Dr. Paul Church erzählt von seiner ersten Begegnung mit den Xenomorphen.
Handlung
Col. Dr. Crespi und Lt. McGuinness werden im Geheimlabor der Innominata-Station von Dr. Church gestellt, der mit seinen übermenschlichen Kräften die Frau am Kragen packt und den Colonel entwaffnet. Nachdem die beiden sich beruhigt haben, erzählt er ihnen seine Lebensgeschichte. Vor 32 Jahren war er als Zwanzigjähriger auf dem Raumschiff Incunabulum unterwegs zu einer Terraformingkolonie. Auf einem Mond wollte die Crew nur einen kurzen Zwischenstopp einlegen, um eine Timebox abzuholen. Dabei sind sie auf ein verlassenes Raumschiff gestoßen und wurden kurz darauf von Xenomorphen entführt.
Die Aliens haben die Menschen jedoch weder getötet, noch sofort in die Eikammer ihres Nestes gebracht. Stattdessen haben sie grausame genetische Experimente an ihnen vorgenommen. Church wurde zunächst verschont und konnte sich nach Tagen, die er eingewebt an einer Wand verbrachte, sogar frei im Nest bewegen. Dort stellte er fest, dass es von einem schwarzen Schimmelpilz befallen war, dessen Toxin sich tödlich auf die Xenomorphe auswirkte. Er vergiftete daraufhin ihre Nahrungsquellen und konnte schließlich entkommen.
Nach dieser Geschichte tischt der Doktor dem Colonel auf, dass McGuinness eine Spionin der konkurrierenden Grant Corporation sei und sie gar nicht mit dem toten Lennox verlobt war, sondern dieser stattdessen sein Geliebter gewesen wäre. Crespi glaubt dem Wahnsinnigen und treibt auf dessen Befehl hin Guinness ins Versuchslabyrinth. In der Grube muss er jedoch feststellen, dass Church ihn erneut reingelegt hat. Er wird gemeinsam mit der Lieutenant eingesperrt und stirbt bei dem Versuch, den Xenomorphen zu entkommen. McGuinness schafft es derweil, aus einer anderen Grube empor zu springen und den Doktor zu überwältigen, wird aber daraufhin verhaftet.
Rezension von Aliens: Der Alptraum
Der Titel dieses Comics ist Programm. Was Paul Church als junger Mann erlebt hat, spottet jeder Beschreibung. Was Xenomorphe normalerweise mit Menschen anstellen, ist ja schon schlimm genug, doch dieser Stamm führt grausame Experimente an seinen Opfern durch. Moment mal, Experimente? Sind die Viecher dafür überhaupt schlau genug? In den Filmen besitzen sie zwar eine gewisse rudimentäre Intelligenz und strategisches Denkvermögen, jedoch eher auf dem Niveau von Ameisen. Die Aliens haben weder eine ausgeprägte Kultur und Sprache noch technisches Verständnis. Dies bräuchte es aber, um genetische Forschung zu betreiben.
Das Ergebnis ist jedenfalls grauenhaft. Sie bringen die Crewmitglieder der Incunabulum mittels verschiedener Substanzen zum Mutieren. Dr. Church spinnen sie zunächst ein und füttern ihn mit Leichenteilen. Später lassen sie ihn wieder frei und drängen ihn dazu, bei Experimenten zu helfen. Darunter eine Geburt von Mensch-Xenomorph-Hybriden. Solche Hybride gab es im Film-Franchise erst später in Aliens: Die Wiedergeburt (1997), doch da waren sie das Ergebnis menschlicher Hochtechnologie. Wie die Xenomorphe das hinbekommen haben sollen? Eine Vergewaltigung kommt jedenfalls nicht infrage, da die Drohnen keine Geschlechtsorgane haben.
Wenig später verlangen die Xenomorphe von Dr. Church, dass er seine eigene verstümmelte Mutter begatten soll, was noch weit widerwärtiger als der ganze Body-Horror ist. Paul bringt es jedoch nicht über sich, sondern tötet seine Mutter, der bereits Arme und Beine ausgerissen worden sind. Daraufhin landet er wieder eingesponnen an einer Wand und soll von einem Facehugger befruchtet werden. Der ist jedoch schon durch den schwarzen Schimmel mehr tot als lebendig. Warum Paul nicht unter dem Schimmeltoxin leidet, bleibt ein Rätsel.
Nachdem alle Xenomorphe verendet sind, kann er sich befreien und operiert sich an Bord der Incunabulum den Chestburster eigenhändig aus der Brust. Danach wird er von einem Drop Ship abgeholt, welches auf seinen Notruf reagiert hat. Sofern die Geschichte, die Church erzählt hat, der Wahrheit entspricht, würde dies seinen Wahnsinn erklären. Er ist in einem Maße traumatisiert, das der Hölle gleichkommt, was er auch selbst so benennt.
