Es gibt wohl kaum eine andere Spezies, die Star Trek so sehr als Antagonisten prägten, wie die Borg.

Der Erzfeind von Picard
Hätte Star Trek – The Next Generation ohne den Auftritt der Borg überhaupt so berühmt werden können, wie es am Ende wurde? Denn diese kybernetische Spezies, mit der sich nicht verhandeln ließ, waren der große Antagonist der Picard-Ära. Sie wurden das, was ursprünglich die Ferengi werden sollten. Sie zeigten, was in Star Trek möglich war. Mit allen Vor- und Nachteilen.
Deshalb ist es auch kein Wunder, dass Julian Wangler sich ihnen in Die Völker von Star Trek – Das Borg Kollektiv annahm. Und das nicht nur oberflächlich. Sondern wirklich, wie es bei ihm üblich ist, detailliert und ausführlich.
Nach der Einführung und der Zeitleiste stellt er in dem „Spotlight“-Kapitel die Borg an sich vor, liefert ein paar Fun Facts und analysiert dann ausführlich die Spezies als die Schreckensvision des Fortschritts. In den darauffolgenden Kapiteln beschäftigt er sich mit ihren Auftritten, angefangen von dem Erstauftritt in TNG bis zu ihrem Ende in Picard. Er beschäftigt sich mit ihren Charakterisierungen in Voyager und geht ebenso auf ihr Auftreten in den letzten beiden Picard-Staffeln an. Auch die berühmteste Borg von allen, Seven of Nine, erhält ein Kapitel, genauso, wie er sich ebenfalls mit dem Beta-Kanon beschäftigt, wo diese Spezies ja in der Destiny-Trilogie ihren Höhepunkt und Abschluss fanden.
Berichte, die unter die Haut gehen
Dabei ist dieses Sachbuch nicht einfach nur ein weiterer Band, den der Autor verfasst hat. Man weiß ja mittlerweile, dass er im deutschen Sprachraum ein Experte in Sachen Star Trek ist, der das Franchise immer wieder aus unterschiedlichen und ungewöhnlichen Blickwinkeln analysiert. Aber man merkt in diesem Teil seiner Die Völker von Star Trek-Reihe, dass er sich auch als Sachbuchautor weiter entwickelt hat. Er arbeitet jetzt immer mehr mit Zitaten, verweist auf die Quellen und lässt immer wieder andere Stimmen zu Wort kommen. In diesem Fall ist es der Chef von Warp-Core, Marco Golüke, sowie Thorsten Walch, die ihrerseits wichtige Texte beitragen.
Es macht Spaß, sich durch das Buch zu arbeiten und hierbei die unterschiedlichen Texte zu lesen. Hier merkt man wirklich, dass er sich mit Star Trek auskennt, da er interessante Perspektiven liefert. Sein „Zerrspiegel der Utopie“-Kapitel ist dabei das definitive Highlight des Sachbuches.
Dabei baut er zwischen den Kapiteln wiederholt Transkriptionen von Pseudoaudioaufnahmen ein, in denen Zeugen der Borg von ihren Erfahrungen berichten. So berichtet eine anonyme El-Aurianerin, wie sie von dem Untergang ihrer Heimat erfuhr und was das mit ihr anrichtete. Oder ein Überlebender der Schlacht von Wolf 359 erzählt von seinen Erlebnissen. Das geht unter die Haut.
Lücken, die nicht gefüllt werden müssen
Doch dann ist da noch „Filling in the gaps“. Wer meine früheren Rezensionen der Werke des Autors gelesen hat, der weiß, dass ich selten ein Fan seiner fiktionalen Texte bin. Das ist dieses Mal auch nicht anders. Die Einschübe funktionieren, da sie atmosphärisch gelungen sind, weil sie Stimmung erzeugen. Doch dieses Kapitel, dass sich ausführlich mit Picards Seelenleben nach seinen Erlebnissen mit den Borg beschäftigt, will nicht zünden. Es zieht sich und liest sich langweilig. Das ist verdammt Schade, weil es so den Gesamteindruck nach unten zieht.
Ohne dieses Kapitel wäre es ein Must-Have, ein Must-Read. Mit, ist es zwar immer noch eines der besten Werke des Autors. Aber eben nicht perfekt.
Info
Autoren: Julian Wangler
Titel: Die Völker von Star Trek – Das Borg Kollektiv
Verlag: BoD – Books on Demand
Erschienen: 09/2025
Einband: eBook
Seiten: 396
ISBN: 978-3-8192-7430-5
Sonstige Informationen: Produktseite
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