In diesem Album werden die Geschichten von H. P. Lovecraft grafisch völlig neu interpretiert.

Nicht so einfach
Über H. P. Lovecraft muss man heutzutage kaum noch Worte verlieren. Der US-Amerikaner, der Anfang des 20. Jahrhunderts lebte, hat mit seinen Erzählungen die Fantasie vieler Leute geprägt. Seine Horror-Geschichten erzählten von uralten Göttern, Lebensformen, die außerhalb des Universums stammen und jeder Menge unheimlicher Bedrohungen. Seine Stories wurden und werden immer wieder aufgenommen und neu interpretiert.
So auch in diesem Album. Die Katzen von Ulthar und weitere Geschichten nimmt sich jetzt vier Erzählungen von Lovecraft an und bietet eine alternative Erzählweise. Es handelt sich dabei um Stories, die nicht so bekannt sind. Das Kreativteam besteht aus Giuseppe Congendo und Antonio Montano.
Bereits von Anfang an wird klar, dass dieses Album alles andere als einfach zu lesen und zu verdauen ist. Das liegt jetzt nicht an den Geschichten selbst. Sondern vielmehr an den Zeichnungen, die alles andere als Standard sind.
Extrem Extreme
Gemeint ist, dass diese Illustrationen Extrem sind. Extrem reduziert, extrem stilisiert und extrem abstrakt. Die Farbgebung der Zeichnungen beschränkt sich auf zwei Stück pro Seite, wobei die Sprechblasen eine dritte hineinbringt. Stellenweise weiß man nicht so recht, was man von dem, was einem vorliegt, halten soll. Ein normaler Leser dürfte sich davon abgestoßen fühlen, eben weil dies nicht dem gewohnten Mainstreamgeschmack entspricht. Man muss sich also darauf einlassen. Was aber sehr schwerfällt, da die Illustrationen wie auch die Erzählweise an sich sehr sperrig ausfallen.
Die Erzählungen an sich werden überwiegend nur via Dialoge vorangetrieben. Captureboxes, in denen es erklärende Texte gibt, sind hier eher selten vorzufinden. Es ist ein interessanter Versuch, der allerdings den Nachteil hat, dass die Stimme des Erzählers, des Autors, die ja mit Teil der Faszination der originalen Geschichten ist, häufig zu kurz kommt.
Folgende Erzählungen finden sich in diesem Album wieder: Der schreckliche alte Mann schildert, wie ein Außenseiter, von einer Gruppe Gauner überfallen wird, die das allerdings bald bereuen. Die Katzen von Ulthar handelt davon, dass die Katzen eines Dorfes von einem alten Paar getötet werden, bis ein Fluch dafür sorgt, dass sich das Schicksal ändert. Der Außenseiter beschreibt, wie ein Mann zu Bewusstsein kommt und irgendwann den Entschluss fasst, sein Versteck zu verlassen. Den Abschluss bildet Der Hund, wo man von zwei Grabräubern liest, denen die Strafe sehr bald auf den Fuß folgt.
Eben Frühwerke
Es sind alles vier zwei frühe Werke von Lovecraft. Das merkt man den Erzählungen auch an. Sie lesen sich gut – vor allem der Außenseiter – aber es fehlt ihnen noch das letzte bisschen Finesse, dass vor allem die Spätwerke des Autors auszeichnet.
Es fällt schwer, in dieses Album einzusteigen. Eben weil die Illustrationen so gewöhnungsbedürftig sind. Aber ebenso wegen der Erzählweise, die einen nicht immer mitnimmt.
Das Kreativteam erwartet also von dem Leser einiges. Er muss bereit sein, seine Lesegewohnheiten über Bord zu werfen. Er muss einiges an eigener Fantasie mitbringen, um etwaige bewusste narrative Lücken eigenständig zu füllen. Und er muss bereit sein, die Geschichten zu lesen, ohne ständig diese Erzählerstimme, wie sie für Lovecraft so typisch ist, ständig im Hinterkopf zu haben. Wenn man das schafft, dann wird man sich mit diesem Album anfreunden. Doch wer auch nur an einer der Vorbedingungen scheitert, der wird hiermit keine Freude haben.
Dementsprechend schwer ist, sich ein endgültiges Urteil zu bilden. Denn dies ist einer der Fälle, wo jede Bewertung im Prinzip die Falsche ist.
Autoren: Howard Philipps Lovecraft, Giuseppe Congendo
Zeichner: Antonio Montano
Verlag: Splitter
Sonstige Informationen: Produktseite
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