Mit diesem Film war der Versuch gescheitert, Tarzan für ein neues Jahrtausend zu adaptieren.
Ein mühsamer Weg zum fertigen Film
Es ist mittlerweile auf den Tag zehn Jahre her, seitdem Legend of Tarzan in die Kinos kam. Es war der erste Live Action-Film mit Edgar Rice Burroughs Dschungelhelden seit dem Jahr 1998. Es gab zwar seit diesem Jahr die sehr erfolgreiche Disney-Zeichentrickadaption sowie einige Versuche, basierend auf der Figur eine Live Action-Fernsehserie aufzubauen. Doch blieb es bei diesen.
Die Idee, einen neuen Kinofilm zu produzieren, existierte bereits seit dem Jahr 2003. John August (Charlie’s Angels) schrieb das erste Drehbuch, ehe dann drei Jahre später John Collee (Master and Commander) sein Glück versuchen sollte. Guillermo del Toro (Hellboy) war für die Regie vorgesehen. Doch verließ er das Projekt, um stattdessen zu versuchen, Der Hobbit zu verfilmen. Dann hieß es auf ein Mal, dass der neue Tarzan-Film ähnlich wie Fluch der Karibik sein sollte, jedoch sollte sich das Gerücht als nicht wahr erweisen.
Stattdessen überarbeitete Craig Brewer 2011 das Skript und sollte ebenso Regie führen. Doch daraus wurde nichts. Denn an seiner Stelle kam David Yates (Harry Potter und der Orden des Phoenix) an Bord und durfte sich auf den Stuhl des Filmemachers setzen. Zwischendurch wurden die Dreharbeiten pausiert, weil es Sorgen gab, dass Legend of Tarzan sein Budget sprengen würde.
Eine merkwürdige Entscheidung
In Sachen Casting hatte vor allem Produzent Jerry Weintraub (Ocean’s Eleven) das Sagen. Er wollte über lange Zeit den Schwimmer Michael Phelps in der Titelrolle, weil er in ihm den Nachfolger von Johnny Weismuller, dem legendären Tarzanschauspieler, sah. Doch nach dem der Sportler in Saturday Night Live auftrat, zerschlug sich die Idee bereits nach zwei Minuten. Stattdessen wurden Namen wie Henry Cavill oder Tom Hardy in den Raum geworfen. Ehe die Wahl auf den schwedischstämmigen Schauspieler Alexander Skarsgård (Zoolander) fiel, der für die Rolle sich ordentlich Muskeln antrainierte. Samuel L. Jackson wurde als der amerikanische Abenteurer George Washington Williams gecastet, derweil Christoph Waltz (Django Unchained) als Filmbösewicht Captain Léon Rom angeheuert wurde. Die Rolle von Tarzans Geliebte Jane Clayton wurde von Margot Robbie übernommen (Suicide Squad). Auch Emma Stone war zwischendurch im Gespräch, doch Robbie konnte sie ausschlagen.
Gedreht wurde ausschließlich in England. Filmarbeiten in Afrika hätten wohl das Budget zu sehr in Höhe schießen lassen, weshalb sich dagegen entschieden wurde. Zumindest wurde versucht, alles irgendwie afrikanisch wirken zu lassen. Bis auf die Tiere, die allesamt am Computer entstanden waren.
König Leopold II von Belgien hat sich in enorme Schulden gestürzt, um den Kongo-Freistaat auszubeuten. Doch das Geld wird knapp, weshalb er seinen Abgesandten Léon Rom losschickt, damit dieser die Diamanten von Opar findet und sichert. Diese werden allerdings von dem Häuptling Mbonga beschützt, der fast die gesamte belgische Expedition massakriert. Nur Rom lässt er am Leben. Und bietet ihm einen Deal: Er und seine Heimat kriegen die Diamanten. Wenn sie Mbonga dafür Tarzan ausliefern.
Nicht der Kinoerfolg, der erwartet wurde
Dieser lebt inzwischen als Lord Greystroke in Großbritannien. Er wird von der britischen Regierung einbestellt, die ihm davon erzählen, dass Belgien ihn nach Boma einlädt. Außerdem erfährt er, dass der belgische König wohl kurz davor steht, die Kredite ausfallen zu lassen, die er aufgenommen hatte. Weshalb ein Besuch von Tarzan dazu führen könnte, dass das britische Empire Ansprüche auf das Land erheben könnte.
Doch der hat kein Interesse daran. Erst der Amerikaner George Washington Williams kann ihn überreden, dennoch die Reise anzutreten. Was er auch mit seiner Ehefrau Jane Clayton macht. Es ist für sie beide eine Reise zurück in ihre wahre Heimat, wo sie viele alte Bekannte und Freunde wiedersehen. Doch die Freude wird je getrübt, als Rom angreift und Jane und einige der befreundeten Stammesangehörige entführt. Woraufhin sich Tarzan aufmacht, seine Geliebte und seine Freunde zu retten.
