Space 2063
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Review: Space 2063 017 – Ein Panzer namens Pearly

Lesezeit circa: 7 Minuten

Die Episode Ein Panzer namens Pearly macht deutlich, wie sehr die Erniedrigung und die Qualen, die Paul Wang in der Episode Folter erlitten hat, noch nachwirken. Paul (Joel de la Fuente) begegnet nämlich einem weiteren Exemplar seines Silikanten-Peinigers Elroy (Doug Hutchison).

Zur Handlung

Die Wild Cards sind auf dem zerklüfteten Planeten Minerva in ein Bodengefecht verwickelt. Als Colonel McQueen (James Morrison) um Evakuierung bittet, erhält er weit entfernte Koordinaten. Unter Beschuss „entern“ die Marines einen einsam im Gelände stehenden Panzer. Es stellt sich heraus, dass das Gefährt einem Sergeant Louie Fox (Guy Garner) gehört, der seinem Ketten-Gefährt den Namen „Pearly“ gegeben hat.

Die Marines sind noch nicht lange unterwegs, als Pearly in einem Panzergraben landet, den der britische Major Mackendrick (Martin Jarvis) ausgehoben hat. Während sie dabei sind, Pearly wieder flott zu bekommen, greifen feindliche Jäger an. Sergeant Fox stirbt in seinem Fahrzeug.

Zusammen mit Mackendrick setzen die Wild Cards ihre Fahrt fort. Weil McQueen glaubt, verfolgt zu werden, schickt er seine Leute auf Erkundung. Dabei wird Paul von einem Elroy-Silikanten überwältigt. Sie erinnern sich beide an Pauls Folter auf Kazbek und an Pauls erzwungenes Geständnis. Elroy verlangt von Paul eine Batterie für seine beschädigte Silikanten-Partnerin. Dann werde er das Geständnis aus dem gemeinsamen Speicher aller Silikanten löschen.

Zurück im Panzer, stiehlt Paul eine Batterie. Als Pearly die Energie ausgeht, wird sie aber bald vermisst Der Verdacht fällt auf Mackendrick, und ausgerechnet Paul soll ihn bewachen.

Da Nathan (Morgan Weisser) schon Verdacht geschöpft hat und Pauls Handel mit Elroy fehlschlägt, muss Paul schließlich gestehen, dass man ihn auf Kazbek gebrochen hat. Niemand nimmt es ihm übel, nur er selbst kann es sich nicht verzeihen, dass sein Wille während der Folter nicht stärker gewesen ist.

Die Wild Cards haben den Abholpunkt fast erreicht, als Pearly von einem feindlichen T-77-Panzer angegriffen wird. Zudem taucht Elroy wieder auf. Paul zerstört den T-77 mit einem Raketenwerfer, Mackendrick erschießt Elroy. Nachdem sie die Daten über Pauls Geständnis aus Elroys Speicher endlich gelöscht haben, verlassen sie den Planeten. Bis auf Mackendrick, der möchte bleiben, um die Sprache der Chigs zu erforschen.

Interessante Details

Pearly ist in Wirklichkeit ein umgebauter M-113-Mannschaftstransportpanzer; auch MTW, MannschaftsTransportWagen, genannt. Solche Fahrzeuge wurden bereits im Vietnamkrieg eingesetzt. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden alle möglichen Versionen mit den verschiedensten Aufbauten. Der M-113 ist heute noch im Einsatz, auch bei der Bundeswehr.

Neben Wer überwacht die Vögel? ist Ein Panzer namens Pearly die einzige Folge, die zu 100 Prozent auf einem fremden Planeten spielt.

Die 58. Staffel hat in dieser Folge den Funk-Code „Alpha 2“.

Der Abholpunkt ist 100 Kilometer entfernt. Im Gelände auf Minerva benötigt man für diese Strecke mit einem Panzer zwei Tage.

Sergeant Fox Einheit ist das 7. Kavallerieregiment. Dies war das Regiment General Custers, das am Little Big Horn von einer riesigen Indianerstreitmacht völlig vernichtet wurde. In Shirley Walkers Filmmusik zu dieser Folge gibt es einen Verweis auf die historische Einheit. Sie arbeitete den Gary-Owen-March in ihre Musik ein, den Marsch der 7. Kavallerie (den Western-Freunde unter anderem aus John Fords berühmter Kavallerie-Trilogie Bis zum letzten Mann, Der Teufelshauptmann und Rio Grande kennen).

Louie Fox ist ohne seinen „Morgenkaffee“ schlecht gelaunt. Jener besteht aus reinem Kaffeepulver. Wozu auch Wasser verschwenden?

Major Mackendrick verlor vor acht Monaten sein Bataillon bei der Schlacht von Mendrick Ridge.

