Review: Perry Rhodan Wega 02 – Die Rollende Stadt

Lesezeit circa: 7 Minuten

Zwei Terraner auf der Flucht – eine Prophezeiung droht zu scheitern

Die rollende StadtTitel: Die Rollende Stadt
Autor: Ben Calvin Hary
Zeichner: Dirk Schulz
Erschienen: Donnerstag, 1. April 2021

Ich möchte die geneigte Leserschaft zu Beginn dieses Artikel nicht belügen und ehrlich sagen, dass ich nach dem ersten Heft der Wega-Miniserie wahnsinnig viel Lust auf den zweiten Band bekommen habe. Dementsprechend enthusiastisch bin ich auch in den Roman gestartet. Ebenso ratlos sitze ich jetzt vor diesem Review und weiß nicht so recht, wie ich Euch das Leseerlebnis beschreiben soll. Zur Orientierung beginnen wir mit den allgemeinen Informationen zum Heft.

Das Heft

Der zweite Band der Perry Rhodan Miniserie Wega mit dem Titel „Die Rollende Stadt“ stammt aus der Feder von Ben Calvin Hary und wurde am 01. April 2021 veröffentlicht. Zur Zeit ist der Roman als Heft und als Ebook verfügbar. Titelbildzeichner Dirk Schulz gibt den Oigan und der rollenden Stadt ein spannendes Erscheinungsbild. Eine Information, die der Roman selbst offen lässt, ist der Handlungszeitraum, dieser wird in der allwissenden Perrypedia im Jahr 2059 angegeben. Ich habe im Text selbst aber keine Stelle gefunden, welche dies genau benennt. Ein durch den Transmitterdurchgang vollzogener Zeitsprung wird auch nicht ausgeschlossen. 

Die Hauptpersonen des Romans Perry Rhodan, Gillian Wetherby und Krakatau entdecken die Rollende Stadt Fementa-Oist und lernen in Begleitung der Willkommenheißerin Quingart die Oigan kennen.

Das Titelbild

Auch in Sachen der Titelbildgestaltung möchte ich ehrlich mit Euch sein, lässt es mich doch recht ratlos zurück. Objektiv kann ich im Kontext der Serie dieses Titelbild nur loben. Ein Fremdwesen bekommt ein Aussehen, eine Umwelt bekommt Farben und ein Fortbewegungsmittel eine Form. Die einzelnen Elemente des Titelbilds für sich genommen und auch ihre Komposition und Anordnung schaffen ein tolles Heftcover. Nach der Lektüre muss ich hier jedoch noch einmal abwerten, denn viele Dinge passen dann doch nicht mehr zusammen. Was genau diese Differenzen sind, müssen die Leser:innen schon selbst herausfinden. 

Unter dem Strich bleibt ein ordentliches Titelbild übrig, dass mich ein wenig an die Geschichten aus dem galaktischen Rätsel der SpinOff-Serie NEO erinnert. 

Die Handlung

Perry und Gillian erreichen mit dem Transmitter die rollende Stadt Fermenta-Oist und bahnen sich einen Weg zu ihrem Etappenziel, dem inneren Kanton. Dabei werden sie gezwungenernaßen in eine Auseinandersetzung mit dem Widersacher Krakatau verwickelt, dem sie nur mithilfe der Wilkommensheißerin Quingart entkommen können. 

Auf dem Weg durch eine vollkommen andersartige Kultur und Gesellschaft müssen sich die Terraner:innen Informationen erkämpfen und auch ihre eigene Geschichte im Tausch anbieten. So wird die Handlung nach je einem Drittel von der Hintergrundgeschichte von Gillian Wetherby aufgebrochen und wir Leser:innen bekommen Einblicke in ihre Herkunft.

Der Autor schafft es in einigen Augenblicken mit den Erwartungen zu spielen. So beginnt der Handlungsstrang um Krakatau mit einer falschen Fährte, und wenn man hier nicht ganz aufmerksam liest, möchte man meinen, wir bekommen es mit Bully und Gucky zu tun. Diese beiden Charaktere finden in der Handlung der rollenden Stadt leider gar nicht statt. 

Die Oigan werden uns als eine Hilfsspezies der Superintelligenz ES vorgestellt, die auf dieser Etappe des galaktischen Rätsels nur einem Ziel dienen, nämlich die prophezeiten Prüflinge zum nächsten Transmitter zu bringen. Was genau das Ziel dieser Reise sein wird, bleibt auch am Ende des zweiten Hefts noch im Dunkeln. 

