Auf Sahondra werden Kolonisten der Afrikanischen Union mit einem tödlichen Parasiten konfrontiert.
Das Szenario
Auf der Aurora, dem Flaggschiff der Afrikanischen Union, tagt der Halbkreis, um über das weitere Vorgehen bei der Kolonisierung des Planeten Sahondra zu debattieren. Das Parlament verlässt sich dabei voll und ganz auf die Empfehlungen der Künstlichen Intelligenzen Assa und Oumy, die durchaus bereit sind, einige Kolonisten für das Wohl der Mehrheit zu opfern. Während die Hauptvertreterin der Zivilisten, Makaziwe Ndam, vorsichtig ist, da es auf Sahondra aus einem unbekannten Grund kein höheres tierisches Leben gibt, drängt General Tshaka zur Eile.
Dafür gibt es gute Gründe, denn den Kolonisten läuft die Zeit davon. Die Flotte ist bereits seit 60 Jahren unterwegs und immer mehr Kälteschlafkapsel fallen aus. Um auf Nummer sicher zu gehen, schlagen die KIs vor, erst einmal ein kleines Kontingent von maximal 100 Wissenschaftlern mit einigen Tieren auf den Planeten zu schicken, um die Ursache für die Abwesenheit der Fauna herauszufinden.
Kenia Ndam, die Tochter von Makaziwe, meldet sich freiwillig, doch wird sie als zu wichtig eingestuft und soll auf der Aurora bleiben. Dafür wird ihr Bruder Demba, der über einen Neurallink mit den Tieren verbunden ist, für eines der Landungsteams ausgewählt. Heimlich schleicht sie sich an Bord seiner Landefähre und bringt damit einiges durcheinander. Nach der Landung findet ihr Team eine Höhle, in der unzählige Skelette von großen Säugetieren liegen. Das vermutete Virus entpuppt sich jedoch als Parasit, der kurz darauf die mitgebrachten Tiere befällt und für grässliche Mutationen sorgt.
Die Tiere fallen übereinander und ebenso über die Menschen her, zerstören das Lager und fast die gesamte Ausrüstung. Als die Aurora den Kontakt zu allen Teams verliert und die letzten Bilder die katastrophale Lage zeigen, rufen die KIs Makaziwe und General Tshaka zu sich. Sie empfehlen, entweder zu einem Planetoiden weiter zu reisen oder den Planeten zu sterilisieren, um ihn anschließend neu zu terraformen. Beide Optionen würden Jahre in Anspruch nehmen. Da der Planetoid unwirtlich und die Reise dorthin mit den angeschlagenen Raumschiffen risikoreich ist, entscheidet sich Tshaka für die zweite Option. Laut Assa und Oumy würde der Prozess 10 Jahre dauern und bis zu 100.000 Opfer fordern.
Makaziwe ist dagegen und das nicht nur, weil sich ihre beiden Kinder auf der Oberfläche von Sahondra befinden. Doch der General schaltet ein Notfallmilitärprotokoll ein, wodurch die Befehlsgewalt allein auf ihn übergeht. Er lässt alle Fähren, die vom Planeten aufsteigen, abschießen, und als es innerhalb der Flotte zu Aufständen kommt, die zivile Kommunikation blockieren. Dadurch hat Kenia keine Möglichkeit mehr, mit ihrer Mutter Kontakt aufzunehmen, um ihr von der Entdeckung der Parasiten zu berichten.
Der General bricht mit einigen Marines zur Oberfläche auf, um Löcher für Sprengsätze zu bohren, die den Planeten bis in eine Tiefe von vier Kilometern sterilisieren sollen. Kenia versucht, ihn davon abzubringen, doch er würgt sie einfach ab. Sie nutzt daraufhin die militärischen Kommunikationskanäle, um sich an alle Soldaten zu wenden und tatsächlich erhören sie einige. Auf der Aurora schalten sie die Künstlichen Intelligenzen ab und auf dem Planeten weigern sich ebenfalls einige, ihre Mission zu beenden.
