Star Trek: Planet of the Titans – Prä-Astronautik auf die besondere Art

Lesezeit circa: 6 Minuten

Zu den Star-Trek-Produktionen, die es trotz einer vielversprechenden Story leider nie zur Veröffentlichung gebracht haben, zählt auch das Filmprojekt „Planet of the Titans“, das im Folgenden ausführlicher vorgestellt wird.

Die Prä-Astronautik

Die Prä-Astronautik ist eine Pseudowissenschaft, die sich mit vermeintlichen Besuchen von Außerirdischen auf unserer Erde beschäftigt. Charakteristisch ist dabei, dass diese Besuche in der Frühzeit der Menschheit stattgefunden haben sollen. So suchen Anhängerinnen und Anhänger der Prä-Astronautik zum Beispiel in altorientalischen, ägyptischen oder antiken Zeugnissen nach Beweisen für frühe Kontakte zwischen Außerirdischen und Menschen. Ein Grundgedanke ist dabei die Überlegung, dass unsere Vorfahren unmöglich ohne außerirdische Hilfe die Pyramiden oder Ähnliches hätten errichten können. Auch sind Außerirdische scheinbar logische Erklärungen bei Dingen, die wir derzeitig schlichtweg (noch) nicht verstehen können, wie z.B. den Mechanismus von Antikythera oder die Nazca-Linien in Peru.

Ist man erst einmal so weit, aus den genannten Gründen von außerirdischen Besuchern während der Frühzeit der Menschheit auszugehen, beginnt man im nächsten Schritt damit, überall „Beweise“ für diese Theorie zu finden. So glauben etwa manche Leute, in den Reliefs von Dendera, die etwa 30 v.Chr. in Ägypten geschaffen wurden, Glühbirnen zu sehen. Andere glauben auf der Grabplatte von Palenque, die ins Mexiko des 7. Jh. n.Chr. einzuordnen ist, ein Raumschiff zu erkennen. Selbstverständlich handelt es sich auch bei dem Feuerwagen, mit dem der Prophet Elija in den Himmel gereist sein soll (2. Buch der Könige, 2,1-18), um ein Raumschiff. Die Folge solcher Kontakte sei dann gewesen, dass die Außerirdischen der Menschheit etwas beigebracht haben oder sie zumindest inspirierten.

Planet of the Titans
Jan Cossiers – Prometheus Carrying Fire

Prä-Astronautik und Science Fiction

Wissenschaftlich betrachtet bewegen sich all diese Theorien natürlich auf äußerst dünnem Eis. Letztlich ähnelt die Prä-Astronautik einer Religion, an die man mangels wirklicher Beweise schlichtweg glauben muss, um sie ernst zu nehmen. In der Science Fiction kann uns dergleichen aber natürlich herzlich egal sein. Denn so unrealistisch die Überzeugungen der Anhängerschaft der Prä-Astronautik auch sein mögen, steht natürlich dennoch außer Frage, dass es sich um ziemlich spannende Gedankenspiele handelt. So finden wir in der Science Fiction regelmäßig außerirdische Besucher bei unseren Vorfahren. Erinnert sei in diesem Zusammenhang etwa an „2001: Odyssee im Weltraum“ (1968), „Stargate“ (1994), „Prometheus“ (2012) oder an diverse Erzählungen von H.P. Lovecraft. Selbstverständlich greift auch Star Trek gelegentlich auf solche Geschichten zurück. An konkreten Beispielen haben wir in diesem Zusammenhang bereits die TOS-Folgen: „Who mourns for Adonais“ und „Platon’s Stepchildren“ besprochen. Ein anderes bereits vorgestelltes Beispiel wäre „The God Thing„.

