Zum Auftakt der zweiten Staffelhälfte beweist die Serie, was sie kann.
Immer dann, wenn man Schichtende hat
Schichtwechsel an Bord der Enterprise. Nach einer langen und harten Schicht wollen die diversen Offiziere nichts lieber, als zur Bar zu gehen, dort zu trinken und sich gemeinsam mit Freunden und Kollegen zu entspannen. Allerdings kann Scotty (Martin Quinn) auf dem Weg dorthin mental nicht abschalten, derweil Christine Chapel (Jess Bush) und Doctor M’Benga (Babs Olusanmokun) aneinandergeraten, weil sie mit ihren jeweiligen kommenden beruflichen Entscheidungen nicht einverstanden sind.
Doch dann gerät die Enterprise in einen Slipstream, aus dem sie baldmöglichst ausbrechen müssen, wenn sie nicht vernichtet werden möchten. Das ist allerdings leichter gesagt als getan, weil die diversen Crewmitglieder in unterschiedlichen Bereichen voneinander getrennt sind und die Kommunikation gestört sind. Doctor M’Benga wird lebensbedrohlich verletzt, Captain Pike (Anson Mount) durch einen Stromschlag ausgeschaltet und Scotty hängt im Turbolift fest. Doch um freizukommen, muss die Crew einen Weg finden, wie sie zusammen handeln können.
Mit Schichtende fängt die zweite Hälfte der vierten Star Trek – Strange New Worlds-Staffel an. Und erneut ist das eine Gimmicklastige Folge. Doch dieses Mal funktioniert das Gimmick, weil es nicht zum zentralen Mittelpunkt der Handlung gemacht wird. Sondern wirklich nur dazu eingesetzt wird, um die Spannung auf recht zu erhalten.
Wie bei 24
Die Episode wird in Echtzeit erzählt. Es werden immer wieder Timer eingeblendet, die rückwärts zählen. Die klar machen, dass der Enterprise nicht viel Zeit bleibt, um sich zu retten. Was natürlich für erhebliche Spannung und Stimmung sorgt.
Was noch durch einen weiteren Aspekt verstärkt wird. Nämlich das, ähnlich wie in der Thrillerreihe 24, wiederholt parallel stattfindende Handlungen gezeigt wurden. Dass man also zwei oder drei Geschehnisse gleichzeitig via einem Splitscreen beobachten kann, ehe dann langsam eine davon die gesamte Aufmerksamkeit erhält.
Es ist eine Erzählweise, die erstaunlich gut funktioniert. Da es eben immer wieder spannende Momente gibt und die parallelen Ereignisse auch durchaus Sinn ergeben. Und, weil dies eine Episode ist, in der der gesamte Maincast eingesetzt wird und sich weiterentwickeln kann.
Das Trauma überwinden
Wobei in „Schichtende“ am Ende sich trotzdem zwei Handlungsebenen besonders hervorheben. Da sind zum einen die Ereignisse auf der Krankenstation, wo Christine Chapel verzweifelt um das Leben von Doctor M’Benga kämpft. Und zum anderen sieht man, wie Scotty über sich hinauswächst und einen weiteren großen Schritt zu dem legendären Chefingenieur macht, als den ihn früher James Doohan dargestellt hatte.
Man sieht einen Montgomery Scott, der immer noch durch den Verlust eines früheren Raumschiffes traumatisiert ist. Und der es trotz seines Traumata schafft, das A’Sha beginnt, sich ein klein wenig weniger wie eine typische Vulkanierin aufzuführen. Nur um dann später, als er in einer Jeffries-Röhre ist, mit Pelia zu interagieren. Die ihn behutsam, nach und nach, dazu bringt, seine Angst hinter sich zu lassen.
Dieser Part ist teilweise Comedy, etwa wenn Pelia davon erzählt, wie sie miterlebt hat, wie Zitronen entstanden sind. Doch gleichweise wird es auch ernst, als klar wird, dass sie ihm dies nur deshalb erzählt, um Scotty abzulenken und aufzumuntern. Derweil man gleichzeitig ihren Pragmatismus sieht, als sie beispielsweise ein Luft-Leck mal eben so nebenbei abdichtet.
Dies wäre ein würdiger Abgang
Deutlich weniger humorvoll sind die Ereignisse auf der Krankenstation. Wo hier zunächst lauter offene Wunden geschlagen werden. Ehe man eine Christine Chapel sieht, die über sich hinauswächst und versucht, Doctor M’Benga zu retten. Und das, obwohl Doctor Boyce der Meinung ist, dass bei seinem Kollegen nichts mehr zu retten ist.
Doctor Boyce, übrigens von dem Trek-Veteranen Brian Markinson dargestellt, kennen Alt-Fans als Pikes Schiffsdoktor aus Der Käfig. Hier wird also ein Riesenschritt in Richtung TOS gemacht. Und sollte mit dieser Episode M’Benga rausgeschrieben werden, dann lässt sich dies verschmerzen. Denn die Figur hätte mit dieser Folge einen würdigen Abgang erhalten. Einen, der gleichzeitig auch noch die Tür für weitere Auftritte offenlassen würde.
Jede Figur erhält etwas zu tun. Una quält sich durch eine Zone mit extrem hoher Schwerkraft, bricht sich ein Bein und schafft es trotzdem, einen wichtigen Schalter zu betätigen. Spock und La’an wagen sich mit zeitlichen Abstand zu einander ins All und werden von Neutrinos bombardiert. Und Ortegas darf sogar temporär im Stuhl des Kapitäns sitzen, derweil Christopher Pike außer Gefecht ist. Das ist wirklich großartig und sorgt mit dafür, dass diese Episode so grandios ist!
Grandiose Special Effects
Was aber auch für die Special Effects gilt. Hier trumpft die Serie richtig aus. Der Slipstream erinnert an eine moderne Version der Darstellung aus The Motion Picture. Die Passagen, in denen Spock und La’an sich im Raumanzug am Schiff entlanghangeln verdeutlichen die Gefährlichkeit. Und die Darstellung der diversen Verletzung ist einerseits ekelerregend. Aber andererseits auch gut.
Unterm Strich ist dies die beste Episode der aktuellen Staffel.
Info
Regie: Dan Liu
Drehbuch: Bill Wolkoff
Showrunner: Akiva Goldsman, Henry Alonso Myers
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