Review: X-Men 2 (2003)

Lesezeit circa: 12 Minuten

Mit X-Men 2 kam 2003 eine der besten Superheldenverfilmungen aller Zeiten heraus.

Der Mensch tötet

Die 2000er X-Men-Verfilmung war der Beweis dafür, dass es möglich ist, auch Comicserien, in denen Superheldenteams die Stars waren, ordentlich zu adaptieren. Der Kinofilm hatte zwar Schwächen. Trotzdem wurde man gut unterhalten, nicht zuletzt dank der schauspielerischen Leistungen von Patrick Stewart, Hugh Jackman und Ian McKellen. Und da der Film finanziell ein voller Erfolg war, war es ebenso klar, dass da eine Fortsetzung kommen musste!

Was dann auch im Jahr 2003 geschah. Die Vorbereitungszeit verlief relativ ereignislos. Bryan Singer durchforstete die X-Men-Comics nach einer Geschichte, auf der das Drehbuch basieren konnte und landete schließlich bei dem Klassiker God loves, Man Kills, der 1982 bei Marvel in Form einer Graphic Novel herauskam. Die Story, geschrieben von Chris Claremont und illustriert von Brent Anderson, gilt auch heute noch als eine der Besten in der Geschichte des Marvel-Verlags.

Das Drehbuch wurde von David Hayter und Zak Pen verfasst, die zuvor jeweils ihre eigenen Skripte schrieben, ehe sie daraus die besten Teile kombinierten. Ursprünglich sollten die Comicfiguren Angel und Beast im Film auftauchen, doch da dieser bereits zu viele andere Charaktere hatte, wurden die beiden wieder entfernt. Was blieben, waren ein paar Anspielungen.

X-Men 2

Die, die nicht zurückkamen

Auch sollte Tyler Mane seine Rolle als Sabertooth wieder wahrnehmen, doch er wurde ebenfalls aus dem Drehbuch gestrichen. Was vermutlich auch besser war.

Wobei er von dem alten Cast nicht der einzige Betroffene war. Ray Park sollte ebenso keine weitere Chance erhalten. Doch ansonsten waren alle Schauspieler des ersten Teils erneut in X-Men 2 vertreten. Wobei für Halle Berry nochmal das Drehbuch geändert wurde, um ihr mehr Szenen zu geben. Das geschah, da sie zu diesem Zeitpunkt durch den Film Monster’s Ball den Oskar als die beste Schauspielerin erhielt.

Am Ende kamen noch ein paar Budgetkürzungen hinzu. Die sorgten dafür, dass die ursprünglich vorgesehen Sentinels – mutantenjagende Roboter – sowie der Danger Room ebenfalls der Schere zum Opfer fielen.

Die Neuen in der Runde

Zum alten Cast stießen diverse neue Darsteller hinzu. Brian Cox, der zur damaligen Zeit unter anderem durch Die Bourne Identität bekannt war, stellte William Stryker dar. Der Schottisch-Amerikaner Alan Cumming (Spy Kids Trilogie) übernahm den Part des blauhäutigen, beschwänzten, teleportierenden und aus Deutschland stammenden Mutanten Nightcrawler. Er erhielt die Rolle unter anderem deshalb, weil er fließend Deutsch sprach. Für den Amerikaner Aaron Stanford, der den feuerkontrollierenden Mutanten Pyro darstellte, war dies nach Alle lieben Oscar die nächste größere Rolle. Und Kelly Hu (Scorpion King) stellte die wortkarge, aber dafür umso tödlichere Lady Deathstrike dar.

Es sind einige Jahre vergangen, nachdem die X-Men Magneto (Ian McKellen) aufgehalten haben. Seitdem haben sie sich in der Öffentlichkeit zurückgehalten. Während Logan (Hugh Jackman) nach seiner Vergangenheit sucht, sind seine Freunde überwiegend als Lehrkräfte aktiv, derweil Rogue (Anna Paquin) und Iceman (Shawn Ashmore) sich immer näher kommen und mit Pyro (Aaron Stanford) einen guten Freund haben.