Das Fazit

Eine Erzählung des Rätsels in Etappen liegt aus meiner Sicht nahe, birgt es doch viele Möglichkeiten, um die Geschichte zu verbreitern und die erzählerischen Pflichttore in eine spannende Handlung einzubetten. Es mag naheliegend sein und natürlich auch dem Format geschuldet, doch wirklich glücklich bin ich damit ehrlich gesagt nicht. Relativierend muss ich eingestehen, dass ich in relativer zeitlicher Nähe das galaktische Rätsel der Erstausgabe und in NEO gelesen habe. Hier mag ich ein wenig übersättigt sein, was sich allerdings aus meinem Leseverhalten ableitet und nicht dem Roman vorzuwerfen ist. 

In Sachen Gestaltung und Ausdruck des Textes war ich wesentlich erstaunter, denn hier reicht die Spanne von verspannt über bemüht bis hin zu wunderbar flüssig. Anhand von drei Beispielen möchte ich das verdeutlichen. Die Eröffnung des Textes hat mich angebrüllt „Sieh her, ich bin ein interessanter Einstieg!“, denn mit der dort eingeführten Todesverehrung und dem Hang zur Dienstfreude der Oigan spielt Hary bewusst mit dem Erstaunen des Lesers. Da ich persönlich eher ein Freund von „weniger ist mehr“ bin, wirkte es auf mich sehr verspannt und gezwungen. 

Die Hintergrundgeschichte der weiblichen Hauptrolle und wie sie in die Handlung eingebunden wird wirkten für mich sehr bemüht. Auf der einen Seite waren die Texte sehr gut geschrieben und spannend erzählt, doch leider wirkten diese beiden kurzen Einschübe bei all der Mühe immer noch wie Fremdkörper. Da ich nicht beurteilen kann, welchen Zwängen Hary seitens des Exposés unterlag, will ich es ihm nicht zum Vorwurf machen. 

In den besten Momenten ist der Roman sehr homogen und flüssig erzählt. Hier zeigt sich aus meiner Sicht, wie gut der Autor die handelnden Charaktere versteht und wie erfrischend er in Abgrenzungen deren Schwerpunkte verschiebt. Ben Calvin Hary schafft es in den letzten Momenten des Romans, den größten Kritikpunkt, den ich aus der Perspektive 2021 am ersten galaktische Rätsel sehe, zu korrigieren. Er schafft es, aus Perry und Gillian nachvollziehbare, menschliche und moderne Charaktere zu machen. Dabei legt er besonderes Augenmerk auf die Wertigkeit des Lebens und was sie für den Unsterblichen bedeutet. Er lässt Gillian, die stoische Jagdpilotin, mit ihren Vorstellungen kollidieren, was das eigene Leben im Verhältnis zur Mission bedeutet. Der Oigan Guingart schenkt Hary am Ende einen friedlichen Tod zu ihren eigenen Konditionen und schließt damit den Kreis zu seinen ersten Worten.

Quingart hätte sich keinen besseren Tag zum Sterben aussuchen können.

Kleinere Ungereimtheiten möchte ich wissentlich unter den Tische kehren, da sie meinem Fazit zum Roman nichts hinzufügen. Der Antagonist, dem dieser Roman wohl in Teilen gewidmet ist, bekommt endlich einiges an Farbe und wir bekommen neue spannende Informationen, die uns zum Spekulieren einladen. Wer ist er? Was ist er? In welcher Beziehung steht er zur Superintelligenz ES? 

Die Wertung

Die Bewertung dieses Romans fällt mir sehr schwer. Ich kann viele Probleme erkennen, muss im selben Atemzug aber eingestehen, dass mir die Umstände und Voraussetzungen, unter denen dieser Roman entstanden ist, unbekannt sind. Die kleinen Momente, in denen sich die Handlung zusammenfügt, sind fantastisch und für Leser wie mich geschaffen. Die Gesamtqualität des Vorgängerbandes erreicht das Heft dabei aber leider nicht. So muss ich mich auf eine 07 von 10 möglichen Punkten festlegen. Abschließend sei jedoch noch einmal betont, dass ich auch die anderen Meinungen zum Roman verstehen kann. Ich denke, hier liegt ein Roman vor, der zur Leserin oder zum Leser passen muss, um sein Potential zu entfalten. 

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