Als die wildgewordenen Tiere die Soldaten angreifen, infizieren sich diese. Darunter auch der General. Kenias Wissenschaftlerteam bringen die Überlebenden in eine Höhle, denn im Sonnenlicht vermehren sich die Parasiten schneller. Dort kommt ihnen der mutierte Dr. Ndoumbe entgegen und faselt was von „Insekten“, bevor er erschossen wird. Tatsächlich sind Insekten die einzigen höheren Lebensformen, die nicht von den Parasiten ausgelöscht worden sind. Kenia findet heraus, dass sie einen anderen Symbionten in sich tragen, der die Parasiten tötet.
Mit der Aussicht auf ein Heilmittel gibt der General den Abbruchbefehl für die Sprengsätze, kurz bevor er von einem mutierten Krokodil zerfleischt wird. Mit Hilfe der Symbionten können sich die Menschen auf Sahondra niederlassen.
Rezension von Sahondra
Dies ist der erste Comic der Reihe, der nicht aus der Feder des Autorenduos Jean-Luc Istin & Nicolas Jarry stammt, sondern vom Neuzugang Olivier Peru geschrieben wurde. Dieser konzentriert sich endlich mal auf Kolonisten aus dem globalen Süden, was eine hervorragende Gelegenheit für etwas Gesellschaftskritik wäre. Die kommt zwar durchaus vor, krankt allerdings an haarsträubenden Logikfehlern.
Gleich zu Beginn bekommt man einen großen Raum an Bord der Aurora präsentiert, in dem Wildtiere wie Löwen, Antilopen und Gorillas in einer künstlichen Savanne leben. Aufgrund der knappen Ressourcen müssen die meisten Menschen in Kryokapseln bleiben, aber alle Tiere sind munter und verbrauchen Sauerstoff. Wäre es nicht klüger gewesen, tiefgekühlte Embryonen oder eine DNS-Datenbank mitzunehmen, wie es die Flotte der Kanadier in Band 5 gemacht hat?
Weiterhin fressen die Karnivoren nicht die Herbivoren, was an den Neurallinks liegt. Über diese können sie auch telepathisch mit ihrem Pfleger Demba kommunizieren, wodurch sogar die Löwen zu handzahmen Kuscheltieren werden. Das wirft die Frage auf, was diese dann fressen? Von irgendetwas müssen sie ja leben.
Der nächste Logikfehler besteht darin, zahlreiche Tiere auf den Planeten mitzunehmen. Wenn man sie nur braucht, um das vermutete Virus ausfindig zu machen, hätte eine Handvoll Exemplare völlig ausgereicht. Wozu diese Verschwendung von Leben, das ja noch für die Kolonisierung gebraucht wird? Und das ist nicht einmal die erste dumme Entscheidung der Künstlichen Intelligenzen. Wie Kenia rückblickend erzählt, haben Assa und Oumy bereits 300 Kolonisten geopfert, als die Triebwerke der Mandela ausgefallen sind, nur um Energie zu sparen. Dennoch vertraut der Rat des Halbkreises den KIs weiterhin blind.
Im Ergebnis sterben die meisten Wissenschaftler völlig unnötig, als die Tiere zu mutieren beginnen. Weniger und vor allem kleinere Exemplare wären leichter zu kontrollieren gewesen. Doch man musste ja gleich Löwen und Krokodile mitnehmen. Das einzige Tier, welches noch genügend Selbstkontrolle behält, ist die Gorilladame Mam, die den Überlebenden im Kampf gegen die anderen Mutationen hilft. Zumindest bis sie ebenfalls restlos mutiert.
Dieses Schicksal blüht auch den Menschen, denn die Parasiten sind überall im Wasser und in der Luft. Nur weil sich die Menschen häufiger in Höhlen, Gebäuden und Fahrzeugen aufhalten, mutieren sie weniger schnell, denn die quallenartigen Parasiten brauchen Sonnenlicht. Nur müsste Dr. Ndoumbe, der die ganze Zeit über in der Höhle geblieben ist, nicht am wenigstens betroffen sein? Stattdessen mutiert er schneller als alle anderen.
