Das Problem an diesem Film ist, dass er seiner Zeit zu weit voraus war.
Ein wagemutiger Plan
Squaresoft ritt in den 1990er Jahren auf einer Welle des Erfolgs. Der Videospielentwickler und Publisher hatte in diesem Jahrzehnt einige seiner auch heute noch berühmtesten Titel herausgebracht. Spiele wie Final Fantasy VI oder Chrono Trigger auf dem SNES sind jedem Retrospieler bekannt. Doch es war Final Fantasy VII auf der Playstation, das der Höhepunkt dieser Zeit sein sollte und das erfolgreichste Final Fantasy-Spiel überhaupt wurde.
In dieser Zeit entschloss man sich seitens Square zu einem wagemutigen Schritt. Man beschloss, ihr größtes und erfolgreichstes Franchise, Final Fantasy, auf die Leinwand zu bringen. Allerdings war nicht geplant, einfach nur die Story eines Spiels wiederzugeben. Das scheiterte schon allein daran, dass, so Hironobu Sakaguchi, die Hardware der damaligen Konsolen zu schwach war, mit der Konsequenz, dass die Optik der damaligen Spiele nicht dem entsprach, was man auf der Leinwand sehen wollte.
Nun ist Hironobu Sakaguchi nicht einfach irgendjemand. Er war es, der für Square das Final Fantasy-Franchise erschuf, der auch viele der Spiele davon produzierte oder entwickelte. Weshalb er auch derjenige sein sollte, der die Story des Films schreiben sollte, ebenso wie er Regie führte und einer der Produzenten war.
Noch nicht ganz massentaugliche Technologie
Der Film, der in Deutschland übrigens den Namen Final Fantasy: Die Mächte in dir trug, sollte dabei von Anfang an computeranimiert sein. Das war insofern beachtlich, als dass die entsprechende Technologie damals noch in den Kinderschuhen steckte. Zwar hatte 1995 Toy Story gezeigt, was damit alles möglich war, doch war sie noch nicht wirklich „massenmarkttauglich“. Erst ab der Jahrtausendwende herum sollte sie sich langsam durchsetzen.
Und der Aufwand, Final Fantasy: Die Mächte in dir 2001 auf die Leinwand zu bringen, war enorm. Man begann schon vier Jahre, bevor der Film in die Kinos kam, mit den ersten Vorbereitungen. Die ersten 18 Monate gingen für die Entwicklung der nötigen Software In-House drauf. Am Ende sollten mit der Produktion des Films vier SGI-Origin-2000-Server, vier Onyx2-Systeme und 167 Octane Workstations beschäftigt sein. Übrigens wurde für den Film extra ein Filmstudio namens Square Pictures gegründet.
Dabei setzte Square bei der Bewegung der Figuren auf Motion Capture. Das war für die Körper an sich wunderbar geeignet. Aber die Hand- und Gesichtsanimationen mussten alle manuell gemacht werden. Am Ende umfasste der Film 1.327 Szenen und 141.964 Frames, wobei jeder Frame ungefähr 90 Minuten zum Rendern brauchte. Am Ende hatte Square 15 Terabyte an Material, was für die damaligen Zeiten unvorstellbar viel war.
Vom Modell zur Wissenschaftlerin
Die Story verfasste, wie gesagt, Hironobu Sakaguchi. Das Drehbuch wurde anschließend von Al Reinert (Apollo 13) und Jeff Vintar (I, Robot) überarbeitet. Dabei war die offizielle Sprache des Films von Anfang an englisch.
Square Pictures, das Filmstudio, das Square für die Produktion gegründet hatte, beschloss im April 2000 eine Zusammenarbeit mit Columbia Pictures. Diese sollten die weltweiten Vertriebsrechte kriegen, mit der Ausnahme von Asien.
Die Charaktere wurden so realistisch wie möglich erstellt. Vor allem bei der Hauptfigur Aki Ross wurde viel Arbeit reingesteckt. Ihr ursprüngliches Erscheinungsbild war das eines Supermodells, ehe es überarbeitet wurde, so dass sie mehr wie eine Wissenschaftlerin aussah. Ihr Name basiert übrigens auf der verstorbenen Mutter von Sakaguchi.
