Auf dem Mond LV-695 herrscht Tauwetter, welches tiefgekühlte Xenomorphe freisetzt.
Handlung
Auf dem Eismond LV-695 betreibt die Firma Talbot Engineering Inc. einen Außenposten, von dem aus die Wissenschaftlerin Batya Zahn und ihr einarmiger Kollege Dayton nach Wasser suchen. Allerdings hat sie noch einen Geheimauftrag, der außerirdische Lebensformen umfasst. Bei einer Eisbohrung entdeckt Zahns Tochter Zasha eine fremdartige Lebensform – eine spinnenartige Kreatur mit Säureblut. Dayton, der nach dem Unfalltod ihres Dads vor einem Jahr eine Art Ersatzvater für sie geworden ist, will die Kreatur nicht in seiner Nähe haben. Zasha bringt sie dennoch ihrer Mutter, welche sofort ihren Arbeitgeber über den brisanten Fund informiert.
Die hochschwangere Batya hofft darauf, dass der Fund ihr Ticket von der Eiswelt sein könnte. Ihre Nachricht wird jedoch von einem Raumschiff des Weyland-Yutani-Konzerns abgefangen, welcher die USCSS Boreas umgehend nach LV-695 schickt. Wenige Wochen später trifft Firmenvertreter Wendell Theen dort ein und informiert die drei Anwesenden, dass Talbot von Weyland-Yutani aufgekauft worden ist und Batya ihm sämtliche Forschungsdaten auszuhändigen hat.
Im Raumschiff legt Dayton sich mit Theen an und landet sogleich in einer Zelle. Zasha ergreift die Flucht und versteckt sich in den Lüftungsschächten der Basis, während sich ihre Mutter hartnäckig weigert, irgendwelche Informationen preiszugeben. Unterdessen macht sich ein Forscherteam auf, das drei Kilometer entfernte Bohrloch zu untersuchen. Doch was sie dort finden, ist nur der Tod.
Die Eisdecke bricht ein und gibt ein ganzes Nest von Xenomorphen frei. Diese töten alle Wissenschaftler auf der Flucht. In der Basis ist unterdessen der Facehugger, den Zasha aus dem Labor geholt hat, aufgetaut und springt einem Konzernsöldner ins Gesicht. Wenige Stunden später fallen dem frisch geschlüpften Xenomorphen weitere Mitarbeiter zum Opfer und eine Gewehrsalve löst eine Explosion aus, welche die halbe Station in Brand setzt.
Zwischenzeitlich hat sich Dayton aus seiner Zelle befreit und die letzten zwei Konzernmitarbeiter an Bord überwältigt. Er will, dass Batya und ihre Tochter sofort an Bord kommen, doch die will erst noch ihre Forschungsergebnisse sicherstellen. Ein schwerer Fehler, denn wenig später bricht das Eis ein und die Boreas versinkt im darunterliegenden Schmelzwasser. Von dort aus muss Dayton mit ansehen, wie eine Horde Xenomorphe auf die Basis zu schwimmt.
Alsbald wird der Außenposten von Xenomorphen überrannt und zu allem Überfluss schlüpft ein weiteres mutiertes Exemplar aus Batyas Labor aus einem Konzernsöldner. Sie selbst will ihre Arbeit retten, indem sie sich selbst Alien-DNS spritzt. Dies beschleunigt jedoch ihre Schwangerschaft, sodass auf dem Weg zur Landeplattform die Wehen einsetzen. Batya und ihr Sohn sterben beide bei der Geburt, sodass Zasha ihre gesamte Familie verliert. Einzig Dayton bleibt ihr noch, der in letzter Sekunde auftaucht, um sie vor einem mutierten Xenomorph zu retten.
Dayton, der sich als Androide herausstellt, begleitet Zasha zur Landeplattform, die dank der Schmelze inzwischen eisfrei ist. Dort begegnen ihnen jedoch zwei Weyland-Yutani-Söldner, die das Rettungsschiff für sich haben wollen. Nicht einmal das Mädchen wollen sie mitnehmen. Ein mutierter Xenomorph regelt das jedoch und Dayton opfert sich, damit wenigstens Zasha von LV-695 entkommen kann.
