Star Trek 3 Auf der Suche nach Mister Spock
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Review: Star Trek III – Auf der Suche nach Mister Spock [Zweitrezension]

Lesezeit circa: 9 Minuten

Spock ist tot. Sein Geist aber lebt – und zwar in Dr. McCoy. Kirk und sein Team brechten auf, Leib und Seele des Vuklaniers wieder zu vereinen.Star Trek III – The Search for Spock
USA 1984
Regie: Leonard Nimoy
Produktion & Buch: Harve Bennett
Gaststars: Christopher Lloyd, Robin Curtis, Mark Lenard, Merritt Buttrick

Inhalt

Nach dem siegreichen Kampf gegen Khan kehrt die Enterprise zur Erde zurück. Die Crew – vor allem Captain Kirk – trägt jedoch schwer am Verlust ihres alten Freundes Spock. Doch Kirk schöpft neue Hoffnung, als er von dessen Vater Sarek kontaktiert wird, der ihn darauf aufmerksam macht, dass Spock unmittelbar vor seinem Tot seine Seele auf telepathischen Wege auf Dr. McCoy übertragen hat. Wenn man seinen Leichnam bergen würde, könnte man sie wieder in Spocks Körper zurücktransferieren.

Kirk fackelt nicht lange und macht sich mit der Enterprise sofort auf dem Weg zum Genesis-Planeten, in der Hoffnung, dort die sterblichen Überreste des Vulkaniers zu finden. Und tatsächlich sind Kirks Sohn David und Lt. Saavik dort bereits auf einen quicklebendigen Spock getroffen. Ganz offensichtlich ist er durch den Genesis-Effekt wiederbelebt worden. Doch die Dinge werden kompliziert, als der klingonischen Commander Kruge mit seinem Bird-of-Prey auftaucht, der das Genesis-Projektil, ähnlich wie schon Khan, als Waffe nutzen will …

Rezension

Der dritte Star Trek-Kinofilm hatte von Anfang an einen schweren Stand. Nach den dramatischen Ereignissen im Vorgängerstreifen fragten sich viele Fans, ob das Franchise nun in Zukunft tatsächlich ohne seinen beliebtesten Charakter würde auskommen müssen. Doch für Autor und Produzent Harve Bennett war es von vornherein beschlossene Sache, dass man den Vulkanier auf jeden Fall wieder zurückbringen würde. Star Trek II-Regisseur Nicolas Meyer war von dieser Idee jedoch ganz und gar nicht begeistert, weswegen er die Inszenierung des Films sofort ablehnte.

Auftritt Leonard Nimoy

Der Schauspieler hegte schon lange den Wunsch, Regie bei einem großen Kinofilm zu führen, und sah nun seine Chance gekommen. Aufgrund des Verlaufs der Handlung würde er nur sehr wenig vor der Kamera agieren müssen, weswegen er sich voll auf die Inszenierung konzentrieren konnte. Sein Kollege William Shatner war über diese Entwicklung alles andere als erfreut. Für ihn war es eine ganz neue Erfahrung, sich den Anweisungen eines seiner Co-Stars fügen zu müssen. Schon während der Entstehung der Originalserie war das Verhältnis der beiden eher angespannt gewesen, da jeder sich als der Star der Serie betrachtete und eifersüchtig auf die Erfolge des anderen schielte. So war es auch Shatners Einfluss zu verdanken, dass seine Rolle in Film größer und aktiver angelegt war als ursprünglich geplant gewesen.

Esoterik in Star Trek?

Wie bereits der Titel deutlich macht, steht die Suche nach dem vermeintlich verstorbenen Mister Spock im Mittelpunkt der Handlung. Nachdem er sich in Der Zorn des Khan geopfert hatte, um das Leben seiner Kameraden und Freunde zu retten, schien es ja zuerst so, als sei das Schicksal des Vulkaniers besiegelt. Doch letztlich war allen Beteiligten völlig klar, dass Spock zu Star Trek einfach dazugehört. Jedoch waren einige dramaturgische Kniffe notwendig, um seine Rückkehr plausibel zu machen.

