[Perry Rhodan NEO 228] Das Elysische Fragment

Lesezeit circa: 8 Minuten

Perry Rhodan und Thora folgen einer mysteriösen Botschaft ihrer Tochter – sie führt auf das Elysische Fragment.

Das Elysische Fragment
© Cross Cult

Titel: Das Elysische Fragment
Autor: Rainer Schorm
Titelbild: Dirk Schulz / Horst Gotta
Erschienen: 12.06.2020

Zur Handlung

Eine mysteriöse Funkbotschaft erreicht Perry Rhodan und seine Frau Thora da Zoltral. Absender ist mutmaßlich ihre Tochter. Unter Mithilfe von Atlan da Gonozal fliegen sie eines der größten elysischen Fragmente an und treffen dort tatsächlich auf die lang verschollene Nathalie Rhodan da Zoltral.

Nathalie berichtet den beiden über die sogenannten Vorläufer, welche lange vor den Memetern lebten und die Foveawelten erschufen. Dazu zählte auch die elysische Welt, welche nur noch als Trümmerring im Arkonsystem existiert. Sie offenbart ihnen außerdem, dass sie und Kaiser Anson Argyris ein und dieselbe Person sind. Argyris ist die Ausprägung ihres Zweitbewusstseins als Dyade. Körperlich trägt sie dabei allerdings eine Kokonmaske.

Nathalie führt sie zu einem Zeitbrunnen, durch den Thora geht, um ebenfalls unabhängig vom langsam versagenden Zellaktivator unsterblich zu bleiben wie ihr Mann. Während sie auf der anderen Seite ist, welche von Quiniu Soptor offen gehalten wird, beginnt sich aus dem Brunnen eine schwarze Flut zu ergießen, die Rhodan an das Dunkelleben erinnert. Nathalie behauptet jedoch, dass das Dunkelleben gerade mal Geburtswehen wären im Vergleich zu dem, was der Milchstraße bevorsteht. Nur die drei Zeitträger – Rhodan, Atlan und Mirona Thetin – können die schwarze Flut stoppen.

Als Thora zurückkehrt, bricht die Hölle los und nur mit viel Glück können die beiden von einer Rettungskapsel aufgesammelt werden. Nathalie und Soptor verschwinden im Ansturm. Auch die arkonidische Flotte vermag mit Waffengewalt nichts auszurichten und verliert viele Schiffe. Die Flut ergießt sich derweil in Richtung Arkon I.

Nach der Rettung werden Rhodan und Atlan beim Imperator vorstellig, Mirona Thetin erscheint uneingeladen während der Besprechung per Projektion und demonstriert damit ihre überlegene Technik. Gonozal VII. zeigt sich beeindruckt, dass Perry und seine Ehefrau ihr Leben für Arkon riskiert haben. Er erlaubt, nachdem über die Hintergründe diskutiert wurde, eine erneute Expedition zum Fragment. Dabei sein sollen die drei Zeitträger: Perry Rhodan aus der Milchstraße, Atlan da Gonozal aus M13 und Mirona Thetin aus Andromeda.

Nathalie erscheint noch einmal und warnt erneut vor der großen Gefahr, welche sich aufbaut. Thora liegt unterdessen in der Medostation der CREST II – es geht ihr überraschend schlecht nach dem Aufenthalt im Zeitbrunnen.

Gedanken zu Das Elysische Fragment

Man merkt es an der ungewohnten (Über-)Länge der Zusammenfassung: Dieser Roman war prall gefüllt mit Informationen, Hintergründen und Erkenntnissen. Die Handlung nahm nur auf den ersten Seiten ganz kurz Fahrt auf und raste dann wie ein leichter Kreuzer (um bei Perry Rhodan zu bleiben) im Wahnsinnstempo mit dem Leser durch den Roman. Versuchen wir mal, die vielen Informationen etwas aufzuschlüsseln.