Rezension von Alien – Tauwetter
Mit Tauwetter setzt ein neuer Erzählzyklus ein, der zwar eine Anspielung auf den Band Blutlinien enthält, aber sonst eine eigenständige Geschichte erzählt. Dementsprechend wird neu ab 1 nummeriert. Im Zentrum des neuen Handlungsbogens steht die Familie Zahn, bestehend aus der Mutter Batya, der Tochter Zasha und Dayton. Letzterer ist allerdings nur der Ersatzvater, der den Namen von Zashas leiblichem Vater angenommen hat, der rund ein Jahr zuvor durch einen Unfall gestorben ist.
Die Drei leben auf dem Eismond LV-695, wo sie einen Forschungsaußenposten betreiben, der die Wasserreserven der Welt erkunden soll. Irgendwie wirkt die Basis etwas unterbesetzt und ebenso befremdlich wirkt es, dass man den Mangel an Wasser beklagt, obwohl es genügend Eis gibt. Das kann man ja nicht schmelzen oder so… Dafür schmilzt das Eis kurz darauf von alleine, was schon ein seltsamer Zufall ist. Man hätte das ja mit dem Orbit des Mondes erklären können, doch dann wäre es für die Protagonisten keine Überraschung mehr.
Im Eis findet Zasha jedenfalls einen Facehugger und Dayton scheint bereits eine Ahnung zu haben, dass das nichts Gutes bedeuten kann. Wie sich später herausstellt, forscht ihre Mutter schon seit längerem an den Xenomorphen, die in diesem Comic bei ihrem wissenschaftlichen Namen Internecivus raptor (dt. „mörderischer Räuber“) genannt werden. Warum Batya ausgerechnet diesen Fund an Talbot Engineering Inc. meldet, wird nur halbherzig damit erklärt, dass sie aufgrund ihrer Schwangerschaft endlich von der Eiswelt verschwinden möchte. Doch dann müsste sie ihre Forschungsarbeit zurücklassen, die ihr an späterer Stelle wiederum so ungemein wichtig ist, dass sie ihre Chance zur Flucht verpasst.
Die Lage eskaliert, als das Raumschiff USCSS Boreas vom Weyland-Yutani-Konzern eintrifft. Als der Konzern von dem Fund erfahren hat, kaufte er kurzerhand Talbot auf. Zumindest behauptet das der Firmenvertreter Wendell Theen. Wenn es stimmen sollte, würde das die unfassbare Macht von Weyland-Yutani unterstreichen. Dessen Söldner besetzen umgehend die Basis und ein Wissenschaftlerteam der Boreas wird zur drei Kilometer entfernten Ausgrabungsstelle geschickt. Dort erwachen genau im richtigen Moment die Xenomorphe und fallen über das Team her.
Bis zum Ende des Comics sterben so ziemlich alle Charaktere – entweder durch die aufgetauten Aliens oder durch die Infektion durch einen Facehugger. Die Xenomorphe der neusten Generation sind offenkundig stark mutiert, was in diesem Band noch nicht erklärt wird. Allerdings wird das erste Opfer von dem ursprünglichen, unveränderten Facehugger befallen, den Zasha im Eis gefunden hat. Da sollte eigentlich kein Mutant aus dem armen Opfer schlüpfen. Dessen Kameraden ballern auf den Chestburster und treffen dabei Chemikalienfässer, sodass die Anlage in die Luft fliegt. Kurioserweise kommt es an drei räumlich getrennten Orten der Basis zu Explosionen.
Der Untergang wird dadurch beschleunigt, was das Weyland-Yutani-Personal bindet und Dayton die Chance zum Ausbruch aus seiner Zelle an Bord der Boreas verschafft. Nun könnten Batya und Zasha, die er sofort informiert, endlich von der Eiswelt fliehen, doch der Hochschwangeren ist ihre Forschungsarbeit wichtiger. Sogar so wichtig, dass sie sich eines ihrer Ergebnisse injiziert und damit das Leben ihres Sohnes riskiert. Das ist noch schlimmer als während der Schwangerschaft Alkohol und Drogen zu konsumieren. Aufgrund dieses höchst fragwürdigen Experiments kommt ihr Sohn als Totgeburt zur Welt und sie stirbt wenig später ebenfalls. Was für eine ungeheuer fahrlässige Aktion!
