Ghost Rider
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Review: Ghost Rider (2007)

Lesezeit circa: 9 Minuten

Ghost Rider wartet mit prominenten Darstellern auf.

Ein Plan seit frühen Zeiten

Die Comics des Marvel-Verlages warten mit einer enormen Bandbreite an verschiedenen Figuren auf, die gleichzeitig auch noch in den unterschiedlichsten Genres zu Hause sind. Man hat die SciFi-Abenteuer der Fantastic Four, die Street-Level-Erlebnisse von Daredevil, sowie die Grusel-Geschichten von Blade und Man-Thing. Zu Letzteren gesellt sich auch einer der visuell markantesten Figuren des Verlags hinzu: Ghost Rider.

Es ist im Prinzip unmöglich, den Charakter nicht zu kennen. Schon allein sein hervorstechendstes Merkmal, der in Flammen stehende Schädel, sorgt dafür, dass auch Nicht-Comic-Leser die Figur sofort erkennen. Eine Verfilmung war daher nur eine Frage der Zeit.

Und in der Tat versuchte der Verlag bereits seit 1992, einen Kinofilm basierend auf den Comics zu erschaffen. Es gab zahlreiche Gespräche mit interessierten Produzenten, die die Filmrechte kaufen wollten. Konkret wurde es schließlich im neuen Jahrtausend, als Marvel Comics eine Vereinbarung mit der Filmfirma Crystal Sky Entertainment verkündete, die sich um die Filmadaption kümmern sollten. Der bekannte US-Schauspieler John Voight (Midnight Cowboy) sollte Produzent werden und niemand Geringeres als Johnny Depp hatte Interesse daran bekundet, den Titelcharakter darzustellen. Das Budget sollte 75 Millionen US-Dollar betragen.

Einige bekannte, einige unbekannte Darsteller

2001 wurde Dimension Films Mitfinanzier der Ghost Rider-Verfilmung und Stephen Norrington sollte Regie führen. Derweil sprach Co-Produzent Avi Arad Eric Bana an, ob der nicht die Hauptrolle übernehmen wolle, entschied sich dann aber stattdessen dafür, ihn für The Incredible Hulk als Hauptdarsteller zu casten. Interessanterweise hatte derweil Nicolas Cage mit den Filmemachern Kontakt aufgenommen. Denn der Darsteller war ein bekennender Comic-Fan, unter anderem eben auch von dieser Figur.

2002 kaufte Columbia Pictures die Filmrechte und heuerten 2003 Mark Steven Johnson als Regisseur an. Dabei handelt es sich um keinen Unbekannten, schließlich drehte er die Filmadaption von Daredevil und war der Executive Producer von Elektra. Der Filmemacher überarbeitete noch das Drehbuch des Films, derweil Nicolas Cage endgültig als Hauptdarsteller angeheuert wurde. Allgemein wurde ein All-Star-Cast für diesen Kinofilm zusammengezimmert.

Neben Nicolas Cage stießen auch die Hollywood-Legenden Peter Fonda (Easy Rider) als Mephistopholes und Sam Elliot (Der aus der Sonne kam) als Carter Slade, der Caretaker, zum Team. Eva Mendes wurde zu Johnny Blazes Jugendliebe, die in der Gegenwart als Reporterin arbeitet, Roxanne Simpson. Auf der Antagonistenseiten wurden Wes Bentley (American Beauty) als Blackheart, Laurence Breuls (Blackrock) als Gressil, Daniel Frederiksen als Wallow sowie Matthew Wilkinson (Mission Impossible 2) als Abigor gecastet. Abgerundet wurde das Ensemble durch Matt Long (Jack & Bobby) als junger Johnny Blaze, Raquel Alessi (The Standoff) als junge Roxanne Simpson, Donal Logue (Sons of Anarchy) als Johnnys rechte Hand Mack und Brett Cullen (Falcon Crest) als Johnnys Vater Barton Blaze. David Roberts (The Matrix Reloaded) erhielt die Rolle als Captain Jack Dolan.

Im Dienste der Hölle?

Der Ghost Rider ist ein Kopfgeldjäger des Teufels. Vor über 100 Jahren schickte dieser ihn aus, um den Vertrag San Venganza zu holen, mit dem Mephistopholes die Kontrolle über die Erde erlangen könnte. Doch der damalige Rider verhinderte dies, indem er die Flucht ergriff und weglief.