Es wird aber noch absurder. Die mikroskopischen Quallen sollen eine Art Schwarmintelligenz besitzen und die größeren Tiere ausgerottet haben, weil die Herbivoren die Pflanzen angegriffen und damit das Ökosystem aus dem Gleichgewicht gebracht haben. Ganz so schlau scheint die Schwarmintelligenz jedoch nicht zu sein, denn eigentlich stellen die Karnivoren das Gleichgewicht wieder her und diese wurden als Kollateralschaden mit ausgerottet.
Die Lösung des Problems ist ebenfalls totaler Nonsens. In den Insekten findet Kenia eine andere Art von Mikroquallen, welche die Parasiten angreifen. Daher haben die Insekten überlebt. Doch gibt es nicht auch höhere Tiere, die Insekten fressen, sodass sich das Heilmittel auf natürlichem Wege über die Nahrungskette verbreitet haben müsste? Als Kenia einen Käfer isst, rettet das jedenfalls ihr Leben.
Obwohl der Comic damit ein versöhnliches Ende findet und die Umweltzerstörung von General Tshaka gestoppt wird, kann die Handlung nicht einmal ansatzweise überzeugen. Die Ökobotschaft hätte auch anders angegangen werden können.
Jede Menge Body-Horror
Der Zeichenstil weist ebenso wie die Handlung einige Schwächen auf. Die Close-Ups der Charaktere sehen dabei noch ganz gut aus, sind gut auseinander zu halten und haben eine überzeugende Mimik. Auch das afrikanische Design der Schutzanzüge sowie die Innenarchitektur der Raumschiffe können weitgehend überzeugen. Nur die Schulterkordeln des Generals erinnern ein wenig zu sehr an die Fantasieuniformen eines Muammar al-Gaddafi.
Das größte Problem ist die unsaubere Linienführung. Während bei den großen Darstellungen die Außenlinien sehr dick sind, wirkt fast alles im Hintergrund eher skizzenhaft. Obendrein nimmt der Detailgrad rapide ab, je kleiner die Menschen dargestellt sind. In größeren Gruppen verlieren sie ihre Gesichter und aus der Ferne werden sie zu dahin gekritzelten Strichmännchen. Selbiges gilt für Bäume, von denen es einige riesige Exemplare gibt, die fast schon surrealistisch wirken.
Für Tiere hat der Zeichner derweil zwar ein gutes Auge, doch hat man daran nicht lange Freude. Kaum haben sich die ersten Infiziert, artet alles in grauenvollem Bodyhorror und Splatter aus. Obendrein scheinen die Tiere mit der Mutation auch an Größe zuzulegen. Anders lässt es sich nicht erklären, dass eine Hyäne plötzlich so groß wie ein Elefant ist und die Krokodile am Ende die Ausmaße von Titanosauriern erreichen.
Immerhin die Farbgebung ist sehr natürlich, die Verläufe sind weich und der Lichteinfall ist super. Auch die Glanzeffekte können sich sehen lassen und erzeugen vor allem auf den Rüstungen einen metallischen Effekt. Leider kann dennoch nicht die volle Punktzahl vergeben werden, denn aus einigen Panels hat Héban diesmal geschludert und Farben über die Linien laufen lassen. Das Cover sieht daher in jeder Hinsicht besser aus als der Inhalt.
Fazit: Nicht ganz schlüssig
Sahondra ist nach Tanami der zweite Band, dessen Handlung ins Absurde abgleitet und nicht wirklich gut durchdacht ist. Leider ein weiterer erzählerischer Tiefpunkt der Reihe. Der Zeichenstil bewegt sich, trotz einiger Macken, immer noch im gehobenen Mittelfeld, sodass es wenigstens ein paar visuelle Höhepunkte gibt. Ebenso ist die Verarbeitung wie immer gut. Nur dem Lektorat ist wieder mal ein Fehler durchgegangen – an einer Stelle heißt der General zwischendrin Tshuka.
Info
Autor: Olivier Peru
Zeichner: Louis und Kyro Duarte
Farben: Oliver Héban
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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Warpskala
Warpskala-
Story2/10
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Zeichenstil7/10
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Kolorierung8/10
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