Review: What If …? 007 – Was wäre, wenn Thor ein Einzelkind gewesen wäre?

Lesezeit circa: 6 Minuten

In Was wäre, wenn Thor ein Einzelkind gewesen wäre? macht der Donnergott ohne Rücksicht auf Verluste Party.

Eine wohltuende Abwechslung

In einer Welt, in der Odin Loki nie als sein eigenes Kind aufgezogen hat, sondern zurück zu dessen Rasse, den Eisriesen, gab, wurde Thor (Chris Hemsworth) als Einzelkind großgezogen. Mit der Konsequenz, dass er nie Macht und Verantwortung lernte. Stattdessen ist er nur auf sein eigenes Vergnügen aus.

Und so begab es sich, dass Odin wieder in seinen Odinschlaf fiel, um sich zu regenerieren. Freya (Josette Eales), Thors Mutter, widmet sich ihren eigenen Plänen und gibt ihrem Sohn vorher noch auf, sich ja brav zu benehmen und zu lernen. Und was macht der Spross? In dem Moment, wo die Eltern aus dem Weg sind, plant er eine riesige Party. Wenn auch nicht in Asgard, sondern auf einem abgelegenen Planeten mit dem Namen Erde. Und er hat quasi die ganze Galaxie mit zur Feier eingeladen.

Nachdem die letzten Episoden der What If…?-Serie doch sehr düster und stellenweise melancholisch waren, ist Was wäre, wenn Thor ein Einzelkind gewesen wäre? eine wohltuende Abwechslung. Sie ist hell, fröhlich und nimmt sich selber nicht so ernst. Vor allem ist dies aber auch eine Folge, die mit der bisherigen Norm der Reihe bricht. Denn anders als die vorherigen Episoden basiert das Ausgangskonzept nicht auf einem Film, sondern auf der Vergangenheit des Donnergottes im MCU.

Schlecht und großartig zugleich

Zwar ist hier Thor genau wie bei seinem Erstauftritt im MCU arrogant, selbstbewusst und überheblich, doch dieses Mal hat man es hier nicht mit einem Krieger zu tun, der gerne mal über die Stränge schlägt, sondern mit einem verwöhnten Kind, das ab und an zur eigenen Unterhaltung kämpft. Ein gewaltiger Unterschied, mit massiven Auswirkungen auf die Episode.

Denn Was wäre, wenn Thor ein Einzelkind gewesen wäre? ist die bislang schlechteste Folge der What If…?-Serie. Und trotzdem immer noch großartig zu sehen. Sie reicht halt nur nicht an das Niveau der anderen Episoden heran.

Im Prinzip hat man es hier mit dem klassischen „Wenn die Eltern nicht da sind, macht das Kind Party und verursacht ein Riesen-Chaos“-Plot zu tun. Dementsprechend klischeehaft und vorhersehbar verläuft die Story. Man hat hier alles, was dazu gehört, inklusive dem großen Vertuschen, weil die Eltern zurückkommen. Doch diese Vorhersehbarkeit ist in diesem Fall kein Manko, sondern wird von der Folge geschickt genutzt.

Denn Highlight von Was wäre, wenn Thor ein Einzelkind gewesen wäre? sind natürlich die ganzen Gäste, die man in der einen oder anderen Form aus dem MCU her kennt. Man hat den Grandmaster (Jeff Goldblum), einige der Guardians of the Galaxy und als Höhepunkt Loki (Tom Hiddleston) als Eisriesen, der sich mit dem Donnergott besonders prächtig versteht. Und ebenfalls für viel Chaos sorgt. Es sind diese Eastereggs an das MCU, die mit dafür sorgen, dass man sich von dieser Episode trotz der vorhersagbaren Plottwists gut unterhalten fühlt.

Ein klein wenig Drama zur Würze

Um ein wenig zusätzliche Würze in die seichte Handlung zu bringen, werden außerdem diverse Elemente mit eingebracht, um für Abwechslung zu sorgen. Für Drama soll die Enthüllung sorgen, dass Thor bei seiner letzten Party einen ganzen Planeten dem Erdboden gleich gemacht hat. Nur dass dieser Handlungsfaden nicht verfängt, sondern komplett untergeht. Stattdessen erlebt man, wie eine Jane Foster (Natalie Portman) sich in Thor verliebt, obwohl sie ihm zunächst skeptisch gegenüberstand. Und S.H.I.E.L.D. versucht, die Erde von den Partygästen zu befreien, indem sie Captain Marvel herbeirufen, die den Partycrasherpart übernimmt.

Die Szenen, in denen die Geheimwaffe Nick Furys sich mit Thor auseinandersetzt, sind dabei die großartigsten der ganzen Episode überhaupt. Die beiden sind ja auch im normalen MCU die stärksten Heroen. Und zu sehen, wie sie sich in Was wäre, wenn Thor ein Einzelkind gewesen wäre? nichts schenken, sondern mit allen Mitteln aufeinander einprügeln, das hat schon was Beeindruckendes.

Am Ende wird der Plot um den Partythor damit aufgelöst, dass, ganz so wie es das Klischee verlangt, die Eltern informiert werden. Zu sehen, wie er verzweifelt versucht, seine Gäste dazu zu animieren, mit ihm aufzuräumen, das hat schon etwas Nettes und Amüsantes. Vor allem wenn letzten Endes die Party wegen einer Kleinigkeit dann doch noch auffliegt.

Was für ein Ende!

Allerdings endet Was wäre, wenn Thor ein Einzelkind gewesen wäre? anschließend auf einem Cliffhanger, der einmal mehr fies ist. Weil hier etwas gezeigt wird, womit man nicht gerechnet hat. Und wo man wissen will, wie es dazu kam. Weshalb man erneut nur darauf hoffen kann, dass es einen Abschluss oder eine Fortsetzung geben wird.

Die siebente What If…?-Folge ist nicht schlecht. Trotzdem und vor allem im Vergleich zu den früheren Episoden wirkt der Plot seicht und vorhersagbar. Dafür wird man dennoch gut unterhalten, weil in Sachen Humor die Episode genial ist.

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Götz Piesbergen
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