[TAS 004] Das Lorelei-Signal

Lesezeit circa: 6 Minuten

Im Taurean-System versetzen Sirenen männliche Raumfahrer in Entzückung.

Staffel 1, Folge 3 – Sternzeit 5483,7
Das Lorelei-Signal – The Lorelei Signal

Die Handlung

Die Enterprise befindet sich aktuell in einem Raumsektor, in dem regelmäßig Schiffe verschwinden. Ein Signal und eine Sonde wecken Kirks Neugier und er lässt Kurs auf Taurean II setzen.

Auf dem Weg dorthin verändert sich das Verhalten der männlichen Besatzungsmitglieder. Sie scheinen zu halluzinieren. Im Taurean-System angekommen beamt Kirk mit Spock, McCoy und Lt. Carver auf die Oberfläche des zweiten Planeten. Das Team wird von wundervoll anzusehenden Frauen willkommen geheißen und zum Essen eingeladen. Ein starkes Getränk raubt den Männern von der Enterprise ihre Sinne. Als sie aufwachen, stellen sie fest, um Jahre gealtert zu sein. Sie tragen Stirnbänder, die ihnen die Lebenskraft entziehen.

An Bord der Enterprise übernimmt Uhura das Kommando, nachdem Scotty aufgrund euphorischer Zustände dienstunfähig geworden ist. Gemeinsam mit Christine Chapel will sie die Besatzung aus der Misere führen.

Das Lorelei-Signal

Rezension von Das Lorelei-Signal

Im Gegensatz zu Star Trek TOS, wo Frauen, auch wenn sie gewisse Ränge bekleiden, meist doch nur hübsches Beiwerk sind, oft kreischen, sich fürchten oder Kaffee anreichen, dürfen sie in dieser Episode zeigen, was in ihnen steckt.

Die Bewohnerinnen des Taurean-Systems

Ein Planet, welcher von unfruchtbaren und unsterblichen Frauen bewohnt wird, welche sich in einem regelmäßigen Zyklus „vitalisieren“ müssen, um zu überleben. Da die Männer, die einst mit ihnen übersiedelten, längst verstorben sind, ausgesogen von der weiblichen Bevölkerung, sind sie auf Außenweltler angewiesen. Wie ihre Vorbilder aus der griechischen Mythologie locken sie männliche Wesen an, umgarnen sie, um ihnen anschließend ihre Lebenskraft zu entziehen.

Für Das Lorelei-Signal dient eindeutig die griechische Sage um die Sirenen als Vorlage, welche mit ihrem betörenden Gesang Schiffsleute anlocken und sie danach töten. Dabei bieten die Taureanerinnen einen ungleich angenehmeren Anblick als die irdischen Sirenen, welche von Homer als Mischwesen aus Mensch und Vogel beschrieben wurden. Teilweise wurden die Sirenen auf Bildern bärtig dargestellt, später auch als Mischwesen aus Fisch und Mensch. Die Taueranerinnen hingegen sehen aus wie humanoide Frauen, wenngleich sie keine sind.

In ihrer Not und ihrem Willen zu überleben, entziehen sie männlichen Wesen ihre Lebenskraft und dies müssen sie regelmäßig tun, und zwar alle 28 Jahre (aufgerundet). Das erinnert doch sehr an den weiblichen Zyklus mit durchschnittlich 28-30 Tagen.

Sirenengesang

Die Männer reagieren wie in der Sage. Völlig benebelt und entzückt gehen sie freiwillig in die Falle, lassen sich verwöhnen, speisen, trinken und genießen. Im Anschluss folgt das böse Erwachen: Sie sind einer Spinne ins Netz gegangen. Das Lorelei-Signal ist quasi eine moderne, ins All versetzte Variante der alten griechischen Sage, wo statt Schiffsleuten Raumfahrer angeködert werden und alles mit Science-Fiction gewürzt wird. Vorbilder aus der Antike sind in der Science-Fiction gar nicht so selten. Im Star Trek Universum wird dies auch regelmäßig deutlich. Als Beispiel wären da die Romulaner mit ihrem deutlich römischen Anstrich.