Angriff der Phantome
Gesprochen werden sollte sie von Ming-Na Wen, die parallel zu dieser Produktion bei ER verpflichtet war. Sie hatte zwar zunächst Probleme, sich an die Arbeit ohne richtige Kollegen zu gewöhnen, fand dann aber schon bald die Arbeit ganz angenehm, da sie nur ein bis zwei Mal im Monat für vier Monate für Sprachaufnahmen ins Studio kommen musste und gleichzeitig natürlich auch Make-up und Kostümarbeiten für sie entfielen.
Der Rest des Casts war mit einigen prominenten Namen besetzt. Donald Sutherland (Die Körperfresser kommen) sprach Aki Ross väterlichen Mentor Dr. Sid, derweil Alec Baldwin (Jagd auf Roten Oktober) als ihre frühere Liebe, der Soldat Captain Gray Edwards, zu hören war. Dessen Einheit, die Deep Eyes, setzten sich aus Ving Rhames (Con Air) als Ryan Whittaker, Steve Buscemi (Fargo) als der nervige Neil Fleming und Peri Gilpin (Frasier) als Corporal Jane Proudfoot. Als Antagonist wirkte James Woods (Es war einmal in Amerika) als General Douglas Hein mit.
Mut ist vorhanden
Im Jahr 2065 wurde die Erde von sogenannten Phantome angegriffen. Dabei handelt es sich um nicht-körperliche Lebensformen, die die sogenannten Gaia-Spirits durch Umschließen eines Körpers essen, was im Tod der entsprechenden Person endet.
Dr. Aki Ross ist zusammen mit ihrem Mentor Dr. Sid auf der Suche nach einer Möglichkeit, die Gefahr zu beenden. Dazu müssen acht Spirits gefunden werden, die auf der ganzen Erde verteilt sind. Unterstützt wird sie dabei von der Deep Eyes Squad, deren Anführer Gray Edwards ihr ehemaliger Freund war. Und während sie sich gemeinsam mit diesen auf die Suche nach den restlichen Spirits macht, lauert die wahre Gefahr woanders. Denn General Douglas Hein will unbedingt die im Orbit der Erde schwebende Zeus-Kanone einsetzen, um die Gefahr zu beseitigen.
Dabei hat Aki Ross ein Geheimnis. Sie träumt und sieht in diesen Träumen eine außerirdische Welt, die im Zentrum eines Kriegs steht. Und es gibt noch ein Geheimnis: Sie trägt eines der Phantome eingesperrt in ihrem Herzen. Womit sie eine der gesuchten Spirits ist.
Eines darf man Final Fantasy: Die Mächte in dir nicht vorwerfen: Mangelnden Mut. Denn davon muss reichlich vorhanden gewesen, als der Film produziert wurde. Der Glaube an den Erfolg des Kinofilms, trotz diverser Anzeichen, die das Gegenteil andeuteten, muss enorm gewesen sein.
Große Pläne, groß gescheitert
Doch auch der Erfolgsdruck muss enorm gewesen sein. Denn das ursprüngliche Budget von 70 Millionen US-Dollar war schnell verbraucht, weshalb mehr Geld zugeschossen werden musste. So kamen unter anderem noch 30 Millionen US-Dollar von Columbia Pictures hinzu.
Und man hatte große Pläne. Vor allem Aki Ross sollte, wenn es nach Sakaguchi gegangen wäre, noch in vielen weiteren Filmen oder Videospielen auftauchen können. Nur, dass am Ende alles anders kam.
Final Fantasy: Die Mächte in dir, der heute vor 25 Jahren in die Kinos kam, war ein massiver Flop. Er spielte nur 85,10 Millionen US-Dollar ein, deutlich zu wenig und sorgte mit dafür, dass 2003 Square mit dem einstigen Konkurrenten Enix zu Square Enix verschmolz. Sakaguchi selber nahm in diesem Jahr auch seinen Hut und verließ den Entwickler, den er einst mit groß machte.
Der wahre Grund fürs Scheitern
Der Film war seiner Zeit sehr weit voraus. Ein solch ambitioniertes Projekt hätte zehn Jahre später nicht so viel Aufmerksamkeit generiert. Die Produktion wäre allerdings schneller und vor allem billiger vonstatten gegangen. Aber der Film ist eben 2001 erschienen und dann halt gescheitert.