  • Nathalie Rhodan da Zoltral ist wieder da – und wie! Dass Anson Argyris ein Geheimnis hat, war natürlich von Anfang an jedem Leser, der sich auch in der klassischen Serie etwas auskennt, absolut klar. Aber dass sich bei NEO kein Roboter, sondern die Tochter von Perry hinter der Kokonmaske verbirgt, war aus meiner Sicht nicht zu erahnen. Diese Überraschung ist absolut geglückt. Auch die Tatsache, dass besagter Kaiser von Olymp schon immer das Zweitbewusstsein der Dyade Nathalie Rhodan da Zoltral war, ist eine faszinierende Idee. Im Nachhinein ergeben kleine verstreute Hinweise in der Vergangenheit ein Gesamtbild: Nathalie nannte ihr zweites Bewusstsein Ansa – phonetisch ein erster Hinweis auf Anson Argyris. Auch die immer mal wieder angedeutete, eigentlich nicht ganz erklärbare Vertrautheit des Kaisers zu Perry ergibt plötzlich Sinn. Die dezente Vorbereitung dieser Überraschung war von den Expokraten Rainer Schorm und Rüdiger Schäfer wirklich exzellent.
  • Die sogenannten Vorläufer werden uns wohl noch eine Weile begleiten. Bisher wissen wir nicht viel, außer dass sie die Foveawelten und vermutlich auch die Zeitbrunnen erschaffen haben – mutmaßlich um die Milchstraße vor dem Kreell zu schützen. Folglich ist auch dieses Phänomen deutlich älter als bisher angenommen und die Memeter haben wiederum nur bestehende, ältere Strukturen aufgegriffen und für die Sonnentransmitter genutzt. Interessanterweise haben diese jedoch laut Nathalie nicht wirklich die große Ruptur stabilisiert, sondern waren eher ein destabilisierendes Element. Wenn das so stimmt, sagt es auch einiges über die bis dato angenommene Perfektion dieses uralten Volkes sowie von ES aus – die Superintelligenz ist ja bekanntlich aus den Memetern hervorgegangen. Überhaupt stellt sich die Frage, wo die Dame abgeblieben ist, seit die Verbindung zum Creaversum geschlossen wurde.
  • Thora Rhodan da Zoltral und ihr Zellaktivator sind ein weiteres Thema, was nicht ganz so prominent im Fokus stand, jedoch hintergründig eine ganz wichtige Rolle spielte. Speziell Nathalie scheint die Hilfe für ihre Mutter als eines ihrer Primärziele gesehen zu haben, das geht zumindest aus den kurzen Gedankeneinblicken hervor. Die Prozedur läuft jedoch nicht wie gewünscht, auch wenn der Zellaktivator nach dem Aufenthalt im Zeitbrunnen verschwunden ist. Während sich Rhodan nach diesem Prozess so gut und gesund wie nie zuvor fühlt, geht es Thora schlecht. Ganz so einfach scheint es also nicht zu sein. Das Rätsel, was genau dabei passiert, bleibt derweil bestehen. Mehr als vage Andeutungen macht auch Nathalie hierzu nicht. Daraus ergibt sich auch ein Problem für Atlan, Mirona und die Träger der Winterschlaf-Aktivatoren.
  • Das Dunkelleben ist zurück – und zwar als schwarze Flut, die das Arkonsystem bedroht. Die Kombination aus Dunkelleben und Zeitbrunnen ist offenkundig keine gute. Erschreckend ist aber vor allem, dass das Dunkelleben an sich nicht die wirkliche Bedrohung ist und auch Iratio Hondro nur ein Symptom zu sein scheint. Die große Bedrohung – sie nennt es den dunklen Intellekt – steht der Milchstraße erst noch bevor. Der aktuellen Bedrohung können nur die drei Zeitträger gemeinsam entgegentreten. Wobei wir noch immer nicht genau wissen, was es mit der Funktion eines Zeitträgers überhaupt auf sich hat.
  • Zu guter Letzt wäre da noch Gonozal der VII. Der neue Imperator erscheint insgesamt etwas sprunghaft, will er in einem Moment noch eine Invasionsflotte in Richtung Solare Union schicken, akzeptiert er im nächsten, dass sich Rhodan samt Ehefrau das elysische Fragment genauer ansehen und ist ihnen im Anschluss sogar dankbar für den Einsatz. Auch das Verhältnis zu seinem Sohn und dessen Lebensgefährtin erscheint fragil und ambivalent. Denkt man hier und da, der Imperator wäre zu sehr in den Werten der Vergangenheit gefangen, durchschaut er doch in anderen Situationen die Hintergründe sehr schnell und wertet sie folgerichtig. Was nach der Staffel aus seinen Invasionsplänen wird, kann man vielleicht ahnen, aber sicher ist das keineswegs.

Rainer Schorm beginnt in Das Elysische Fragment einige Fäden lose zu verknüpfen, wirft aber auch – wie sollte es anders sein – neue Fragen auf. Der Roman war ein wahres Feuerwerk an Action und Erkenntnissen, Überraschungen und Andeutungen.

Um es nicht ganz unter den Tisch fallen zu lassen, das wäre fast verwerflich: Schorm widmet einen guten Teil des Romans einer Nebenfigur. Genauer gesagt einem Arkoniden, der durch einen Fehler seines Vaters und anschließende Sippenhaft zu einem Außenseiterleben gezwungen wurde und durch seine Taten zurück in die Gemeinschaft findet.

Dieser Blick in die teils mittelalterlich anmutenden gesellschaftlichen Strukturen des großen Imperiums sind ein zusätzlicher Reiz des Romans. Der Autor schafft es, diese Einblicke sehr geschickt in die Rahmenhandlung einzubetten, ohne dass dabei die Gesellschaftskritik zu penetrant im Vordergrund steht – im Gegenteil ist das sehr dezent und gut gelöst.

Fazit

Der erste Teil des Staffelfinales hatte eine Menge zu bieten. Neben sehr guter Action gab es erste Auflösungen sowie viele Hinweise auf Zusammenhänge, die neugierig auf mehr machen. Mit Spannung warten wir nun auf den zweiten Teil des Finales vom zweiten Expokraten Rüdiger Schäfer. Wenn dieser das Niveau hält – wovon ich fest ausgehe – erwartet uns auch da noch so einiges. Allein der gemeinsame Einsatz von Rhodan, Atlan und Thetin verspricht ganz großes Kino!


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Sven Fesser
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