Kolumne: He-Man, She-Ra und der Fluch der alternden Fans

Lesezeit circa: 6 Minuten

Spoiler: In diesem Text interpretiere ich beide Trailer zu der kommenden Masters of The Universe: Revelation-Serie sowie mögliche Plot-Informationen.

An dem Tage, an dem ich diese Zeilen schreibe, erschien er: der Trailer zur neuen He-Man-Serie, Masters of the Universe: Revelation.
Großartig stimmte er mich auf die Neuauflage aus dem Hause Netflix ein. So großartig, dass ich mir in Folge eine Bonny Tyler-Playlist angemacht habe!
In der Chatgruppe, in der der Trailer geteilt wurde, kam ein kurzes Gespräch über den Zeichenstil auf. »Etwas zu klobig«, meinte jemand. »Aber immer noch besser als damals bei She-Ra!«, schrieb ein anderer. Gemeint hatte er natürlich die Neuauflage der Serie aus dem Jahre 2018.
Diese wurde nämlich dereinst für ihren eher einfachen Zeichenstil gerügt – und zwar vorrangig von Männern zwischen 30 und 40.
Es ist immer wieder erstaunlich, welch scharfe, kritische Töne wir Männer anschlagen können, sogar für Produkte, die überhaupt nicht für uns gemacht wurden.
She-Ra, das ist eine Serie, in der es überall vor Rosa, Glitzer und Regenbögen nur so wimmelt. Alle Figuren haben immer gute Laune und es gibt Blümchen, ein fliegendes Zauberpferdchen, Süßigkeiten – und die einzige männliche Identifikationsfigur ist ein Bogenschütze mit einem Herzchen auf der Brust.
Nicht falsch verstehen, ich werfe niemandem vor, wenn ihm das gefällt. Ich bezweifle nur, dass die meisten dieser Kritiker ein echtes Interesse an dieser Kinder- und Jugendserie haben – weder damals noch heute. Der durchschnittlich sozialisierte männliche mittelalte Nerd dürfte bei dem Gedanken an Glitzerherzchen, Teepartys und Girly-Liebeskummer wenig Freude haben.

Ergebnisoffen

Wann immer Reeboots und Neuauflagen anstehen, gibt es einige Leute, denen das nicht gefällt. Und das ist durchaus ok.
Ich selbst habe mich dabei ertappt, wie ich nach einem Video auf YouTube Zweifel an der Plotgewichtung von Masters of the Universe: Revelation hegte. Womöglich wird Teela die zweite, vielleicht sogar die einzige Hauptfigur. Es gibt Hinweise darauf, dass He-Man womöglich zu einer Nebenfigur werden wird. Da musste ich schlucken. Mein Kindheitsidol wird nicht erneut im Alleingang den Tag retten?
Wertbindungen sind höchst subjektiv und selten rational wegzudiskutieren. Was aber helfen kann, sind ergebnisoffene Gespräche mit anderen. So sprach ich mit meinem Cousin, Vater einer Tochter, über mein neues He-man-Dilemma. Ich war sehr überrascht, als er mir eine neue Perspektive eröffnete.
»Frauen sind in solchen Produktionen immer noch total unterrepräsentiert,« sagte er. »Ich möchte so etwas irgendwann mit meiner Tochter schauen können und auch für sie soll es gute Identifikationsfiguren geben, die nicht nur den männlichen Helden von der Seitenlinie anfeuern.«

Ja, der Trailer sagt eindeutig, dass sich Masters of the Universe: Revelation – im Gegensatz zu She-Ra – an meine Generation richten wird, an die Leute, die mit He-Man und den Masters groß geworden sind. Musik von Bonny Tyler, da muss sich an Kids of the 80s richten. Aber das heißt nicht, dass es hier nicht auch Veränderungen geben darf. Die Welt hat sich weitergedreht. Und mal ehrlich, abseits einiger sehr überzeugter Fans, hatte He-Man doch immer einen eher trashigen Ruf. Der Muskelmann in der Unterbuchse, der allen überlegen ist, immer den Tag rettet und die eigentlich ebenfalls recht kompetenten Masters wieder und wieder wie Deppen aussehen lässt. Von der Prinz-Eisenherz-Frisur ganz zu schweigen. Da sollte sich schon etwas bewegen, wenn die 40 Jahre verspätete Nachfolgeserie nicht nur Hohn und Spott ernten will.
Auch ein Plot, bei dem wir eine ganze Staffel nur darauf warten, dass He-Man jetzt zur heroischen Rettung auf den Plan tritt, ist doch mehr als unzeitgemäß.
Und Teela? Sollte es stimmen, dass sie eine Hauptrolle übernimmt, wäre das endlich mal fair. Die Rolle, die in der Originalserie einfach nur die Alibi-Frau war, die He-Man anhimmelte, zuweilen mit grotesken »Das ist aber mal ein echter Mann«-Assoziationen, bekommt endlich Aufmerksamkeit, eine eigene Entwicklung über die heimliche Verliebtheit zum Muskelmann He-Man hinaus.
Und das ist gut so.

Inzwischen ist der zweite Trailer erschienen und der deutet schon überdeutlich an, dass irgendwas Schlimmes mit dem magischen Schwert passieren wird. Und das ist eines modernen Spannungsbogens würdig. Die übermächtige Figur He-Man muss zumindest kaltgestellt werden, wenn die Handlung Dramatik entwickeln soll.
All diese Dinge schälten sich aus dem Gespräch mit meinem Cousin langsam heraus. Und ich erkannte, dass ich hier selbst beinahe zum nerdigen Nörgler geworden wäre, dem Konservator, der alles schön so behalten will, wie es dereinst war – obwohl das heute nie und nimmer funktionieren würde.

Deine Wertbindung, andere Wertbindungen

Mit jeder Nörgelei vermiest der nerdige Nörgler anderen ihren Spaß. Nein, er ist noch nicht toxisches Fandom. Aber sein Nörgelmilieu schneidet sich schon zuweilen damit. Und nein, er ist auch kein großer Kritiker. Kritik ist ein mit Argumenten unterlegtes Geschmacksurteil. Subjektiv, aber versachlicht. Wo sind die Argumente bei »Das sieht doof aus, das will ich so nicht!« nochmal? Seine Nörgel-Freiheit endet also da, wo die Genuss-Freiheit der Anderen anfängt.

Vor allem wir Männer dürfen uns schon zuweilen fragen, ob wir unsere »Kritik« nicht mal stecken lassen. Und bevor du das nächste mal wieder schimpfen möchtest, mein guter Mit-Nerd, suche das Gespräch mit anderen und lausche ihren Perspektiven. Aber besser nicht im Internet. Reale Gespräche eignen sich besser zum gegenseitigen Verständnis.

Ich jedenfalls freue mich sehr auf Masters of the Universe: Revelation. Die Trailer versprechen eine wirklich gute Serie.

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