Dies ist wieder eine Episode, an deren Ende man vollkommen fertig mit der Welt ist.
Die schöne Ungewissheit, nicht zu wissen, wie es weitergehen wird
Während Bruder Tag (Lee Pace) immer weiter flüchtet und dabei die Wächter austrickst, arbeitet Bruder Morgen (Cassian Bilton) weiter mit Gaal (Lou Llobell) zusammen. Zusammen planen sie, wie sie den Rat dazu überreden können, dass er dem Antrag des Imperialen, eine Blockade um Kalgan zu errichten, doch noch zustimmt. Dabei ist der Cleon bei der Wahl seiner Mittel alles andere als zimperlich.
Unterdessen erreichen Bayta (Synnøve Karlsen) und Toran Mallow (Cody Fern) gemeinsam mit Magnifico (Tómas Lemarquis) die Heimatwelt der Händler der Foundation. Da ihr Schiff allerdings beschädigt worden ist, bauen sie eine Bruchlandung, die sie zum Glück heil überstehen. Und Captain Pritcher (Brandon P. Bell) wird wegen seines unerlaubten Treffens mit dem Maultier von Mayor Indbur (Leo Bill) auf Terminus inhaftiert.
Verratene Kinder ist eine Folge, an deren Ende man erst mal schlucken muss. Weil in den letzten Minuten sehr vieles geschieht, womit man so nicht gerechnet haben dürfte, sodass man, sobald die Credits laufen, nicht weiß, wie es weitergehen wird. Ein beunruhigend schönes Gefühl.
Sie werden so schnell erwachsen
Dabei lässt sich die Episode Zeit mit dem Aufbau. Ehe die Ereignisse geschehen, die alles auf den Kopf stellen, wird alles vorbereitet. Langsam und ohne, dass man es als Zuschauer merkt, wird man in den Lauf der Geschehnisse reingezogen. Und man muss feststellen, dass diejenigen, die am unscheinbarsten sind, auch diejenigen sind, die es faustdick hinter den Ohren haben.
Verratene Kinder fängt damit an, dass man sieht, wie Bruder Morgen weiter erfolgreich flieht, derweil Demerzel der Leichnam des toten Wächters vorgeführt wird, woraufhin sie mit trauriger Stimme meint, dass ihre Clemons in alle Winde verstreut sind. Sie wirkt dabei wie eine Mutter, die feststellen muss, dass ihre Kinder schneller erwachsen geworden sind, als ihr lieb sind. Und die nicht unbedingt mit jeder ihrer Taten einverstanden ist.
Außerdem sieht man auch, wie Captain Pritcher wegen seines Treffens mit dem Maultier verhaftet wird. Wobei es weniger das Treffen sein dürfte, als vielmehr der Schaden, den er der Foundation damit zugefügt hat, das ihn ins Gefängnis bringt.
Eine ungewöhnliche Zusammenarbeit
Doch überwiegend wird zwischen Bruder Morgens und Gaals Zusammenarbeit, sowie der Heimkehr der Mallows hin- und hergeschaltet. Letztere wirkt ein wenig wie Comedy Relief, hat allerdings auch ernste Untertöne, denn dem Influencerpaar ist klar, dass sie mit dem Barden Magnifico unerwartet große Beute gemacht haben. Seine Fähigkeiten darf man definitiv nicht unterschätzen und sie dürften sicherlich noch großer Bedeutung werden.
Wobei sich zeigt, dass er eine schon fast kindlich naive Sicht auf die Dinge hat. Wenn er sich beispielsweise über einen besonderen Anblick schon fast überschwänglich freut, dann hat dies etwas Anrührendes an sich, zeigt aber auch, dass er in mancher Hinsicht etwas zurückgeblieben wirkt.
Doch deutlich wichtiger ist die Zusammenarbeit zwischen Bruder Morgen und Gaal. Sie ist es, die die Pläne hat, sie ist es, die den Imperialen überredet, zu agieren. Wie er dies allerdings tut, das überrascht beide.
Die Gewalt steckt in den Genen
Der Hang zur Gewalt war bislang etwas, was man von Bruder Tag gesehen hat. Doch in dieser Folge sieht man zum ersten Mal, wie auch Broder Morgen sich als kaltblütig erweist, was die Ermordung von Leuten angeht. In diesem Fall ist es eine Affäre des Senators Vynod Tarisk, die der Imperiale eiskalt umbringt, weil sie sein Gespräch belauscht hat. Er ist zwar später, als er alleine ist, wegen seiner Tat erschüttert, doch verarbeitet er das sehr schnell, wie sich dann später zeigt.
Und er ist auch nicht der Einzige, der eiskalt ist. Denn Gaal Dornick erweist sich ebenfalls als eine Mörderin. Wenn auch in deutlich größerem Rahmen. Es zeigt sich nämlich, dass sie geahnt hatte, dass das Maultier eine Falle gestellt hat, die das Imperium empfindlich schwächen wird. Und sie hat Bruder Morgen dahingehend manipuliert, dass er blindlings in diese gelaufen ist, eine Falle, die einen ganzen Planeten und Millionen von Menschen vernichtet. Ihre Begründung ist, dass sie dadurch die Foundation stärken will, damit diese das Maultier besiegen kann.
Man merkt ihr zwar an, dass sie daran zu knabbern hat, doch genau wie Bruder Morgen akzeptiert sie dies als notwendig, um die Zukunft zu sichern. Wobei sie sich ehrliche Sorgen um den Imperialen macht. Auch wenn der, als er ihren Plan erfahren hat, öffentlich mit ihr bricht und anscheinend stirbt.
Wie Hari Seldon, nur in weiblich
So oder so ist man am Ende platt. Das Imperium ist empfindlich geschwächt und Gaal Dornick entwickelt sich immer mehr und mehr zu einer weiblichen Version von Hari Seldon, der das Wohl des Einzelnen egal ist, solange das Wohl der Foundation größer ist. Dass diese Entwicklung beunruhigend ist, ist noch milde ausgedrückt.
Aber als Zuschauer feiert man es. Weil dies eine Spitzenklasse-Episode ist, die einen von Anfang bis Ende mitreißt! Ganz großes Kino!
Informationen
Regie: Christopher J. Byrne
Drehbuch: Caitlin Parrish & Leigh Dana Jackson
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