Star Trek: Planet of the Titans

Im nie realisierten Film „Planet of the Titans“ griff Gene Roddenberry eine sehr spannende Variante dieses Mythos auf. In der Erzählung versucht die Enterprise das Verschwinden eines anderen Sternenflottenschiffs aufzuklären. Hierbei gerät Kirk in einen magnetischen Sturm und verschwindet. Drei Jahre später entdeckt die Enterprise in derselben Region einen bisher unbekannten Planeten, der sich als Heimat der Titanen herausstellt. Bei diesen Titanen handelt es sich um ein einst mächtiges Volk, das so alt ist, dass es bereits als reine Erfindung bzw. als Mythos gilt. Tatsächlich stellt die Crew der Enterprise fest, dass ein anderes Volk die Titanen zwischenzeitlich vernichtet hat.

Die Titanen

Ein altes und mythisches Volk als Titanen zu bezeichnen, spielt natürlich auf das gleichnamige Göttergeschlecht der griechischen Mythologie an. Dieses Geschlecht herrschte vor den heute allgemein bekannten griechischen Göttern, bis Zeus und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter die Titanen besiegten und verdrängten. In gewisser Weise handelt es sich dabei um einen Generationenkonflikt, sind Zeus und seine Geschwister doch die Kinder des obersten Titanen Kronos. Somit weckt der Begriff Titanen beim Publikum Assoziationen mit einer längst vergangenen mythischen Größe. Man kann wohl davon ausgehen, dass die Star-Trek-Titanen als frühes Volk angedacht waren, das anderen Planeten wichtige kulturelle und zivilisatorische Impulse brachte.

Titanen von der Enterprise

Ein schwarzes Loch verschlingt den Planeten der Titanen jedenfalls mitsamt der Enterprise. Dies führt dazu, dass das Schiff eine unfreiwillige Zeitreise unternimmt, an deren Ende sich die Besatzung im Orbit der altsteinzeitlichen Erde wiederfindet. In der Altsteinzeit (Paläolithikum) waren die Menschen noch mit Steinwerkzeugen arbeitende Jäger und Sammler, denen die Crew der Enterprise nun das Feuermachen beibringt. Dadurch vermittelt die Crew der Menschheit einen grundlegenden zivilisatorischen Impuls. Kirk und seine Leute schlüpfen also in die Schuhe des Titanen Prometheus, der den Menschen in der griechischen Mythologie gegen den Willen des Zeus das Feuer bringt. Somit ist dann wieder ein Zusammenhang mit den Titanen der griechischen Mythologie hergestellt. Die Impulsgeber sind hier also keine Außerirdischen, sondern Menschen aus der Zukunft. Die Menschheit selbst wird zu ihren eigenen Titanen.

Das Scheitern des Projekts

Nachdem „The God Thing“ als Idee für einen ersten Star-Trek-Film gescheitert war, konzentrierten sich die Macher nun auf „Planet of the Titans“. Schließlich wollte man nichts unversucht lassen, um an den Erfolg der ersten Enterprise-Serie anzuknüpfen. Doch sah sich das Projekt von vorneherein mit zahlreichen Problemen konfrontiert. So erwies es sich etwa als schwierig, William Shatner und Leonard Nimoy für den Film zu verpflichten. Grundsätzlich stand auch nicht sehr viel Geld zur Verfügung, weshalb der Dreh in Großbritannien stattfinden sollte. Dennoch reichten die finanziellen Mittel nicht, um namhafte Regisseure wie Steven Spielberg oder Francis Ford Coppola von dem Projekt zu überzeugen. Auch George Lucas, dessen erster Star-Wars-Film damals noch nicht erschienen war, stand zur Debatte.

Eine Budgeterhöhung von 7,5 auf 10 Millionen Dollar konnte das Projekt ebenso wenig retten wie die Verpflichtung von Regisseur Philip Kaufman. Chris Bryant und Allan Scott, die das ursprüngliche Drehbuch geschrieben hatten, warfen schließlich das Handtuch. Denn nachdem sie von Paramount zunächst grünes Licht für ihre Story erhalten hatten, lehnte das Studio das Script dennoch ab. Scheinbar hatten zu viele Leute zu unterschiedliche Meinungen darüber, wie der Film aussehen sollte. Kaufman selbst schrieb das Drehbuch noch erheblich um, doch stellte Paramount die Arbeiten im Mai 1977 ein. Wenige Wochen später erschien Star Wars Episode IV auf den Leinwänden der Kinos und schrieb Filmgeschichte. Doch zwei Jahre später war es dann endlich so weit: Nach vielen gescheiterten versuchen kam 1979 mit „The Motion Picture“ endlich ein Star-Trek-Film in die Kinos.

