In New York kommt es zu einer Mordserie, für die Wölfe verantwortlich sind.
Wölfe und Natives
Im New Yorker Battery Park werden der Immobilienmakler Christopher van der Veer (Max M. Brown), seine Frau Pauline (Anne Marie Pohtamo) und ihr Leibwächter bei einem nächtlichen Spaziergang massakriert. Detective Dewey Wilson (Albert Finney) ist zunächst ratlos und auch sein Kollege Whittington (Gregory Hines) kann nur spekulieren. Steckt vielleicht eine Terrorgruppe namens Götterdämmerung hinter den Morden, die aktuell Schlagzeilen macht? Um der Sache auf den Grund zu gehen, erhält Wilson zusätzliche Unterstützung von der Psychologin Rebecca Neff (Diane Venora).
Die erste heiße Spur sind Haarproben, die von Wölfen stammen. Der Zoologe Ferguson (Tom Noonan) erklärt Wilson, dass Wölfe zur gleichen Zeit wie die amerikanischen Ureinwohner an den Rand der Ausrottung getrieben wurden. Diese Verbindung bringt Wilson auf eine Idee. Könnte der indigene Aktivist Eddie Holt (Edward James Olmos) etwas mit den Morden zu tun haben? Er stattet ihm während der Arbeit auf einer Brücke einen Besuch ab, doch aus dem einstigen Extremisten ist ein ehrlicher Arbeiter geworden, der einfach nur über die Runden kommen will. Bei dieser und einer weiteren Gelegenheit verspottet Holt den Ermittler, indem er behauptet, sich in einen Wolf und andere Tiere verwandeln zu können.
Zwischenzeitlich werden in der Bronx weitere Leichen entdeckt, diesmal von Obdachlosen und Fixern. In einer Kirchenruine des Abrissviertels hören Wilson und Neff ein Heulen. Nachts geht Wilson dort mit Whittington auf die Jagd, wobei Letzterer von einem Wolf angefallen und getötet wird. Bei der weiteren Recherche in van der Veers Apartment erklärt Wilsons Vorgesetzter Warren (Dick O’Neill) den Fall für gelöst. Die Terrorgruppe Götterdämmerung stecke hinter dem Mord an dem Immobilienmakler und dessen Frau. Einer habe ein Wolfsfell getragen.
Kurz darauf wird Warren eines Besseren belehrt, denn auf der Wall Street werden er, Wilson und Neff von einem Wolfsrudel umzingelt. Der Captain macht den Fehler, seine Waffe zu ziehen, was ihm den Kopf kostet. Wilson und Neff flüchten derweil zurück ins Apartment des toten Immobilienmaklers. Als die Wölfe sie dort erneut umstellen, legt der Ermittler seine Waffe nieder und zerstört ein Modell der Gebäude, die van der Veer in der Bronx geplant hatte. Die Wölfe verstehen die Botschaft und verschwinden daraufhin.
Zwei verdrängte Gruppen
Was wie ein scheinbarer Werwolf-Horrorfilm beginnt, entwickelt sich zunächst zu einem Krimi und schlussendlich zu einem Ökothriller. Es geht um Gentrifizierung und Verdrängung der Natur. In der Romanvorlage von Whitley Strieber, der Anfang der 1980er ein ähnlich erfolgreicher Horror-Autor wie Stephen King war, standen dabei einzig die Wölfe als verdrängte Art im Vordergrund. Regisseur Michael Wadleigh ergänzte die amerikanischen Natives, wobei die Mohawk aufgrund ihrer Schwindelfreiheit tatsächlich wie im Film dargestellt als Bauarbeiter auf Wolkenkratzern und Brücken tätig waren.
Der Zoologe Ferguson, welcher eine Verbindung zwischen Wölfen und Natives zieht, findet deutliche Worte der Kritik am Kolonialismus und spricht in diesem Zusammenhang vom „Rassenmordexpress“. Im modernen New York setzt sich die Verdrängung der Wölfe in Form der Gentrifizierung fort. Die Bronx ist das Jagdrevier der Wölfe, die sich von den Obdachlosen und anderen Ausgestoßenen ernähren, die niemand vermisst. Doch das Viertel wird abgerissen und soll einem modernen Gebäudekomplex weichen, weshalb der Immobilienmakler van der Veer kein Zufallsopfer ist.

