[Star Trek – The Next Generation: Doppelhelix 1] Infektion

Lesezeit circa: 4 Minuten

»Infektion« stellt den Auftakt zu der »Star Trek – The Next Generation: Doppelhelix«-Reihe dar.

Star Trek The Next Generation Doppelhelix Band 1 Infektion
© Cross Cult

Ein Fremdkörper im modernen „Star Trek“

Auf dem ersten Blick wirkt die »Doppelhelix«-Reihe wie ein Fremdkörper im »Star Trek«-Programm des Cross Cult-Verlags. Diese Serie wurde ursprünglich im Jahr 1999 in den USA herausgebracht, also zu einer Zeit, als die Eigenständigkeit der jeweiligen Romanserien, wie man sie heute kennt, noch nicht überall gegeben war. Da stellt sich natürlich die Frage, wieso der Cross Cult-Verlag diese Miniserie überhaupt mit ins Programm aufnahm? Ohne zu viel zu spoilern, diese Frage wird mit einem späteren Roman deutlich beantwortet.

Verfasst wurde die Geschichte von John Gregory Betancourt. Der Autor wurde 1963 als Sohn des bekannten Archäologen Philip Betancourt geboren. Als Kind begleitete er seinen Vater auf dessen Ausgrabungen im Ausland, wo er dann auch seine Liebe zum Geschriebenen entdeckte. Als Erwachsener machte er seine Liebe zum Beruf und verfasste viele Stories in den Genres Science-Fiction, Fantasy und Mystery. Als Redakteur betreute er diverse Magazine und seine Essays, Artikel und Rezensionen erschienen zum Beispiel in der Washington Post.

Die Enterprise wird nach Archaria III beordert. Die Welt ist von heftigen Spannungen zwischen verschiedenen Spezies gekennzeichnet. Hass herrscht zwischen den unterschiedlichen Rassen und auch auf die sogenannten »Gemischten«, also Kinder von zwei dieser differenten Völker. Als eine Seuche ausbricht, droht der Hass endgültig offen auszubrechen, mit unvorhersehbaren Konsequenzen.

Jemand von der Kerncrew ist krank? Langweilig!

Die Enterprise soll bei der Bekämpfung der Epidemie helfen. Doch das ist alles andere als einfach. Zum einen stellt sich heraus, dass der Virus künstlich erschaffen wurde und alle konventionellen Methoden, ihn zu bekämpfen oder gar einzudämmen, nichts bringen. Gleichzeitig werden die Quarantänebestimmungen von den regierenden Verantwortlichen gebrochen und selbst ernannte Propheten heizen die Stimmung auf der Oberfläche weiter an. Das dann auch noch Deanna Troi sich ansteckt, macht die Situation endgültig verfahren.

Der Roman spielt wenige Wochen nach dem Pilotfilm von »The Next Generation«, »Mission Farpoint«. Dementsprechend macht es Sinn, dass auf dem Cover des Bandes einen Tasha Yar anschaut. Übrigens hat hier Martin Frei exzellente Arbeit geleistet.

Bedingt dadurch, dass die Story in der Frühzeit von »TNG« stattfindet, kann man natürlich davon ausgehen, das am Status quo der Serie nichts verändert wird. Dementsprechend erzeugt die Tatsache, dass Deanna Troi erkrankt, auch wenig bis keine Spannung. Man weiß ja, dass am Ende wieder alles gut wird!

Schranken werden errichtet

Um den Leser wenigstens etwas mitfiebern zu lassen, konzentriert sich John Gregory Betancourt in »Infektion« darauf, die Ereignisse auf dem Planeten darzustellen. Das geschieht dadurch, dass der einige Offiziere auf der Welt stranden lässt, wo sie selber erleben, was da passiert. Es wird eine Welt präsentiert, die von ihrer Konzeption her das Gegenteil zur Föderation ist. Anstatt ein Miteinander verschiedener Völker herrscht hier ein Gegeneinander, das plastisch dargestellt wird.

Eine weitere Sache, auf die sich der Autor beim Schreiben von »Infektion« fokussiert, ist die Tatsache, dass er der Föderation ihre Grenzen aufweist. Zu Beginn wirkt sie arrogant und überheblich, im vollkommenen Vertrauen auf ihre hoch entwickelte Technologie. Bis am Ende der Virus diese problemlos überspringt. Klar, teilweise wirken die Argumente, mit denen das begründet wird, an den Haaren herbeigezogen, aber damit kann man leben.

Mit 218 Seiten ist »Infektion« ein eher kurzer Roman. Stellenweise hat man das Gefühl, dass dem Buch ein wenig mehr Umfang gutgetan hätte. So wirkt mitunter die Handlung förmlich gehetzt, weil die Ereignisse sich überschlagen. Ebenso würde auch so manche Charakterisierung von mehr Platz profitieren.

Insgesamt ist »Infektion« kein schlechter Auftakt zur »Doppelhelix«-Reihe. Es wird sich zeigen, was die nächsten Romane bringen werden.

Bewertung 09/15

Autor: John Gregory Betancourt
Titel: Star Trek – The Next Generation: Doppelhelix 1: Infektion
Originaltitel: Star Trek – The Next Generation: Double Helix – Infection
Übersetzer: Stephanie Pannen
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 02/2012
Einband: Taschenbuch
Seiten: 218
ISBN: 978-3-86425-011-8
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Götz Piesbergen

Götz ist Jahrgang 78 und unser Mann fürs literarische Star-Trek-Universum.
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