Der Hexenorden hat die Crew der Nachtwärts aufgespürt, die bei ihrer Flucht zu drastischen Mitteln greifen muss.

Das Szenario
Iniza ist wenig begeistert davon, dass Shara den Kopfgeldjäger Kranit freigelassen hat. Allerdings besitzt er einige nützliche Informationen. Da er schon auf einigen Totenmonden der Hexen von Tiamande war, weiß er, wozu deren Gottkaiserin Bräute braucht. Die alte Oberhexe liegt in einer Art Koma und glaubt, den Willen des schwarzen Lochs Kamastraka diktiert zu bekommen. Da die Gottkaiserin ihren Zustand der Trance nicht verlässt, braucht sie ein Medium, welches ihre Botschaften empfängt und verbreitet. Die meisten verlieren dabei jedoch ihren Verstand, weshalb der Verschleiß an Bräuten recht hoch ist.
Ein geeigneter Ort, vor dem Hexenorden unterzutauchen, wäre der legendäre Ort Noa, der am Ende einer Hyperraumroute namens Pilgerkorridor liegen soll. Doch bevor die Suche danach beginnt, müssen die Flüchtigen erst einmal einen Zwischenstopp auf der Hymnia-Station einlegen, auf der sich Kranits Freund Olfur aufhalten soll. Der kleinwüchsige Gauner, der seine Beine verloren hat, ist gerade in eine Kneipenschlägerei verwickelt. Nachdem die Flüchtigen ihn freigekauft haben, macht er sich daran, Sharas Sprengkragen zu entfernen.
Zwischenzeitlich taucht ein Gildenkreuzer auf, der keinem Geringeren als Inizas Onkel Hadrath Talantis gehört. Der fordert die Auslieferung seiner Tochter, der wieder einmal nur die Flucht bleibt. Dummerweise befindet sich Shara noch an Bord von Olfurs Raumschiff, während dessen Muse, ein weiblicher Android, auf der Nachtwärts weilt. Olfur schießt die von ihrem Kragen befreite Alleshändlerin mit einer Rettungskapsel aus dem Hangar der Raumstation und rammt den Gildenkreuzer. Durch sein Opfer können die anderen fliehen und nehmen Shara wieder an Bord. Gerade noch rechtzeitig, damit diese den Code eingeben kann, der die Selbstzerstörung der Nachtwärts deaktiviert.
Vor der Hymnia-Raumstation ist inzwischen die Kathedrale des Hexenordens aufgetaucht und die einzige Fluchtmöglichkeit stellt ein Hyperraumsprungtor dar, dessen Besatzung jedoch kaum Flüchtlingen helfen wird. Zum Glück hat Shara von Olfur einen Schlüssel mitbekommen, der das Tor automatisch startet. Der einzige Haken: Der Schlüssel kann lediglich die zuletzt benutzte Route aktivieren, weshalb die Kathedrale nicht lange brauchen wird, um die Nachtwärts zu finden. Zumal Hadrath Talantis zuletzt durch das Tor gekommen ist und der verbündet sich gerade mit der Oberhexe Setembra.
An ihrem Zielort finden die Flüchtigen einen Ring aus 23 Raumstationen, die noch aus der Zeit der alten Hegemonie stammen und von Maschinenwesen bevölkert waren. Die haben offenbar ein Sprungtor aus den Raumstationen gebaut, was ein Ausweg sein könnte. Doch um diesen nutzen zu können, müssen sie eine alte Kampfmaschine wecken. Da Olfurs Muse eine Androidin ist, kann sie sich mit der Maschine verbinden, welche sogleich einen ihrer Häscher erledigt. Die nächste Etappe der Reise steht bevor.
Rezension von Hymnia
Im zweiten Band stoßen mehrere neue Charaktere hinzu. Da wäre der draufgängerische Olfur, über dessen Beinverlust Kranit zu dessen Ehrenrettung lügt. Bei seinen Fähigkeiten bezüglich der Entschärfung von Sprengkragen hat der Kopfgeldjäger ebenfalls etwas übertrieben, denn das ist der wahre Grund für den Verlust seiner Beine. Doch zum Glück geht diesmal alles gut aus. Für alle außer Olfur. Der erweist sich als überraschend großherzig und opfert sich, um den anderen die Flucht zu ermöglichen. Leider verursacht sein Raumschiff lediglich einen Kratzer am Gildenkreuzer und obendrein taucht auch noch die gigantische Kathedrale des Hexenordens auf.
Auf der verbündet sich Hadrath Talantis mit der Hexe Setembra, die seine Hilfe zwar annimmt, aber eigentlich nicht nötig hat. Inizas Onkel verfügt nicht nur über großen Einfluss innerhalb der Gilde, sondern glaubt zudem, eine direkte Verbindung zu einer außerirdischen Macht zu haben, die als Stille bekannt ist. Eigentlich eine Konkurrenz zur Religion des Hexenordens, der ein schwarzes Loch anbetet, was ihn im Übrigen von den Bene Gesserit unterscheidet. Ähnlich sind dagegen die Visionen, denen Zufolge eines Tages ein Ikonoklast aus dem Katarakt zurückkehren wird. Der Kwisatz Haderach lässt grüßen, wobei der Ikonoklast allerdings nicht als Messias erwartet wird, sondern als Feind.
