Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster
|

Review: Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster (1971)

Lesezeit circa: 6 Minuten

Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster ist ein Film, der in vielerlei Hinsicht merkwürdig ist.

Ein neues Thema wird gesucht

1971, als Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster in die Kinos kam, war die Filmreihe mittlerweile schon 17 Jahre alt. Und sie hatte sich inzwischen sehr von dem entfernt, was den ersten Godzilla-Film ausmachte. Denn die Titelkreatur war längst nicht mehr die nukleare Naturgewalt, die sie damals war, sondern eher so etwas wie ein Superheld, der regelmäßig gegen andere Monstrositäten kämpfte, die ihn oder die Menschheit bedrohten.

Bei Toho, dem Filmstudio hinter der Filmreihe, wollte man sich daher wieder zeitgenössischen Themen zuwenden. Die nukleare Bedrohung hatte seit 1954 an „Strahlkraft“ verloren, weshalb die Wahl auf die Umweltverschmutzung fiel. Die Inspiration hierfür bekam Regisseur Yoshimitsu Banno, der auch dann später mit das Drehbuch verfasste, als er sah, wie Städte wie beispielsweise Yokkaichi unter Smog und Wasserverschmutzung litten.

Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster sollte dabei das Godzilla-Debüt des Filmemachers werden. Dass Ishirō Honda mal keinen Film der Reihe drehte, war nichts Neues, da er bereits zum Beispiel bei Frankensteins Monster und die Ungeheuer aus dem Meer nicht auf dem Regie-Stuhl saß. Was allerdings diesen Kinofilm so besonders machte, war, dass sich der Cast zur Gänze aus Schauspielern zusammensetzte, für die dies der erste Godzilla-Film war. Kein einziger Schauspiel-Veteran der Filmereihe war beteiligt, was ungewöhnlich war.

Im Vergleich zu den anderen Filmen der Reihe, hatte dieser Teil ein deutlich geringeres Budget und einen engeren Drehplan. So hatte der Regisseur nur 35 Tage für die Dreharbeiten und auch nur ein Team, dass sich sowohl um die Drama-Szenen kümmern musste, als auch um die Filmpassagen, in denen die Monster dran kamen. Den Rough Cut schaute sich dann im Auftrag von Produzent Tomoyuki Tanaka Ishirō Honda an.

Godzilla saves the day

Die außerirdische Lebensform Hedorah landet auf der Erde. Sie ernährt sich von der Umweltverschmutzung und greift schon bald die Menschheit an. Einer der Ersten, die davon betroffen sind, sind der Wissenschaftler Dr. Toru Yano (Akira Yamanouchi) und sein junger Sohn Ken Yano (Hiroyuki Kawase). Letzterer hat eine Vision von Godzilla, der den Menschen im Kampf gegen das Ungeheuer hilft.

Und in der Tat taucht die Riesenechse bald auf und legt sich mit dem außerirdischen Monster an. Zunächst kann er es besiegen, doch dann kommt die Kreatur zurück. Und dieses Mal ist sie noch stärker als zuvor, und sogar Godzilla selbst kann sie nicht stoppen. Es scheint so, als ob das Leben, so wie man es kennt, dem Untergang geweiht ist.

Es wird brutal!

Eines kann man Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster – Mal wieder ein herrlich bescheuerter deutscher Titel – nicht vorwerfen: nämlich, dass er kleine Brötchen bäckt. Im Gegenteil: Von Beginn versucht Yoshimitsu Banno, das große Rad zu drehen. Das Ergebnis ist einer der ambitioniertesten und außergewöhnlichsten Godzilla-Filme seit Langem, der aber am Ende vor allem an der Experimentierfreudigkeit des Regisseurs scheitert.

Man merkt dabei, dass der Filmemacher sich bei der Darstellung der Gewalt und ihrer Konsequenzen vor allem am allersten Godzilla-Film orientiert hat. Mit dem Ergebnis, dass sein Werk im Vergleich zu den letzten Teilen nicht wie ein Kindergeburtstag wirkt, sondern durchaus ranklotzt. Man sieht, wie die berühmte Riesenechse ein Auge verliert, wie Menschen in Industrieschlamm ersticken oder zu Skeletten verbrannt werden.

Diese Gewaltszenen sind dabei in Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster kein Selbstzweck, sondern betonen, das Hedorah eine vollkommen andere Art von Monster ist. Es entwickelt sich im Laufe des Films ständig weiter und kann quasi Klone seiner selbst erzeugen, aus denen es im Falle einer Niederlage zurückkommen kann.

