Es gibt in diesem Roman gleich zwei große Aspekte, die den Gesamteindruck leider deutlich runterziehen.

Das erste Mal außerhalb des Sonnensystems
Seitdem das Reisen durch den vom Protomolekül erschaffenen Ring möglich ist, hat die Menschheit auf ein Mal Zugang zu vielen neuen Welten. Die auch noch habitabel sind, so das neue Koloniewelten entstehen.
Wie beispielsweise Ilus. Doch hier kommt es zu einem großen Problem. Militante Kolonisten, die zuvor von dem geschundenen Ganymed geflohen sind, zerstören ein Raumschiff, woraufhin ein psychotischer Sicherheitschef mit dem Namen Adolphus Murtry eingreift und die Lage verschlimmert. Weshalb die UN und die OPA die Rosinante ausschicken, um die Situation zu beruhigen. Doch es könnte sein, dass die Ankunft dieses Schiffes einem Griff in ein Wespennest gleich kommt.
Die Entstehung des Rings in Abaddons Tor und die Entdeckung, dass man dadurch zu anderen Welten reisen kann, war natürlich der große Plottwist in der The Expanse-Romanserie. Zuvor war der Handlungsort nur das Sonnensystem gewesen, da das Reisen zu anderen Sternen mit der Technologie zum Handlungszeitpunkt nicht möglich war. Weshalb man umso gespannter auf Cibola brennt sein konnte, da hier zum ersten Mal den Handlungsort zu einer anderen Welt verlagert.
Was wiegt mehr?
Dabei bemühen sich James Corey, gleich von Anfang an ein spannendes Szenario zu erschaffen. Eines, dass den Leser sofort fesseln soll. Sie beschreiben, wie militante Kolonisten sich immer mehr gegenseitig aufpuschen, bis sie einen Anschlag auf das Raumschiff eines Konzerns wagen. Bei dem Menschen ums Leben kommen und der für sie ungeahnte Konsequenzen hat.
Soweit so gut. Es ist ein klassischer Auftakt, bei dem klar wird, dass die Taten der Kolonisten zwar nicht in Ordnung sind. Sie aber mit ihrem Freiheitsbestreben sicherlich nicht unrecht haben.
Im Grunde genommen wird hiermit ein Konflikt aus dem Western-Genre in die SciFi übernommen. Es geht vordergründig, was mehr wiegt. Die Freiheit der „illegalen“ Kolonisten, die ihre selbst erlangte Freiheit mit allen erdenklichen Mitteln verteidigen wollen? Oder das Recht der Firma, diesen Planeten zu besiedeln und zu erforschen?
Die falsche Richtung
Leider wird dieser Plot im Laufe des Romans immer unwichtiger. Stattdessen drängen sich zwei Sachen in den Vordergrund. Zum einen ist da der psychotische Sicherheitschef Adolphus Murtry, dessen Aktionen einem sehr schnell auf die Nerven geht. Und zum anderen die mysteriösen und dramatischen Ereignisse, die sich bald auf der Welt ereignen. Und bei denen James Holden eine große Rolle spielt.
Bei Letzterem wird das Wiedererscheinen von Joe Miller wichtig. Der im Prinzip tote Ermittler von Ceres erhält im Laufe der Handlung eine immer größer werdende Rolle, derweil gleichzeitig versucht, herauszufinden, wieso er überhaupt wieder „am Leben“ ist. Was eigentlich ein vielversprechender Plot hätte werden können.
Leider entwickelt sich die Handlung irgendwann in eine Richtung, die ihr nicht gut tut. Denn anstatt sich auf den Konflikt zwischen den Siedlern und der Firma zu konzentrieren, bei dem die Rosinante mit James Holden vermitteln versucht, verlagert sich der Fokus irgendwann auf die Überreste der Alienzivilisation auf dieser Welt. Die schon bald dafür sorgen, dass das Leben hier ein ziemlicher Kampf wird.
Falsch abgebogen
Man hat einfach das Gefühl, dass hier falsch abgebogen worden ist. Denn was die bisherigen „The Expanse“-Romane ausmachte, war die Tatsache, dass sie den Fokus auf die zwischenmenschlichen Konflikte legte. Bei dem das Protomolekül sowie die Leute, die es nutzten, nur eine Zutat unter vielen war, die für Spannung sorgten.
In diesem Roman wird es zur Hauptzutat, die dafür sorgt, dass der Planet an den Rand des Untergangs getrieben wird, ohne dass je wirklich klar wird, wie die Menschen überleben können. Und das, in Kombination mit Murtry, sorgt dafür, dass die Geschichte einen nervt und nicht fesselt. Immerhin deutet der Epilog des Romanes daraufhin, dass die kommenden Erzählungen wieder im Sonnensystem spielen und Alientechnologien keine Rolle haben werden. Man kann es sich nur wünschen.
Info
Autoren: James Corey
Originaltitel: Cibola Burn
Übersetzung: Jürgen Langowski
Verlag: Heyne
Erschienen: 04/2018
Einband: Taschenbuch
Seiten: 656
ISBN: 978-3-453-31804-5
Sonstige Informationen: Produktseite
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