Dieser Film zeigt wunderbar, was geschieht, wenn Studio, Regisseur und Drehbuchautor nicht auf einer Linie sind.
Ein Neustart muss her
Es gibt wohl nur wenige Superheldenadaptionen, die so legendär schlecht sind, wie der 2015er Fantastic Four-Film. Ich erinnere mich noch gut daran, wie das Leinwandabenteuer damals, als es in die Kinos kam, von nahezu allen verrissen wurde. Und das sollte Konsequenzen haben: Für lange Zeit sollte dies der letzte Leindwandauftritt von Marvel’s First Family sein.
Doch sah es anfänglich natürlich nicht danach aus. Der Startschuss fiel 2009, als damals 20th Century Fox ankündigte, die Fantastic Four-Filmreihe neuzustarten. Was nach dem Flop, der Fantastic Four: Rise of the Silver Surfer darstellte, kein Wunder war. Zu jener Zeit waren noch Akiva Goldsman der Produzent und Michael Green der Drehbuchautor.
2012 wurde schließlich bekannt gegeben, dass Josh Trank, der erst kurz zuvor mit Chronicle ein grandioses Regiedebüt abgeliefert hatte, Regisseur werden würde, mit Jeremy Slater als Drehbuchautor. Die Drehbuchautoren von X-Men: Erste Entscheidung, Zack Stentz und Ashley Edward Miller, sollten dabei Unterstützung liefern. Nur, dass Trank anschließend beschloss, sich selber und alleine ums Drehbuch zu kümmern.
Eine… interessante Inspirationsvorlage
Und damit sollten die Probleme anfangen. Denn Jeremy Slater wollte sich an dem Avengers-Film orientieren, was Trank aber rundherum ablehnte. Außerdem war der Regisseur kein Fan von Superhelden-Verfilmungen und seine einzige Begegnung mit den Fantastic Four war die Zeichentrickserie aus dem Jahr 1994. Am Ende überging er Slater bei der Kommunikation mit dem Studio, was dazu führte, dass der Autor nach sechs Monaten das Handtuch schmiss und das Projekt verließ.
Doch die Produktion ging weiter. Matthew Vaughn, Regisseur und Drehbuchautor von X-Men: Erste Entscheidung, trat als Produzent bei, derweil Simon Kinsberg (X-Men: Der Letzte Widerstand, als Drehbuchpoliteur und ebenfalls Produzent angeheuert wurde. Und auch Seth Grahame-Smith (Abraham Lincoln, Vampire Hunter) sollte dafür sorgen, dass das Skript halbwegs brauchbar werden sollte.
Interessant sind vielleicht noch folgende Infos: So lehnte Josh Trank die Ideen von Jeremy Slater unter anderem deshalb ab, weil der Kinofilm nicht das große Budget von Avengers habe. Was zwar richtig war, aber dieser Film hatte auch ein riesiges Ensemble an Charakteren, darunter einige hochkarätige Schauspieler. Was Fantastic Four eben nicht hatte. Und der Filmemacher sagte, sein Kinofilm sei deutlich von David Cronenberg beeinflusst. Vor allem dessen Werke Scanner und Die Fliege seien für ihn Inspirationsgrundlage. Ebenso sei der Ton des Films eine Mischung aus Steven Spielberg und Tim Burton, was eine ziemlich wilde Aussage ist.
Die unschönen Seiten des Internets
Das Casting sollte stellenweise für Kontroversen sorgen. Jetzt weniger, was die Darsteller von Reed Richards und Ben Grimm anging. Die Rolle des Mr. Fantastic sollte an Miles Teller (Divergent) gehen, während das Ding von Jamie Bell (Billy Elliot) zum Leben erweckt wurde. Auch dass Susan Storm durch Kate Mara (Der Marsianer) dargestellt wurde, war in Ordnung. Doch dass die Figur von Johnny Storm, in den Comics ihr Bruder, durch den Farbigen Michael B. Jordan (Creed) übernommen wurde, war dann für viele im Internet zu viel des Guten. Es gab Morddrohungen und andere unschöne Dinge, wie sie leider in den Weiten des Netz Gang und gebe sind. Dabei hätte es anders kommen können. Denn ursprünglich wollte Josh Trank die Figur der Susan Storm ebenfalls mit einer Farbigen besetzen, doch das Studio machte ihm dabei einen Strich durch die Rechnung.