Doch dann überfällt ein Mutant, der sich teleportieren kann, das Weiße Haus. Er kann vom Secret Service in letzter Minute davon abgehalten werden, den US-Präsidenten zu ermorden. Allerdings sind nun alle in hoher Alarmbereitschaft, derweil ein gewisser William Stryker (Brian Cox) die Situation für seine eigenen Zwecke nutzen möchte. Begleitet von der enigmatischen Yuriko Oyama (Kelly Hu) holt er sich die Erlaubnis, die Akademie von Xavier zu überfallen und die dortigen Studenten zu kidnappen.

X-Men 2

Kann man weniger Mutant sein?

Parallel dazu brechen die X-Men in verschiedene Himmelsrichtungen auf. Jean Grey (Famke Janssen) und Storm (Halle Berry) wollen dem teleportierenden Mutanten nachforschen, während Professor Xavier (Patrick Stewart) und Cyclops (James Marsden) Magneto besuchen, der vielleicht von der Sache mehr weiß. Logan soll derweil vor Ort die Stellung halten, was die richtige Entscheidung war. Denn als Soldaten die Akademie angreifen und Studenten kidnappen, kann er die meisten so lange aufhalten, bis die restlichen Studierenden und am Ende auch er fliehen können.

Gemeinsam mit Bobby Drake, Rogue und John Allerdyce (Pyro) sucht er Unterschlupf bei Icemans Familie, die jedoch nichts von seinen Mutantenkräften wissen. Sein eifersüchtiger junger Bruder ruft die Polizei, die allerdings von Pyro erledigt werden. Und erst als Rogue die Eisfähigkeiten ihres Freundes absorbiert, kann sie das Schlimmste verhindern.

Jean Grey und Storm haben derweil den Attentäter gefunden. Er nennt sich Nightcrawler (Alan Cumming) und ist eher ein Opfer. Denn William Stryker, der unterdessen Cyclops und Professor Xavier entführt hat, hat einen Sohn, der über besondere Fähigkeiten verfügt. Mit diesen und einem manipulierten Nachbau von Cerebro, sowie einem unwissenden Charles will er alle Mutanten töten.

Weniger ist mehr Fokus

Mit Hilfe von Magneto, der dank Mystique (Rebecca Romijn) wieder auf freiem Fuß ist, können die anderen den Unterschlupf von William Stryker aufspüren. Es kommt zu Auseinandersetzungen mit dessen Leuten, in deren Verlauf Wolverine Yuriko tötet, Magneto die X-Men verrät, um Xavier dazu zu bringen, alle Menschen zu töten und sich am Ende Jean Grey opfert, um alle zu retten. William Stryker kommt dabei auch um und die X-Men arbeiten wieder daran, Mutanten den Umgang mit ihren Fähigkeiten zu lehren. Und am Ort, wo Jean gestorben ist, manifestiert sich ein Flammenvogel.

Man merkt X-Men 2 an, dass der Film grob eine halbe Stunde länger dauert, als der Vorgänger. Denn das Abenteuer schafft es gefühlt problemlos, nahezu allen Figuren gerecht zu werden und gleichzeitig eine spannende Story zu präsentieren. Wie er das vollbringt? Indem er sich dieses Mal weniger auf das Dreigestirn Wolverine, Magneto und Charles Xavier fokussiert, sondern auch den anderen Charakteren mehr Szenen zugesteht, wo sie glänzen können.

Natürlich haben die drei immer noch einiges zu tun und kriegen starke Momente. Sei es Magnetos klasse inszenierter Ausbruch, der wiederholt betonte Gutglaube von Charles Xavier oder Wolverines Verteidigung der Schule: Sie besitzen immer noch genügend Szenen, in denen sie glänzen können. Nur eben, und das ist durchaus positiv gemeint, nicht mehr so viele, wie beim ersten Film.

X-Men 2

Eine bemerkenswerte Andeutung

Das merkt man auch an Storm. Halle Berrys Figur wurde im letzten Teil geradezu sträflichst vernachlässigt. Dieses Mal erhält ihr Charakter mehr Szenen, mehr Momente, wo sie glänzen kann. Sei es, wenn sie eine Rakete vom Himmel holt oder sich als gute Lehrerin erweist, die sich um ihre Schüler sorgt.

