Sony erweiterte 2018 seinen Spider-Man-Katalog um ein Videospiel.
Entwickler Insomiac Games, die sich mit Titeln wie Spyro the Dragon und Ratchet und Clank schon früh einen Namen gemacht haben, hatten die freie Wahl an Helden, wählten aber passenderweise Spider-Man, es sollte das erste lizenzierte Projekt werden. Auf der Playstation 4 wurde es zum zweit meistverkauften Spiel überhaupt. Nur GTA V konnte es nicht knacken, aber über 22 Millionen verkaufte Exemplare ist auch so ein riesiger Erfolg.
Handlung
Spider-Man schafft es, den Kingpin – Wilson Fisk – dingfest zu machen. Dies sorgt dafür, dass sich andere Banden nun mehr zutrauen. Spider-Man hilft der Polizei, wo es nur geht – dabei stößt er auf eine scheinbar neue Bande, die gezielt Einrichtungen von Wilson Fisk attackiert. Schnell findet er heraus, dass es sich nicht um einen Bandenkrieg handelt, sondern um die Beschaffung von Ressourcen. Dahinter steckt weit mehr und Norman Osborn, der Bürgermeister von New York und Chef von Oscorp, ist eine Schlüsselfigur in diesem Spiel…
Rezension
Das Spiel ist Open World und es gibt nur sehr wenige Bereiche, die wir nicht sofort erreichen können. Die gesamte Handlung findet in Manhattan statt, welches nicht ganz die Größe hat, wie das reale Vorbild. Da hier aber eh der Avengers Tower steht und auch noch der Wolkenkratzer von Oscorp, ist dies ja eh ein fiktives Manhattan und die Map ist schon groß genug. Obendrein sollte ich anmerken, dass dies kein Spiel zu einem bestimmten Comic oder Film ist, sondern ein eigenes Spiderverse von Insomniac. Diese wollten ein Erlebnis schaffen, welches seine eigene Identität hat – und sich somit vieler verschiedener Quellen bedient.
Ich habe, bis ich die Disc des Spiels in meine PS5 gelegt habe, absolut keine Spoiler für die drei Spiele der Reihe mitbekommen.
Die Story
Comicfans wissen schnell Bescheid. Tante May arbeitet im F.E.A.S.T. und ihr Chef heißt Martin Li. Peter arbeitet mit Otto Octavius zusammen an prothetischen Gliedmaßen und Spider-Man bekommt Hilfe von einem Cop namens Jefferson Davis, der einen Sohn namens Miles hat. Ich hatte damit gerechnet, dass hier der Miles Morales Spider-Man aufgebaut wird, ebenso wie Doctor Octopus und Mister Negative der große Böse ist. Auch hatte ich erwartet, dass ein Kingpin nicht so einfach zu besiegen sei. Ich lag damit zwar richtig, aber nicht zu 100%.
Und das fand ich am Ende doch erfrischend. Mister Negative ist zu Beginn der Antagonist, dem wir langsam auf die Schliche kommen, wie erwartet. Und Doctor Octopus wird nicht nur aufgebaut, er mischt auch mit. Aber nicht nur er – er befreit nicht nur Martin Li aus dem RAFT, sondern auch Elektro, Vulture, Scorpion und Rhino. Und formt damit eine Version der Sinister Six – oder wie Condor sie früher nannte: Die unheilvollen Sechs.
Man hätte das erahnen können, denn es gab gelegentlich Einblendungen von Schurken, die Spider-Man ins RAFT gebracht hat und diese waren allesamt irgendwann auch mal Mitglied, aber eben auch die üblichen Gegner von Spider-Man in den Comics. Wer die Spider-Man Filme seit Maguire gesehen hat, hat so ziemlich jeden dieser Schurken schon mal gesehen.
Bis zu diesem Zeitpunkt plätscherte der Plot nur leicht vor sich her, aber ab hier wurde es richtig interessant. Gerade die Tragik in der Wandlung von Dr, Octavius zu Dr. Octopus, gibt der Handlung einen emotionalen Touch und gibt Doc Ock mehr Facetten – wie es schon in Spider-Man 2 mit Tobey Maguire geschehen war – hier ist die Tragweite aber größer, denn Peter ist mitverantwortlich und Otto ist ein Mentor für ihn.