Die Bilder der Bronx muten an wie der Schauplatz eines Krieges und tatsächlich sah das Viertel zu Beginn der 1980er wie ein Trümmerfeld aus. Lediglich die verlassene Kirche wurde als Set für den Film errichtet, der Rest der Umgebung war real. Ebenso real waren die Leichen in der Pathologie, abgesehen von denen der Wolfsopfer, sowie die Wölfe selbst, was nicht ganz ungefährlich für die Schauspieler war. Die Makeup-Effekte beschränkten sich daher auf ein paar abgebissene Hände und Köpfe.
Verwandlungen von Werwölfen gibt es keine zu sehen, weshalb Wolfen streng genommen ein Tierhorror ist. Die Natives scheinen sich der Wölfe zwar bewusst zu sein, haben aber sonst keine Verbindung zu ihnen. Holt verhöhnt den Detective lediglich mit seiner gespielten Verwandlung. So kann auch niemand für die Morde verantwortlich gemacht werden. Und vor den Wölfen gibt Wilson schließlich klein bei, weil sich bei ihm ein Problembewusstsein für die Verdrängung der Natur durchsetzt. Seine Unterhaltung mit Holt und einem alten Häuptling in einer Bar ist diesbezüglich eine Schlüsselszene, in der das Kernthema des Films perfekt auf den Punkt gebracht wird.
Zu viel nackte Haut
Der durchaus ambitionierte Film krankt leider an seiner Langatmigkeit. Viele Szenen ziehen sich wie Kaugummi und tatsächlich war der Film sogar auf über vier Stunden angelegt. Als sich die Dreharbeiten verzögerten und das Budget von 11 auf 17 Mio. US-Dollar explodierte, geriet das Studio mit dem Regisseur in Streit, der vor Gericht entschieden werden musste. Wadleigh bekam zwar in einigen Punkten Recht, dennoch kürzten die Produzenten den Film auf knapp unter zwei Stunden herunter. Darüber verärgert, drehte er daraufhin nie wieder einen Film und beschränkte sich darauf, sein umfangreiches Filmmaterial von Woodstock neu zusammenzuschneiden.
Neben dem teils zähen Erzähltempo stören vor allem die zahlreichen Nacktszenen. Musste Eddie Holt wirklich alle Hüllen fallen lassen, um dem Detective am nächtlichen Strand einen Wolf vorzuspielen? Wilson landet seinerseits mit seiner Kollegin Rebecca im Bett, was allerdings nur aus der Infrarotsicht eines Wolfes zu sehen ist. Am verstörendsten sind schlussendlich die nackten Leichen in der Pathologie, zumal es sich um echte Tote handelt. Diese Geschmacklosigkeit stimulierte bei einigen Darstellern den Brechreiz und lässt den Film um einiges düsterer wirken, als nötig gewesen wäre.
Die Splattereffekte sind soweit okay, allerdings hätte man auf eklige Details wie z. B. die Maden am abgetrennten Kopf eines Junkies verzichten können. Der Junkie hat zuvor eine Pentagrammkette gegen Dope eingetauscht und auch der Leibwächter des ermordeten Ehepaares hat einen Pentagrammring getragen. Wilson spekuliert daraufhin, ob er einem okkulten Voodoo-Orden angehört haben könnte. Das wäre vielleicht interessant gewesen, wenn damit eine falsche Fährte zu diesem Orden gelegt worden wäre, doch endet diese Spur sofort im Nichts, da der Verdacht umgehend auf die Terrorgruppe Götterdämmerung fällt. Diese Symbolik wirkt daher deplatziert und trägt nichts zur Handlung bei, wenn man einmal davon absieht, dass die Pentagrammträger einen teuflischen Tod sterben. Ebenso wird durch die Rolle der Psychologin Rebecca Neff eine falsche Fährte gelegt, da sie sich zuvor mit extremistischen Gruppierungen befasst hat und daher als Expertin zu Rate gezogen wird.
