Mit diesem Film kehrt Steven Spielberg zu seinen Wurzeln als „Märchenonkel“ zurück.
Inhalt
Der Whistleblower Daniel Kellner arbeitet für den regierungsnahen Konzern Wardex und gelangt in den Besitz von geheimen Informationen, die belegen, dass die Erde bereits seit Jahrzehnten regelmäßig von außerirdischen Wesen besucht wird. Der Wardex Chef Noah Scanlon setzt alles daran Kellner zu fassen, bevor dieser die Daten an die Öffentlichkeit bringen kann. Hilfe bekommt Kellner von seiner Freundin Jane, deren religiöses Weltbild durch die Enthüllungen ins Wanken gerät.
Unterdessen hat die unbescholtene TV-Wettermoderatorin Margaret Fairchild ganz andere Probleme: Während einer Sendung beginnt sie plötzlich in einer völlig fremdartigen Sprache zu reden, ohne etwas dagegen unternehmen zu können. Irgendeine unbekannte Macht scheint Einfluss auf sie zu nehmen, was auch Scanlons Schergen auf den Plan ruft. Verzweifelt versucht sie herauszufinden was mit ihr los ist und kommt dadurch schließlich auch mit Daniel Kellner in Kontakt. Gemeinsam fliehen sie vor Scanlon und kommen einer Wahrheit auf der Spur, welche den Lauf der Welt für immer verändert…
Rezension
Steven Spielberg hat sich ja mit seinen früheren Werken wie Unheimliche Begegnung der dritten Art und E.T. – Der Außerirdische einen Ruf als der Märchenonkel Hollywoods erarbeitet. In diesen beiden Klassikern werden den Menschen überlegene Wesen aus dem All als fast schon gottähnliche Freunde dargestellt. Im späteren Verlauf seiner Karriere – spätestens ab Schindlers Liste – wandte er sich dann jedoch bodenständigen, zeitgeschichtlichen Themen zu, welche das phantastische Genre nicht mehr berührten. In Krieg der Welten wagte er sich dann aber doch noch einmal an das Science-Fiction Genre, doch in diesen, in der post 9/11 Welt entstandenen Werk werden Außerirdische hingegen als brutale Invasoren gezeigt, die keine Gefangenen machen.
Mit Disclosure Day kehrt der Meister nun jedoch wieder zu seinen Wurzeln zurück. Auch hier ist es wieder in erster Linie der Mensch, der als Bedrohung auftritt, während die Aliens als Retter in der Not im letzten Augenblick dafür sorgen, dass sich unsere Spezies durch einen dritten Weltkrieg selbst auslöscht.
In Anlehnung an unsere reale Weltlage wird im Film angedeutet, dass sich die Großmächte in einem Konflikt um Nordkorea befinden und kurz davor sind ihr nukleares Waffenarsenal aufeinander abzufeuern. Die US-Regierung könnte dies theoretisch verhindern, indem sie die Geheimdokumente über die Präsenz der Außerirdischen freigibt, doch aus Frucht vor den unabsehbaren Konsequenzen setzt man lieber alles daran, dass das Geheimnis auch eins bleibt.
Hier erinnert der Streifen recht stark an Chris Carters klassische Mysteryserie Akte X, in der politische Verschwörungen mit einem Sci-Fi Plot auf effektive Weise vermischt wurden. In Disclosure Day hingegen wird der eher pessimistische Ton der TV-Serie vermieden und zeigt dem Zuschauer stattdessen ein für den frühen Spielberg typisches humanistisch, märchenhaftes Ende, welches freilich auch einige Fragen offen lässt. Man muss Spielberg, der auch die Story entwickelte, dafür loben, dass er Raum für Imagination lässt und sein Publikum dazu einlädt sich seine eigenen Gedanken darüber zu machen, was nach der Enthüllung der Wahrheit geschieht.
Auch scheut er nicht davor zurück sich mit den religiösen Implikationen auseinander zusetzen, die ein Erstkontakt mit weit fortgeschrittenen Wesen aus dem All mit sich bringen würde. Es ist eine Rarität im Blockbusterkino, dass es sich überhaupt mit solchen Fragen beschäftigt, auch wenn es auch hier nur recht oberflächlich geschieht. Es ist schade, dass Spielberg nicht die Konsequenz besitzt aus diesem Aspekt seiner Geschichte mehr zu machen.
Die ersten beiden Akte des Streifens sind in erster Linie eine einzige Verfolgungsjagd, während der die beiden Protagonisten zusammenhalten müssen um vor Scanlon und seinen Leuten zu fliehen. Hierbei muss man leider auch einige logische Fehler in Kauf nehmen, denn die Wardex Leute stellen sich teilweise schon etwas schusselig an, nur damit unsere Helden ihnen entkommen können, was nicht gerade für die Qualität des Drehbuchs spricht, zumal dies nicht dessen einziger logischer Bruch ist.
Auch wartet der Film gegen Ende mit einigen Szenen auf, die man getrost als recht kitschig bezeichnen kann. Manche Bilder wirken fast wie Realversionen von Szenen aus einem Disney Zeichentrickfilm. Fairerweise muss man dem aber zugute halten, dass ein gewisser Kitsch in beinahe allen Spielberg Produktionen vorhanden ist, dies gehört ja schon fast zu seinen Markenzeichen und passt in diesem Fall auch ganz gut zu der noblen Botschaft, dass man das Fremde nicht fürchten muss.
Auch die Musik von John Williams ist wieder toll, auch wenn kein wirklich markantes Thema auftaucht, das dem Zuschauer im Gedächtnis bleibt.
Wohltuend an Disclosure Day ist vor allem die Tatsache, dass es sich um einen grundoptimistischen Film, ganz in der Tradition von Unheimliche Begegnung der dritten Art handelt, welche den Glauben an das Gute im Menschen feiert. Dies zeigt sich vor allem an Emily Blunts Figur. Sie spielt Margaret absolut sympathisch und herrlich natürlich, so dass man sich leicht mit ihr identifizieren kann. Auch alle anderen Darsteller machen einen guten Job, auch wenn Colin Firth vielleicht einen etwas zu klischeehaften Bad Guy abgibt. Disclosure Day ist wahrlich kein Meisterwerk des Genres, dafür hat man zu viele Versatzstücke schon zuvor woanders gesehen. Aber dank Steven Spielbergs gewohnt professioneller Regie fühlt sich der Streifen fast schon wie eine nostalgische Reise in die Vergangenheit an, in der das Science-Fiction Kino beim Publikum noch einen Sense of Wonder erzeugte. Im modernen Genreproduktionen ist dies beileibe keine Selbstverständlichkeit mehr. Aber Spielberg beweist hier, dass er immer noch dazu in der Lage ist in seinen Filmen eine ganz spezielle Magie zu erzeugen, die sein Publikum gefangen nimmt und das macht ihm so schnell kein anderer Filmemacher nach…
Info
Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: David Koepp, Story: Steven Spielberg
Produktion: Kristie Macosko Krieger & Steven Spielberg
Musik: John Williams
Kamera: Janusz Kaminski
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