Harry Mudd taucht wieder auf und sorgt diesmal für Frieden statt Ärger.
Was sind Harrys wahre Motive?
Nach 12.000 Jahren des Krieges herrscht im Nevis-System plötzlich Frieden zwischen den Planeten Prastor und Distrel. Die Enterprise wird entsandt, um nachzusehen, wie der Frieden zustande kam. Bei einem Empfang auf Distrel muss Captain Kirk feststellen, dass Harcourt Fenton Mudd der Friedensstifter ist. Aus seinem Exil auf dem Androiden-Planeten ist er keineswegs geflohen, sondern wurde von einem Androidenduplikat seiner Exfrau Stella begleitet, um sich zu beweisen.
Kirk nimmt ihm natürlich nicht eine Sekunde lang ab, dass Harry sich zu einem selbstlosen Philanthropen gewandelt hat. Ebenso dürfte es ihm nicht nur um den Export exotischer Früchte gehen, die auf dem Empfang gereicht werden. Als unvermittelt der Krieg wieder ausbricht, bricht sich auch Mudds Gier neue Bahnen. Er will die Ablenkung nutzen, um eine Schatzkammer zu plündern. Außerdem ist er an der Transportertechnologie der Nevisianer interessiert, die große Distanzen zwischen Planeten überbrücken kann. Doch bevor er sich bereichern kann, wird er im Gefecht getroffen und ebenso die Sicherheitsoffizierin Ensign Lebrun, die erst kurz zuvor den Techniker Lieutenant Nordell geheiratet hat. Der hatte sich kurz zuvor noch mit ihr gestritten, was er nun bereut.
Der Rest des Außenteams rettet sich auf die Enterprise und muss sogleich den Stella-Androiden nach Prastor verfolgen. Dort gerät das Außenteam ebenfalls in eine kriegerische Auseinandersetzung, bei der Kirk, Sulu, Chekov und Scotty sterben. Moment mal, Hauptcharaktere werden getötet? Ja und nein! Denn wie bereits vor ihnen Harry Mudd und Ensign Lebrun erwachen sie in einem Badehaus auf dem jeweils anderen Planeten. Im Moment des Todes wurden sie dorthin teleportiert und anhand vorheriger Scans wieder zusammengesetzt.
Ihnen wird jedoch jeder Kontakt zu ihrem alten Leben verwehrt, weshalb beide Gruppen Fluchtpläne schmieden. Dabei wird Mudd erneut getötet und landet wieder auf Distrel. Auch Kirk stirbt, wird jedoch nach Arnhall teleportiert – einer Art Paradiesplanet für Helden, wo kein Krieg mehr herrscht. Er kann den dortigen Rat zwar überzeugen, ihn nach Distrel zurück zu schicken, doch bei seiner Ankunft ist die Enterprise bereits abgereist.
Spock glaubt, Kirk hänge in einem Transporterpuffer fest, denn die Zerstörung und anschließende Rekonstruktion des Stella-Androiden hat einen Defekt im Wiederauferstehungssystem der Nevisianer ausgelöst. Der kaputte Android wird immer wieder aufs Neue teleportiert, doch da er nie lebendig war, kann der Computer der Nevisianer ihn nicht korrekt zusammensetzen. Alle bereits gestorbenen Nevisianer sind auf Standby und jeder, der nun sterben würde, wäre für immer tot. So müssen Distrel und Prastor ihren Krieg pausieren.
Die Enterprise begibt sich unterdessen auf die Suche nach der echten Stella, um sie durch das defekte Duplikat zu ersetzen und dem Wiederauferstehungssystem so zu suggerieren, sie sei wiederbelebt. Das klappt auch, doch die Wiederauferstehung kommt nicht in die Gänge. Es muss wohl erst wieder jemand sterben. Überraschend fordert Harry den General von Distrel zum Duell heraus, was den netten Nebeneffekt hat, dass er sowohl seiner Exfrau als auch der Föderationsjustiz nach Arnhall entkommen kann. Und natürlich kennt niemand die genaue Lage des Planeten. Ob im Nevis-System endlich echter Frieden einkehrt, bleibt derweil fraglich.