Johnny und sein Vater Barton Blaze sind Motorradstuntfahrer. Nur dass Johnnys Kopf ständig in den Wolken steckt, da er sich in die schöne Roxanne verliebt hat. Sein Vater ist davon wenig begeistert, ist er doch schwer an Krebs erkrankt und wird demnächst sterben, weshalb er sich um die Zukunft seines Sprosses sorgt. Bis sein Sohn von Mephistopholes dazu gebracht wird, einen Vertrag mit dem Teufel mit seinem eigenen Blut zu unterschreiben. Der Vater wird geheilt, stirbt dann allerdings bei einem missglückten Stunt.

In der Gegenwart kommt Mephistopholes Sohn Blackheart auf die Erde. Gemeinsam mit drei gefallenen Engeln will er den Vertrag von San Venganza in seinen Besitz bringen. Weshalb Mephistopholes wieder in das Leben von Johnny Blaze tritt und ihn zum neuen Ghost Rider macht, der die Dämonen besiegen und den Kontrakt holen soll.

Ein faszinierendes Scheitern

Es ist erstaunlich: Wenn man sich der Comics besinnt, so hätte eine Filmadaption von Ghost Rider jede Menge Potential gehabt. Schließlich waren vor allem die ursprünglichen Erzählungen bizarr, was vor allem daran lag, dass hier teilweise wild herumexperimentiert wurde. Die Geschichten waren voll von Begegnungen mit Dämonen, Monstern und anderen übernatürlichen Wesen. Und die Figuren Mephistopholes und Blackheart hätten ebenfalls jede Menge Stories gehabt, auch im Zusammenhang mit dem Ghost Rider, die es wert gewesen wären, auf die Leinwand gebracht zu werden.

Stattdessen hat man es hier mit einem Film zu tun, der gleich an mehreren Fronten scheitert. Bei dem die Darsteller sich durchaus Mühe geben, ihre Rollen mit Leben zu füllen, doch gleichzeitig die Mehrheit von ihnen auf grandiose Art und Weise an dem Material scheitern, das ihnen gegeben wurde.

Der Film ist dann unterhaltsam, wenn der titelgebende Ghost Rider zu sehen ist. Wenn man seine Aktionen sieht, wie er beispielsweise aus dem Gefängnis ausbricht und dabei von einem Ganoven die Lederjacke stiehlt und sie anpasst. Schlecht wird er spätestens dann, wenn die Bösewichte auftreten und die Titelfigur mit ihnen zu tun hat. Was schonmal kein gutes Zeichen ist.

Man kann es auch übertreiben

Was übrigens auch für den Beginn gilt, wo Matt Long als junger Johnny Blaze anscheinend alles tut, um klischeehaft zu agieren. Alles, was er tut, was er sagt, was er macht, wirkt knapp am Overacting vorbeigeschrammt, wobei negativer Höhepunkt der Moment ist, wo er sich theatralisch auf die Knie am Köper seines sterbenden Vaters fallen lässt. Und Raquel Alessi? Kommt übers Anhimmeln des jungen Fahrers nicht hinaus.

Positiv anzumerken ist die darstellerische Leistung von Nicolas Cage. Sein Johnny Blaze ist ein nachdenklicher Stuntfahrer, der unter dem Fluch des Ghost Riders nun nicht unbedingt leidet, sondern irgendwann sogar beginnt, die Grenzen seiner Fähigkeiten auszutesten. Doch gleichzeitig prägen ihn die Ereignisse aus seiner Vergangenheit, der Verlust seines Vaters sowie seine wiedergefundene Liebe zu Roxanne Simpson. Für die er sogar nach einem erfolgreichen Stunt sofort das Stadium verlässt, um sie zu suchen und mit ihr zu sprechen. Ein sympathischer Charakter.

Eva Mendes ist eine gute Schauspielerin. Aber als Love Interest für Nicolas Cage ist sie pure Verschwendung. Man hat das Gefühl, dass bei ihr nur das absolute Minimum getan wurde, um ihren Charakter halbwegs realistisch darzustellen. Sie schmollt, weil Johnny Blaze sie versetzt hat, als er das erste Mal zum Ghost Rider wird. Und sie wird natürlich vom Hauptantagonisten entführt und darf später dem Helden zu Hilfe eilen. Doch ansonsten ist da nichts. Es fehlt das Persönliche, weil anscheinend ihr ganzes Leben sich nur um Johnny Blaze dreht. Ihre Arbeit als Reporterin beschränkt sich auf Auftritte vor der Kamera, was nicht ausreicht. Und sogar für eine Comic-Adaption ist das verdammt wenig und sehr enttäuschend.

