Man hat es hier mit einem interessanten Roman zu tun, der allerdings gleichzeitig auch einige Schwächen hat.

Eine wilde Geschichte
Eveen ist eine Ausweiderin, eine Assassinin. Sie und ihres gleichen sorgen in der Stadt für Gerechtigkeit. Dabei dürfen sie allerdings nicht jeden Auftrag annehmen, sondern müssen darauf achten, dass dieser bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Und es gibt noch eine Besonderheit, die sie und ihresgleichen gemeinsam haben: Sie sind allesamt untot.
Doch der neuste Auftrag verändert für Eveen alles. Sie soll ein bestimmtes Mädchen eliminieren. Als sie diese allerdings sieht, steht sie auf ein Mal vor einem Dilemma. Denn ihr Ziel ist sie selbst, nur anscheinend aus einer anderen Zeit, als sie noch lebendig war. Was also soll sie tun?
Die Geschichte von die Die toten Katzen-Assassinen klingt wild. Man hat zunächst den Eindruck, als ob P. Djèlí Clark hier diverse Elemente anderer Erzählungen übernommen hat. Und die vermischt hat. Das Ergebnis? Ein durchaus vergnüglich zu lesender Roman, wenn auch einer mit einigen Schwächen.
„Nur“ eine Novelle
P. Djèlí Clark ist US-Amerikaner, der in New York geboren und in Houston aufwuchs. Allerdings hat er auch in seiner Kindheit viel Zeit in der Heimat seiner Eltern, Trinidad und Tobago verbracht, was ihn prägen sollte. Er hat den Nebula-, den Locus- und den British-Fantasy-Award gewonnen und wurde für den Hugo-, den World-Fantasy- und den Sturgeon-Award nominiert.
Man sollte vorab wissen, dass dieses Buch kein richtiger Roman ist. Sondern „nur“ eine Novelle. Dementsprechend hat dieser Band nicht den Umfang, den man erwarten würde. Er umfasst „nur“ 239 Seiten.
Entsprechend hoch ist das Handlungstempo. Der Autor hält sich nicht lange damit auf, Dinge zu erklären oder auszubauen. Stattdessen schreitet der Plot weiter fleißig voran, mit der Konsequenz, das vieles nur angedeutet wird, obwohl man sich hier mehr Details gewünscht hätte. So deutet er an einer Stelle an, dass seine Protagonistin Eveen ihrem Geschlecht sexuell nicht abgeneigt ist. Auch einige Elemente der Stadt werden nur mit dem allernötigsten dargestellt.
Untot und doch lebendig
Das ist insofern schade, als dass diese Geschichte einen dennoch fasziniert. Einfach, weil P. Djèlí Clark lauter geniale Einfälle hat, die er in seiner Erzählung einbaut. Das fängt schon allein mit der Tatsache an, dass Eveen untot ist. Aber nicht wie eine klischeehafte Untote wirkt. Sie hat keinen Heißhunger auf Gehirn oder das Bedürfnis, die Welt der Lebendigen zu dezimieren. Stattdessen genießt sie das Leben und vor allem das Essen und muss manchmal eben darauf achten, dass sie „atmet“ oder sich wie eine Lebendige schminkt.
Eveen ist auch eine charismatische Figur. Eben weil sie einen starken Gerechtigkeitssinn hat. Der sie im Verlaufe der Geschichte ein ums andere Mal in Schwierigkeiten bringt. Doch da sie außerdem sehr einfallsreich ist und sich selbst als Unterstützung hat, schafft sie es wiederholt, aus kniffligen Situationen zu kommen.
Der Autor schafft es des Weiteren, seine Story mit vielen interessanten Details anzureichern. Es stellt sich heraus, das Eveen besondere Figuren sammelt. Oder dass die Stadt einen Stadtteil hat, der magisch verheert ist. Oder dass es einige Assassinen gibt, die längst nicht mehr normal wirken. Oder, oder, oder…
Ein enttäuschendes Finale
Gleichzeitig merkt man auch die Einflüsse der kreolischen Kultur in der Story. Vor allem im Endteil tritt dies zu Tage, als seine Protagonisten in einem wichtigen Gespräch im Original die kreolische Sprache Patwa sprechen. Hier empfiehlt es sich übrigens, die Anmerkungen der Lektorin zu lesen, die etwas mehr Licht in die dadurch für die deutsche Übersetzung entstandenen Probleme wirft und wie dies gelöst wurde.
Allerdings ist das Finale andererseits auch enttäuschend. Zuvor hat sich der Roman durch ein hohes Handlungstempo und viel gut geschriebene Action ausgezeichnet. Das wird in diesem Teil auf ein Mindestmaß reduziert. Stattdessen liest man hier eine Art Gerichtsverhandlung, die aber längst nicht so mitreißend verfasst worden ist, wie die restliche Handlung.
Trotzdem würde man sich gerne eine Wiederkehr in diese Welt wünschen. Schließlich hat der Autor jede Menge interessante Details angerissen, die man gerne vertieft sehen möchte.
Info
Autoren: P. Djèlí Clark
Originaltitel: The Dead Cat Tales Assassins
Übersetzung: Bernd Sambale
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 09/2025
Einband: Taschenbuch
Seiten: 240
ISBN: 978-3-98666-732-0
Sonstige Informationen: Produktseite
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