Ein neuer Krieg der Computer
Die Sinnlosigkeit des Krieges wird in diesem Roman auf die Spitze getrieben. Nicht nur, weil der Krieg zwischen Distrel und Prastor bereits 12.000 Jahre andauert, sondern weil die Gefallenen auf dem jeweils anderen Planeten wiederauferstehen und dann in die gegnerische Gesellschaft integriert werden. In der nächsten Runde treten sie also gegen ihre einstigen Freunde und Familien an. Das hat schon fast etwas von Reinkarnation, nur bleibt man die Person, die man zuvor war.
Diese Ordnung halten die Nevisianer für göttlich und all ihre Hochtechnologien erhalten sie ebenfalls von den Göttern, wie sie glauben. Entsprechend ist ihr Paradies Arnhall, was verdächtig nach Walhall klingt. Das Leben nach dem Tod beginnt jedes Mal in einem Badehaus voller nackter Frauen, womit der Autor womöglich seine eigene lüsterne Vorstellung vom Jenseits beschreibt. Harry Mudd gefällt das natürlich und auch von der Enterprise-Besatzung scheint niemand ein Schamgefühl zu besitzen. Immerhin lehnt Lebrun jedoch ein Jobangebot als Bademeisterin ab.
Arnhall ist natürlich nicht das tatsächliche Jenseits, sondern lediglich ein entfernter Planet, auf dem Frieden herrscht. Warum nicht gleich so? Von den drei Ratsmitgliedern stellt sich jedenfalls nur Narine diese Frage und kann sich einen Frieden zwischen Distrel und Prastor vorstellen. (Ob der Name wohl eine Anspielung auf William Shatners verstorbene Ehefrau Nerine ist?) Wirklich brauchbare Antworten erhält Kirk in Arnhall jedenfalls nicht.
Dafür findet Spock auf Distrel die Wahrheit heraus. Nicht die Götter stellen die nevisianische Technologie zur Verfügung und lassen die Gefallenen wiederauferstehen, sondern ein unterirdischer Supercomputer. Das erinnert dann doch etwas zu sehr an die TOS-Episode Krieg der Computer, auch wenn hier niemand wirklich stirbt. Obendrein wird Eminiar VII zu Beginn des Romans erwähnt, womit die Inspiration noch deutlicher zutage tritt. Und wie bei einem Computerspiel tragen die gegnerischen Parteien die Farben Rot und Blau, um besser auseinandergehalten werden zu können. Das trifft nicht nur auf die Soldaten zu, sondern auch auf alle Zivilisten, womit sogar die modische Vielfalt unter dem Krieg leidet.
Der General von Distrel und später auch der Padischah von Prastor sind schockiert von der Erkenntnis, dass es keine Götter gibt, sondern alles das Werk eines Computers ist, den ihre Urahnen einst gebaut haben. Spock spekuliert, dass diese Erkenntnis früher oder später zum Frieden führen wird. Immerhin hat sich über dem Hauptprozessor eine Lampe gelockert, die das System in naher Zukunft beim Herabstürzen zerstören wird.
Ein wenig zu dick aufgetragen
Einige Aspekte, welche die Sinnlosigkeit des Krieges demonstrieren, sind durchaus gut dargestellt, aber zuweilen wirken die Nevisianer etwas zu kriegslüstern. Absolut niemand stellt das System in Frage und als McCoy auf dem Empfang einem Duellanten das Leben rettet, ist dieser davon beleidigt. Zwar weiß die Crew der Enterprise noch nicht, dass alle Gefallenen wiederbelebt werden, doch ist es schon etwas unglaubwürdig, dass niemand an seinem aktuellen Leben hängt und sich alle darauf freuen, ihre Familie und Freunde aufzugeben, ja sie sogar im nächsten Leben zu bekämpfen. Man verliert dabei wirklich alles und muss von vorn beginnen. Das sollte eigentlich nicht jedem gefallen.
