Robocop 3
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Review: Robocop 3 (1993)

Lesezeit circa: 9 Minuten

Robocop 3 ist eine Enttäuschung.

Viele Veränderungen

Orion Pictures, das Filmstudio, bei dem die Robocop-Verfilmungen stattfanden, hatte es eilig. Denn quasi ab dem Moment, in dem Robocop 2 fertig produziert war und in den Kinos lief, startete es die Vorproduktion zu Robocop 3. Es kam allerdings zu einigen Veränderungen vor und hinter der Kamera.

Das fing bereits bei der Titelrolle an. Peter Weller, der trotz erheblicher Einschränkungen bedingt durch sein Filmkostüm, einen großartigen Job dabei machte, die Figur zum Leben zu erwecken, stand nicht mehr zur Verfügung. Während der Dreharbeiten zu Teil 3 war er in die Produktion von David Cronenbergs Naked Lunch als Hauptdarsteller involviert. Sein Nachfolger sollte Robert Burke sein, ein Schauspieler, der zuvor in Filmen wie Verdacht auf Liebe (1989) oder Dust Devil (1991) auftrat. Und der hatte seine Probleme mit dem Anzug, der ursprünglich für Robocop 2 designt worden war. Denn er beklagte sich oft, dass das Tragen des Kostüms bereits nach kurzer Zeit sehr schmerzhaft sei.

Die Regie von Robocop 3 übernahm dieses Mal Fred Dekker, der zuvor als Regisseur der Horrorfilme Die Nacht der Creeps (1986) und Monster Busters (1987) gearbeitet hatte. Das ist insofern interessant, als Orion Picture herausgefunden hatte, dass die Fanbase der vorherigen Filme überwiegend Kinder waren. Weshalb die Gewaltdarstellung, die eines der definierenden Merkmale der bisherigen Teile war, deutlich heruntergefahren und gedämpft wurde. Auch beim Casting reflektierte sich dies wieder, doch dazu gleich mehr.

Viele neue Schauspieler

Das Drehbuch zum Film stammte erneut von Frank Miller. Der war ursprünglich optimistisch, dass er in diesem Fall mehr seiner Ideen umsetzen könnte, als das bei Teil 2 der Fall war. Doch Fred Dekker schrieb ebenfalls am Skript mit und so wurden viele Einfälle des berühmten Comicautoren nicht adaptiert, woraufhin er sich bis zur Verfilmung seines Werkes Sin City im Jahr 2005 aus Hollywood zurückzog. Erst dann sah er ein, dass das, was ihm widerfahren war, leider normal war.

Die verstärkte Orientierung an Kindern und Familien spiegelte sich auch im Cast wieder. Von den Hauptdarstellern war Nancy Allen die Einzige, die wiederkehrte. Neu in der Runde war Jill Hennessy als die Wissenschaftlerin Dr. Marie Lazarus. Remy Ryan war bei den Dreharbeiten noch unter zehn Jahre alt und wurde in der Rolle des Wunderkindes Nikko Halloran gecastet, vermutlich als Identifikationsfigur für die minderjährigen Zuschauer, die ja die Zielgruppe waren. Rip Torn wurde zum neuen OCP CEO, derweil John Castle die Rolle des eigentlichen Antagonisten Paul McDagget übernahm. Bruce Locke wurde zum stummen und tödlichen Otomo, der heute legendäre Mako zum japanischen CEO Kanemitsu und CCH Pounder zur Anführerin der Rebellen, Bertha.

OCP ist endlich am Ziel ihres alten CEOs angekommen: Sie kontrollieren die Stadt Detroit. Allerdings haben sie sich etwas übernommen, weshalb die japanische Firma Kanimetsu Corporation einen Anteil an OCP gekauft hat und sehr dahinter her ist, dass die lange geplante Stadt Delta City, wie das neue Detroit heißen soll, entsteht. Zu diesem Zweck wurde auch eine paramilitärische Spezialeinheit mit dem Namen Urban Rehabilitators, kurz Rehabs, gegründet, die unter dem Kommando von Paul McDagget die Bewohner der Stadt zur Not gewaltsam aus ihren Häusern rauswerfen.