Star Trek ist Science-Fiction, keine Fantasy, weswegen eine wissenschaftlich halbwegs glaubwürdige Erklärung dafür gefragt war, dass Spock überlebt. Nun muss man sagen, dass der im Film vorgebrachte Trick mit der Übertragung von Spocks Seele – die von den Vulkaniern Katra genannt wird – einen recht esoterisch anmutenden Beigeschmack hat. Das Konzept einer potentiell unsterblichen Seele deckt sich eigentlich nicht mit der Vorgabe des Atheisten Roddenberry, religiöse Ideen aus Star Trek herauszuhalten. Aber die Autoren hatten keine andere Wahl, als in diesen sauren Apfel zu beißen, da es nun mal die einzige Möglichkeit war, Mister Spock zurückzubringen. Man muss dann allerdings fragen, warum die Fähigkeit der Vulkanier zur Übertragung ihres Katras auf eine andere Person – in diesen Fall Dr. McCoy – in späteren Star Trek-Filmen und TV-Episoden nicht wieder aufgegriffen wurde. Zum Beispiel hätte der sterbende Sarek in der TNG-Episode Wiedervereinigung? aus der fünften Staffel auch sein Katra in ein anderes Individuum transferieren und so sein Leben retten können.

In der Wirklichkeit ist dieser Fehler natürlich sehr leicht zu erklären: Hätte der Tod für die Vulkanier keine Bedeutung, wenn sie prinzipiell unsterblich wären, hätte dies Konsequenzen hinsichtlich der Dramaturgie künftiger Star Trek-Geschichten gehabt. Trotzdem bleibt es ein – wahrscheinlich unvermeidbarer – Fehler des Films, dass er sich hier eines doch eher fragwürdigen Drehbucheinfalles bedienen musste.
Für alle Fans von Mister Spock stellt seine Rückkehr natürlich ein freudiges Ereignis dar, für alle anderen hingegen stellt sich die durchaus berechtigte Frage, ob der Fortbestand des Star Trek-Franchises im Kino ohne ihn wirklich nicht mehr möglich gewesen wäre.

Fundamente für die Zukunft

Doch sei es drum. Am Ende des Streifens ist die Crew wieder vereint und bereit für neue Abenteuer. Doch bis es soweit ist, muss sie noch einige schwere Entscheidungen treffen und sich mit einem gefährlichen Feind auseinandersetzen. Dies beginnt damit, dass sich Kirk über direkte Befehle der Sternenflotte hinwegsetzt, als er die Enterprise stiehlt, um seinen Freund zu retten. Er nimmt dadurch das mögliche Ende seiner Karriere in Kauf, was zeigt, wie tief die Verbundenheit zwischen ihm und Spock ist. Auch der Rest der Crew – von Sulu, Chekov, Scotty bis Uhura – ist ohne zu zögern bereit, alles für diese Mission zu riskieren.

Auf den Genesis-Planeten machen David Marcus und Lt. Saavik derweil eine Entdeckung, die streng wissenschaftlich betrachtet ebenfalls nur wenig plausibel ist, aber im Rahmen des Star Trek-Kosmos durchaus seine Berechtigung hat: Das Projektil hat die biologische und geologische Evolution des Planeten stark beschleunigt, was zur Folge hat, dass sich dort bereits eine reichhaltige Flora und Fauna herausgebildet hat. Gleichzeitig hat dieser Effekt dafür gesorgt, dass Spocks Körper auf wundersame Weise wiederbelebt wurde. Leider stellt David fest, dass der Planet geologisch instabil ist und in Kürze zerfallen wird, was möglicherweise auch auf Mister Spock zutrifft, sollte dieser nicht rechtzeitig sein Katra zurückerhalten.

In diesen Moment haben auch die Klingonen ihren ersten großen Auftritt seit dem Ende der TV-Serie. Die Art und Weise, wie sie hier dargestellt wurden, hatte einen prägenden Einfluss auf die Zukunft dieses Volks im Franchise. Der spätere Zurück in die Zukunft-Star Christopher Lloyd spielt deren Anführer Kruge mit der für Klingonen typischen Mischung aus Aggressivität und Zielstrebigkeit.