Schade nur, dass Norman Osborn nur tangiert wird – aber dafür gibt es etliche Hinweise auf die Zukunft.
Gameplay
In einem Spider-Man Spiel sind natürlich seine Fähigkeiten wichtig. Das Schwingen geht, nach einer kurzen Eingewöhnung, gut von der Hand, die Kämpfe sind flüssig. Es gibt viel zu entdecken und einzusammeln, die Aufgaben sind sich in geringen Maßen gleich. So sind alle Verstecke der Dämonen ähnlich aufgebaut – und alle anderen Aufgaben dieser Art laufen ähnlich ab, man erledigt die Gegner in Wellen.
Spidey kämpft aber nicht nur gegen irgendwelche Verbrecher und Banden, er fängt auch Tauben für seinen Freund Howard ein, geht Zeugenaussagen nach und ermittelt, erledigt Forschungsprojekte für Harry Osborn und und und – es gibt immer was zu tun.
Für Abwechslung sorgen dann besondere Passagen, in denen wir Miles Morales oder Mary Jane spielen. Diese haben keine Superkräfte, schleichen sich aber trotzdem durch die Gegend. Miles bekommt es sogar mit Rhino zu tun, den er aber austricksen kann.
Die Bosskämpfe sind außergewöhnlich und abwechslungsreich. Sind die ersten Kämpfe eher zum warm machen, geht es gegen die Sinister Six richtig rund. Eigentlich sollten wir alle sechs einzeln bekämpfen, die Entwickler packten aber Rhino und Scorpion sowie Vulture und Elektro in einen gemeinsamen Kampf. Letzterer findet natürlich in der Luft statt, was erstaunlich gut funktioniert und eine Menge Spaß reinbringt. Der andere Kampf ist da dann schon eher Old-School aber auch spaßig. Mister Negative und Doc Ock bekämpfen wir einzeln.
Für Nebenaufgaben gibt es oft Marken, die wir in neue Ausrüstung oder auch Anzüge stecken können. Diese sind nur leider nach Art der Aufgabe kategorisiert und man braucht meistens aus verschiedenen Kategorien mehrere Marken, um z.B. einen neuen Anzug freizuschalten – diese schalten meistens auch eine neue Spezialfähigkeit frei.
Wäre ja alles kein Problem, aber um alles zu bekommen, muss man sehr genau planen, was man zuerst kauft. Oder eben das nachgereichte New Game+ bemühen, was die Spielzeit erhöht, denn gerade die Herausforderungsmarken werden erst spät im Spiel freigeschaltet und um die volle Anzahl zu bekommen, muss man einige echt harte Aufgaben bewältigen.
Hier wäre es definitiv weniger frustrierend, wenn es Einheitsmarken geben würde und manche Aufgaben, wie die Straßenverbrechen, einfach immer passieren würden und nicht vorbei wären, wenn wir 5 davon erledigt haben.
Es gibt auch sogenannte Benchmarks im Spiel, für die es Erfahrungspunkte gibt, wenn man sie abschließt. Dies ist aber oft sowas wie „Mache 500 Schwungtritte“ und nur die wenigsten schafft man im normalen Spielbetrieb. Die anderen muss man dann extra noch erledigen und für die wenige Erfahrung, die man dort bekommt, lohnt sich das eigentlich gar nicht.
Das Freischalten der Karte im Spiel ist eine übliche Methode, macht hier aber wenig Sinn. Spidey ist hier aufgewachsen und sollte – vor allem als Superheld,der sich durch die Straßenschluchten schwingt – sich auskennen. Vor allem im New Game+ ist es nervig, da man dies ja alles schon mal gemacht hat.
QTE gibt es übrigens auch – aber diese sind wohl dosiert eingesetzt und erhöhen die Dramatik, ohne zu nerven. Auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad sind die meisten automatisch gelöst.