Das in Kombination mit seinen sonstigen Fähigkeiten, wie etwa der Tatsache, dass es giftigen Schleim absondern kann, machen es erst so gefährlich. Weshalb es auch einleuchtet, dass Godzilla dieses Mal mehr zu kämpfen hat als normalerweise. Und wieso er dabei teils schwere Verletzungen davonträgt, die ihn aber langfristig nicht stören.

Plötzliche Szenenwechsel

Für das menschliche Drama sorgt die Familie des Wissenschaftlers Dr. Toru Yano. Dessen jüngster Sohn ist ein großer Fan von Godzilla ist und zweifelt nie an seinem Helden . Allerdings muss man auch betonen, dass das Handlungstempo vor allem zu Beginn von Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster enorm hoch ist. Szenenwechsel werden nicht vorbereitet, sondern geschehen plötzlich. Eben noch war der Doktor in seinem Labor, nur um dann auf einmal mit seinem Sohn in Tauchermontur am Meer zu sein, um Unterwasser etwas zu gucken. Und als er von Hedorah angegriffen und schwer verletzt wird, wird seine Rettung nicht gezeigt, sondern er liegt auf einmal in Bandagen im Bett und steht der Presse Rede und Antwort.

All dies hat zur Folge, dass man mit ihm und den anderen handlungstragenden Figuren nicht wirklich warm wird. Im Prinzip sind sie allein auf ihre Funktionen reduziert, mit einem absoluten Minimum an Charakterisierungen. Dass man trotzdem mit ihnen fühlt und fiebert, liegt vor allem an der Darstellung der Konsequenzen von Hedorahs Angriffen.

Zu viele Experimente

Interessant ist, dass Godzilla in Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster von all seinen bisherigen Auftritten am menschenähnlichsten agiert. Er gestikuliert sehr, so als ob er mit dem Gegner kommuniziert. Ebenso handelt er vorausschauend und kalkulierend, was man vor allem im Endkampf merkt.

Allerdings kann man sich des Eindrucks nicht verwehren, dass Yoshimitsu Banno ein wenig zu experimentierfreudig war. So, als ob er bewusst mit der Norm der früheren Auftritte brechen wollte. Das merkt man zum Beispiel daran, dass er immer mal wieder Zeichentricksequenzen einbaut, in denen er zeigt, wie Hedorah sich von der Luftverschmutzung ernährt oder wie Fabriken jegliches Grün beim ersten Auftauchen vernichten. Es sind Szenen, die im Kontext des Films fremdartig wirken und zur Handlung nicht wirklich etwas beitragen.

Was er ebenfalls in Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster einbaut, ist ein Lied, in dem unter anderem das Fehlen von Vögeln beklagt wird. Doch wird es jedes Mal schon fast fröhlich vorgetragen, wobei vor allem beim zweiten Mal ein Kontrast zwischen Lied und Präsentation aufgebaut wird, der befremdlich ist. Denn gesungen wird es in einer Art Diskothek in einer heiteren Atmosphäre, mit einer lächelnden Sängerin. Ein Gegensatz, der einfach nicht zu dem passt, was mit dem Liedtext ausgedrückt wird.

Eine gute Abwechslung

Trotzdem ist dieser Teil eine nette Abwechslung von der Norm. Das Experiment ist zwar nicht komplett aufgegangen, aber die Ansätze waren vorhanden. Leider sollte dies der einzige Godzilla-Film von Yoshimitsu Banno gewesen sein. Denn auch wenn er am Ende einen Teaser auf eine potentielle Fortsetzung eingebaut hat, wurde er vom Produzenten Tomoyuki Tanaka gefeuert.

Man muss auch betonen, dass die Umweltverschmutzungthematik an Aktualität in all der Zeit nichts verloren hat. Die Bilder mögen sich verändert haben, doch die Umstände sind immer noch akut.

Warpskala

Warpskala
5 10 0 1
5/10
Total Score

Positiv

  • Ein ambitionierter Film
  • Hedorah guter Gegenspieler

Negativ

  • Etwas zu überambitioniert
  • Rudimentäre Charakterisierungen
Götz Piesbergen
Letzte Artikel von Götz Piesbergen (Alle anzeigen)

Ähnliche Beiträge

Kommentar verfassen