Immer dann, wenn du glaubst, es geht nicht schlimmer, kommt ein Transformers-Film daher und zeigt, es geht immer noch schlimmer.
Hauptsache, die Kasse klingelt
Es ist mittlerweile einfach nicht mehr feierlich. Die Transformers-Filmreihe fing mittelmäßig an und hatte sich seitdem immer weiter verschlechtert. Die Kritiken waren verheerend, die Zuschauerzahlen und Einspielergebnisse hingegen weitestgehend positiv. Anscheinend waren denen die offensichtlichen Schwachpunkte der jeweiligen Filme egal, solange es auf der Kinoleinwand ordentlich schepperte, explodierte und halbwegs launige Oneliner gedroppt wurden.
Das zeigt sich auch im letzten Film, Transformers: Ära des Untergangs wieder. Die Kritiken waren teilweise verheerend und am Ende spielte dieser Teil bei einem Budget von 210 Millionen US Dollar über eine Milliarde US Dollar ein. Es war also erneut ein voller Erfolg, weshalb es auch kein Wunder war, dass das übliche Spiel wieder anfing. Eine Fortsetzung wurde angekündigt und man machte sich daran, ein Skript zu entwickeln.
Wobei es dieses Mal gewisse Unterschiede gab. Denn Hasbro beauftragte den Produzenten und Drehbuchautoren Akiva Goldsman damit, gemeinsam mit Regisseur Michael Bay, Executive Producer Steven Spielberg und dem Produzenten Lorenzo di Bonaventura einen Writer’s Room für das Franchise aufzubauen. Das für die künftigen Filmabenteuer Skripte basierend auf anderen Transformersmedien erschaffen sollte.
Michael Bay lässt bitten
Im Juli 2015 sollten dann Akiva Goldsman und Jeff Pinkner einen Vertrag als Drehbuchautoren unterschreiben. Doch Goldsman schied bereits im November aus, weil er ebenfalls für G.I.Joe und Micronauts einen Writer’s Room aufbauen sollte. Woraufhin Art Marcum und Matt Holloway (Iron Man, Punisher: War Zone) und Ken Nolan (Black Hawk Down) für das Drehbuch angeheuert wurden. Lindsey Beer und Geneva Robertson-Dworet (Captain Marvel) sollten ebenso zum Skript etwas beitragen.
Michael Bay machte hingegen sein bekanntes Spiel. Zuerst gab er bekannt, dass er nach Transformers: Ära des Untergangs nicht mehr als Regisseur zur Verfügung stehen würde. Nur um dann im Januar 2016 zu verkünden, dass er doch zurückkehren würde, wobei der fünfte Film sein nunmehr letzter sei. Eine Aussage, der man, angesichts diverser ähnlicher früherer Ankündigungen, durchaus mit Skepsis begegnen darf.
Michael Bay durfte schließlich am 17. Mai 2016 auf seinem Instagram-Account den Titel des Films verkünden. Dieser sollte Transformers: The Last Knight lauten und er zeigte Optimus Prime mit purpurfarbenen anstatt blauen Augen. Wobei allgemein sein Gesicht merkwürdig fehlfarben wirkte.
Jede Menge Rückkehrer, jede Menge neue Leute
Der Cast war natürlich wieder umfangreich und bestand aus Filmserienveteranen, sowie einigen neuen Mitgliedern. Mark Wahlberg, Josh Duhamell, John Turturro und Glenn Morshower nahmen ihre Rollen aus den früheren Kinofilmen wieder auf. Auch Stanley Tucci kehrte zurück, wobei er dieses Mal den Zauberer Merlin darstellen sollte. Mit Anthony Hopkins (Thor) gelang dem Film ein aufsehenerregendes Casting. Er sollte Sir Edmund Burton, einen Hobby-Astronomen, schauspielern, der über die geheime Geschichte der Transformers auf der Erde Bescheid wusste. Laura Haddock (Guardians of the Galaxy) wurde zu der Oxford-Professorin Viviane Wembly, derweil dieser Film für Isabela Merced der erste war, nachdem sie zuvor „nur“ als Fernsehschauspielerin gearbeitet hatte. Sie wurde zu der auf der Straße erwachsen gewordenen Izabella. Der Comedian Jerrod Carmichael erhielt den Zuschlag für Jimmy, der für von dem von Mark Wahlberg dargestellten Cade durch eine Anzeige angeheuert wurde. Santiago Cabrera (Star Trek: Picard) sollte als der TRF-Kommandant Santos der menschliche Antagonist werden, derweil Liam Garrigan (Once Upon a Time) zu König Artus wurde.
Bei den Transformers gab es folgende Rückkehrer zu vermelden: Peter Cullen als Optimus Prime, Erik Aadahl als Bumblebee, Ken Watanabe als Drift, John Goodman als Hound, John DiMaggio als Crosshair, Jess Harnell als Barricade und Tom Kenny als Wheelie. Neu hinzu kamen Gemma Chan (Humans) als Quintessa, Jim Carter (Downton Abby) als Cogman, Omar Sy (X-Men: Zukunft ist Vergangenheit) als Hot Rod, John DiMaggio als Nitro Zeus, Reno Wilson (Mike & Molly) als Sqweeks und Mohawk, Steve Buscemi (Reservoir Dogs) als Daytrader, Steven Barr (V) als Bulldog und Lieutenant und den Transformers-Veteran Frank Welker, der mit diesem Film wieder seine Paraderolle Megatron sprechen sollten.
Nach den Ereignissen von Transformers: Ära des Untergangs erreicht Optimus Prime Cybertron. Dort trifft er auf die cybertronische Göttin Quintessa, die ihn einer Gehirnwäsche unterzieht. Er soll zurück zur Erde reisen, um dort den Stab von Merlin einzusammeln, der Cybertron wieder in altem Glanz wiedererstehen lässt, in dem er die Energie des Erdkerns nutzen wird.