Galerie der Charaktere
Neben Kingpin, Doc Ock, Mister Negative, Rhino, Scorpion, Vulture und Elektro, haben wir auf der Schurkenseite auch noch Shocker, Taskmaster, Screwball und Tombstone. Silver Sable und Norman Osborn stehen ebenfalls eher auf der Seite der Schurken, wobei sie hier erstmal neutral aber aggressiv auftreten.
Neben Peter Parker dürfen natürlich Tante May und Mary Jane nicht fehlen, diese ist hier beim Daily Bugle als Reporterin angestellt. Unterstützung bekommt er sonst noch von Miles Morales und Yuri Watanabe.
J. Jonah Jameson gehört einfach zu Spider-Man. Dieser hat, genauso wie Black Cat und Harry Osborn, aber nur eine Sprechrolle.
Im DLC The City That Never Sleeps bekommen wir Black Cat dann auch zu Gesicht und auch der Maggia-Chef Hammerhead tritt auf.
Alles in allem also eine gelungene Sammlung an Charakteren – vor allem für ein erstes Spiel der mittlerweile drei Teile umfassende Reihe.
Technik
Grafisch gibt es heute natürlich mehr Leistung, aber an keiner Stelle habe ich das Gefühl gehabt, dass irgendwo in der Ferne keine Wolkenkratzer mehr stehen, auch nicht bei schnellen Richtungswechseln. Einzig der Wechsel der Tageszeit, wenn man eine Mission startet, die zu einer bestimmten Zeit spielt, lädt lang. Das reißt aus dem Spielfluss und nervt.
Soundtechnisch haben wir hier großes Kino. Wir hören nicht nur das typische „Thwip“ der Netzdüsen, sondern auch Windgeräusche beim Schwingen. Bei der musikalischen Untermalung hören wir beim Schwingen ein typisches Spider-Man-Theme, welches aber eigens für dieses Spiel komponiert wurde. Laut dem Komponisten John Paesano, soll dieses aber vor allem Peter widerspiegeln. Im eigentlichen Theme sind auch die Melodien der Schurken enthalten, was laut Paesano daran erinnern soll, dass alles ein Teil von Peters Geschichte ist.
Es gibt eine Remastered-Version für die PS5. Besitzer der PS4 Version können einfach ein Upgrade kaufen.
Immersion
Hier kann ich nur sagen, ich habe nicht erwartet, mich so gut zurechtzufinden. Die Stadt fühlt sich wirklich an, als wäre sie lebendig und würde niemals schlafen, überall passiert was, irgendwas leuchtet – die Stadt steht einfach nicht still. Das Schwingen durch Manhattan fühlt sich wie die Kamerafahrt in einem Film an. Apropos Film: Es gibt sogar ein Cameo von Stan Lee und eine Mid-Credit und eine Post-Credit-Scene.
Und wir haben wirklich alles, was Spider-Man ausmacht. Geldprobleme, Probleme im Privatleben, flapsige Sprüche als Spider-Man und Netz-Action im Kampf – absolut so, wie wir es sehen wollen. Ich habe mich nur selten so als Teil des Spiels gefühlt.
Da haben mich die typischen Plotholes nicht mal gestört. Ich hab die Schnellreisefunktion nur selten benutzt, so gut fühlte sich diese Stadt einfach an.
Fazit
Holla, was war das für ein Ritt. Spider-Man erinnerte mich sehr an Arkham City, was das Gameplay angeht, aber ansonsten fühlt sich dieses Spiel genau so an, wie sich ein Film oder ein Comic anfühlt. Und das ist perfekt für ein solches Spiel. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil, dem Spin-Off Spider-Man: Miles Morales.
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala-
Story8/10
-
Gameplay7/10
-
Charakterauswahl10/10
-
Technik8/10
-
Immersion9/10
- Warum finden wir Remakes doof? - 6. September 2026
- Spider-Noir: Amazon setzt die Serie ab - 5. September 2026
- Marvel’s Spider-Man (PS4) - 2. September 2026