Ebenso kann auch Jean Grey überzeugen. Hier wird der Plot für das nächste Filmabenteuer dadurch vorbereitet, dass sie langsam aber sich die Kontrolle über ihre Fähigkeit verliert. Bei ihrem Tod löst sie sich in Flammen auf, nur, um dann ihre Rückkehr als Phoenix zu teasern. In den Comics wurde sie dadurch zu einer Art kosmischen Wesen mit übermächtigen Kräften, die den X-Men Kopfschmerzen bereitete und im Zentrum einer weiteren legendären Storyline stand. Die dann vermutlich im nächsten Teil adaptiert wird.

Auch die Beziehung zwischen Rogue und Bobby Drake entwickelt sich großartig. Hier sind zwei Teenager, die sich zueinander hinzugezogen fühlen, aber auf Grund einiger Einschränkungen, nicht den finalen Schritt gehen können. Gleichzeitig erhält Bobby auch dadurch charakterliche Tiefe, als man seine Familie kennenlernt und erfährt, dass diese nichts von seinen besonderen Fähigkeiten wissen. Die Unbeholfenheit, die Naivität, die diese anschließend im Umgang mit dieser Nachricht an den Tag legen, wirkt glaubwürdig und nachvollziehbar, ein guter Schuss Realität in der Story. Die beiden Mutanten werden gegen Ende des Films als die Zukunft der X-Men aufgebaut.

Fehlt was?

Die Darstellung von John Allerdyce, aka Pyro, verdeutlicht, dass Xaviers Traum nicht jeden erreicht. Der Schauspieler Aaron Stanford stellt seine Figur als einen Teenager dar, in dem es im wahrsten Sinne des Wortes kocht. Der im Laufe des Films sich immer mehr von seinen Freunden distanziert und auf die Argumente von Magneto hin auf dessen Seite überwechselt. Und das wird von dem Darsteller sehr gut rübergebracht.

Dass auf der Schurkenseite zwei Figuren fehlen, merkt man nicht. Was viel darüber aussagt, wie gut Toad und Sabretooth im letzten Film charakterisiert wurden. Ihr Ersatz ist jedoch mehr als gelungen.

William Stryker wird als ein intelligenter und durchtriebener Mann dargestellt. Der seinen eigenen Sohn als Waffe missbraucht, nur weil dieser ein Mutant ist. Sein Mutantenhass wirkt dabei weniger plakativ, als noch im letzten Film bei Senator Kelley. Er ist eine pragmatisch denkende Figur, der die Mutanten eher als Werkzeug begreift, das man regelmäßig kontrollieren muss. Die Szene, in der er seine Kontrolle über Yuriko Oyama erneuert, verdeutlicht das besonders. Und dies macht ihn zu einem noch gefährlicheren Antagonisten, als es bei Magneto im letzten Film war.

Es bleibt leider was auf der Strecke

Auch sein Sidekick Yuriko Oyama wird von Kelly Hu hervorragend dargestellt. Sie ist ein wandelndes Mysterium, die im gesamten Film über nur einen einzigen Satz spricht und ansonsten stumm dasteht. Doch selbst das langt aus, um sie zu einer glaubwürdigen Antagonistin zu machen, die am Ende sich sogar gegen Wolverine behaupten kann, ehe er sie mit Adamantium abfüllt und so umbringt. Es ist eben jenes Mysterium, wer sie genau ist und wie William Stryker sie unter seine Kontrolle gebracht hat, was ihre Figur so interessant macht. Und bei ihr ist es sogar gut, dass man keine weiteren Hintergrunddetails über sie erfährt.

Auch die Darstellung von Nightcrawler ist wunderbar geworden. Hier empfiehlt es sich übrigens, in die englische Sprachausgabe reinzuhören. Denn der Mutant ist ja in den Comics ein Deutscher, weshalb er im Film einige deutsche Sätze von sich gibt, die durchaus glaubwürdig klingen. Hier merkt man das Können von Alan Cumming. Sehr schön ist übrigens, dass in X-Men 2 auch sein Aussehen aus den Comics übernommen worden ist. Er wirkt wie ein blauer Teufel, der allerdings, was ebenfalls aus der Vorlage stammt, zutiefst gläubig ist. Sein Schwanz, der sein Markenzeichen ist, wurde im Film mit einer Mischung aus Requisite und CGI dargestellt.

