Superman Returns
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Review: Superman Returns (2006)

Lesezeit circa: 10 Minuten

Superman Returns war die Rückkehr des Mannes aus Stahl nach Jahren der Kinoabwesenheit.

Neues Leben für einen alten Helden

Superman ist neben Batman und Wonder Woman der Vorzeigehero von DC Comics. Dementsprechend oft wurden im Laufe der Jahre seine Abenteuer für Film und Fernsehen adaptiert. Unvergessen sind natürlich die Superman-Kinofilme mit Christopher Reeve in der Titelrolle aus den 1970er, 1980er Jahren, die Smallville-Fernsehserie, die von 2001 bis 2011 lief, oder Superman: The Animated Series (1996 – 2000).

Dass nun zwischen Superman IV (1987) und Superman Returns (2006) so viele Jahre ohne einen Kinofilm vergingen, lag nicht daran, dass nicht versucht wurde, einen neuen Film zu produzieren. Im Gegenteil, in all der Zeit gab es viele verschiedene Ansätze, und es wurden diverse Regisseure und Drehbuchautoren dafür angeheuert. Unter anderem wurden namenhafte Leute wie Kevin Smith, McG oder Wolfgang Petersen zu diversen Zeitpunkten mit den weiteren Filmabenteuern des Mannes aus Stahl in Verbindung gebracht. Doch am Ende wurde aus den jeweiligen Ansätzen nichts, was man teilweise schade finden kann, teilweise aber auch nicht. Denn unter anderem war eine Verfilmung in Arbeit, bei der der Produzent verschiedene Anforderungen ans Skript stellte, die klar machten, dass er keine Ahnung von der Materie hatte. So sollte Superman nicht fliegen und an einer Stelle eine gigantische Spinne bekämpfen.

Doch ab dem Moment, als Bryan Singer an Bord kam, lief die Produktion problemlos. Die Idee zum Film kam ihm während der Dreharbeiten zu X-Men 2 und nachdem er diese den Produzenten des Kinofilms, Lauren Shuler Donner und Richard Donner, präsentierte, erhielt er von ihnen positives Feedback. Dies war insofern von Bedeutung, als dass die zwei bereits beim Superman-Film aus dem Jahr 1978 in diversen wichtigen Positionen involviert waren.

Bekannte und unbekannter Schauspieler

2004 präsentierte der Regisseur seine Idee Warner Brothers, die sich schließlich einverstanden erklärten, gemeinsam mit dem Filmstudio Legendary Pictures den Film zu finanzieren und den Vertrieb zu übernehmen. Die Dreharbeiten liefen von März bis November 2005 in Australien. Dabei hatte der Kinofilm ein Budget von 204 Millionen Dollar.

Beim Casting der Titelfigur von Superman Returns verzichtete Bryan Singer auf bekannte Schauspieler. Stattdessen wurde der zur damaligen Zeit eher unbekannte Brandon Routh gecastet, für den dies die erste Hauptrolle war. Er wurde unter tausend anderen Kandidaten weltweit ausgewählt, und wurde von Dana Reeve, der Ehefrau des 2004 verstorbenen Christopher Reeve, vom Aussehen her mit ihrem Ehemann verglichen. Der Darsteller unterwarf sich einem strikten Bodybuilding-Training, um die muskulöse Physis der Figur zu erhalten.

Bei der Wahl des Antagonisten Lex Luthors wurde hingegen erst gar nicht so ein großes Netz ausgeworfen. Für Bryan Singer kam nur ein einziger Schauspieler in Frage, nämlich Kevin Spacey, mit dem er bereits bei Die üblichen Verdächtigen zusammengearbeitet hatte und der ein guter Freund von ihm war. Zum Glück sagte Spacey zu und empfahl auch gleichzeitig die Schauspielerin Kate Bosworth für die Rolle der Lois Lane, da er mit ihr in Beyond the Sea: Musik war sein Leben zusammengewirkt hatte.

Bryan Singer brachte James Marsden aus den X-Men-Filmen mit, der dort Cyclops darstellte. In Superman Returns wurde er zu Richard White, dem Verlobten von Lois Lane. Frank Langella (Frost/Nixon) wurde in der Rolle des Daily-Planet-Chefredakteurs Perry White gecastet, für die ursprünglich Hugh Laurie vorgesehen war, der jedoch wegen seiner Verpflichtungen in Dr. House nicht verfügbar war. Eva Marie Saint (Taxi!!!) wurde zu Supermans Ziehmutter Martha Kent. Zu den prominentesten Henchmen Lex Luthors zählten Parker Posey als Kitty Kowalski und Kal Penn als Stanford. In die Rolle des Jimmy Olsen schlüpfte der Darsteller Sam Huntington (Being Human). Und zu guter Letzt gab der damals sieben Jahre alte Tristan Lake Leabu sein Schauspieldebüt als Lois Lanes Sohn Jason White.