Jede Menge Probleme

Robocop sorgt derweil weiterhin für Recht und Ordnung, auch wenn die Detroiter Polizei immer noch unterfinanziert ist. Doch als seine Partnerin Anne Lewis von Rehab Paul MacDagget ermordet wird und er wegen seiner vierten Richtlinie, keine OCP-Kräfte anzugreifen, nichts tun kann, ändert sich alles für ihn. Er wird schwer verletzt und seine einzige Rettung sind die Rebellen unter der Führung von Bertha, die junge, hochbegabte Nikko Halloran und die Wissenschaftlerin Marie Lazarus.

Ursprünglich sollte Robocop 3 1992 in die Kinos kommen. Doch dann ging Orion Pictures pleite und wurde aufgekauft. Was zur Folge hatte, dass während dieser Zeit bereits Videospieltitel herauskamen, die wichtige Plottwists verrieten. Der Film selber kam schließlich ein Jahr später heraus.

Und eines macht sich beim Zuschauen bemerkbar: Dieser Film hat jede Menge Probleme. Die Hauptursache vor allem ist die Entscheidung von Orion Pictures, sich mehr an der Fanbasis zu orientieren, sprich, ihn kinderfreundlicher zu machen. Wodurch die Dystopie, die die Reihe bislang ausmachte, quasi unterlaufen wurde.

Eine Überfigur

Diese Orientierung bemerkt man in Robocop 3 unter anderem an Remy Ryan, die das Wunderkind Nikko Halloran darstellt. Wieso ist sie ein Wunderkind? Weil sie mit einem frühen Laptop schwere mathematische Gleichungen lösen kann, sich in alles Mögliche reinhacken kann und allgemein für den Fortschritt des Filmplots essentiell ist. Hier begeht der Film denselben Fehler wie auch Star Trek – The Next Generation mit Wesley Crusher (Wil Wheaton).

Sie ist mehr ein Plotdevice als ein Kind. Dass sie ihre Familie im Laufe der Zwangsräumung verloren hat, dass sie Gewalt und Tod sieht, all das spielt bei ihrer Darstellung absolut keine Rolle. Stattdessen sieht man, wie sie den zweiten Robocop mal eben kurz übernimmt und steuert. Oder, wie sie rotzfrech in das Polizeirevier von Detroit eindringt, um dort Dr. Marie Lazarus dazu zu animieren, mit ihr zu kommen, um Robocop zu retten. Was ihr natürlich gelingt, denn scheitern kann sie nicht.

Das soll jetzt keine Kritik an der Darstellungskunst von Remy Ryan sein. Sie macht einen guten Job. Aber auch sie kann aus Grütze kein Gold machen.

Eine andere Orientierung mit Konsequenzen

Anders hingegen die Darstellung von Dr. Marie Lazarus. Anders als die Wissenschaftler aus den vorherigen Filmen hat sie deutlich mehr Profil und Rückgrat. Sie weigert sich, Robocop einen Chip einzusetzen, der seine Erinnerungen löscht. Und als ihre Hilfe benötigt wird, lässt sie alles liegen und stehen. Sie wird als eigenständige und selbstbewusste Frau dargestellt, was insofern praktisch ist, als dass die eigentliche eigenständige und selbstbewusste Frau, die bislang in der Serie mitwirkte, bereits im ersten Drittel von Robocop 3 das Vorzeitliche segnet.

Gemeint ist natürlich Nancy Allen als Anne Lewis. Ihr Tod tut einem weh, allerdings vermutlich aus anderen Gründen, als die Filmemacher das beabsichtigt haben. Sie erhält in den ersten 30 Minuten des Films mehr Profil als in den beiden vorherigen Auftritten insgesamt. Es wird nochmal ihre Freundschaft zu Alex Murphy aka Robocop betont. Aber ebenso wird gezeigt, wie sie sich gegen herabwürdigende Kommentare erwehren muss, die sie zuerst über ihr Geschlecht definieren und nicht ihren Beruf oder ihr Können als Cop. Was im Laufe des Films Potential für eine Auseinandersetzung über Vorurteile über die Rolle der Frau in bestimmten Berufen gehabt hätte, endet allerdings mit ihrem vorzeitigen Ableben abrupt. Wodurch eine Leere entsteht, die durch Marie Lazarus nur bedingt gefüllt werden kann.

