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Fantastikfans mit einer Affinität zu guter alter Handarbeit in Sachen Spezialeffekte sollten einmal einen näheren Blick auf den Klassiker Doctor Cyclops werfen. Inhaltlich zwar schwach bietet das Werk aber tolle Spezialeffekte für Nostalgiker.

Inhalt

1939 in Peru: Der Wissenschaftler Professor Mendoza (Paul Fix) hat in einer entlegenen Bergregion große Radiumvorkommen entdeckt und zieht seinen ehemaligen Mentor, Dr. Alexander Thorkel (Albert Dekker), hinzu. Mit an den Wahnsinn grenzenden Experimenten entdeckt der Biologie in der Radioaktivität eine Möglichkeit, Lebewesen extrem zu verkleinern und so sogar am Leben zu erhalten. Mendoza ist außer sich vor Sorge. Er sieht in den Forschungen eine Blasphemie und verbietet sie eines Abends. Dieser Akt verleitet Thorkel zu einer Gräueltat. Er tötet seinen ehemaligen Schüler auf grausame Weise.

Einige Tage später trifft ein Forscherteam unter der Leitung von Dr. Rupert Bulfinch (Charles Halton) ein und gerät bald in die Fänge des Wahnsinnigen. Nachdem Bulfinch die Tagebücher Dr. Thorkels entdeckt hat, lockt dieser die gesamte Reisegesellschaft in eine Falle und schrumpft sie. Für Dr. Mary Robinson (Janice Logan) und ihre vier männlichen Begleiter beginnt nun ein Kampf um Leben und Tod in einer Welt, in der Katzen und Hunde zu Monstern mutiert sind. Doch noch mehr als vor Haustieren müssen sich die Gejagten vom Biologen Thorkel fernhalten, denn der verfällt immer mehr dem Wahn.

Allgemeines

Ernest B. Schoedsack und der im Vorspann zu Doktor Zyklop nicht erwähnte Merian C. Cooper erlangten vor allem durch ihr grandioses Trickfeuerwerk King Kong (1933) Berühmtheit. Das erfolgreiche Dreamteam (unter anderem auch Son of King Kong aka King Kongs Sohn, 1933 und The Last Days of Pompeii bzw. Der Untergang von Pompeji, 1935) arbeitete zwischen 1929 und 1949 gemeinsam an insgesamt sechs Filmen, die allesamt erfolgreich wurden.

Dabei stand fast immer eine aufwendige Tricktechnik im Vordergrund. Hatte King Kong (King Kong und die weiße Frau) noch mit einer fantastischen Stop-Motion-Arbeit gepunktet, ist es in diesem Werk von 1940 vor allem die Rückprojektion, mit der das Publikum verzaubert wurde. Einen weiteren Pluspunkt stellt die Tatsache dar, dass der Streifen nicht nur in Farbe, sondern der seinerzeit brandneuen Dreifarben-Technologie gedreht wurde.  Dabei spaltete die neuartige Kamera im Wesentlichen das Licht, um je ein Schwarzweiß-Negativ durch einen grünen, blauen und einen roten Filter zu belichten. Nach einigen sensationellen Kurzfilmversuchen seitens Disney war es 1936 der Streifen The Garden of Allah (Der Garten Allahs) mit Marlene Dietrich, der dem Farbfilm den Durchbruch brachte. Der hier besprochene Film gilt indes als erster in diesem Verfahren gedrehtes Werk.

Technisches

In die Technologie der Rückprojektion wurden hingegen bereits seit den 20er Jahren immense Summen investiert. Allerdings brachte der neue Farbfilm Probleme mit sich. Denn je größer die Leinwand war, auf die man projizierte, desto unschärfer wurde das Bild, was vor allem bei in Technicolor gedrehten Werken auffiel. Doktor Zyklop diente dementsprechend Paramount als eine Art Testballon für die Kombination beider Verfahren.

Vor allem wurde mit der seinerzeit ebenfalls noch relativ neuen Tripleprojektion experimentiert, bei der drei Projektoren hintereinandergeschaltet wurden. Bei den zahlreichen Miniaturprojektionen (hierbei handelte es sich um kleine Rückprojektoren, die das Bild auf ein kleineres Bildfeld projizierten, wodurch es an Schärfe gewann) gelang das Kunststück insgesamt außerordentlich gut, so dass uns hier ein wundervolles Stück Effektfilm vorliegt. Und obwohl er siebzehn Jahre vor Jack Arnolds The Incredible Shrinking Man (Die unglaubliche Geschichte des Mister C.) und sogar neunundvierzig Jahre vor Honey, I Shrunk the Kids (Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft) entstand, greift er nicht nur auf dieselben Technologien zurück, sondern ist in den meisten Szenen um keinen Deut schlechter anzusehen.

