[Perry Rhodan 3052] Terra

Lesezeit circa: 8 Minuten

Brennpunkt Neu-Atlantis – die Gelegemutter schickt eine Botschaft.

Terra
© Pabel-Moewig Verlag KG

Titel: Terra
Autor: Christian Montillon
Titelbild: Arndt Drechsler
Erschienen: 14.02.2020

Zur Handlung

Vergangenheit aus Adams‘ Traumsequenzen: Wie Adams an den Gräbern Jathao Vanoths, der 60 Jahre lang residierenden Gisso Appelles und seiner Lebensgefährtin Amalia Serran stehen musste; wie in dieser Zeitspanne die Dyo-Galaktiker in der Phase VASCO DA GAMA in den unbekannten Kosmos aufbrechen und sich im Beteigeuze-System der Konflikt mit den Topsiderinnen intensiviert. Dort trifft man aber auch auf weitere Intelligenzwesen, die Yura von Beteigeuze IV.

Gegenwart: Rhodan betritt nach über 500 Jahren den Boden Terras. In Neu-Atlantis trifft er auf Rico, der ähnlich Adams die Menschen mit Rat und Tat begleitet hat. Doch während einer Infiltrierung des Militärs durch Topsider nachgegangen wird, kommt es am Suspensionsalkoven Adams‘ zur Eskalation: Vermeintlich treue TLDler erweisen sich als radikale Vanothen und entführen in einer blutigen Aktion vor Rhodans Augen den Advisor Terras …

Die Drei Ultimaten Beobachtungen

1. Ein Zwilling und doch so anders

Standard- und Dyoversum sind Zwillinge, wie es stets heißt. Doch die Unterschiede werden immer augenfälliger. Während die Dyo-Topsider weitestgehend vor allem äußerlich ihren Artgenossen gleichen, ja sich sogar mit Wega- und Beteigeuze-System in gleichen Raumregionen aufhalten und die Galaktiker dort auf sie treffen, finden diese auf dem vierten Planeten nicht die robbenartigen Aquas vor, sondern ganz anders ausgebildete Yura. Kopffüßler in einer eigenständigen Mischung auf Tintenfischen und Kraken, die mit ersten Maschinen über den Stand der Aquas hinaus kulturell gereift sind. Wiederum sehr ähnlich den Aquas geraten auch die Yura jedoch unter die Fuchtel der Topsider.

Ansonsten wich die angebliche Aufbruchsstimmung zum Amtsantritt des zweiten Residenten Tomasso Coen schnell einer anhaltenden Ernüchterung: „Da draußen wartet ein ganzes Universum darauf, entdeckt zu werden – bekannt und doch völlig unbekannt!“ Und aus dem ersten Ziel „keine Besiedlung, sondern Informationsbeschaffung und potenzielle Kontaktaufnahme mit neuen Völkern“ entstand nur der Konflikt mit „den Echsen“.

Zehn erstentdeckte Systeme waren bis auf gelegentliche einfache Flora völlig frei von Leben. Wenige Kolonien wurden gegründet, denen man jedoch gar nicht ausreichenden Schutz vor topsidischen Übergriffen garantieren kann. Bisher sind diese auch namenlos geblieben und alles andere als ein Fundament eines solaren Imperiums oder einer blühenden Liga „freier“ Galaktiker.

Im Roman von Adams mehrfach selbst aufgeworfen stellt sich auch mir DIE Frage immer lauter: Welcher Art ist denn diese Zwillingsverwandtschaft und was hat teils frapierende Gleichverläufe, teils extreme Differenzen verursacht? Warum sind just die Topsider a) überhaupt existent (im Gegensatz zu so vielen anderen Völkern) und b) an altbekannten Orten zwar auch, aber dann völlig anders entwickelte Wesen anzutreffen (Yura statt Aquas)?

Der vor rund 35 Heften mal gefallene Begriff der Konvergenz dürfte hier noch wichtig werden, nur dass er diesseits vom Perryversums in so vielfältiger Bedeutung verwendet wird, dass – cliffgehangen – noch unklar bleiben muss, worauf er sich alles beziehen mag. Ganz allgemein und vage geht es um gleichförmige Verläufe von Entwicklungen – nur von welchem Standpunkt aus und wovon, wann und wie sehr wodurch abgelenkt?