Mackendrick hat in seinem Bunker einen festen Tagesablauf. „Zweimal täglich Zähne putzen, dreimal täglich Wasser produzieren.“

Mackendrick glaubt, dass den Chigs die religiöse Vorstellung von einem Leben nach dem Tod völlig fremd ist. Aus diesem Grund graben sie die Leichen gefallener menschlicher Soldaten aus und verstümmeln sie. „Sie halten uns vielleicht für wandelnde Tote. Eine Armee von Zombies.“ So baut sich jede Seite ihr Feindbild auf.

Der britische Major vergleicht die Sprache der Chigs mit den Klängen von Walen oder Delphinen.

Mit einer Batterie hat Silikantenfrau A.I. Feliciti (Kimberly Patton) eine Chance von 87,4 Prozent, wiederhergestellt zu werden.

Die Silkanten verfügen über einen Festwertspreicher, auf den alle A.I.s Zugriff haben. So kann sich das Elroy-Modell dieser Episode an Pauls Geständnis erinnern. Damit haben die Silikanten quasi ein eigenes Internet und ein kollektives Gedächtnis.

Vanessa ist laut Mackendrick das griechische Wort für Schmetterling.

Mackendricks Vorfahren kämpften „vor 400 Jahren gegen Cromwell“. Oliver Cromwell war im englischen Bürgerkrieg 1642 bis 1644 der Führer des Parlamentsheeres. Das englische Parlament hatte sich gegen die Willkür des Königs Karl I erhoben. Das Parlamentsheer konnte das königliche Heer in der Schlacht von Marston Moor besiegen.

Die Sonne geht auf jenem Breitengrad des Planeten Minerva, auf dem die Geschichte spielt, erst eine halbe Stunde vor Mitternacht unter.

Mackendrick war ein „Schreibtischhengst“ und für den Nachschub seiner Einheit zuständig. Jahr für Jahr stellte er den Antrag, zu einer kämpfenden Truppe versetzt zu werden. Bei Mendrick Ridge griffen die Chigs dann die Nachschublinien der britischen Truppen an, und plötzlich befand sich Mackendrick mitten in der Schlacht. Dabei verlor er viele Bekannte und Freunde. Auf Minerva möchte er nun die Taktik und die Sprache der Chigs erforschen, um „für seine Freude“ zu helfen, die Aliens zu besiegen.

Der frühere Einzelgänger Cooper Hawkes (Rodney Rowland) vergleicht inzwischen das Alleinsein mit einer Gefangenschaft.

Die Chigs können Platinen der Silikanten zur Zielortung benutzen.

Die Form des feindlichen T-77-Panzers erinnert an die des U-378-Zerstörers in der Folge Meuterei. Der T-77-Panzer der Chigs verfügt über eine starke Keramik-Frontpanzerung und sollte daher von der Seite angegriffen werden.

Mackendricks Abschiedsgruß lautet: „Gott schütze den König!“ Also scheint es in England auch 2064 noch eine Monarchie zu geben.

Interessantes für den Filmfan

Sowohl Kimberly Patton als auch Doug Hutchison tauchen in der Serie zum dritten Mal als Silikanten auf. Dabei sind sowohl Elroy als auch Feliciti schon mindestens einmal „gestorben“. Kim Patton augenzwinkernd über die Rolle als Feliciti und über ihr Verhältnis zu den Produzenten Glen Morgan und James Wong: „Ich möchte Glen und James erst mal danken … Es ist immer herrlich, nicht ständig als Opfer gezeigt zu werden. Jedes mal, wenn ich getötet werden sollte, wusste ich, sie würden so freundlich sein, mich wieder zurückzubringen.“

Humorvoller Filmschnitt: Nachdem McQueen befohlen hat, darauf zu achten, ob sich Mackendrick „merkwürdig“ benimmt, sieht man, wie er mit Gier Rindfleisch aus einer Dose verschlingt. („Hmmmm, ich mag besonders dieses Gelee.“) Ein Hoch auf die englische Küche!

Gefühlvolle Idee: Als Louie Fox beigesetzt wird, regnet es stark, und die Regentropfen, die an Pearly herunterlaufen und auf den Boden tropfen, erwecken für einen Augenblick den Eindruck, der Panzer würde „weinen“.

Sergeant Louie Fox und Major Mackendrick erinnern mit ihren Marotten an die kauzigen Typen aus verschiedenen älteren Kriegsfilmen. So wartet das Schlachtenepos Der längste Tag mit ähnlich spleenigen Typen auf. Einer von ihnen ist der US-General Norman. Während der größten Gefechte am normannischen Strand klemmt ihm ständig eine kalte Zigarre zwischen den Lippen. Eine britische Einheit nervt Freund und Feind mit einem trötenden Dudelsack. Der Navy-Commander Colin Maud wiederum koordiniert die Landung der Truppen mit einem langen Kommandostab und einem Hund an der Leine, den er Winston getauft hat. „Je schneller ihr vom Strand verschwindet, um so eher wird diese widerliche Schießerei aufhören. Der Hund verträgt das nicht!“, brüllt er den Soldaten zu. „Was steht ihr da und quatscht? Ihr seid hier nicht im Hyde-Park. Los! Da drüben ist der Krieg!“

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Eric Zerm

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