Mit diesem Comic wird nicht das gleichlautende Musical adaptiert. Sondern vielmehr die Romanvorlage.

Das Phantom wird (wieder) adaptiert
Das Phantom der Oper zählt sicherlich zu den bekanntesten und berühmtesten Muscials, die der Musiker Andrew Lloyd Weber komponiert hat. Dabei hat der Komponist das Werk auf dem gleichlautenden gothischen Horrorroman von Gaston Leroux aus den Jahren 1908 bis 1910 basiert. Welches ebenfalls die Grundlage für die Comicadaption mit dem selben Namen ist, die im Splitter-Verlag auf Deutsch herausgebracht worden ist.
Die Adaption wurde von Paul und Gaëtan Brizzi vorgenommen. Die beiden Brüder haben sich auf Comicadaptionen berühmter Erzählungen spezialisiert. So sind von ihnen im Verlag unter anderem Der Untergang des Haus Usher oder Don Quijote von der Mancha herausgekommen. Im Januar wird als Nächstes ihre Interpretation von Shakespeares Tragödie Macbeth erscheinen.
Es handelt sich hier um keine 1:1-Adaption. Das Kreativteam hat einige Elemente der Vorlage nicht übernommen, derweil es gleichzeitig auch die Reihenfolge einiger Ereignisse umgestellt hat. Das mag Puristen nicht so sehr gefallen, doch sorgt dies dafür, dass die Geschichte in das Albenformat passt. Und die wichtigsten Aspekte der Vorlage wurden ja übernommen.
Ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann
Von Anfang entwickelt sich dabei ein Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Man liest hier die Ereignisse an der Oper Garnier in Paris 1890. Es soll hier demnächst die Premiere von Goethes Faust stattfinden. Doch gibt es Probleme. Denn das Phantom stellt Forderungen, die die Führung der Oper allerdings ignoriert. Bis das Phantom zuschlägt und Menschen ums Leben kommen.
Die Story hat viele verschiedene Elemente. Es gibt hier ein Liebesdreieck zwischen dem Phantom, der Sopransängerin Christine und dem Vicomte Raoul de Chagny. Dann hat es auch noch Horror-Elemente, weil das Phantom wie ein Dämon aus dem Nichts zu schlägt und mit Leuten redet. Ebenso gibt es Mystery-Elemente, da die Taten des Phantoms durchaus reale Gründe haben, die es zu erforschen gilt. Und Musik spielt natürlich ebenfalls in dieser Geschichte eine große Rolle.
Es ist eine großartige Adaption. Eine, die Spaß macht. Und eine, in der die Charakterisierungen stimmen.
Kein reiner Schurke
Was vor allem daran liegt, dass die Geschichte darauf verzichtet, das Phantom als einen reinen Schurken zu porträtieren. Im Gegenteil: Es wird viel Aufwand getrieben, um zu zeigen, dass es zwar Böses tut, wenn sein Wille nicht Genüge getan wird. Aber gleichzeitig stellt sich auch nach und nach heraus, dass es einen tragischen Hintergrund hat. Es hat ein missgestaltetes Gesicht, dass wie ein halbverwesender Schädel aussieht. Und die Basis für seine Taten ist „nur“ die Liebe zur Musik.
Doch gleichzeitig sind da eben auch seine Taten. Dass es Leute tötet. Oder einen Kronleuchter aus Publikum fallen lässt.
Das alles wird durch die Präsenz des Persers allerdings rational erklärt. Er scheint das Phantom von früher zu kennen und ist derjenige, der ihm einerseits an einer Stelle hilft. Aber andererseits auch an einer anderen Stelle sich ihm widersetzt, in dem er Raoul hilft, die entführte Christine zu suchen.
Mehr Karikaturen, als Gesichter
Es ist eine spannende und abwechslungsreiche Erzählung. Die jedoch nicht immer perfekt inszeniert worden ist. Die Gebrüder verwenden für ihre Adaption Schwarz/Weiße Illustrationen und verzichten weitestgehend auf Hintergründe. Wobei sie dann allerdings an einigen Stellen, welche einbauen, die einen förmlich umhauen, weil sie einfach nur grandios sind. Das wäre kein Problem, wenn nicht die Gesichter stellenweise mehr wie Karikaturen aussehen. Das stört dann doch sehr.
Dennoch ist dies insgesamt ein starkes Album.
Info
Autoren, Illustratoren: Paul und Gaëtan Brizzi
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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