrt wird. Die drei stranden auf Nurdenmark, wo Shara neben ihnen noch ein anderes Problem hat. Die äußerst maskuline Frau, der aufgrund von Strahlung die Haare ausgefallen sind, trägt wegen eines Deals mit Piraten einen Sprengkragen und die Aussicht, diesen loszuwerden, ist zunächst ihr einziger Antrieb, die drei Flüchtigen an Bord ihres Raumschiffs zu behalten, welches diese widerrechtlich von einem Hehler erworben haben.
Nun mögen die Charaktere zwar interessant sein, aber solche Zweckgemeinschaften sind nichts Neues und gleiches gilt für das World Building. Im Interview gibt Kai Meyer an, von Star Wars sowie den experimentellen Romanen von Samuel Delany und M. John Harrison inspiriert worden zu sein. An Star Wars erinnern allerdings nur die roten Wachen. Die Parallelen zu Frank Herberts Dune sind dagegen mehr als offensichtlich. In einer fernen Zukunft gibt es mehrere konkurrierende Adelshäuser und einen mächtigen Hexenorden. Außerdem sind Androiden verbotene Technologie, weil es einst einen Krieg gegen einen Maschinenherrscher gab. Die Krone der Sterne liest sich fast schon wie ein Prequel zu Dune, wobei es natürlich auch Unterschiede gibt.
Vor allem die Fantasy-Elemente stechen hervor, was nicht verwundert, da Meyers frühere Werke vor allem diesem Genre zugeordnet werden können. Im ersten Band Nachtswärts äußert sich die Fantasy vor allem im Asteroidenring um Nurdenmark, der bis auf die Planetenoberfläche herab reicht. Als Iniza anmerkt, dass dies unmöglich sein müsste, quittiert Shara das mit den Worten „Schei*e, wen interessiert schon Physik?“ Auf der anderen Seite entzaubert Kranit die als magisch geltenden Hyperantriebe der Weltraumkathedralen als Technologie und macht sich über den Alberglauben der feindlichen Piloten lustig, die es nicht wagen, ihm ins Herz der Kathedrale zu folgen. Es gibt also keine Hexenmagie, aber dafür schwebende Felsen wie in Avatar.
Erinnert optisch an Riddick
Für die grafische Umsetzung ist Ralf Schlüter verantwortlich, der ebenfalls schon an der Comicadaption von Kai Meyers Das Wolkenvolk mitgewirkt hat. Sein Zeichenstil kann sich sehen lassen und weist eine große Liebe zum Detail auf. Egal ob Raumschiffe, Waffen oder Kleidung – alles ist reich verziert und der Faltenwurf sieht gut aus. Die Charaktere sind vielleicht nicht 100% natürlich, aber durchaus wiedererkennbar und die Mimik spiegelt ihre Gefühle wieder.
Mit der Nachtwärts bietet der Comic ein ikonisches Raumschiff, dass in seiner Form einzigartig ist. Eine Mondsichel mit einem Menschenkopf, der je nach Fluglage seine Ausrichtung ändert. Das Cockpitfenster bildet ein drittes Auge und der Mund ist die Einstiegsluke, aus der die Rampe wie eine Zunge fährt. Sehr einprägsam! Lediglich die Armaturen im Cockpit sind etwas zweidimensional.
Geradezu grotesk wirken dagegen die Greifer, goldene Sternenjäger mit Greifarmen. Die anderen Raumschiffe erinnern mit ihren schnörkeligen Verzierungen derweil stark an Dune. Hinzu kommen die ganzen Gesichter und Statuen, insbesondere auf der Kathedrale des Hexenordens, deren Stil dem der Nekromonger aus Riddick: Chroniken eines Kriegers (2004) gleicht.
Verstärkt wird dieser Eindruck durch die düsteren Farben, welche ebenfalls Assoziationen zu Riddick sowie David Lynchs Dune-Verfilmung wecken. Die Farbverläufe sind weich, der Lichteinfall ist okay, Leuchteffekte sind vorhanden, nur mit Glanz wurde gespart. Alles in Allem ist der visuelle Gesamteindruck positiv und entspricht dem einladenden Cover.
Fazit: Könnte ein Prequel zu Dune sein
Die Story ist zwar gut geschrieben und besticht durch sympathische Charaktere, allerdings sind die Anleihen bei bekannten Klassikern des Sci-Fi-Genres mehr als offensichtlich und das sowohl inhaltlich als auch visuell. Der Zeichenstil ist dabei sehr gelungen und herrlich düster. Als Bonus gibt es ein Interview mit dem Autor der Romanvorlage nebst Skizzen des Zeichners. Die Verarbeitung ist typisch für Splitter sehr hochwertig.
Info
Autoren: Kai Mayer & Yann Krehl
Zeichnungen & Farben: Ralf Schlüter
Verlag: Splitter
Sonstige Infos: Produktseite
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala-
Story7/10
-
Zeichenstil8/10
-
Kolorierung9/10
- Die Krone der Sterne – 1 – Nachtwärts (Kai Mayer, Yann Krehl, Ralf Schlüter) - 21. Juli 2026
- Mythen der Antike – Die Ilias (Luc Ferry, Clotilde Bruneau) - 16. Juli 2026
- Real Steel (2011) - 14. Juli 2026