X-Men 2 ist ein fantastischer Film, der von Anfang bis Ende gut unterhält und bei dem es nur wenig zu meckern gibt. Denn trotz der erweiterten Länge ist leider immer noch so, dass Plots und Charaktere auf der Strecke bleiben. Vor allem Cyclops leidet darunter. Abgesehen davon, dass er Xavier begleitet, sich mit Logan ein paar verbale Geplänkel liefert und anschließend um Jean trauern darf, ist da nichts. Im Vergleich zu seiner Geliebten bleibt James Marsdens Figur weiterhin blass und nicht überzeugend. Er ist ein nettes Anhängsel, mehr aber auch nicht!

Der Beste!

Ebenso hätte man sich eine Szene gewünscht, in der man mitkriegt, wie William Stryker Nightcrawler kontrolliert bzw. unter seine Kontrolle gebracht hat. Dass er ihn kontrolliert hat, ergibt sich aus dem Kontext von X-Men 2. Doch nie kriegt man mit, wie William Stryker versucht, Kurt Wagner habhaft zu werden, um zu verhindern, dass er mit jemanden redet, mit dem er besser nicht reden sollte. Eine merkwürdige Nachlässigkeit des ansonsten intelligenten Antagonisten.

Ebenso geht Mystique in X-Men 2 komplett unter. Sie agiert zwar weiterhin intelligent und sorgt so dafür, dass Magneto ausbrechen kann. Doch erhält Rebecca Romijn-Stamos Figur im Vergleich zu den anderen Charakteren, die aus dem ersten Film wieder auftauchen, keinerlei Tiefe. Ihr einziges Charaktermerkmal ist eben, dass sie einfach nur Magnetos beste Helferin ist. Man hätte es ihr gewünscht, dass sie mehr Momente erhalten hätte, in denen ihre eigentliche Persönlichkeit definiert wird. Denn anders als bei Yuriko Oyama wird dies nicht durch eine coole und mysteriöse Aura aufgefangen.

Das ist alles berechtigte Kritik. Doch ändert es nichts daran, dass man den Film gucken und genießen wird. Von allen Comicfilmen der letzten Jahre, ist X-Men 2 der beste!

Eastereggs Galore

Übrigens ist der Film mit Eastereggs förmlich angereichert. Vor allem die Mutantenakademie ist eine wahre Fundgrube mit Anspielungen auf Figuren, die man schon aus den Comics kennt. Vor allem fühlen sich diese Hommagen nicht forciert an, sondern sind eine wundervolle Verbeugung vor der Comicvorlage.

Ebenso wurden die Kostüme in X-Men 2 dezent überarbeitet. Vor allem gegen Ende merkt man, dass sie sich, was die Farben angeht, ein wenig mehr der Vorlage nähern, wenn auch nicht allzusehr. Wolverines Outfit hat gelbe Highlights, derweil Storms Kostüm weiße hat. Hier wurden die Farben übernommen, die man in den Comics am ehsten mit ihnen assoziiert.

Und für die Interessierten? Dieses Mal war die Auswirkung auf die Comics, dass Chris Claremont die Figur William Stryker in einer Serie, die er gerade schrieb, wieder einführte. Die Story war interessant, wobei der Autor zur damaligen Zeit nicht mehr an die Qualität seiner Hochzeit heranreichte.

X-Men 2 ist ein grandioser Film! Kombiniert mit dem fantastischen Soundtrack ist dies eine, wenn nicht sogar die beste Comicverfilmung seit Blade. Ein Must-See, auch heute noch, Jahre nach dem ursprünglichen Release. Bryan Singer hat hier vieles richtig gemacht und gleichzeitig die Grundlage für den dritten Teil geliefert. Auf den man jetzt sehr gespannt sein darf.


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Götz Piesbergen
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