2. TLD, LFG und IKK

Die besten der besten der Allerbesten sind ausschließlich im TLD vereint und mit bestem Willen und noch mehr Können im Einsatz für das Gute und die Sicherheit im Dienste der Dyo-Galaktiker. Oder auch nicht! Davon abgesehen, dass es mich irritiert, dass wir von terranischem Ligadienst in der Liga Freier Galaktiker reden. Müsste es nicht pedantisch GLD (Galaktischer Ligadienst) heißen? Denn allein auf Terra ist der Dienst doch sowieso nicht beschränkt, mindestens mal Luna und Mars kommen hinzu. So namensnostalgisch die Dyo-Galaktiker auch sein mögen, an der Stelle hätten sie dann mal namentlich Neues wagen dürfen.

So oder so scheint der TLD eine Schnarchversammlung zu sein oder kunstvoll unterwandert und infiltriert von Vanothen, radikaleren Irriversibilisten oder/und zusätzlich noch von Topsiderinnen. Kaum als ziemlich bester Agent vorgestellt stirbt ein Topsider im Dienste des TLD auch sogleich beim Angriff auf den Suspensionsalkoven, wobei der Schuss eines TARA-C Rhodan galt, den der Topagent ungewollt blockte. Die Beteuerungen Sloud Silvermans als Chef der Truppe, wie gut, zuverlässig und im Falle der Familie Palotta mehrgenerationentreu seine Leute doch seien, haben … ein wenig an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Geballte Inkompetenz-Kompensations-Kompetenz – so scheint es.

Hinzu im Militär, das doch hoffentlich nicht frei von wachsamen TLD-Blicken geblieben ist, ein Drunter und Drüber: Vom „Reich Ryo“, das die Onryonen nach dem Change-Everything-Event gegründet hätten laut Eccpre Allocnar, weiß niemand irgendetwas. Also etwa gar keine lebensunwilligen bloß 53 verbleibenden, sondern still und heimlich nur größtenteils ins eigene Reich abgewanderten Onryonen? Und weil dieser Onryone ins gepriesene Reich will, geht er auf die Lockungen eines Anonymen ein und wird ausgerechnet in Richtung auf das Topsiderschiff außerhalb des Solsystems geflogen.

Das hätte kriegerische Verwicklungen zur Folge haben können, wenn nicht Raumjägerpiloten den Irrläufer hätten stoppen können. Alles gut? Nein, denn die erste Abfangwelle scheiterte auffallend kläglich, angeblich „Die besten der lunaren Flotte“ (Überschrift von Kapitel 5), die mutmaßlich alles, nur nicht die besten Absichten hegen.

Doch an deren Fersen heften sich nicht best ausgebildete TLD-Agenten, tritt kein MAD (Militärischer Abschirmdienst) auf den Plan, sondern müssen die Kommandantin Ghizlane Madouni und ihr Sicherheitschef Torr Nishal die höchst fragwürdigen allerbesten Toppiloten Shöman und Heller inmitten Iacallas, der alten und leblosen Stadt der Onryonen auf Luna verfolgen. Ohne anständige SERUN für eventuelle Kampfeinsätze versteht sich … Einmal mit Profis arbeiten!

3. Das Dyoversum ist auch kein Paradies

Die Versetzung Terras und Lunas ins Dyoversum als „Rettung“ und Neubeginn“ laut Jathao Vanoth, somit als eine Verheißung von Chancen und Möglichkeiten. Das Dyoversum als ein optionaler Hyperraum für die ungefragt Zwangsversetzten. Nur wo ist die Verheißung hin? Vor was wurde gerettet, welcher Neubeginn soll das sein? Zwar hängen die Vanothen insbesondere als radikalisierte Irreversibilisten an der neuen Heimat und verweigern sich auch nur ressourcenkostspieligen Versuchen, Kontakt zurück aufzunehmen (s. die Zerstörung Plutos). Aber wofür treten sie da eigentlich ein? Ein neues resp. überhaupt ein Paradies kann es nicht sein.

“Ich glaube, nicht der Vanothe hat sie verändert … er hat einen Prozess angeschubst, der zeigt, was mit einem isolierten Volk passieren kann.“ So Initiator des GESETZES Monti höchst selbst mit seiner Einschätzung. Eine alle Technik vorerst aussetzende Hyperimpedanz, durch die in 400 Jahren kaum so viel möglich war wie in den ersten rund 50-60 Jahren des solaren Imperiums. Nahezu kein und dann meist nur Leben auf der zweiten Entwicklungsstufe des Zwiebelschalenmodells sowie auf Stufe 3 einmal die Yura und Stufe 4 bisher ausgelassen. Eine quicklebendige Völkergemeinschaft kann so nicht entstehen und von der vielfach psychotherapiebedürftigen Einsamkeit der Dyo-Galalaktiker lasen wir schon mehrfach.