Das Tötungsmuster der Wölfe ist auch nicht immer nachvollziehbar. Der Drogenjunkie gehört zur regulären Beute und die van der Veers waren gezielte Tötungen, da der Immobilienhai den Lebensraum der Wölfe angegriffen hat. Ferner reagieren diese auf Bedrohungen, was unter anderem Whittington sowie Polizei-Captain Warren das Leben kostet. Doch warum muss der Zoologe Ferguson dran glauben? Er sympathisierte immerhin mit den Wölfen und gab sich kurz zuvor am Telefon sogar als Peter Wolf aus, was natürlich eine Anspielung auf Peter und der Wolf ist.
Cast und Soundtrack
Hauptdarsteller Albert Finney (1936–2019) kommt in seiner Rolle des Polizeiermittlers nicht so richtig in Fahrt und die Romanze mit seiner Kollegin kann nicht wirklich überzeugen. Der mehrfach ausgezeichnete Mime hatte definitiv bessere Rollen, wobei er den Oscar, für den er mehrmals nominiert wurde, nie mit nach Hause nehmen durfte.
Sein Schauspielkollege Gregory Hines (1946–2003) sieht in Wolfen aus wie eine afroamerikanische Version von Vincent Schiavelli (1948–2005) und starb wie dieser viel zu früh an Krebs. Für die Rolle des Whittington musste er seinen Hintern entblößen, was gewiss nicht zu den Höhepunkten seiner Karriere zählte. Zumindest musste er aber nicht auch noch seine Genitalien präsentieren wie Edward James Olmos. Dessen Rolle ist durchaus interessant, allerdings ist er selbst kein Native, sondern mexikanischer Abstammung. Sci-Fi-Fans sollte er als Gaff aus den Blade Runner-Filmen sowie als Admiral Adama aus Battlestar Galactica bekannt sein.
Der Soundtrack dürfte derweil insbesondere Trekkies bekannt vorkommen. Das Hauptthema, welches auch im Menü der Blu-Ray zu hören ist, wandelte James Horner (1953–2015) für die Schlachtszenen in Star Trek II: Der Zorn des Khan (1982) ab und recycelte es zudem für Aliens – Die Rückkehr (1986). In den 1980ern kopierte er sich noch öfter selbst.
Fazit zu Wolfen: Mehr Tierhorror als Werwolf-Film
Das Kernthema von Wolfen hat großes Potential, was in Teilen auch umgesetzt wird. Außerdem hat der Film einige bemerkenswerte Stadtansichten von New York zu bieten. Leider sind auch einige gorige Szenen und viel nackte Haut mit dabei, was den Film streckenweise etwas zu düster und schmutzig erscheinen lässt. Insgesamt lässt der Streifen die Zuschauer mit gemischten Gefühlen zurück, gilt aber nicht ohne Grund als Kultfilm.
Erschienen ist er als Mediabook, aber leider noch nicht in 4K. Die Blu-Ray enthält eine ausführliche Making of-Doku von rund einer Dreiviertelstunde sowie erweiterte Szenen. Das Booklet geht auch auf die Romanvorlage von Whitley Strieber ein, der das Horror-Genre hinter sich ließ, um sich dem UFO-Entführungsthema zu widmen, von dem er selbst betroffen sein will.
Dem Autor des Booklet ist dabei allerdings ein peinlicher Fauxpas unterlausen, indem er Strieber eine Ehe mit Betty Hill (1919–2004) angedichtet und seine UFO-Begegnung ins Jahr 1961 datiert hat. Betty Hill hatte ihre Begegnung tatsächlich 1961, jedoch mit ihrem Ehemann Barney Hill (1922–1969). Whitley Strieber hatte mit den beiden nichts zu tun und machte erst später eigene Erfahrungen, die er in seinem Buch Communion zusammenfasste, welches 1989 verfilmt wurde.
Info
Regie: Michael Wadleigh
Drehbuch: David Eyre & Michael Wadleigh
Musik: James Horner
Kamera: Gerry Fisher
Schnitt: Marshall M. Borden, Martin J. Bram, Dennis Dolan & Chris Lebenzon
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