Zum Finale stellt sich auch hier die Frage, ob es die Serie schafft, dem Schatten ihres Schöpfers zu entkommen.
Wenn ein Projekt wegen einer Enthüllung leidet
Es gab wohl kein Projekt, das am meisten unter der Enthüllung von Neil Gaimans Taten gelitten hatte, wie Good Omens. Die Serie, die auf dem Buch und Ideen basierte, die der Autor gemeinsam mit Terry Pratchett hatte, war mitten in der Produktion der dritten Staffel, als die Anschuldigungen gegen Gaiman publik wurden. Mit der Konsequenz, dass die Arbeiten daran erst mal pausiert wurden, um zu sehen, wie es weitergehen würde.
Eine Konsequenz davon war, dass Neil Gaiman sich aus dem Projekt zurückzog. Er war zuvor Drehbuchautor und einer der Produzenten der Serie. Als er im Oktober 2024 nicht mehr Teil der Verantwortlichen war, wurde sich außerdem entschlossen, die dritte Staffel umzustrukturieren. Ursprünglich hätte sie sechs Episoden umfassen sollen. Am Ende wurden daraus 90 Minuten, also grob anderthalb Folgen.
Ebenso war lange Zeit offen, ob diese zusammengestrichene Season überhaupt gezeigt werden oder im Giftschrank verschwinden würde. Doch dann wurde bekannt, dass das Serienfinale ab dem 13. Mai 2026 auf Amazon Prime zu sehen war. Von dem Maincast kehrten natürlich David Tennant und Michael Sheen zurück.
Es tut weh
Es ist einiges an Zeit vergangen, seitdem Erziraphael wieder als Erzengel in den Himmel kam und dort das Sagen kriegte. Doch sein Fortgang sowie die Tatsache, dass er sich seitdem nie wieder auf der Erde hat blicken lassen, hat seine Spuren hinterlassen. Vor allem Crowley sein bester Freund und auch Geliebter leidet darunter. So sehr, dass er alles verloren hatte und sogar auf der Straße lebt, nachdem er seinen Bentley beim Glücksspiel verlor.
Doch dann geschehen im Himmel besorgniserregende Ereignisse. Eigentlich wollte dieser die Wiederauferstehung Jesus vorbereiten. Allerdings verschwinden dann zeitgleich der Metatron und das Buch des Lebens. Und in all der Aufregung macht sich auch noch der Sohn Gottes aus dem Staub. Weshalb Erziraphael wieder zurück auf die Erde kommt, um dort gemeinsam mit Crowley nach Jesus Christus zu suchen, derweil die anderen Erzengel nach dem Buch des Lebens und dem Metatron suchen sollen. Allerdings entwickelt sich dies alles anders, als geplant. Denn am Ende gibt es unter den Erzengeln einen Verräter.
Es tut irgendwo schon weh, dass mit Das Finale Good Omens zu Ende gegangen ist. Man hätte der Serie einen besseren Abschied gewünscht, auch wenn natürlich unter den Umständen ein Streamingfilm die beste Möglichkeit war. Und überwiegend ist es ein gelungener Abschied. Einer, bei dem man sich gut unterhalten fühlt.
Dinge haben sich geändert
Das Gute ist, dass der Film weiß, worauf es ankommt, was man als Zuschauer gerne sehen möchte. Und so wird auch nicht lange Zeit verschwendet, um Erziraphael und Crowley wieder zusammenzuführen. Was, wie üblich, grandiose Unterhaltung bietet.
Man merkt einfach, dass die beiden Darsteller David Tennant und Michael Sheen sich perfekt ergänzen. Dass sie sich gegenseitig die Bälle zuspielen und so wiederholt für Lacher sorgen. Wie etwas, als Erziraphael Crowleys Bentley mit einem Kreuzworträtselduell zurückgewinnt. Wobei man natürlich merkt, dass die beiden nicht mehr dieselben sind, wie noch in der ersten Season.
So ist Crowley nicht mehr so zynisch oder bissig unterwegs, wie noch zu Beginn der Serie. Inzwischen hat er eine Scheiß-Egal-Attitüde, mit der er durch die Gegend läuft. Derweil Erziraphael alles schrecklich leid tut, während er seinen grandiosen Plan verteidigt. Auch wenn dieser eher hanebüchen ist.
Ein gelungenes Casting
Großartig ist ebenfalls die Darstellung von Jesus Christus. Für diese Rolle wurde der Brite Bilal Hasna (Extraordinary) gecastet. Sein Jesus wirkt immer leicht von der aktuellen Situation, wo er sich befindet, überfordert. Er weiß, was von ihm erwartet wird, versucht dies auch irgendwie zu erfüllen. Doch gleichzeitig will er ebenso mehr über die Menschen erfahren. Und stößt hierbei auf einen Kartenspieler, der ihm die Regeln des Spiels beibringt. Zu sehen, wie er dabei die üblichen Sätze, die man von ihm erwartet von sich gibt, und gleichzeitig sehr nervös wirkt, ist süß.
Man merkt allerdings der Serie an, dass sie nicht mehr das Budget der ersten oder zweiten Staffel hatte. Weshalb auch der Cast drastisch zusammengestrichen wurde. Nahezu alle Bewohner der Straße, in der Erziraphael seinen Buchladen hatte, tauchen nicht mehr auf. Nur noch die Cafebesitzerin, die sich seit seinem Verschwinden stark verändert hat. Wie auch die gesamte Straße, was dann ebenso als Erklärung dafür dient, dass seine ganzen Nachbarn nicht mehr zu sehen sind.
Der zusammengestrichene Cast zeigt sich auch in der Hölle, die in dieser Folge zwar auftaucht. Aber nicht wirklich eine Rolle spielt. Das ist schade, wenn man bedenkt, welche Rolle diese in den letzten beiden Staffeln gespielt haben.
Mehr Episoden wäre mehr gewesen
Das Gute ist, man merkt kaum, dass die dritte Staffel ursprünglich mehr Episoden umfassen sollte. Hier haben die Drehbuchautoren Michael Marshall Smith und Peter Atkins wirklich gute Arbeit geleistet. Wobei Neil Gaiman ebenfalls mit den beiden in den Credits genannt wird. Vermutlich hat er zu Beginn der Produktion mit an denen gesessen, ehe dann nach seinem Fortgang die zwei anderen die restliche Arbeit gemacht haben.
Doch wie gesagt, man merkt es kaum. Es gibt einige Plots, die sehr stark abgekürzt wirken. Der Subplot um Crowleys Bentley und den Gangster, der diesen gewonnen hat, ist da ein gutes Beispiel für. Auch die Enthüllung, wer der wahre Übeltäter ist und was mit ihm geschieht, hätte deutlich mehr Raum vertragen könne, damit diese Person mehr hätte ausgebaut werden können.
Doch am Ende ist das Kritik auf hohem Niveau. Denn trotz allem ist dies ein guter Abschluss für eine wunderbare Serie.
Info
Drehbuch: Story: Neil Gaiman, Drehbuch : Neil Gaiman und Michael Marshall Smith und Peter Atkins
Regie: Rachel Talalay
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