Auch ist der Humor in diesem Film wesentlich weniger beißend als in den vorherigen Auftritten. Es gibt gelungene Szenen, wie etwa, als ein Gangmitglied Schwierigkeiten hat, einen Polizeihelm auf seine Stachelhaare zu setzen. Aber es fehlen einfach die Augenblicke, in denen beispielsweise die Firmenkultur allgemein durch den Kakao gezogen wird. Hier wirkt Robocop 3 dann doch sehr handzahm, was man ebenfalls auf die verstärkte Orientierung an Kindern schieben kann. Denn denen dürften viele ironische Anspielungen aus den vorherigen Teilen entgangen sein, weshalb diese dann eben enorm abgemildert worden sind.

Er fehlt

Und das Fehlen von Peter Weller macht sich schmerzlich bemerkbar. Er war jemand, der trotz der kostümbedingten Limitierungen das Beste aus der Rolle machen konnte. Robert Burke bemüht sich nach Leibeskräften, es ihm gleichzutun. Aber man merkt, dass er Probleme hatte, dass er vermutlich bedingt durch die oben genannten Schmerzen eingeschränkt war. Deshalb: Er macht unter den Umständen einen guten Job. Doch es reicht einfach nicht, um die Figur wirklich zu seiner eigenen zu machen.

Wobei man eh das Gefühl hat, dass die Rolle des Robocops in Robocop 3 mehr auf den Zweck des Verkaufs von Spielfiguren umdefiniert wurde. Denn viele der Outfits, die der Charakter im Laufe des Films trägt, vor allem am Ende, wirken eher wie Schleichwerbung für potentielle Toys, die dann in den Handel gekommen wären. Vor allem angesichts der Tatsache, dass der Hauptcharakter in den ersten beiden Filmen diese Upgrades nicht benötigte, sticht dies besonders ins Auge.

Und am Ende scheitert der Film schlicht und ergreifend am Schurken. Zu keinem Zeitpunkt schafft es John Castle als Paul MacDagget, auch nur ansatzweise einen glaubhaften Gegenspieler abzugeben. Ja, er ist böse und opportunistisch, so viel wird klargemacht. Aber darüber hinaus ist da nichts. Anders als die Antagonisten der ersten beiden Filme hat man einfach nicht das Gefühl, dass er auf Augenhöhe agiert. Dass er die Partnerin von Robocop umbringt, ist auch nur der vierten Regel geschuldet, die in diesem Film auf einmal wieder nach dem ersten Teil auftaucht.

Schwache Auseinandersetzungen

Für die Konfrontation auf Augenhöhe sind schließlich die japanischen Konterparts von Robocop zuständig. Und sorry, aber diese Kämpfe wirken in Robocop 3 einfach nur lächerlich! Sie können frei agieren, wirbeln umher, derweil der Titelheld die meiste Zeit wie ein Käfer auf dem Rücken liegt und nur durch Glück und Verstand die Auseinandersetzungen übersteht.

Hier macht sich aber auch allgemein die zurückgeschraubte Gewaltdarstellung bemerkbar. Dies war, neben dem teilweise schon fast zynischen Humor, eines der Merkmale der Filmreihe. Durch die Abwesenheit der Auswirkungen der Gewalt wirkt der Film nahezu handzahm und fehlt es einigen Szenen an Konsequenz.

Immerhin können die Rebellen überzeugen. CCH Pounder als Bertha macht einen glaubwürdigen Job, diese Gruppe zusammenzuhalten. Und sie werden entsprechend gut dargestellt. Was ein schwacher Trost ist.

Das war’s

Robocop 3 spielte bei einem Budget von 22 Millionen US Dollar 47 Millionen ein. Womit er ähnlich „erfolgreich“ war, wie der zweite Teil. Am Ende sollte dies für lange Zeit der letzte Kinoauftritt des Charakters gewesen sein. Es gab zwar noch Fernsehauftritte, doch über die wird vielleicht irgendwann später berichtet.

Letzten Endes kann man nur sagen, dass dieser Film eine einzige Enttäuschung war, mit nur wenigen Lichtblicken.

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Warpskala

Warpskala
4 10 0 1
4/10
Total Score

Positiv

  • CCH Pounder als Bertha
  • Robert Burke bemüht sich redlich
  • Jill Hennessy als Dr. Marie Lazarus

Negativ

  • Neuorientierung an Minderjährigen als Zielgruppe
  • Remy Ryan als Nikko Halloran
  • Lächerliche Kampfszenen
Götz Piesbergen

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