Animationstechnisch war der Film seinerzeit absolute Spitzenklasse. Er setzte Maßstäbe, auch, wenn nicht alles an ihm rundum gelungen war. So erzeugten die Gesichter einen enormen Uncanny-Vally-Effekt, weil sie im Versuch, natürlich zu wirken, zu künstlich aussahen. Gleichzeitig muss man aber auch bemerken, dass solche 3D-Animationen sehr schlecht altern. Vergleicht man ihn mit einem zeitgenössischen 2D-Trickfilm, wirkt ein solcher deutlich besser.
Aber das ist nicht der Grund, wieso der Film gescheitert ist. Der Grund für sein Scheitern hat diverse andere Ursachen. Und Hauptgrund war die Story.
Figuren, so blass wie ein leeres Blatt Papier
Dass die Geschichte sehr esoterisch rüberkam und das Gerede von Spirits und Phantomen eher irritierte? Geschenkt! Esoterische Elemente gab und gibt es auch noch in den Final Fantasy-Games, wo sie längst nicht so negativ auffallen.
Aber der eigentliche Grund ist, dass die Story es nicht schafft, dass man sich für die Figuren interessiert. Stattdessen handelt es sich dabei überwiegend um Abziehfiguren, die stellenweise bestenfalls rudimentär charakterisiert werden. Um es deutlicher zu formulieren: Bis auf Aki Ross und Gray Edwards entwickelt sich keiner der Charaktere so weiter, dass sie für den Zuschauer sympathisch wirken.
Vor allem die restliche Deep-Eyes-Truppe kommt über den Status von Stichwortgebern nicht hinaus. Sie erhalten zwar ein heldenhaftes Ende, doch dass sie dann sterben, ist dem Zuschauer egal. Zum einen, weil ihr jeweiliges Ableben sehr klischeehaft inszeniert worden ist, und zum anderen, weil sie einem auf Grund ihrer rudimentären Charakterisierung schlicht und ergreifend egal sind.
Wieso ist das Final Fantasy?
Wobei es sie immer noch besser trifft als General Douglas Hein. Von Anfang wird klar gemacht, dass er der Böse ist, dass er der Antagonist ist. Er trägt eine dunkle Uniform, sieht sich von dem regierenden Rat gegängelt und hat einen Riesenhass auf die Phantome. Er ist vernünftigen Argumenten nicht zugänglich und ist, um an sein Ziel zu kommen, bereit, im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen zu gehen. Dementsprechend flach und blass wirkt die Figur. Nur in einer Szene wird zaghaft angedeutet, dass er einen Grund für sein Verhalten hat. Aber das ist auch alles. Es wird nicht nochmal aufgegriffen oder ausgebaut.
Doch am stärksten stört die Tatsache, dass der Film darauf verzichtet, wichtige Infos mitzuliefern. Als man sieht, wie die Stadt von den Phantomen überrannt wird, befürchtet man, dass dies das Ende der Menschheit ist. Nur um dann später zu erfahren, dass es noch ändere Städte gibt. Diese Info vorab zu liefern, wäre vielleicht nicht verkehrt gewesen.
Gleichzeitig muss man sich als Fan der Videospielreihe fragen, was der Film überhaupt mit Final Fantasy zu schaffen hat. Ein Merkmal des Franchise ist, dass es bestimmte Elemente gibt, die wiederholt aufgegriffen und anders interpretiert werden. Dazu zählen bestimmte Namen, Melodien oder gar Gegner. Bis auf Dr. Sid, dessen Name ähnlich wie Cid klingt, ein Name, der in den Games sehr oft auftaucht, ist davon im Kinofilm nichts zu sehen. Wenn nicht Final Fantasy als Titel für den Film verwendet werden würde, würde man nicht meinen, dass er Teil des Franchise ist.
Es ist jetzt nicht so, dass er ein Komplettreinfall ist. Die Träume, die Aki Ross hat, die Enthüllung, woher die Phantome stammen, und allgemein diese Szenen darin, die können überzeugen. Aber das ganze andere Drumherum schafft es nicht, das Interesse des Zuschauers zu fesseln. Und das ist schade.
Info
Regie: Hironobu Sakaguchi
Drehbuch: Al Reinert, Jeff Vintar
Story: Hironobu Sakaguchi
Produktion: Hironobu Sakaguchi, Jun Aida, Chris Lee
Musik: Elliot Goldenthal
Kamera: Motonori Sakakibara
Schnitt: Chris S. Capp
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