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Review: She-Hulk – Die Anwältin 07: Das Retreat

Lesezeit circa: 5 Minuten

Das Retreat wird für Jen zu einem wichtigen Ort.

Wieder kein Teufelskerl

Im Privatleben von Jen (Tatiana Maslany) scheint endlich alles gut zu laufen. Sie und Josh (Trevor Salter) kommen sich näher, bis er sie von einem Moment zum anderen ghostet, sie also online völlig ignoriert.

Da erhält Jen einen Anruf von Emil Blonskys (Tim Roth) Bewährungshelfer, der sie um Beistand fragt. Denn der Bewegungsmelder des ehemaligen Abomination sendet keine Signale mehr. Weshalb er sie bittet, ihn zu dem Retreat des Ex-Schurken zu begleiten, und wo sie schon bald auf ein ungewöhnliches Geheimnis von eben jenem stößt.

Es scheint so, als ob die Macher der She-Hulk-Serie es lieben, die Fans von der Daredevil-Netflixreihe zu trollen. Denn Das Retreat ist jetzt schon die zweite Folge seit dem Teaser, in der die Figur nicht aufkreuzt. Dementsprechend verstimmt reagieren diese.

Verletzte Gefühle

Allerdings vergessen sie, dass es in der Serie nicht um den blinden Superhelden geht, sondern um die Anwältin mit der Fähigkeit, sich in ein attraktives, grünes anderes Ich zu verwandeln. Und dabei fokussiert sich die Reihe vor allem auf das Persönliche, auf das Innenleben der Figur. Und das bietet jede Menge Material für die diversen Plots der Streamingserie.

Dementsprechend geht es in Das Retreat auch weniger um Emil Blonsky und seine Kunden als vielmehr darum, wie nach und nach Jens wahre Gefühle hervorgeholt werden und klar wird, wie viel Josh ihr eigentlich bedeutet hat und wie sehr sie sich von dessen Ghosting dann doch verletzt fühlt.

Dabei baut die Folge Jennifers Gefühle in Bezug auf Josh sehr gut auf. Man sieht, wie die beiden miteinander ausgehen, wie sie sich auf und über seine Nachrichten freut. Kurz, es wird klar, dass sie sich in ihn verschossen hat, was vor allem daran liegt, dass er eben Jen datet und nicht She-Hulk. Es scheint eine Beziehung auf Gegenseitigkeit zu sein, deren abruptes und unerklärliches Ende umso rätselhafter ist.

“Wichtige” Figuren

Und so sieht man, wie Jen in Das Retreat wiederholt schaut, ob eine neue Nachricht von Josh auf ihrem Handy eingetroffen ist, was sogar soweit geht, dass sie auf der Suche nach einem Handy-Signal die ganze Anlage von Emil Blonsky durchstöbert, bis sie schließlich aus Versehen in eine seiner Selbsthilfegruppen reinstolpert und deren Teil sie dann am Ende selbst wird, obwohl sie das zu Beginn nicht vorhatte.

Hier ist es schön zu sehen, wie gut die Reihe mit den Erwartungen des Zuschauers spielt. Zu Beginn hat man noch die Befürchtung, dass der ehemalige Hulk-Schurke wieder böse geworden ist, nur um dann die Wahrheit zu erfahren, die absolut genial ist. Denn der frühere Abomination hat eine Selbsthilfegruppe gegründet, mit der er anderen Super-Individuen hilft.

Und hier greift die Serie tief in den Marvel-Comic-Kosmos. Denn es werden hier Charaktere aufgefahren, die innerhalb der Comics C- oder gar D-Status haben. Figuren wie Man-Bull, Porcupine oder Mr. Aguila sind dafür bekannt, dass es sich bei ihnen nicht um Figuren handelt, die berühmt oder beliebt sind. Im Gegenteil: Häufig werden sie auch als Beispiel für die Vielfältigkeit der Comichistorie angeführt, um zu beweisen, dass manche Charaktere schon immer Witzfiguren waren.

Ein Hoch auf die Schauspielkunst

Doch Das Retreat nutzt diese Figuren perfekt aus. Es charakterisiert sie, gibt ihnen Motive, in dem titelgebenden Retreat zu sein. Und liefert damit einen Grund, wieso ihnen Emil Blonsky hilft. Hier muss man übrigens Tim Roths Schauspielerei loben. Man merkt ihm an, wie viel Spaß er hatte, seine geläuterte Figur darzustellen und wie er dabei mit den anderen Darstellern interagiert.

In jedem Fall kommt es schließlich zu einem Gruppengespräch, in das langsam, nach und nach, auch Jen involviert wird. Es ist das Highlight dieser Episode. Zu sehen, wie sich das Gespräch entwickelt, wie die anderen Jennifer nach und nach involvieren und wie sie dann langsam aus sich herauskommt und ihre wahren Gefühle preisgibt, das ist einfach nur grandios! Es macht Spaß, hier die schauspielerische Arbeit aller Beteiligten zu sehen.

Es ist diese Passage und das Ende der Folge, die Das Retreat zu einer für die noch kommenden Episoden wichtigen macht. Man sieht, was es mit Josh auf sich hat, sprich: was er getan hat. Und auf ein Mal ist man umso mehr darauf gespannt, was im Finale geschehen ist. She-Hulk: Die Anwältin hat so gesehen alles richtig gemacht.

warpshop

Warpskala

Warpskala
10 10 0 1
10/10
Total Score

Positiv

  • Tim Roth
  • Selbsthilfegruppe für Superwesen
  • Interessantes Episodenende
Götz Piesbergen

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