Der absolute Nullpunkt
Auf der Erde ist die Situation für die zurückgebliebenen Autobots und ihre Alliierten nicht wirklich besser. Sie werden von der paramilitärischen Taskforce Transformers Reaction Force (TRF) unter dem Kommando von Santos gejagt. Dieser will alle Transformers und ihre menschlichen Alliierten zur Strecke bringen, egal was es kostet. Doch dann erhalten Cade, Bumblebee, die auf der Straße lebende Izabella und deren Transformerspartner Sqweeks von einem sterbenden Transformer einen Talisman. Und auf ein Mal sind alle hinter ihnen her, inklusive den Decepticons.
Es ist vollbracht: Mit Transformers: The Last Knight ist die Filmreihe auf dem absoluten Nullpunkt angekommen. Noch tiefer oder schlimmer geht es nicht mehr. Es ist schon fast ein Kunststück, dass hier Michael Bay gelingt! Und das will was heißen.
Die Story des Films ist selbst für Bayformer-Verhältnisse absolut grauenvoll. Die Idee mit dem Artefakt, den zu Nemesis Prime umgedrehten Optimus Prime oder einer geheimen Organisation, die von der wahren Geschichte der Transformers auf der Erde weiß, sind alles Elemente, die für sich genommen durchaus großartig gewesen wären. Doch hier werden sie zu einem großen Misch-Masch vermixt. Jeder für sich und in den richtigen Händen hätte das Potenzial gehabt, unterhaltsam zu werden. Hier und unter der Ägide Michael Bays sind sie jedoch nur dazu da, die Actionsequenzen halbwegs glaubwürdig miteinander zu verknüpfen. Und das ist einfach nicht genug!
Frauen sind nur für Eye-Candy gut
Es ist auch nicht eben hilfreich, dass die Figuren mittlerweile die charakterliche Tiefe eines Blatt Papiers haben. Sie geben Plattitüden von sich, reagieren einfach nur auf die neusten Entwicklungen, anstatt mal selbstständig zu agieren. Noch schlimmer ist, dass so manche Figur einfach nur eine Platzverschwendung ist. Wenn man sie und ihre Zeilen streichen würde, würde man es noch nicht mal merken.
Das betrifft leider vor allem die Frauenfiguren. Die Bayformer-Filme hatten schon immer ein massives Problem mit dem weiblichen Geschlecht. Wenn sie nicht gerade Eye-Candy oder Scream-Queens waren, kamen sie nicht wirklich zur Geltung. Und das zeigt sich bei Laura Haddocks Viviane Wembley besonders „gut“. Eigentlich müsste sie als intelligente Frau charakterisiert werden, die für Überraschungen gut ist. Stattdessen wird sie auf ihr äußeres reduziert und dient als bloßes Plotdevice. Auch Izabella ist eine Enttäuschung. Sie wird als stereotype toughe Latina dargestellt, bei der ihre Herkunft ihre Identität und Persönlichkeit bestimmt. Im Prinzip ist ihre Hauptfunktion, dass sie Transformers zu dem Artefakt führt. Danach ist sie einfach nur… da!
Und Stichwort Transformers: Eigentlich hätte dieser Moment sein können, wo Bumblebee als Held glänzt, jetzt wo Optimus Prime über weite Teile des Films nicht auftaucht. Doch stattdessen geht er in der Masse an anderen Transformers unter. Es scheint so, als ob hier das Motto galt: Masse statt Klasse. Es tauchen jede Menge Transformers auf, darunter auch einige Bekannte. Im Prinzip sind sie jedoch einfach nur für die Action da. Sie bekämpfen sich entweder gegenseitig oder die TRF. Einige von ihnen geben dann den Löffel ab, ohne dass es einen juckt.
Das soll ein Gegenspieler sein?
Auch, das Megatron wieder auftritt, ist ärgerlich. Ja, er ist der Vorzeigeantagonist des Franchise. Aber in diesem Film ist er gefühlt nur da, gibt seine Zeilen von sich und lässt sich als Gegenspieler nicht ernst nehmen! Dazu hat er zu oft in den letzten Filmen verloren. Und auch hier gilt: Man hätte ihn gefühlt weglassen können oder jemand anderen an seine Position setzen können. Es hätte nicht gestört, es würde einem noch nicht mal auffallen.
Und dieses Mal sind wirklich alle Kampfszenen misslungen. Was einst die Paradedisziplin dieser Reihe war, ist dieses Mal einfach nur ein unübersichtlicher Schlamassel. In diesem CGI-lastigen Kampfgeschehen den Überblick zu bewahren, fällt trotz der teils heftigen Zeitlupe schwer. Vor allem auch dann, wenn die innere Logik zu wünschen übrig lässt und das Geschehen stellenweise von Schauplatz A zu Schauplatz B wechselt, ohne dass sie schlüssig erklärt wird.
Am Ende war der Film eine einzige Enttäuschung. Auch in Sachen Einspielergebnisse. Bei einem Budget von maximal 260 Millionen US Dollar spielte er nur 605.4 Millionen ein. Womit klar war, dass die Zukunft des Franchise anders aussehen sollte und würde. Vorzugsweise ohne Michael Bay.
Info
Regie: Michael Bay
Drehbuch: Art Marcum, Matt Holloway, Ken Nolan
Produktion: Ian Bryce, Tom DeSanto, Lorenzo di Bonaventura, Don Murphy
Musik: Steve Jablonsky
Kamera: Jonathan Sela
Schnitt: Roger Barton, Adam Gerstel, Debra Neil-Fisher, John Refoua, Mark Sanger, Calvin Wimmer
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