Lediglich wenn unsere geschrumpften Helden direkt vor dem nun riesenhaften Dr. Thorkel stehen, oder wenn die Bilder dunkler sind, werden teils größere Unschärfen sichtbar. Um den Effekt zu erhöhen, wurde außerdem bereits hier mit einer großen Anzahl mannshoher Requisiten gearbeitet. So hält Mary etwa eine Nähnadel in ihren Händen, oder Bill verwendet eine halbe Schere als Waffe, die jeweils halb so groß wie die Schauspieler sind. Auch die Sets mussten den Größenverhältnissen angepasst werden. Türen, Stühle, Kisten, Nähgarnrollen, Schuhe und anderes wurden im riesenhaften Maßstab gebaut, um die Illusion zu perfektionieren. Gemeinsam mit den fantastischen Farben entstand so ein Film, der seinerzeit im Grunde nicht weniger spektakulär als King Kong war.

Kritik

Obwohl die Story eine typische Mad-Scientist-Thematik mit dem mythologischen Zyklopenmotiv sowie der damals als Heilslehre der Wissenschaft verklärten Radioaktivität kombiniert, bleibt der Plot doch sehr an der Oberfläche und bietet keinerlei Tiefe. Im Kern haben wir hier eine schlichte und naive Horrorgeschichte vor uns, wie sie ähnlich ohne Weiteres einhundert Jahre zuvor hätte geschrieben werden können. Auch einige grobe Fehler, wie ein geschrumpfter Pedro, der von Thorkel mit einer Schrotflinte niedergestreckt wird, aber wie von einem Pfeil getroffen eine Klippe hinunterpurzelt, lassen sich nicht verleugnen.

Allerdings werden zumindest die Hauptrollen von souveränen Schauspielern ausgefüllt. Albert Dekker, der 1968 im Alter von nur 65 Jahren unter mysteriösen Umständen zu Tode kam, zeigt sich gekonnt als irrer Biologe, dessen Verhältnis zu seinen Opfern zunächst dem eines Wissenschaftlers zu einer Laborratte entspricht. Wie wahnsinnig Doktor Zyklop wirklich ist, wird erst offenbar, als er herausfindet, dass seine Versuchskaninchen irgendwann wieder zu ihrer normalen Größe heranwachsen werden. Die Rolle des Alexander Thorkel sollte zwar seine größte bleiben, dennoch war Dekker bis zu seinem bis heute ungeklärten Ableben am 5. Mai 1968 ein gut gebuchter Schauspieler und in zahlreichen Fernsehserien, wie etwa Mission Impossible (Kobra, übernehmen Sie) oder Bonanza zu sehen.

Recht positiv fällt auch Charles Halton als Dr. Rupert Bulfinch auf. Halton, der bereits seit 1917 vor der Kamera stand, spielt seinen Part angemessen und es ist schade, dass ihm nicht etwas mehr Spielzeit vergönnt ist. Eigentlich mehr Theaterschauspieler, wurde er mehrfach von Alfred Hitchcock eingesetzt und war in zahlreichen bekannteren Filmen gerne als Nebendarsteller gesehen.

Victor Kilian kennen die Westernfans hingegen vielleicht eher mit dem Colt in der Hand. 1936 war er in Mississippi Melody aufgefallen, gab dann 1938 im Technicolorfilm The Adventures of Tom Sawyer (Toms Abenteuer) den Sheriff, bevor er in Schoedsacks Horrorstreifen eine erste Hauptrolle ergattern konnte. Später hatte er Nebenrollen in bekannten Genrefilmen wie The Return of Frank James (Rache für Jesse James) (1940), The Mark of Zorro (Im Zeichen des Zorro) (im selben Jahr), oder in The Ox-Bow Incident (Ritt zum Ox Bow) (1943) mit Henry Fonda in der Hauptrolle inne.

Fazit

Insgesamt ist Dr. Zyklop also ein aus visueller Sicht filmgeschichtlich interessanter Genrestreifen, dessen Geschichte allerdings naiv und bisweilen sogar albern erscheint. Die aufwendige Tricktechnik, die tollen Farben und die guten schauspielerischen Leistungen machen indes auch heute noch Spaß. Somit sei die DVD jedem Sammler wärmstens ans Herz gelegt. Diese ist für 9,90 € beim Händler des Vertrauens erhältlich und beinhaltet neben dem Film auch interessante Audiokommentare, Trailer, eine Bildergalerie und die Super-8-Fassung.

Dr. Cyclops aka Dr. Zyklop
Produktionsjahr: 1940
Genre: Science-Fiction, Mad-Scientist
Regie: Ernest B. Schoedsack
Produktion: Dale Van Every, Merian C. Cooper
Drehbuch: Tom Kilpatrick
Kamera: Henry Sharp
Schnitt: Ellsworth Hoagland
Musik: Gerad Carbonara, Albert Hay Malotte, Ernst Toch

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Reinhard Prahl

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