Zurück zu den modernen Sirenen. Neben betörenden Gesängen kommt hier auch harte Strahlung zum Einsatz, welche weiblichen Wesen nichts anhaben kann und männliche Wesen erschöpft. Man könnte dies mit Betäubungsmitteln vergleichen. Die Opfer werden ruhiggestellt und gleichzeitig mit dem Gesang euphorisiert, damit sie die Gefahr nicht bemerken. Perfide, würde ich sagen. Auch Vulkanier mit ihrer starken mentalen Kontrolle sind dem Effekt hilflos ausgeliefert.

Allein den Frauen der Enterprise kann der Gesang nichts anhaben. An dieser Stelle drängt sich die Frage auf, ob alle anderen verlorenen Schiffe  eine durchweg männliche Besatzung gehabt haben oder ob die Frauen an Bord von den „Sirenen“ kurzerhand ebenfalls getötet worden sind. Und: Wo sind die Schiffe selbst? Gebraucht werden ja nur die Männer.

Das Lorelei-Signal

Frauenpower

Uhura übernimmt kurzerhand das Kommando und befördert Christine Chapel zur Ersten Medo-Offizierin. Da die Männer allesamt unfreiwillig handlungsunfähig sind, müssen die Frauen zur Rettung eilen. Schade, dass für Frauenpower immer erst ein Grund gefunden werden muss. Das ist ein Punkt, mit dem ich nicht einverstanden bin.
Uhura und Chapel spielen hier nur eine lebenswichtige Rolle, weil die Männer sozusagen ausgeschaltet worden sind. Im Normalfall würden sie weiterhin eher nebensächlichen Charakter haben. In der Hinsicht muss ich die Fan-Serie Star Trek Continues loben. Dort sind deutlich mehr Frauen im Einsatz, deren Rolle sich nicht nur auf „Ruffrequenzen offen, Sir“ beschränkt.
Gerade Uhura hätte charakterlich gesehen großes Entwicklungspotenzial gehabt. Gut, die 1960er-Jahre waren betreffend Frauen und Schwarzen eine sehr krasse Zeit. Da ist es überhaupt als erheblichen Fortschritt zu sehen, eine schwarze Frau als Offizierin einzusetzen.

Star Trek TAS könnte mehr herausholen. Mit Das Lorelei-Signal wurde zumindest das Zugeständnis gemacht, dass Frauen sehr wohl in der Lage sind, Führungsaufgaben zu übernehmen.

Fazit

Das Lorelei-Signal als moderne Sage, in der Frauen auf beiden Seiten eine Schlüsselrolle spielen, kommt an.

Fun Facts

  • Alan Dean Foster veröffentlichte die Episode als Planet der Amazonen in der Reihe Raumschiff Enterprise: Die neuen Abenteuer. Das ZDF übernahm den Titel.
  • Im ZDF lief die Episode zunächst extrem gekürzt. Die ungekürzte Variante wurde 1994 neu synchronisiert und in Das Lorelei-Signal umbenannt.

Der deutsche Titel

Planet der Amazonen trifft das Thema nun mal ganz und gar nicht. Zum Glück hatten die deutschen Produzenten ein Einsehen und haben den Murks repariert. Das Lorelei-Signal ist um Längen besser, zumal es sowieso dem englischen Original entspricht. Gleichzeitig trifft es die Thematik der Folge.


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Kirsten Pevestorf
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Kirsten Pevestorf

Kirsten ist Jahrgang 80 und ein totaler TOS-Fan, kein Wunder, dass sie sich bei und auch hauptsächlich darum kümmert. Wenn das nicht reicht, vertritt sie Marco in der Chefredaktion.

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