Die Früchte, an deren Export Harry Mudd zu Beginn interessiert ist, können ebenfalls nicht überzeugen. Das Innere der Früchte besteht ähnlich wie eine Orange aus verschiedenen Kammern, in denen sich zwei unterschiedliche Chemikalien befinden. Für sich ist jede harmlos, doch isst man beide, entsteht daraus ein tödliches Gift. Man darf sein Leben lang nur die roten oder weißen Teile der Frucht essen, sonst ist man tot. Das klingt nicht gerade so, als könnte daraus ein galaxisweiter Verkaufsschlager werden. Außer vielleicht unter Attentätern, die jemanden vergiften wollen. Und wo der evolutionäre Vorteil liegen soll, ist ebenso fraglich. Die Samen werden sich wohl kaum verbreiten, wenn die angelockten Tiere beim Genuss der Frucht reihenweise tot umfallen.
Der Ehestreit zwischen Lebrun und Nordell ist schlussendlich auch zu dick aufgetragen. In der Hochzeitsnacht stellen beide fest, dass sie so gar nicht zueinander passen. Und das ist ihnen vor der Hochzeit nicht aufgefallen? Oder haben sich die beiden gerade erst kennengelernt und hatten einfach gerade Bock zu heiraten? Ja, Ehen können über kurz oder lang auseinandergehen, aber noch am Tag der Hochzeit wirkt es etwas bizarr. Der Verlust von Lebrun sowie ihre anschließende Wiederbelebung lässt die beiden dann wieder zueinanderfinden, jedoch ohne, dass ihre vorherigen Differenzen wirklich gelöst werden. Und die Wiederspiegelung ihres Streits durch Harry Mudd und Stella ist ebenfalls keine überzeugende Auflösung. Immerhin die Darstellung von Mudd kann einigermaßen überzeugen.
Schlussendlich gibt es bei der Wiederbelebung einige Ungereimtheiten. Die Gefallenen sterben tatsächlich, wobei ihre zerstörten Körper mittels Transportertechnologie wieder zusammengesetzt werden. Doch was ist mit der Seele, den Erinnerungen, den Gedanken? Im Prinzip könnte da genauso gut ein Klon mit einer völlig neuen Persönlichkeit aufwachen. Aber Kirk ist selbst nach einem Kopfschuss noch ganz der Alte. Die Art der Wiederbelebung erinnert an die Zylonen aus dem Reboot von Battlestar Galactica, wobei die ebenfalls in einer Badewanne reinkarnieren. Nur können Maschinen halt ein Backup ihrer Persönlichkeitsdaten herunterladen.
Fazit: Kommt einem irgendwie alles bekannt vor
Der Friedensstifter ist inhaltlich nicht wirklich innovativ und wiederholt bekannte Muster, wobei eine Inspirationsquelle sogar genannt wird. Ein frisch vermähltes Paar, bei dem einer kurz darauf stirbt, gab es ebenfalls schon in der Episode Spock unter Verdacht, nur gibt es diesmal ein Happy End und das trotz roter Uniform. Einen Padischah-Imperator gab es bereits in Dune und Wiederauferstehungen kennt man aus Battlestar Galactica. Die Beschreibungen aus den nevisianischen Badehäusern sind dabei nicht ganz jugendfrei und vieles an dieser Kultur wirkt maßlos übertrieben. Immerhin das rotzfreche Auftreten von Harcourt Fenton Mudd sorgt noch für einigen Unterhaltungswert.
Info
Autor: Jerry Oltion
Titel: Star Trek – Der Friedensstifter
Verlag: Cross Cult
Erschienen: 03.08.2018
Einband: Taschenbuch
Seiten: 314
ISBN: 978-3-95981-845-2
Sonstige Informationen: Produktseite
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