Leseempfehlungen:

„Planet of the Titans“ in der Wikipedia

Planet of the Titans“ auf Memory Alpha

Michael Kleu

Michael ist Jahrgang 1978 und Althistoriker. Er schreibt einen eigenen Blog über die Antikenrezeption in fantastischen Medien.
Michael Kleu

Michael Kleu

Michael ist Jahrgang 1978 und Althistoriker. Er schreibt einen eigenen Blog über die Antikenrezeption in fantastischen Medien.

5 Gedanken zu „Star Trek: Planet of the Titans – Prä-Astronautik auf die besondere Art

  • 14. Juni 2019 um 17:00
    Permalink

    Sehr geehrter Herr Kleu,
    ihre Ahnung von der Prä-Astronautik scheint so zu gerade nicht auf einem hohen Niveau zu befinden.Weder wird der Mechanismus als von Ausserirdischen geschaffen bezeichnet,noch die Linien vonNazca.Und es als Religion hinzustellen,hat nix damit zutun.Besser informieren wäre angebracht,bevor sie so ein Quark schreiben.

  • 14. Juni 2019 um 20:40
    Permalink

    Vielen Dank für das konstruktive Feedback, Mike!

    Das Wissen zur Erschaffung des Mechanismus wird sehr wohl mit Außerirdischen in Verbindung gebracht. Ebenso die Linien, die zur Kommunikation mit diesen dienen sollen. Insofern wüsste ich nicht, was ich da Falsches geschrieben haben sollte.

    Viele Grüße!

  • 15. Juni 2019 um 12:12
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    Nachtrag zur Religion:

    Ich schreibe nicht, dass die Prä-Astronautik eine Religion ist. Ich schreibe, dass sie insofern einer Religion ähnelt, als dass man in Ermangelung von Beweisen daran GLAUBEN muss, dass Außerirdische die Erde in früheren Zeiten besuchten.

  • 16. Juni 2019 um 01:15
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    Herr Kleu,
    dies ist nicht richtig.Die Nazcalinien wird in der PA angenommen,das die Eingeborenen sie selbst gemacht haben,um die Götter zurück zu locken.Denn anscheinend haben sie damals gesehen wie ein Schiff gelandet ist.Auch nimmt man deshalb das die Tierfiguren geschaffen wurden deshalb.Ich sehe für mich jeden Falls sehr viele Indizien für die PA.In der Bibel,der Grabplatte von Palenque,viele Statuen usw.Ich glaube nicht,ich bin überzeugt.Wenn sie das Wissen darum meinen,dann ja.

  • 16. Juni 2019 um 10:10
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    Lieber Mike,

    richtig!

    In der PA wird angenommen, dass die Ureinwohner diese Linien selbst angefertigt haben, um Außerirdische anzulocken. Also haben sie versucht, mit den Außerirdischen Kontakt aufzunehmen (zu kommunizieren). Das ist genau das, was ich in meinem letzten Kommentar geschrieben habe.

    Im Text habe ich ja auch nicht geschrieben, dass Außerirdische die Linien angefertigt haben, sondern, dass sie als Erklärung dafür dienen. Damit meinte ich das, was Sie geschrieben haben.

    Wie Sie leicht sehen werden, ist mein Text ja nur ein knapper Überblick, in dem ich nicht sehr ins Detail gehen konnte.

    Dann haben wir wohl unterschiedliche Vorstellungen vom Wort „wissen“, aber das ist ja nicht schlimm 😉

    Viele Grüße!

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