Eine Gefahr? Eher nicht!

Wobei die Antagonisten in dem Film nicht viel besser sind. Das große Problem ist, dass Blackheart und seine Gefolgsleute ziemlich blass sind, im wahrsten Sinne des Wortes. Sie werden als bleiche Juppies dargestellt, in langen Trenchcoats, denen man sofort ansieht, dass es sich bei ihnen um Möchtegernrebellen handelt. Angeblich sollen sie eine Bedrohung darstellen, doch das Gegenteil ist der Fall.

Schon allein die Handlanger von Blackheart dienen als bloßes Kanonenfutter. Man erfährt ihre Namen, dass sie gefallene Engel sind und über Elementarkräfte verfügen. Doch abgesehen davon macht der Film sich nicht die Mühe, ihnen irgendeine Art von Persönlichkeit zu geben. Im Gegenteil: Sie dienen für den Ghost Rider als Fußabtreter. Das heißt, dass sie ihn häufig überraschen, ein wenig Offensive haben, nur um dann scheinbar mühelos von dem Geisterreiter eliminiert zu werden.

Und Blackheart selber? Erhält im Vergleich etwas mehr Charakterisierung. Doch bis auf eine Handvoll von Szenen interagiert er kaum mit dem restlichen Cast. Er reagiert nicht darauf, dass seine Gefolgsleute nach und nach getötet werden. Auch seine Interaktion mit dem Ghost Rider beläuft sich auf ein absolutes Minimum, gerade genug, dass er seine Schwachstelle entdeckt und ausnutzt. Und der finale Kampf gegen den Sohn des Teufels … Je weniger man dazu sagt, desto besser.

Wenig Licht, viiiiiieeeeeeelllll Schatten

Dabei versucht der Film mit zwei absoluten Weltklassedarstellern zu glänzen. Und hier gibt es Licht und Schatten. Sam Elliot als der Caretaker ist eine Wucht in Tüten. In jeder Szene, in der er auftaucht, spielt er genussvoll jemanden, der mehr weiß, als man denkt, der aber mit seinem Wissen haushält und dennoch dem Helden trifft. Grandios der Moment, wo er sich als abtrünniger Ghost Rider entpuppt, um mit seinem Nachfolger durch die Nacht nach San Verganza zu reiten. Mit einer der besten, wenn nicht gar die beste Szene des gesamten Films.

Peter Fonda hingegen ist … vorhanden. Er taucht immer wieder auf und gibt den manipulativen Mephistopholes. Doch bleibt er die ganze Zeit merkwürdig passiv. Nie wird er selber aktiv und beweist seine Macht, abgesehen davon, dass er irgendwie für den Tod von Barton Blaze sorgt. Er droht, aber lässt seinen Drohungen keine Konsequenz folgen. Wodurch er, wie sein Sohn, blass und ungefährlich wirkt.

Es hilft auch nicht, dass die Special Effect, die Darstellung ihres wahren Aussehens, nicht gut gewählt sind. Eine andere Hautfarbe, ein wenig mehr schwarze Adern sowie ein größeres Maul mit mehr Zähnen reicht einfach nicht aus, um Gruselgefühle hervorzurufen. Stattdessen wirkt es unfreiwillig komisch.

Grandiose Special Effects

Dabei sind die Special Effects von Ghost Rider allgemein durch die Bank super. Der Titelcharakter wird mit seinen Fähigkeiten exzellent dargestellt. Und die Sequenzen, in denen er mit seinem Bike durch die Gegend rast oder ein Hochhaus hochfährt, sind sensationell und purer Spaß.

Auch der Soundtrack ist super. Vor allem Spiderbaits Interpretation von Ghost Riders in the Sky passt wie die Faust aufs Auge zum Film.

Warpskala

Warpskala
2 10 0 1
2/10
Total Score

Positiv

  • Nicolas Cage
  • Special Effects beim Ghost Rider
  • Sam Elliot

Negativ

  • Schwache und blasse Antagonisten
  • Eva Mendes wird vergeudet
  • Matt Long als junger Johnny Blaze
Götz Piesbergen

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