Colonel Crespi ist von den Schilderungen derart angetan, dass er dem Doktor glaubt, er würde mit seiner Forschung die Xenomorphe ausrotten wollen. Er glaubt ihm sogar die Anschuldigungen gegen McGuinness, wobei er es eigentlich besser wissen müsste. Church soll mit Lennox liiert gewesen sein? Damit erinnert er nicht nur optisch an Dr. Ocun aus Independence Day (1996), der in Independence Day: Wiederkehr (2016) ebenfalls schwul war. Allerdings kamen diese Filme erst nach dem Comic.
Jedenfalls fällt Crespi tatsächlich zum zweiten Mal auf ihn herein und glaubt, an den geschändeten Leichen, die mal ohne Kopf, mal ohne Körper in seinem Labor vor sich hin mutieren, sei irgendetwas Gutes. Er treibt McGuinness in die Grube, wo er prompt selbst landet und von Dr. Church eingesperrt wird. Der will – welch Überraschung – die Aliens gar nicht ausrotten, sondern betrachtet sich selbst als das Nest. Dem Colonel bleibt kaum Zeit, seinen Fehler zu bereuen. Im Labyrinth wird er erst am Rücken verletzt und dann auch noch von einem Xenomorphen verätzt, bevor er einen garstigen Tod stirbt.
McGuinness schafft es derweil, aus der Grube zu springen. Das sind geschätzt um die sieben bis acht Meter, was kein Mensch schaffen würde. Ein Synth ist sie aber auch nicht. Sie scheint einfach aus dem Nichts Superkräfte entwickelt zu haben, denn plötzlich kann sie Church fast tot prügeln, obwohl der ihr kurz zuvor noch körperlich weit überlegen war. Er landet in der Grube, wo er einem Xenomorphen gegenübersteht. Doch offenkundig überlebt er das Attentat und wacht auf der Krankenstation wieder auf.
Dort besucht ihn Admiral Thaves, der wieder einmal eine wenig bedeutsame Nebenrolle spielt und lediglich die Ereignisse aus Sicht des Doktors bestätigt. Was genau aus McGuinness geworden ist, erfährt man nicht, aber Col. Dr. Crespis Leichnam hat es in Churchs Gruselkabinett verschlagen.
Ort der Finsternis
Ein Großteil des Bandes spielt sich im Alien-Nest ab, wo es nicht nur von der Stimmung her sehr finster ist. Um die Dunkelheit zu unterstreichen, sind die Seitenränder während der Rückblende schwarz statt weiß. Vom Stil her stimmt jedoch etwas nicht mit dem Nest. Obwohl es äußerlich an den Entwurf von H. R. Giger (1940-2014) angelehnt ist, wirkt es viel zu technologisch und weniger organisch. Innen erweckt es ebenfalls den Eindruck, als sei es von der Spezies der Ingenieure gebaut worden und nicht von Xenomorphen. Es sieht aus wie das Raumschiffwrack auf Archeron.
Das Landungsschiff, welches Dr. Church rettet, ähnelt stark den Drop Ships aus Aliens – Die Rückkehr (1986), obgleich die graue Farbe nicht passt. Die Xenomorphe sind durchgehend gelungen und halten sich sehr akkurat an die Filmvorlage, wenn auch nicht von ihrem Verhalten her. Bei den Menschen gibt es dagegen wieder starke Probleme mit den Fingern. Die scheinen alle Rapper der West-Coast zu sein oder schlichtweg verkrampfte Hände zu haben, die in der Geste eingefroren sind.
Die Farben sind einigermaßen passend, doch wie schon im ersten Teil in ihrer Vielfalt stark eingeschränkt und frei von natürlichen Effekten.
Fazit: Ein wahrhaftiger Alptraum
Wer die Alien-Filme schon zu gruselig findet, sollte lieber die Finger von diesem Comic lassen. Selbst für hartgesottene Horror-Fans dürften einige Details deutlich zu weit gehen. Was im Alien-Nest geschieht, erweckt den Eindruck, als hätte hier jemand seine perversesten Fantasien ausgelebt. Obendrein ist es kaum mit dem Kanon der Filme vereinbar, denn die Xenomorphe sind viel zu intelligent. Immerhin grafisch sind sie gut umgesetzt, was man von den Menschen nicht immer sagen kann. Ein visueller Genuss ist der Comic aufgrund des extremen Body-Horrors dennoch nicht.
Info
Autor: Jim Woodring
Zeichner: Kilian Plunkett
Farben: Matt Hollingsworth
Verlag: Feest Comics
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Warpskala
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