Zasha nimmt die Leiche ihres Bruders zuerst mit und nachdem Dayton sie gerettet hat, bringt sie die Totgeburt zur Mutter zurück. Eine Sentimentalität, die sie fast das Leben kostet. Wenigstens ist Dayton zäher als gedacht, da er sich als Android herausstellt. Das erklärt zumindest, wie er mit nur einem Arm solch ungeheure Kräfte entwickeln kann. Am Ende opfert er sich selbst, um Zashas Flucht in den Weltraum zu decken.
Der Konzernvertreter Wendell erhält unterdessen seine gerechte Strafe in Form eines Facehuggers. Für einen Moment denkt man fast, er wäre ebenfalls ein Synth, da er nach einem Sturz mit gebrochenen Beinen noch aufstehen kann. Ähnlich sieht es mit einem seiner Söldner aus, dem ein Chestburster das halbe Gesicht vom Schädel reißt, was dieser jedoch wie einen harmlosen Kratzer wegsteckt. Liegen solche Superkräfte vielleicht daran, dass die Alien-Comiclizenz mit dem Kauf von 20th Century Fox durch Disney an Marvel gegangen ist?
Hoher Detailgrad in entsättigten Farben
Der Zeichenstil ist durchaus detailliert, wobei vor allem technische Strukturen wie die USCSS Boreas überzeugen können. Die Zentrale der Forschungsbasis gleicht dem Speisesaal der Nostromo, was für eine vertraute Umgebung sorgt. Die Söldner von Weyland-Yutani tragen zudem die aus Alien 3 (1992) bekannten Rüstungen. Ebenfalls perfekt umgesetzt sind die Xenomorphe, wobei es jedoch nur die aus dem ersten Kinofilm bekannten Drohnen sowie Mutanten zu geben scheint. Auf jeden Fall ist hier mit viel Liebe zu den Filmvorlagen gearbeitet worden.
Die Gesichter der Menschen hätten zuweilen etwas mehr Profil vertragen können, dennoch sind die Charaktere gut voneinander zu unterscheiden. Der Faltenwurf der Kleidung fällt akzeptabel aus. Alles in allem hat man sich hier die Zeit genommen, gute Arbeit abzuliefern. Zeit, die bei der Kolorierung vielleicht gefehlt hat. Diese ist oft etwas eintönig und teils sind die Farben sogar vollflächig aufgetragen. Die wenigen Farbverläufe sind meist geradlinig und gehen nicht mit der Oberfläche. Es mangelt dementsprechend an Glanzeffekten und realistischem Lichteinfall. Im Grabungsschacht besteht der Lichtkegel von Zashas Stirnlampe gar aus einem Halbmond mit einer Art Griff dran, was total deplatziert wirkt. Mit Leuchteffekten ist ebenfalls gespart worden, wobei die auf den Covern von Dike Ruan und Matthew Wilson deutlich mehr hervorstechen. Die kleine Variantcovergalerie am Ende enthält zudem eine schöne Bleistiftzeichnung des Autors Declan Shalvey, die einen Facehugger zeigt.
Fazit: Mal schauen, was draus wird…
Der Auftakt der neuen Reihe ist trotz einiger Logikfehler und teils unfassbar dummer Entscheidungen einiger Charaktere immer noch etwas besser als der erste Alien-Zyklus von Marvel. Im Prinzip kämpft hier eine Familie gegen den Weyland-Yutani-Konzern, was dem Thema eine neue Perspektive abgewinnt. Grafisch ist der Comic auf einem durchaus hohen Niveau, wobei die Kolorierung vielleicht etwas realistischer hätte sein können.
Info
Autor: Declan Shalvey
Zeichner: Andrea Broccardo
Farben: Tríona Farrell & Ruth Redmond
Verlag: Panini
Sonstige Informationen: Produktseite
Lust, in unserem Team mitzumischen? Dann schaut doch mal auf unsere MITMACHEN Seite.
Warpskala
Warpskala-
Story6/10
-
Zeichenstil9/10
-
Kolorierung6/10
- Alien – Tauwetter - 19. Mai 2026
- Wolfen (1981) - 14. Mai 2026
- Aliens – 5 – Der Alptraum (Feest) - 12. Mai 2026

