Mit diesem Film wollte man an einen der bis dato besten Bond-Abenteuer anschließen. Was allerdings nicht geklappt hat.
Der neue James Bond ist ein alter James Bond
Erneut stand Eon Production, die Produktionsfirma der James Bond-Filme vor einem Problem. George Lazenbey, der in Im Geheimdienst ihrer Majestät sein Debüt als 007 gegeben hatte, stand auf ein Mal nicht mehr zur Verfügung. Er hatte einen Vertrag über sieben Filme abgelehnt und verließ die Produktion.
Womit diese vor einem Problem stand. Denn das nächste Filmabenteuer musste bald gedreht werden, doch war unklar, wer als jetzt den berühmten Geheimagenten darstellen sollte. Entsprechend wurde sich umgeguckt. Eine Menge an Namen wurden in Erwägung gezogen oder sogar angesprochen. Schauspieler wie Clint Eastwood oder Burt Reynolds meinten zu den Anfragen, dass die Figur nicht von einem Amerikaner gespielt werden sollte. Der Favorit der Produzenten, Roger Moore, stand nicht zur Verfügung, weil er gerade die Serie Die 2 drehte.
Das am Ende die Wahl erneut auf Sean Connery fiel, lag an United Artists und ihrem Präsidenten David Picker. Der war mit allen Entscheidungen unglücklich und machte klar, dass er den Veteranen wieder zurück haben wollte, egal wie viel es kosten würde. Die Kosten sollten sich am Ende auf 1,25 Millionen US Dollar belaufen. Doch war dies ein verhältnismäßig kleiner Preis, um an dieser Front endlich Ruhe zu haben.
Der Versuch, an einen früheren Erfolg anzuknöpfen
Dabei sollte Sean Connery nicht der Einzige sein, der wiederkehrte. Von Anfang stand fest, dass man bei der Produktion von Diamantenfieber, so der Titel des neusten Bond-Films, vermehrt versuchen wollte an Goldfinger anzuknüpfen. So sollte Shirley Bassey wieder den Titelsong singen, derweil Guy Hamilton sich erneut auf den Stuhl des Regieführenden setzen sollte.
Allerdings hatte Letzterer eine Bedingung: Nachdem er bei Luftschlacht um England wiederholt mit den Trade Unions (Einer besonderen Form von Gewerkschaft, die es nur in den UK gibt) in Konflikt geraten ist, sollte der Film überwiegend außerhalb Groß Britanniens gedreht werden. Entsprechend fand ein Großteil der Handlung in den Vereinigten Staaten von Amerika statt.
Das Drehbuch wurde wieder überwiegend von Richard Maibaum verfasst. Der wollte ursprünglich an den Tod von Tracy aus dem letzten Bond-Film anknüpfen, doch stellte sein erster Versuch die Produzenten nicht zufrieden, weshalb er es komplett neu schreiben musste. Am Ende wurde Tom Mankiewicz (Superman – der Film) angeheuert, um das Skript zu überarbeiten. Der Grund dafür war, dass er Amerikaner war und da ein Großteil der Handlung in Las Vegas stattfand, sollte er seine Perspektive mit einbringen.

Auf der Spur der Diamanten
Neben Sean Connery kehrten ebenfalls Bernard Lee, Desmond Llewelyn und Lois Maxwell in ihre Rollen zurück. Auch Charles Grey trat wieder auf, dieses Mal allerdings in einer anderen Rolle. Ihn konnte man zuletzt in „Man lebt nur zwei Mal“ sehen, wo sein Charakter starb. Dieses Mal wurde er als Ernest Blofeld gecastet. Lana Wood (Peyton Place) erhielt den Zuschlag als Bondgirl Plenty O’Toole derweil Jimmy Dean (Daniel Boone) als exzentrischer Großindustrieller Willard Whyte – angelehnt an Howard Hughes – auftrat. Das Killerpärchen Mr. Wint und Mr. Kidd einerseits durch Bruce Glover (Chinatown) und andererseits durch den Jazz-Musiker Putter Smith dargestellt. Es gab auch wieder einen Felix Leiter, der dieses Mal durch Norman Burton zum Leben erweckt wurde. Bruce Cabbot (King Kong) sollte zum Casino Manager Albert R. „Bert“ Saxby werden. Jill St. John (Versunkene Welt) ihrerseits wurde zur Diamantenschmugglerin Tiffany Case.
James Bond ist auf der Suche Ernest Blofeld. Dafür nimmt er dessen gesamte Organisation auseinander, bis er eine Spur zu einer Anlage für Schönheitschirurgie findet. Dort soll sein Gesicht verändert werden. Doch 007 findet ihn und kann ihn töten, ehe er verschwinden kann.
Doch für den Geheimagenten seiner Majestät heißt das jetzt nicht, dass er damit arbeitslos wird. Im Gegenteil: Derweil gerade Attentäter Mitglieder eines Diamantenschmugglerring einen nach dem anderen eliminieren, spürt er diesem ebenfalls nach, wenn auch aus einer anderen Richtung. Die Spur führt ihn nach Amerika, wo er schon bald auf die Diamantenschmugglerin Tiffany Case stößt.