Die Welt braucht Superman nicht, oder?

Fünf Jahre sind vergangen, seitdem Superman die Erde verlassen hat, um im Weltall nach anderen Überlebenden seines Heimatplaneten Krypton zu suchen. Doch seine Hoffnung hat sich nicht erfüllt, sodass er zurückkehrt. In der Zeit seiner Abwesenheit hat sich die Welt allerdings verändert.

Lois Lane ist inzwischen glücklich mit Richard White zusammen und Mutter eines kleinen Jungen. Außerdem hat sie einen Pulitzerpreis für einen Artikel mit dem Titel „Wieso die Welt Superman nicht braucht“ gewonnen. Lex Luthor ist derweil auf freiem Fuß und hat sich das Vermögen einer alten Frau erschlichen. Gleichzeitig will er die Welt verändern und sich an Superman rächen. Und ausgerechnet dessen Festung der Einsamkeit in der Arktis liefert ihm das benötigte Material dafür.

Keine Testvorführungen, (k)ein Problem

Es gelang Bryan Singer Warner Bros. davon zu überzeugen, dass es nicht nötig sei, Testvorführungen durchzuführen. Stattdessen führte er 15 Minuten seines Werkes ausgewählten Personen vor. Und als der Film schließlich in die Kinos kam, waren die Reaktionen darauf eher gemischt.

Klar ist, dass der Regisseur mit Superman Returns etwas wagte. Der Film war mit 154 Minuten für damalige Verhältnisse sehr lang und er hatte nur wenige Actionszenen. Gleichzeitig war die Atmosphäre melancholisch, alles Elemente, die den Durchschnittszuschauer eher abstießen, anstatt anzulocken.

Doch der Kinofilm wird zu keiner Sekunde langweilig. Es gibt immer wieder Sachen, die man feieren oder wertschätzen kann, wie zum Beispiel, dass Bryan Singer sich bei diesem Film sehr von den ersten beiden klassischen Superman-Teilen inspirieren ließ. Sein Superman und sein Clark Kent sind im Prinzip unterschiedliche Charaktere, die sich nur zufälligerweise den Körper teilen. Und auch, wenn Brandon Routh vielleicht nicht ganz an Christopher Reeves meisterhafte Körpersprache heranreicht, macht er trotzdem einen sensationellen Job, die beiden Seiten seines Film-Ichs glaubwürdig rüberzubringen. Als Superman strahlt er etwas Gravitätisches, Majestätisches aus, ohne dass es übertrieben oder abgehoben wirkt, denn die Sorge des Man of Steel gilt immer noch den Leben der Unschuldigen, für die er sogar sein eigenes riskiert.

Mit Spaß dabei

Sein Gegenpart ist der sensationelle Kevin Spacey, dem man den Spaß, den er beim Darstellen des bösen Lex Luthor hat, in jeder Sekunde anmerkt. Er stellt ihn als selbstbewussten, arroganten, aber auch intelligenten Gegenspieler dar, der Rache nehmen will für die Schmach, die ihm Superman vor fünf Jahren bereitet hat, und der dabei einiges über seinen Gegner weiß, einschließlich der Festung der Einsamkeit, wo es übrigens einen Kurzauftritt des von Marlon Brando dargestellten Jor-El gibt. Gleichzeitig zeigt sich, wie wenig er von seinen Untergebenen hält, wie etwa, als er sich bei einem gefährlichen Experiment außerhalb der Gefahrenzone begibt, ohne ihnen etwas zu sagen.

Auch Kate Bosworth kann als Lois Lane überzeugen. Sehr schön ist, dass der Film ihre Fähigkeiten als Reporterin betont, die sich in etwas förmlich verbeißen kann, die aber gleichzeitig ebenso ihre Meinung deutlich macht, wenn ihr etwas nicht passt. Superman Returns behandelt außerdem, dass sie sich zwischen Superman und ihrem Verlobten Richard White hin- und hergerissen fühlt. Und natürlich darf ihr mütterlicher Instinkt nicht fehlen, mit dem sie ihren Sohn Jason beschützt.

Doch ausgerechnet der bleibt die ganze Zeit blass und nervig. Wiederholt wird angedeutet, dass er womöglich Supermans Sohn sei, vor allem, als er später eine Reaktion auf Kryptonit zeigt, die Schwachstelle des Mannes aus Stahl. Aber Jason schafft es nie, Sympathie beim Zuschauer zu erlangen. Stattdessen wirkt seine Präsenz wie aufgezwungen und nicht natürlich.