Aber es gab ja außer den vieren noch andere Rollen. Toby Kebbell (Prince of Persia: The Sands of Time) wurde als Victor von Doom gecastet, derweil die Rolle von Sue und Johnnys Vater Frank Storm durch Reg E. Cathey (The Wire) übernommen wurde. Und zuguterletzt wurde Tim Blake Nelson (The Incredible Hulk) als Dr. Harvey Allen gecastet, ein Wissenschaftler, der für die Regierung und das Militär arbeitet.
Reed Richards und Ben Grimm sind Kindheitsfreunde, die gemeinsam einen Teleporter entwickeln. Das führt dazu, dass Reed ein Platz bei der Baxter Foundation angeboten wird, wo er schon bald Victor von Doom, Susan und Johnny Storm kennenlernt. Zurückgelassen von seinem besten Freund, entwickelt und erbauet er mit den Dreien einen großen Teleporter, der in eine andere Dimension führt.
Ein offener Streit ist selten gut
Doch nach einer erfolgreichen Generalprobe übernimmt das Militär die Kontrolle und will selber Leute schicken. Was den Männern des Teams nicht gefällt. Und so ruft Reed seinen Freund Ben an, um gemeinsam mit ihm zu viert illegalerweise in die andere Welt zu reisen. Diese entpuppt sich als äußerst fremdartig und aggressiv. Die Umgebung persönlich greift die Vier an, die fliehen müssen. Doch bei der Flucht bleibt Victor zurück und ihre Ankunft in ihrer Heimatdimension ist so heftig, dass dadurch eine Energiewelle ausgelöst wird, die am Ende Susan Storm verändert. Genauso, wie die drei Überlebenden sich verändert haben. Sehr zum Gefallen des Militärs, die sie schon bald für ihre Zwecke einsetzen.
Es ist nicht sonderlich hilfreich, wenn kurz vor Filmrelease eine offene Fehde zwischen Regisseur und Filmstudio ausbricht. Denn anscheinend war 20th Century Fox von dem, was Josh Trank gedreht hatte, so wenig beeindruckt, dass es ausführliche Nachdrehs orderte. Und das über den Kopf des Filmemachers hinweg. Wodurch viele Elemente seines Drehs ad absurdum geführt wurden.
Mit diesem Wissen im Hinterkopf konnte man ab dem 7. August 2015 in die Kinos gehen, um Fantastic 4, wie der Film auch tituliert wurde, sich anzusehen. Und diejenigen, die das taten, waren am Ende nicht begeistert. Die Kritiken waren verheerend, sowohl von offiziellen Kritikern, wie ebenfalls von den Zuschauern. Das Endergebnis war bei einem Budget von 120 Millionen US Dollar ein Einspielergebnis von 167,90 Millionen US Dollar. Womit das Kapitel Fantastic Four bei 20th Century Fox ein für alle Mal geschlossen war.
Das erklärt einiges
Und wenn man sich ein wenig in den Weiten des Internets umschaut, dann stößt man auf interessante Infos. Solche, die einiges von dem Erklären, was einem schon beim Zuschauen aufgefallen ist.
Denn bei einer Filmlaufzeit von 110 Minuten wirkt die Story merkwürdig konstruiert. Man hat stellenweise das Gefühl, dass hier von der Geschichte her vieles geskippt wurde, was sich dann auch auf das Figurenensemble auswirkt. Denn man hat nie wirklich den Eindruck, dass hier eine Gruppe an Freunden und Familie entsteht, sondern hier einfach nur vier Individuen mit geringer Zusammengehörigkeit präsentiert werden. Im Prinzip haben sie kaum ihre Kräfte erhalten und ein wenig trainiert, geht es dann auch schon in den Endkampf.
Nun konnte eine Homepage den ersten Draft von Simon Kinsberg lesen, der sich teilweise radikal vom Endprodukt unterschied. Doch was diese Webseite feststellen durfte, war, dass quasi der gesamte erste Akt des Entwurfs genommen wurde und beim endgültigen Film auf zwei aufgeblasen wurde. Was sich eben bemerkbar macht.
Wieso wieder Doom?