Wegen des zerklüfteten Linearraums, den man technisch nur gerade so mit Lookouts durch die Linearlabyrinthe queren kann, bleibt die erkundete Sphäre überschaubar und lassen sich kaum weitreichende kosmologische Rückschlüsse ziehen. Das einzige Stufe 5-Volk sind die Topsider, die als Supermacht des bekannten Universums jedoch feindlich gesinnt sind und mit eingeschleusten oder ggf. „gekauften“ Spionen bis ins Militär hinein die kleine verunsicherte Lebensgemeinschaft im Dyo-Solsystem innerlich zu zersetzen verstehen.

Besonders krass hier die Topsider, die sich ihren unbekannten matriachalen „Brüdern“ der Dyo-Topsiderinnen spontan gleichermaßen verpflichtet fühlen wie den Lebewesen ihres Zuhauses auf Terra. Vanoths Haltung missdeutende Vanothen und mit Rhodans Ankunft radikalisierte, den TLD mindestens teilweise unterlaufende Irreeversibilisten spalten das Bemühen, im immer noch Fremden weiter Fuß zu fassen.

Weder kann ich kosmisch bzw. galaktisch noch sozial auf den wenigen erschlossenen Welten allzu viel Neugewonnenes erkennen. Bestenfalls mühsam alles, vielmehr sind die Fröste zwangsweise selber auszugestaltender Freiheiten allen Orten zu sehen. Und bis auf nun leider auch in Adams‘ Traum erstorbener Amaliaa Serran trafen wir m.E. noch auf kaum jemanden, der oder die einigermaßen gelassen das Neue angenommen hat, wie es ihnen allen passiert ist.

Fazit zu „Terra“

Der größtenteils ruhigste der bisherigen Zerozone-Romane – bis zum explosiven Schluss, wo die beiden parallel laufenden Handlungen gleich enden: Eine Transmission bzw. Schmerzensteleportation ins Ungewisse für Ghizlane Madouni sowie Rhodan und Iwán. Damit betreten wir aus Sicht dieser Akteure im Folgeroman noch neueres Neuland, als ob uns irgendetwas im Dyoversum schon vertraut geworden wäre.

Verschiedentlich negative Meinungen gelesen, dass in „Terra“ alles zu langsam vonstatten gehe und überhaupt. Für mich bleibt das Tempo im Lot, gerade weil klar ist, dass nach dieser relativen Verschnaufpause es in 3053 richtig anziehen dürfte. Nicht nur, dass wir um Adams‘ Leben bangen müssen, möchte ich auch so viel mehr über Rico und dessen Zeit erfahren. Der war nämlich recht spontan aufgetaucht, nachdem er die Zeit des Weltenbrands abwesend verbracht hat, um sich dann proaktiv auf Terra u.a. als neu-atlantischer Ko-Bürgermeister einzubringen. Entsandt von ES, auf eigene Rechnung und was konkret ging an Hilfsmittel für die Dyo-Galaktiker aus der neu-atlantischen Technikschmiede hervor?

Damit bleibt das erahnte Nichtwissen und die offenen Fragen auch nach 180 Romanseiten und nach „Terra“ unendlich. Daher nur zu passend die Sentenz vom erneut zitierten Clive Staples Lewis: „Wer alles durchschaut, sieht nichts mehr.“ Und wer alles thesanitgleich vorhersieht, liest die fortlaufende Serie nicht weiter. Ich weiß nur, dass ich noch nichts weiß und deshalb hier auch kommende Woche wieder aufschlage …

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Dominic Schnettler
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Dominic Schnettler

Dominic ist Jahrgang 1985 und unterstützt unser Perry Rhodan Team mit Rezensionen zur aktuellen Perry Rhodan-Erstauflage. Darüber hinaus sucht er die Antwort nach allem, dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest, grokt bisher aber nichts. Liest dafür aber stetig neuentdeckte SF-Klassiker und ist in den unendlichen Weiten ganz zufrieden

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