Drei der bekanntesten und beliebtesten deutschen SciFi-Autoren haben sich zusammengetan, um eine Romantrilogie zu schreiben.
Ein glorreiches Trio
Im 23. Jahrhundert hat sich die Erde enorm verändert. Durch eine Reihe an Katastrophen ist der Planet nahezu unbewohnbar geworden und es existiert eine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Hier die Trockenen, die auf festem Land wohnen. Dort die Nassen, die auf schwimmenden Städten leben. Es ist eine Gesellschaft, in der auch Transhumane und Quanten Intelligenzen leben.
In dieser Welt lebt die Paläontologin Lea Lehora, eine Nasse. Eines Tages stößt sie auf dem Mars auf geheimnisvolle Artefakte. Die anscheinend im Zusammenhang mit einer weiteren Entdeckung stehen, die parallel geschieht. Denn am Rande des Sonnensystems wird parallel der Körper eines Außerirdischen entdeckt, der menschenähnlich aussieht. Er war seit über 20 Millionen Jahre in einer Art Kryoschlaf und kommt, durch die hastige Aufweckaktion von Lehoras Konkurrent Dr. Conrad Sorensen, ums Leben. All dies ist der Auslöser für eine Reihe von Ereignissen, die die Zukunft des Sonnensystems verändern werden.
Stell dir vor, du hast drei der bekanntesten und beliebtesten SciFi-Autoren Deutschlands. Die gemeinsam eine Roman-Trilogie schreiben. In der sie eine Vision der Zukunft der Menschheit beschreiben. Klingt doch nach einem garantierten Hit, oder?
Kein guter Auftakt
In diesem Fall sind es Andreas Brandhorst, Joshua Tree und Brandon Q. Morris, die sich zusammengetan haben, um die Origins-Trilogie zu schreiben. Der erste Band stammt von Andreas Brandhorst und hört auf den Titel “Die Entdeckung”. Da kann also im Prinzip fast nichts schiefgehen, oder?
Leider muss man sagen, dass der Auftakt zur Romantrilogie gründlich misslungen ist. Und zwar so sehr, dass man sich teilweise fragen muss, ob der Roman wirklich von dem legendären Autoren verfasst worden ist? Denn die Erzählung weist zahlreiche Mängel auf.
Dabei sind im Prinzip die Grundlagen für eine spannende Geschichte vorhanden. Es gibt hier einen persönlichen Konflikt, es gibt hier eine Art Standesdünkel, es gibt hier ein Mysterium aus grauer Vorzeit, das alles auf den Kopf stellt. Und gleichzeitig ein Gesellschaftsbild, das faszinierende Elemente aufweist. Es sind also ausreichend Elemente, damit ein Autor vom Kaliber eines Andreas Brandhorst daraus einen Weltklasse-Roman schreiben könnte.
Welche Handlung ist jetzt wichtig und welche nicht?
Doch leider ist das nicht der Fall. Das Ergebnis liest sich lahm und langweilig. Stellenweise hat man das Gefühl, dass der Autor sich selber in die Quere kommt. Dass er nicht immer weiß, worauf er sich fokussieren soll. Soll er jetzt das Mysterium um jenes Objekt im Neptun behandeln? Oder Sorensens Herabsehen auf Lehora, weil sie eine Nasse ist? Oder doch lieber das Rätsel um die 20 Millionen alte Hinterlassenschaften? Oder die Handlung um einen Agitator, der anscheinend versucht, gezielt einen Bürgerkrieg auszulösen?
Das sind alles Elemente, mit jeder Menge Handlungspotenzial. Allein schon der letztgenannte Plot hätte genügend Stoff geboten, wenn man sich näher damit beschäftigt hätte, um einen ganzen Roman zu tragen. Doch am Ende ist er eben nur eine Handlung unter vielen. Und leitet wie auch alle anderen unter dem Hauptproblem:
Denn die Charakterisierungen vermögen es nicht, einen zu fesseln. Im Gegenteil: Die Figurenzeichnungen bleiben blass und eindimensional. Die Handlungsträger entwickeln sich zwar weiter. Bleiben aber merkwürdig undefiniert. Im Prinzip bestehen sie nur aus einer Charaktereigenschaft und einem Grundkonflikt. Darüber hinaus erhalten die meisten keine weiteren Hintergrunddetails, damit sie lebendiger wirken könnten. Und selbst bei denen, die diese kriegen, bleibt das Problem, dass diese nur sehr halbherzig dazu genutzt werden, um die entsprechenden Personen weiterzuentwickeln.
Deus Ex QI
Ein weiteres Manko ist,, dass wichtige Handlungsfortschritte nicht etwa durch die Anstrengungen der wichtigsten Protagonisten geschehen. Sondern immer durch den Einfluß entweder der QIs oder der Transhumanen. So mancher Plot endet dann auch einfach dadurch, dass eine scheinbar übermächtige QI passenderweise eingreift und den nötigen Schub Richtung Ende gibt. Wieso ausgerechnet erst zu diesem Zeitpunkt, wird zwar erklärt. Aber die Erklärung stellt einen nicht zufrieden.
Es ist ein enttäuschender Auftakt. einer, der dem Autoren nicht gerecht wird. Mal sehen, wie die nächsten Romane werden.
Info
Autoren: Andreas Brandhorst
Originaltitel: Origin: Die Entdeckung
Verlag: Heyne
Erschienen: 07/2025
Einband: Taschenbuch
Seiten: 448
ISBN: 978-3-453-32383-4
Sonstige Informationen: Produktseite
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