Dies dürfte die Episode sein, auf die die meisten “Strange New Worlds”-Gucker gewartet haben.
Heiß ersehnt?
Spocks (Ethan Peck) Privatleben verläuft aktuell nicht sonderlich gut. Seine Beziehung zu La’an Noonien Singh (Christina Chong) wurde von der Sicherheitsoffizierin beendet und seine Bemühungen, ein mentales Gleichgewicht zu finden, fruchten nicht. Weshalb er dankbar ist, als T’Pring (Gia Sandhu) ihm anbietet, ihm dabei zu helfen, Letzteres zu erreichen. Doch als sie sich an Bord beamt, ist er gerade mit einem Shuttle unterwegs. Zu seinem Glück.
Denn ein Experiment, die Reichweite des Transporters zu vergrößern, von Scotty (Martin Quinn) läuft schief. Und auf ein Mal sind sämtliche Lebensformen an Bord der Enterprise Puppen. Bis eben auf Ausnahme von Spock, der, als er wieder an Bord kommt, helfen muss, das Schiff am Laufen zu halten. Was durch die Ankunft einiger Orioner erschwert wird.
Stufe 5 Transporterunfall ist die Episode, auf die die meisten gewartet haben dürften. Schon, als die ersten Bilder im ersten Trailer für die vierte Staffel auftauchen, stellte sich die Frage, was sich Strange New Worlds hier schon wieder hat einfallen lassen? Puppen im Weltraum? Wie soll das funktionieren?
Schwerstarbeit
Schon der Titel der Episode verrät die Antwort. Es darf wieder ein ehrwürdiger Transporterunfall herhalten, um zu erklären, wieso die Besatzungsmitglieder zu Puppen wurden. Es ist eine, angesichts der Umstände, durchaus logische Erklärung. Solange man nicht ihre Sinnhaftigkeit hinterfragt. Aber andererseits hat die Frage nach dem Sinn die Reihe ja auch nicht davon abgehalten mit Subraum Rhapsody eben eine Musicalepisode zu produzieren, die spaßig und grandios war.
Dabei verlangt diese Folge Ethan Peck Schwerstarbeit ab. Und zwar sowohl als auch. Physikalisch sieht man seinen Spock teilweise von Station zu Station hetzen, da diese auf die Eingaben der Puppen nicht reagieren. Derweil er schauspielerisch über weite Teile der Folge keinen menschlichen Gegenpart hat, auf den er reagieren kann. Doch meistert er dies scheinbar problemlos. Sein Spock ist in dem Chaos der Episode der Ruhepol, der sich durch nichts aus der Ruhe bringen lässt. Selbst dann nicht, als er von den Orionern gefangen genommen wird.
Die Puppen selbst wurden von Amerikas Puppenexperten #1, der Jim Henson Company hergestellt und zum Leben erweckt. Routiniert schaffen sie es, die Figuren wie ihre realen Vorbilder agieren zu lassen, wenn auch natürlich überspitzt. Scotty ist als Puppe noch mehr ein Angsthase, derweil Pells Exzentrik noch mehr auf die Spitze getrieben wird. Was sich auch durch ihr Aussehen ausdrückt. Captain Pikes Haare sind mindestens genauso groß wie sein Kopf, derweil Schwester Chapell die Neugierde förmlich ins Gesicht geschrieben steht. Es ist einfach herrlich, die Crew der Enterprise als Puppen zu sehen und gleichzeitig zu beobachten, wie dies dann auch in den Plot der Folge eingebaut wird.
Nicht die reine Liebe
Denn ihr ungewöhnliches neues Dasein wird nicht einfach so dargestellt. Es ist teilweise sogar, naturgemäß, ein essenzieller Bestandteil des Plots. Denn in ihrem neuen Zustand sind sie widerstandsfähiger und überstehen es sogar problemlos, wenn sie beispielsweise in zwei Hälften geteilt werden. Es reicht, dass sie danach einfach wieder zusammengenäht werden. Und für solche Ideen muss man diese Folge lieben.
Es ist allerdings keine vollkommene Liebe. Denn einerseits ist sie zwar, bis auf das Ende, grandios. Aber andererseits ist dies die zweite Comedy Pur Folge in dieser Staffel, nach Menschlicher bester Freund. Es gleichzeitig auch erneut eine extrem übertriebene Gimmicklastige Episode.
Auch solche Folgen haben natürlich ihre Existenzberechtigung. Aber es täte Strange New Worlds nicht schlecht, wenn sie mal wieder eine normale Episode präsentieren würden. Also eine Folge, die nicht von einem Gimmick oder einer Hommage lebt. Denn auf Dauer hat man dies dann doch über.
Puppenspiele allein reichen nicht ganz
Auch ist das Ende der Folge nicht sonderlich berauschend. Es stellt sich heraus, dass all das, was hier geschehen war, am Ende nur ein Traum von Spock war. Hier stellt sich wieder wie bei Valles Marineris das Gefühl ein, dass die Macher Angst vor der eigenen Courage hatten.
Und dann sind da noch die Orioner. Es war klar, dass ein Konflikt mit einer nicht freundlich gesinnten Spezies eingebaut werden musste, um für zusätzliche Spannung zu sorgen. Aber die Darstellung der Orioner ist platt und nicht sonderlich originell. Sie dienen nur für zusätzlichen Comedy Relief und Spannung. Hier wäre mehr drinnen gewesen,
Am Ende lebt diese Episode von den Puppen. Die für sich genommen sind grandios und wirklich auch gut umgesetzt. Doch der Rest lässt zu wünschen übrig. Schade.
Info
Regie: Jordan Canning
Drehbuch: Henry Alonso Myers & Dana Horgan
Showrunner: Akiva Goldsman, Henry Alonso Myers
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