Leider sind seine Dialogzeilen alles andere als optimal geschrieben. Oft reden er und seine Crew wie Klischeebösewichte aus einem drittklassigen Science-Fiction-Film der dreißiger oder vierziger Jahre. Es fehlt diesen Klingonen noch an der Würde, die sie in späteren Star Trek-Inkarnationen ausstrahlen. Der Fairness halber muss man aber natürlich dazu sagen, dass die Klingonen zu diesem Zeitpunkt noch nicht die große Bedeutung erlangt haben, durch die sie sich von den anderen Feinden der Föderation wie zum Beispiel den Romulanern abheben. Ihre Mythologie wird schließlich erst in The Next Generation voll ausgearbeitet. Letztlich dient ihr Auftritt in diesem Film sowieso nur dazu, die Spannung der Handlung zu erhöhen und einen Grund für den Tod von David zu schaffen.

Die Ermordung von Kirks Sohn stellt einen ersten Höhepunkt des Streifens dar, der sich später auch noch auf die Handlungen des Captains in Star Trek VI – Das unentdeckte Land auswirken wird. Auch verstärkt dies seine Motivation, Spock zu retten, damit Davids Tod nicht völlig sinnlos war. Jene Szene, in der Kirk davon erfährt, dass er sein einziges Kind verloren hat, wurde von William Shatner bemerkenswert intensiv gespielt.

Eine andere Szene, welche die alteingesessenen Fans wohl noch sehr viel mehr schockierte, war die Zerstörung der Enterprise. Dieses Schiff, das die Crew durch alle möglichen Gefahren getragen hat, steht wie eine Metapher für alle Ideale, die Star Trek von jeher ausmachen. Seine Zerstörung war daher für viele schon fast so etwas wie ein Sakrileg. Doch Kirk blieb keine andere Wahl, als auch dieses Opfer zu bringen.

Tricktechnisch ist jene Szene freilich großartig gelöst worden. Der Supervisor für die visuellen Effekte, Ken Ralston, verriet einmal, dass es ihm eine gewisse Genugtuung bereitet hatte, das Model des Schiffes in die Luft zu sprengen, da es nicht leicht war, es zu filmen. Weniger überzeugend gerieten leider die Szenen auf der Oberfläche des Genesis-Planeten. Diese wurde komplett im Studio aufgebaut und sieht leider recht billig und entsprechend unecht aus. Das Budget des Streifens gestattete es wohl nicht, eine aufwändigere Kulisse anzufertigen.

Ein durchwachsenes Vergnügen

Im Hinblick auf die Leistungen der Schauspieler kann man dem Film nur wenig Negatives nachsagen. Christopher Lloyd macht aus den manchmal übertrieben theatralischen Dialogen seiner Figur das Beste, Robin Curtis macht einen recht guten Job in ihrer Funktion als Kristie Alleys Nachfolgerin, auch wenn sie dieser nicht im geringsten ähnlich sieht. Merrit Buttrick ist als David merkwürdig blass und passiv, was auch seinem Tod ein wenig an emotionaler Wirkung nimmt.

Die bekannte Crew die Enterprise hingegen ist in ihren Rollen so souverän und glaubwürdig wie immer. Dass Leonard Nimoy nur am Schluss des Films einen Kurzauftritt hat, fällt nicht weiter ins Gewicht und schadet dem Film auch nicht. Für William Shatner gilt leider das genaue Gegenteil, er drängt sich, so wie es seinem Naturell entspricht, teilweise ganz schön in den Vordergrund, wodurch er dem Rest der Mannschaft die Gelegenheit nimmt, sich zu profilieren. Uhura hat im Film so gut wie gar nichts zu tun, da sie an der eigentlichen Rettungsmission gar nicht erst teilnimmt.

Doch trotz allem ist Star Trek III – Auf der Suche nach Mr. Spock ein zwar ganz und gar nicht perfekter, aber doch unterhaltsamer und stellenweise auch humorvoller Film geworden, der durchaus gewisse nostalgische Gefühle bei den Fans der Originalserie zu wecken vermag, dem Nicht-Fan aber leider nicht allzuviel Mehrwert gibt. Mehr noch als Der Zorn des Khan ist dies ein Film, welcher vor allem die eingeschworenen Trekkies als Zielpublikum anpeilt und damit auch durchaus Erfolg hat. Er bietet ein versöhnliches Happy-End, das neugierig auf die künftigen Abenteuer der Enterprise-Crew macht. Diese wird jedoch im nächsten Film ganz ohne ihr berühmtes Schiff auskommen müssen. Aber dies ist eine andere Geschichte, die später erzählt werden soll.

Sven Wedekin

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