Während Inizas unliebsamer Onkel im Hause Caudor Karriere gemacht hat, schloss sich ihr fürsorglicher Onkel Fael, der eigentlich ihr Vater ist, den Piraten an. Dabei hatten er und Hadrath eigentlich den Auftrag, die Piraten zu eliminieren. Allerdings wurden sie vernichtend geschlagen und gingen anschließend getrennte Wege. Fael ist übrigens der Onkel, der zu Beginn des ersten Bandes in Inizas Erinnerung die Zusammenhänge des Universums erklärt. Die Antwort auf die Frage, was aus ihm geworden ist, muss noch bis zum dritten Band warten.
Die Antwort auf das aktuelle Problem ist derweil der weibliche Neuzugang. Die Muse von Olfur ist eine KI von der friedfertigen Sorte und auch, wenn ihr Äußeres den Anschein erweckt, ist sie kein Sextoy. Olfur betont sogar, dass er daran überhaupt kein Interesse hat. Die Androidin war einst als Modell für Künstler konzipiert und ist darüber hinaus auf philosophische Gespräche programmiert. Sie hat einen reichen Wissensschatz, was Kunst, Literatur und Geschichte betrifft. Darüber hinaus erweist es sich als nützlich, dass sie sich mit anderen Maschinen verbinden kann. Denn der einzige Ausweg führt durch ein vom Maschinenherrscher erbautes Hyperraumportal. Wohin dieses führt, verrät die Fortsetzung.
Ein wenig mehr Farbe
Das Niveau der Zeichnungen bleibt hoch und lässt nur wenig Raum für Kritik. Etwas übertrieben hat es der Zeichner bei der maskulinen Darstellung von Shara, die stark an Teal‘c aus Stargate – Kommando SG1 erinnert. Das Gesicht ist stets zur Faust geballt. Dafür sind die anderen Charaktere gut getroffen. Nur Glanis wirkt aus einigen Perspektiven leicht verzerrt. Etwas kurios wirkt das linke Auge der Hexe Setembra, welches das schwarze Loch Kamastraka wiederspiegelt. Getoppt wird dies im wahrsten Sinne des Wortes von ihrem reich verzierten Kopfputz.
Die Raumschiffe sind wiederum ziemlich cool, wobei der Gildenkreuzer aus Star Wars stammen könnte, wenn er nicht komplett schwarz wäre. Wirklich interessant sieht die Hymnia-Raumtsation aus, welche die Form einer Faust hat. Vor den Hangartoren sind Straftäter gekreuzigt, die mit Sauerstoff versorgt am Leben gehalten werden, um noch möglichst lange die Aussicht genießen zu können. Das Innere erweist sich mit seinen neonfarbenen Reklametafeln als recht irdisch, was ein guter Übergang zur Kolorierung ist. Die Farbpalette ist zumindest auf Hymnia deutlich bunter als im ersten Band. Ansonsten dominieren wieder dunkle Töne, die weich ineinander über gehen.
Etwas schludrig wirken einige der Sprechblasen, was schon beim ersten Band auffällig war. Die grobe Skizzierung wurde nicht wegretuschiert, sondern mitgetuscht. Vor allem an den Innenseiten der Kästen gibt es daher zahlreiche überflüssige Linien. Im Interview gibt Ralf Schlüter an, das er noch von Hand zeichnet und nur die Farben am Computer entstehen. Das ist eine Kunst, die er durchaus gut beherrscht und für die man Übung braucht. Keine große Übung wäre es dagegen, ein paar unsauber wegradierte Bleistiftlinien zu entfernen.
Fazit: Zeigt das, was in Dune nur angedeutet wird
Dem zweiten Teil mangelt es nicht an sympathischen Charakteren und Spannung. Ebenso sind die Bilder einmal mehr gelungen, wenn man von kleineren Patzern einmal absieht. Bei alledem lassen sich jedoch nicht die Parallelen zu älteren Sci-Fi-Klassikern wie Dune leugnen. Das betrifft vor allem den Konflikt mit dem Maschinenherrscher in der Vergangenheit, der dazu geführt hat, dass die Hexen Androiden wie die Muse jagen und zerstören. Im Gegensatz zu Dune ist die Legende in Die Krone der Sterne allerdings noch sehr lebendig. Als Bonus gibt es ein Interview mit dem Autor und dem Zeichner nebst Konzeptzeichnungen und Coverentwürfen. Außerdem gibt es auf der letzten Seite noch eine Sternenkarte.
Info
Autoren: Kai Mayer & Yann Krehl
Zeichnungen & Farben: Ralf Schlüter
Verlag: Splitter
Sonstige Infos: Produktseite
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
-
Story7/10
-
Zeichenstil8/10
-
Kolorierung9/10