Leichte körperliche Veränderungen, immer noch der selbe Charme
Sean Connery ist also wieder zurück. Es waren damals vier Jahre vergangen, seit dem er das letzte in Man lebt nur zweimal die Rolle von 007 innehatte. Körperlich hatte er sich seitdem etwas geändert. An den Schläfen zeigte sich erstes Grau und er wirkte etwas fülliger. Doch der alte Charme war immer noch vorhanden. Noch immer stellte er glaubwürdig den gefährlichen Geheimagenten ihrer Majestät dar, der in die gefährlichsten Situationen kam. Nur um diese mit Intelligenz, Witz und Charme überstand.
Auch Charles Grey konnte als Ernest Blofeld begeistern. Zwar war er der dritte Darsteller in dieser Rolle. Doch hier trat zum ersten Mal das Gefühl auf, dass er die richtige Kombination aus Charme, Intelligenz und Gewitztheit ausstrahlte. Schade nur, dass er nur so wenig Szenen kriegte.
Doch ansonsten muss man leider sagen, dass Diamantenfieber ein ganz furchtbarer James Bond-Film ist. Der Kinofilm ist eine einzige Katastrophe. Die Handlung ist unnötig komplex und stellenweise sogar regelrecht hirnrissig. Die meisten Figuren wirken wie Karikaturen oder gleich komplett blass und undefiniert. Ganz zu schweigen davon, dass er in einigen Momenten außerdem sexistisch, rassistisch und aus der Zeit gefallen wirkt.
Problematische Darstellungen
Das fängt schon mit Mr. Wint und Mr. Kidd dar. Der Film drückt es nicht explizit aus, lässt aber deutliche Hinweise darauf fallen, dass die beiden ein homosexuelles Paar sind. Sie dienen im Grunde genommen nur als Comedy Relief, doch wirkt ihr Gehabe völlig klischeehaft und nervig.
Nicht, dass es bei den Frauencharakteren besser ist. Im Prinzip dienen sie alle nur als Eyecandy. Plenty O’Toole läuft ständig mit ihrem tiefen Dekolleté herum, derweil Tiffany Case Kleiderschrank anscheinend auch nur aus Klamotten besteht, die sehr viel Haut in verschiedenen Variationen freilassen. Die Chemie zwischen ihr und Bond ist nicht existent, beide wirken wie Fremdkörper in der gegenseitigen Beziehung. Wenn man bedenkt, wie stark Pussy Gallore in Goldfinger dargestellt wurde, ist dies wirklich ein dramatischer Abstieg!
Allgemein fühlt sich der Plot spannungs- und überraschungsarm an. Es wirkt so, als ob hier versucht wurde, ein von der Atmosphäre her Best of Bond zu machen, wobei der Fokus nicht so sehr auf eine spannende oder dramatische Handlung gelegt wurde. Sondern vielmehr darauf eine Reihe an immer abstruseren Ereignissen darzustellen, in die 007 gerät und aus denen er sich befreien muss. Höhepunkt ist, als er in eine feindliche Basis gerät und am Ende mit einem Mondbuggy (!) flieht.
Hier hat sich einiges massiv verschlechtert
Was den Rassismus angeht, sieht man in einer Szene, wie in einer Las Vegas-Attraktion eine farbige Frau sich durch Special Effects in einen Gorrila verwandelt. Was man als eine Anspielung auf die rassistische These verstehen kann, dass Farbige mit Affen verwandt sind. Wobei allgemein gilt, dass wenn Farbige auftreten, sie eher wie unintelligente Handlanger oder als Kriminelle dargestellt werden. Was eine massive Verschlechterung im Vergleich zu Quarrel aus James Bond jagt Dr. No darstellt.
Am Ende muss man einfach feststellen, das Diamantenfieber wie ein billiges 08/15 James Bond-Abenteuer wirkt. Es ist der insgesamt schlechteste 007-Film, den bis dahin gab. Und das mit Abstand.
Es sollte am Ende auch der letzte offizielle Auftritt Sean Connerys als James Bond sein. Man hätte ihm einen besseren Abschluss gewünscht. Wobei es irgendwann mal heißt Sag niemals nie.
Meine persönliche James Bond-Filme-Rangliste:
1. James Bond 007 – Goldfinger
2. James Bond 007 – Liebesgrüße aus Moskau
3. James Bond – 007 jagt Dr. No
4. James Bond – Im Geheimdienst ihrer Majestät
5. James Bond 007 – Feuerball
6. James Bond 007 – Man lebt nur zweimal
7. James Bond 007 – Diamantenfieber
Meine persönliche James Bond-Titellieder-Rangliste:
1. Shirley Bassey – Goldfinger
2. Nancy Sinatra – You Only Live Twice
3. Shirley Bassey – Diamonds are forever
4. Tom Jones – Thunderball
6. Matt Monro – From Russia with Love
Info
Regie: Guy Hamilton
Drehbuch: Richard Maibaum, Tom Mankiewicz
Produktion: Harry Saltzman, Albert R. Broccoli
Musik: John Barry
Kamera: Ted Moore
Schnitt: Bert Bates, John Holmes
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