Star Trek The Next Generation
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Review: Star Trek TNG 107 & 108 – Wiedervereinigung? Teil 1 & 2

Lesezeit circa: 4 Minuten

Alle fragen sich: Was hat Spock auf Romulus zu suchen? Ist er ein Überläufer?

Unification, Part 1 & 2
Staffel 5 – Episode 7 & 8

Regie: Les Landau (Teil 1); Cliff Bole (Teil 2);
Buch: Jeri Taylor (Teil 1), Michael Piller (Teil 2);
Story: Rick Berman und Michael Piller

Inhalt

Von Admiral Breckett wird Captain Picard darüber informiert, dass der Geheimdienst der Sternenflotte Hinweise darauf hat, dass der berühmte Botschafter Spock zu den Romulanern übergelaufen ist. Die Enterprise begibt sich daraufhin nach Vulkan, wo Picard Spocks schwerkranken Vater Sarek treffen möchte, um sich mit ihm zu besprechen. Dieser versichert ihm, dass sein Sohn niemals überlaufen würde und für seinen Aufenthalt auf Romulus sicher gute Gründe hat.

Getarnt als Romulaner machen sich Picard und Data daraufhin auf den Weg dorthin, um Spock ausfindig zu machen und herauszufinden, was er vorhaben könnte. Es stellt sich heraus, dass Spock sich mit einer Untergrundorganisation zusammengetan hat, die darauf hinarbeitet, die Gesellschaften von Vulkan und Romulus so schnell wie möglich wieder zu vereinigen.

Doch schnell finden die drei heraus, dass dies alles nur ein Täuschungsmanöver ist und die Romulaner ihre ganz eigenen Pläne mit Vulkan haben.

Rezension

In dieser Episode hat mit Mr. Spock die berühmteste und beliebteste Figur aus der klassischen Originalserie einen Auftritt in TNG, wodurch die beiden Trek-Generationen erstmals miteinander interagieren. Allein das macht sie schon zu etwas Besonderen, da sie dadurch ein besonderes Schmankerl für alle Fans von TOS und insbesondere von Spock darstellt. Leonard Nimoy war von Paramount zu diesem Auftritt überredet worden, um so ein wenig Werbung für den damals aktuellen Kinofilm Star Trek VI – Das unentdeckte Land zu machen. Das Zusammenspiel zwischen ihm, Picard und insbesondere Data klappt hervorragend, auch wenn sie auf den zweiten Teil der Folge beschränkt bleibt. Im ersten Teil geht es vor allem erst einmal darum, Spannung aufzubauen, was ebenfalls perfekt gelingt, indem der Zuschauer dazu gebracht wird, sich zu fragen, aus welchem Grund sich Spock auf den Heimatplaneten der Feinde seines eigenen Volkes aufhält.

Nebenbei ist Wiedervereinigung? auch vollgepackt mit Anspielungen auf die bisherige Geschichte Star Treks wie der gemeinsamen Herkunft von Romulanern und Vulkaniern, der Friedenskonferenz von Khitomer oder dem angespannten Verhältnis von Spock und seinem Vater. Der Tod von Sarek in dieser Episode stellt einen echten Meilenstein in der Geschichte des Franchises dar, da hier zum ersten Mal ein altbekannter Hauptcharakter stirbt. Dieses Ereignis bekommt noch einen zusätzlich tragischen Aspekt, da ihm dadurch die Chance verwehrt bleibt, sich mit seinem Sohn auszusöhnen.

Doch ist die Folge beileibe kein Charakterdrama, sondern vor allem ein handfester Politthriller, der sich mit den Hintergründen der Feindschaft zwischen Romulus und Vulkan befasst. Diese Thematik wurde zwar im Lauf der Zeit schon öfters angesprochen, war aber bisher nie das zentrale Handlungselement einer ganzen Folge. So ist dies auch keine klassische Science-Fiction-Geschichte, sondern vielmehr eine raffinierte Verschwörungsstory.

Das Interesse des Zuschauers wird noch dadurch vergrößert, dass es ein Wiedersehen mit Sela gibt, der romulanischen Tochter von Tasha Yar. Dieser Charakter wurde in Der Kampf um das klingonische Reich eingeführt und hat hier bereits ihren letzten Auftritt in der Serie.

Die Nebenhandlung der Folge, in der es um den vermeintlichen Diebstahl eines vulkanischen Raumschiffes von einem Schiffsfriedhof der Föderation geht, scheint auf den ersten Blick nichts mit der Haupthandlung zu tun zu haben. Doch es wird rasch klar, dass es sich hierbei um einen wichtigen Puzzlestein im Plan der Romulaner handelt. Übrigens: Als die Enterprise den Schiffsfriedhof von Qualor II aufsucht, kann man bei sehr genauem Hinsehen zwei Studienmodelle einer neuen Enterprise entdecken, die in den siebziger Jahren von Ralph McQuarry für einen Star Trek-Film entworfen wurden, der nie realisiert wurde. Davon abgesehen hat Wiedervereinigung? tricktechnisch nicht allzu viel zu bieten, da es sich hier vor allem um eine dialogstarke Folge handelt.

Manchen Zuschauer wird sie wohl sogar etwas zu dialoglastig erscheinen, denn auch nennenswerte Actionszenen gibt es nicht zu sehen. Die Spannung lässt dadurch leider im zweiten Teil etwas nach. Die Hauptattraktion von Wiedervereinigung? stellt daher Spocks Auftritt dar, der von Leonard Nimoy gewohnt routiniert dargestellt wird. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass er sich besser in die Handlung einfügt als Captain Kirk im Kinofilm Treffen der Generationen.

So ist diese Doppelfolge kein Highlight der fünften Staffel, aber trotzdem ein sehenswertes Stück Trek-Historie.

 

Sven Wedekin

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