Wer an dieses Buch mit der Wartung rangeht, typische Fantasy zu lesen, der wird sich irren.

Indien lässt grüßen
Einst war Ahiranya ein mächtiges Reich, das mit seiner Magie andere Reiche einschüchterte. Doch dann verlor es die Quelle seiner Magie und ist heutzutage nur noch ein Dienerstaat des Kaiserreichs. Allerdings gibt es immer noch Bewohner, die den vergangenen Tagen nachhängen und bereit sind, alles zu unternehmen, um diese Zeit wiederzuerlangen.
In dieser turbulenten Zeit treffen verschiedene Figuren aufeinander. Da ist die ahiranyanische Dienerin Priya, die das große Los gezogen hat, als sie der Schwester des Kaisers, Malini, dienen darf. Die war jedoch ihm gegenüber aufmüpfig und ist deshalb zu einem Leben im konstanten Rausch verdammt worden. Da ist Bhumika, die hochschwangere Frau des Regenten, die ihr Leben der Hilfe der Schwachen widmet. Da ist Ashok, Anführer der Rebellen, der für das Erreichen seiner Ziele bereit ist, alles zu tun, sogar sein eigenes Leben zu riskieren. Und da ist auch Rhao, ein Edelmann in einem fernen Reich, der dazu bestimmt ist, Großes zu vollbringen, weil es sein namenloser Gott so möchte.
Wirklich 08/15?
Mit Der Jasminthron liegt der Auftaktband zu Die brennenden Reiche vor. Es handelt sich hier um eine weitere Geschichte mit indischen Einflüssen, wie zuvor schon The Surviving Sky. Wobei die Autorin des Romans, der hier jetzt besprochen wird, Tasha Suri ist.
Die Schriftstellerin ist gebürtige Britin, deren Eltern Punjabi waren, also aus einer bestimmten Region Indiens kamen. Die Familie besuchte das Land auch regelmäßig in den Ferien. Sie selbst studierte Englisch und Kreatives Schreiben an der University of Warwick. Sie arbeitete eine Zeit lang als akademische Bibliothekarin am Imperial College London, ehe sie anfing, als Vollzeitautorin tätig zu werden. Sie lebt in Harrow, einem Stadtteil von London und identifiziert sich als lesbisch.
Mit über 650 Seiten ist dieser Roman ein wahrer Ziegelstein. Allerdings auch einer, den man so schnell nicht aus der Hand legen wird, denn von Anfang zieht Tasha Suri den Leser in den Bann.
Zunächst könnte man der Auffassung sein, dass die Geschichte 08/15 wäre. Dort eine Dienerin, die das Herz am rechten Flecken hat. Hier eine Prinzessin in Nöten, die von ihr gerettet werden muss. Also quasi eine Standard-Fantasy-Story, wenn auch mit lesbischen Untertönen.
Doch nach und nach wird klar, dass an dieser Erzählung mehr ist, als man es denkt. Denn im Prinzip hat man es hier mit einer vielschichtigen Story zu tun, bei der es keine eindeutig guten Figuren gibt, sondern vielmehr zahlreiche Charaktere in diversen Grauschattierungen. Mit einer einer Ausnahme: Es gibt einen deutlich bösen Charakter, der in dieser Story allerdings kaum eine Rolle spielt, auch wenn der Einfluss seiner Taten deutlich wahrzunehmen ist.
Ein Kampf der Religionen
Es fängt im Grunde genommen schon damit an, dass hier im Hintergrund die unterschiedlichsten Religionen um Macht und Einfluss kämpfen. Da ist die des Kaisers, die darauf beruht, dass sich einst Mütter selbst opferten und auf Scheiterhaufen verbrannten, um etwas Böses zurückzudrängen. Weshalb alle Frauen im Prinzip für diese Anhänger nur den Nutzen haben, irgendwann gegen ihren Willen auf einen Scheiterhaufen gezerrt zu werden, um dort verbrannt zu werden. Dann ist die Religion von Ahiranya, die auf einem verborgenem Wasser basiert. Wer es schafft, dieses insgesamt dreimal zu durchqueren und wieder lebendig zu werden, erhält enorme Fähigkeiten. Und zu guter Letzt ist dann noch der namenlose Gott, dessen Willen und Wirken sich im normalen Alltag ausdrückt.
Das ist schon einiges. Und ist doch nicht das, worum es in diesem Roman geht. Ebenso erfährt man, dass eine Seuche Ahiranya heimsucht. Wer davon betroffen ist, wird immer mehr und mehr zu einer Art Pflanze. Sie lässt sich nicht heilen und nur eine bestimmte Sorte von Holz kann den Einfluss zurückdrängen.
Eine Geschichte, die mit ihren Figuren besticht
Doch ist dies ebenfalls nicht das, worum es in dem Roman geht. Es ist Nebenmusik, wenn auch wichtige, da sie die Haupthandlung nach und nach beeinflusst. Es geht hier überwiegend um Priya und die Schwester des Kaisers Malini. Letztere will unbedingt den Einfluss der Drogen loswerden und kriegt eines Tages mit, welche Fähigkeiten Priya hat. Was sie dazu nutzt, um diese zu zwingen, ihr zu helfen.
Allerdings entwickelt sich langsam aber sicher mehr daraus, als man es ursprünglich meint. Denn schon bald wird klar, dass die beiden etwas füreinander empfinden. Auch wenn ihre gegenseitige Zuneigung immer wieder durch externe Einflüsse auf die Probe gestellt wird.
Und dann verändert Tasha Suri ungefähr zur Hälfte ihres Romanes auf einmal alles und nichts ist mehr so, wie es vorher war …
Die Geschichte besticht nicht nur durch all die Dinge, die im Hintergrund stattfinden, oder durch die Hauptfiguren, sondern ebenso durch die Nebenfiguren. Auch hier zeigt sich, dass es bei diesen kein eindeutiges Gut oder Böse gibt. Selbst jemand wie Priyas Bruder Ashok, Anführer der Rebellen, der antagonistisch auftritt, tut dies nur aus Verzweiflung und somit aus nachvollziehbaren Gründen.
Die Story ist wirklich von Anfang bis Ende spannend geschrieben und sehr zu empfehlen.
Info
Autoren: Tasha Suri
Originaltitel: The Jasmine Throne
Übersetzung: Katrin Lechtermann
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 03/2025
Einband: Taschenbuch
Seiten: 656
ISBN: 978-3-98666-658-3
Sonstige Informationen: Produktseite
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