Nicht, dass dies alle Fehler von Fantastic Four erklären würde. Denn der Kinofilm hat auch darüber hinaus jede Menge Macken und Mankos. Sicherlich mit das Größte ist die Wahl des Antagonisten. Es ist jetzt das dritte Mal hintereinander, dass Victor von Doom als Gegenspieler genommen wurde. Als geneigter Superheldenverfilmungsfan hat man fast den Eindruck, dass die vier nur ihn als Schurken haben und nicht auch noch andere Figuren. Was natürlich nicht der Wahrheit entspricht. Im Draft von Kinsberg waren unter anderem Galactus und der Mole man Gegenspieler. Doch selbst aus der Post Creditszene, in der der Weltenverschlinger aufgetaucht wäre, wurde ja nichts.
Hinzu kommt ja auch noch, dass der Film enorm unter den teils hundsmiserablen Special Effects leidet. Es mag sein, dass 120 Millionen US Dollar für einen Ensemblefilm nicht wahnsinnig viel ist. Aber bessere Spezialeffekte oder Kostüme hätten doch drinnen sein können, oder? Die Idee, dass das Ding ein Haufen laufenden Gesteins ist, mag zwar auf dem Papier nett gewesen sein. Jedoch wirkt die Figur einfach nicht glaubwürdig, was ebenfalls für das feurige Aussehen von Johnny Storm gilt. Und das endgültige Design von Doctor Doom ist einfach nur lachhaft. Vor allem auch deshalb, weil Toby Kebbel Probleme hat, die das gesamte Gesicht verdeckende Maske zu überspielen. Er schafft es einfach nicht.
Und stellenweise muss man auch die Actionszenen bemängeln. Denn diese sind… lasch. Einzelne Schläge oder Tritte wirken gebremst ausgeführt und allgemein fehlt den Konfrontationen der Biss. Wenn sie sowieso nicht gerade unter einem Special Effects-Gewitter förmlich erstickt werden.
Vorsicht, Pathos!
Und fangen wir erst gar nicht mit den Dialogen an. Wenn gefühlt der gesamte Film aus steifen, übertrieben bedeutungsschweren oder pathetischen Gesprächen besteht, dann weiß man, dass da etwas schiefgelaufen ist. Und zwar gewaltig. Es ist schleierhaft, wie diese stellenweise peinlichen Dialoge überhaupt durchkommen konnten.
Von den Logik- und Anschlussfehlern wollen wir mal schweigen. Dass ein Reed einfach so abhauen kann und das erst verspätet auffällt, ist schon peinlich. Aber dass man ihn dann später mit Bartstoppeln im Gesicht sieht, die dann allerdings einige Einstellungen später nicht mehr sichtbar sind, ist grausam. Und das sind keine Einzelfälle.
Man merkt dem Film einfach an, dass hier verschiedene Leute mit ihren jeweiligen Visionen am Werk waren. Josh Trank wollte einen Body-Horror-Film, was ihm allerdings nur stellenweise gelingt. 20th Century Fox wollte einen Sommerblockbuster haben, der schön Special Effects-Geladen ist und möglichst viele ansprechen soll. Und Leute wie Jeremy Slater und Simon Kinsberg wollten einen bunten, familienfreundlichen Film mit vielen Anspielungen auf die Comics haben. Am Ende ist der Film von allem etwas und nichts. Sprüche wie „Flamme an“ werden gefühlt wie weggeworfen gesprochen, die Chemie zwischen den Figuren stimmt nicht und Ansätze eines Gruselfilms werden nicht weiter verfolgt.
Wenn die Arbeit unangenehm ist
Man kann den Schauspielern keinen Vorwurf machen. Sie haben sich wirklich bemüht, aus Grütze das Beste rauszuholen. Doch es ist bezeichnend, wenn eine Kata Mara später bekennt, dass sie die Dreharbeiten unangenehm empfand. Alle Darsteller probieren das Beste, doch am Ende vermögen auch sie nicht, das Projekt zu retten. Nur Tim Blake Nelson hatte sichtlich Vergnügen während des Films. Schade, dass er dann mit Anfang des letzten Akts rausgeschrieben wurde.
Machen wir uns nichts vor, der Film ist Schrott! Und hoffentlich wird Fantastic Four: First Steps besser werden. Immerhin scheint dieser einen Vorteil zu haben: Hauptantagonist ist dieses Mal nicht ein gewisser Victor von Doom!
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