Legend of Tarzan hatte ein Budget von 180 Millionen US Dollar. Und er spielte am Ende „nur“ 356.7 Millionen US Dollar ein. Er war also nicht der Kinoerfolg, den sich das verantwortliche Studio ersehnt hatte.
Die Leute das tun lassen, wofür sie sowieso bekannt sind
Wenn man sich den Film heute, zehn Jahre nachdem er herausgekommen war, anschaut, dann ist man über den kommerziellen Misserfolg nicht verwundet. Denn im Prinzip wurde hier alles versemmelt, was es zu versemmeln galt. Es gibt nichts oder nur wenig, was für das Leinwandabenteuer spricht.
Zu den positiven Aspekten gehört, dass man Samuel Jackson und Christoph Waltz tun und machen ließ, was sie wollten und konnten. Mit dem Erfolg, das Jackson wieder sich selbst als einen M***f***er darstellen konnte, was ja seine Paraderolle und immer ein kleines Highlight ist. Dieses Mal vielleicht noch mit dem Unterschied, dass er sich traute, seine Figur als nicht sonderlich trainiert zu charakterisieren.
Christoph Waltz war hingegen wieder der eiskalte und gefährliche Antagonist. Auch das ist seine Paraderolle. Er war zwar dieses Mal kein Deutscher, sondern „nur“ ein Belgier. Doch das hinderte ihn nicht daran, ihn als jemand Intelligenten und Durchtriebenen darzustellen.
Ein schleppendes Handlungstempo
Doch so sehr die beiden glänzten, schwächelten die beiden anderen Hauptdarsteller. Alexander Skarsgård mag zwar für seine Filmrolle einiges an Muskeln aufgebaut haben. Er wirkt allerdings über weite Teile des Films wie ein Milchbubi, der noch dazu nicht das nötige Charisma eines Tarzans hat. Noch schlimmer trifft es Margot Robbie, die nur wenig zu tun kriegt, außer über weite Teile des Films die Gefangene von Christoph Waltz Figur darzustellen. Unnötig zu sagen, dass dies für eine Schauspielerin sehr wenig Möglichkeiten bietet, ihre Rolle auszubauen.
Hinzu kommt außerdem noch, dass das Handlungstempo des Films sehr schleppend ist. Bis überhaupt die Andeutung von Fahrt aufkommt, ist schon ein gutes Drittel der Handlung vergangen. Und auch danach hat man nicht das Gefühl, dass das Tempo sich so weit erhöht, dass man gefesselt wird. Es plätschert alles betulich vor sich hin.
Es ist aber auch nicht gerade hilfreich, dass der gesamte Film künstlich und unnatürlich wirkt. Man sieht eine Landschaft, die ungefähr wie Afrika aussieht. Jedoch sieht man ebenfalls deutlich, dass ein Großteil des Films in einer Gegend gedreht wurde, die nicht dieser Kontinent ist. Die Tatsache, dass die paar wenigen Tiere, die hier auftreten, alle am Computer entstanden sind, ist da ebenso nicht sonderlich hilfreich. Vor allem auch deswegen nicht, weil sie schlecht gealtert sind. So, als ob das für die Computereffekte verantwortliche Studio für seine Arbeit kein großes Budget erhalten hat.
Das ist nicht Tarzan
Doch am Schlimmsten ist die Tatsache, dass der Film zwar Tarzan im Titel hat. Man aber nie das Gefühl hat, auch wirklich Tarzan zu sehen. Hier rächt sich zum einen das Milchbubigesicht von Alexander Skarsgård. Genauso, wie die Tatsache, dass man ihm nie das Material gegeben hat, wirklich wie der legendäre Dschungelheld zu agieren. Alles wirkt gehemmt, vorsichtig, sehr darauf bedacht, nicht zu übertreiben oder jemanden auf die Füße zu treten. Letzteres ist aller Ehren wert, wenn man bedenkt, wie rassistisch die ursprünglichen Erzählungen von Edgar Rice Burroughs war. Aber einige der früheren Filmadaptionen hatten deutlich gemacht, wie man mit der problematischen Vorlage umgehen kann, ohne die Faszination, die das Konzept der Figur ausstrahlt, zu zerstören.
Schlussendlich kann man es drehen und wenden, wie man will. Aber dieser Film ist zu Recht ein Flop geworden.
Info
Regie: David Yates
Drehbuch: Adam Cozad, Craig Brewer
Story: Craig Brewer, Adam Cozad
Produktion: Jerry Weintraub, David Barron, Alan Riche, Tony Ludwig
Musik: Rupert Gregson-Williams
Kamera: Henry Braham
Schnitt: Mark Day
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