Auch der Rest des Casts hat seine erinnerungswürdigen Szenen. Man merkt allerdings, dass diese Figuren nicht dieselbe Wichtigkeit haben wie die drei Hauptfiguren. Sie erhalten zwar genügend Profil, um nicht austauschbar zu wirken. Doch hätte man sich mehr gewünscht, zum Beispiel auch von Richard White. James Marsden bekommt hier zwar viele Szenen, allerdings gelingt es ihm nie, aus der Figur mehr zu machen als potentieller Konkurrent gegen Lois Lanes Liebe zu Superman.

Parker Posey als Kitty Kowalski ist eine Enttäuschung. Nicht auf Grund ihrer schauspielerischen Leistung – die ist in Superman Returns großartig –, sondern vielmehr wegen der Entwicklung ihrer Figur. Wirkt sie zu Beginn noch wie eine durchaus gewiefte Ganovin, entwickelt sie sich im Laufe des Films immer mehr und mehr zu einer 08/15-Geliebten Lex Luthors. Sie läuft irgendwann nur noch die ganze Zeit mit ihrem Schmusehund durchs Bild und wirkt irgendwie von allem überwältigt.

Der Moment, in dem der Film glänzen kann

Der Film ist insgesamt dann am stärksten, wenn Superman seine Fähigkeiten einsetzt und Bryan Singer ihn wirklich wie er selbst agieren lässt. Etwa, wenn er ein abstürzendes Flugzeug rettet, in dem sich „zufälligerweise“ auch Lois Lane befindet. Oder als er Polizisten gegen hochgerüstete Ganoven beschützt, was auch zu einer der besten Szenen von Superman Returns führt, als einer der Gangster ihm eine Pistole ins Auge abfeuert und die Kugel abprallt.

Gut, weil selten

Diese Momente sind zwar selten, doch eben weil sie eher spärlich gesät sind, werden sie von Bryan Singer im Film förmlich zelebriert. Sie dauern oft mehrere Minuten lang und beweisen, zu was Superman fähig ist, und was ihn ausmacht. Ihre Rarität macht sie so großartig.

Die Darstellung der besonderen Fähigkeiten ist überwiegend sehr gut. An einigen Stellen ist den Special Effects zwar anzumerken, dass sie am Computer erstellt wurden, doch darf man nicht vergessen, wie alt der Film mittlerweile ist.

Eine große Schwachstelle hat Superman Returns: Der Plan von Lex Luthor wirkt unausgegoren. Er will ein eigenes Land erschaffen, das aber am Ende nur eine öde Mischung aus bloßem Fels und Kristallen ist ohne irgendwelchen Mutterboden, auf dem Nahrung wachsen könnte. Für ein Genie, wie es der Gegenspieler des Superheldens eben ist, ist das schon enttäuschend.

Natürlich verbeugt man sich vor den Comicwurzeln der Figur. Es gibt viele Hommagen, wie etwa eine Nachstellung des ikonischen Covers von Action Comics # 1. Auch dies macht den Film aus.

Und natürlich der Soundtrack. John Ottman war zum Zeitpunkt von Superman Returns ein guter Freund von Bryan Singer und hat sich beim Erstellen der Musik hörbar von den Tracks des allerersten Superman-Films inspirieren lassen. Allein schon, wie oft er das ikonische Theme von John Williams zitiert oder einbaut, ist großartig, wobei er sich nicht allzu sklavisch an dieses Werk hält, sondern auch sein eigenes erschaffen hat.

Wurde von einer Fortsetzung geredet?

Superman Returns war kein großer Erfolg an den Kinokassen. Zwar konnte er über 400 Millionen einspielen, doch bei Produktionskosten von knapp über 200 Millionen reichte das nicht aus. Warner Bros. hatte zwar drei Monate vor der Filmpremiere vollmundig eine Fortsetzung angekündigt, jedoch nahm die Firma davon zunehmend Abstand, sehr zum Ärger von Bryan Singer. Letzten Endes wurde die Idee begraben und man entschied sich für einen Neustart, der Jahre später in die Kinos kommen sollte.

Für Brandon Routh sollte das das erste und letzte Mal sein, dass er das Kostüm von Superman im Kino trug. Erst Jahre später hatte er die Chance, wieder zu diesem Helden zu werden. Das geschah jedoch im Fernsehen, in dem sogenannten „Arrowverse“, wo er einen gealterten Mann aus Stahl in dem Crossover Crisis on Infinite Earths schauspielen sollte. Interessanterweise war er zuvor bereits Stammschauspieler in der DC-Serie Legends of Tomorrow, wo er jedoch den schrumpfenden Helden Atom darstellen sollte.

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Warpskala

Warpskala
6 10 0 1
6/10
Total Score

Positiv

  • Brandon Routh als Superman
  • Kevin Spacey als Lex Luthor
  • Kate Bosworth als Lois Lane

Negativ

  • Nicht logischer Plan von Lex Luthor
  • Tristan Lake Leabu als Jason White
Götz Piesbergen

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